Raymond van Barneveld, fünffacher Darts-Weltmeister und über Jahre das Aushängeschild des niederländischen Dartsports, spricht offen darüber, warum seine Interviews in den vergangenen Jahren oft von Emotionen und Dunkelheit geprägt waren. In einer Vorschau auf die Sendung „Stars on the Screen“ gewährt der Niederländer tiefe Einblicke in seine Kindheit – und erklärt, wie diese Zeit sein Verhalten und seine Gefühlswelt in späteren Phasen seiner Karriere beeinflusst hat.
Der Darts-Star ist Fans nicht nur wegen seiner großen Titel bekannt, sondern auch wegen einer Reihe aufwühlender Interviews nach schmerzhaften Niederlagen. Besonders in Erinnerung blieb sein Auftritt nach dem Aus bei der
Darts WM 2019 gegen Darin Young. Damals sprach van Barneveld von Selbsthass und dem Gefühl, dass das Leben kaum Sinn habe. Heute erklärt er, dass diese Reaktionen aus tief sitzenden Unsicherheiten stammen.
„Meine ganze Kindheit ist an mir vorbeigegangen“
„Ich habe mich immer wie ein Versager gefühlt“, sagt van Barneveld. Dieser Gedanke begleitet ihn nach eigener Aussage seit seiner Kindheit. Der ehemalige Weltmeister berichtet, dass er ohne Freunde aufgewachsen ist.
„Ich hatte keine Freunde in der Nachbarschaft“, erzählt er. Das habe bedeutet, dass ihm viele Erfahrungen fehlten, die für andere Kinder ganz selbstverständlich waren. „Wenn man Freunde und Freundinnen hat, lernt man natürlich voneinander. Das Leben auf der Straße, das Ausgehen, der Kinobesuch. Das ist alles an mir vorbeigegangen.“
Im Dartsport fand van Barneveld schließlich einen Ort, an dem er sich anerkannt fühlte. Seine Erfolge veränderten, wie andere Menschen ihn wahrnahmen. Doch selbst die großen Titel konnten seine Zweifel nicht auslöschen.
„Weil natürlich meine ganze Kindheit an mir vorbeigegangen ist, in der im Grunde alles gescheitert ist. Nichts hat wirklich geklappt“, sagt er, bevor Moderator Özcan Aykol einwirft, dass es normal sei, wenn in jungen Jahren nicht alles funktioniert. Van Barneveld reagiert darauf mit einem klaren Satz: „Ja, aber nicht alles, oder?“
Als weiteres Beispiel nennt der Niederländer seine Zeit an einer Tischlerschule. Nach eigenen Worten konnte er nicht einmal einen Nagel ordentlich in die Wand schlagen. „Ich fühlte mich immer wie ein Versager. Alles, was ich anfasste, fiel auseinander. Ich konnte nie etwas auf Anhieb richtig machen“, erinnert er sich.
Mit drei Darts in der Hand änderte sich sein Leben. Van Barneveld entwickelte sich zum vierfachen Weltmeister bei der BDO und gewann später einmal die Weltmeisterschaft bei der PDC. Trotzdem spürt er, dass ihn Niederlagen in seiner späteren Karriere emotional zurückwerfen können. „Dann verfällt man tatsächlich wieder in dieses Ereignis: Siehst du, du kannst immer noch nichts.“
Van Barneveld wird auch in diesem Jahr wieder bei der PDC Darts WM auf der Bühne stehen.
Am Mittwoch, den 17. Dezember, trifft er dort auf Stefan Bellmont.