„Ich ärgere mich genauso wie ihr über den World Grand Prix“ – Michael van Gerwen spricht über sein erneutes Erstrunden-Aus

PDC
durch Nic Gayer
Michael van Gerwen (2)
Michael van Gerwen erlebt bislang nicht die Saison, die er sich erhofft hatte. Beim World Grand Prix 2026 erwischte es den 37-jährigen Niederländer erneut bereits in der ersten Runde – eine Enttäuschung, die den dreifachen Weltmeister sichtlich beschäftigt. Den Kopf in den Sand zu stecken, kommt für „Mighty Mike“ allerdings nicht infrage. In seinem jüngsten YouTube-Livestream sprach van Gerwen offen über seine aktuelle Form, seine Ambitionen und die Konkurrenz. Dabei erinnerte er sich auch an ein außergewöhnliches Trainingserlebnis mit Phil Taylor.
Zunächst blickte van Gerwen auf sein frühes Aus beim World Grand Prix zurück. In Leicester unterlag er Ryan Joyce mit 1:2 und scheiterte damit zum dritten Mal in Folge bereits in der Auftaktrunde. Die Niederlage fügt sich in ein bislang enttäuschendes Major-Jahr ein: Bei den ersten fünf Majors der Saison gelang van Gerwen kein einziges Mal der Sprung ins Viertelfinale.

Van Gerwen hadert mit verpassten Doppeln: „Dieses Match hätte ich nicht verlieren dürfen“

Auch abseits der Rankingturniere musste van Gerwen in dieser Saison einige Rückschläge verkraften. In der Premier League belegte er lediglich den sechsten Platz, bei den World Series of Darts Finals war gegen Daryl Gurney bereits in Runde eins Schluss. Besonders bitter: Van Gerwen ließ in dieser Partie sechs Matchdarts ungenutzt.
Michael van Gerwen blickt nachdenklich.
Michael van Gerwen steckt sportlich in einer schwierigen Phase, gibt sich jedoch kämpferisch und hat eine klare Botschaft an Luke Littler.
Die Probleme auf den Doppelfeldern begleiteten ihn auch beim World Grand Prix. Van Gerwen weiß deshalb genau, wo er in den kommenden Wochen ansetzen muss. „Ich will etwas sagen. Natürlich wäre ich auch lieber in Leicester gewesen. Wenn du so viele Doppel verpasst, musst du zurück ans Trainingsboard“, erklärte van Gerwen in seinem Stream. „Ich ärgere mich genauso wie ihr über den World Grand Prix, denn dieses Match hätte ich nicht verlieren dürfen.“
Seinen Frust versucht der Niederländer nun vor allem in zusätzliche Arbeit zu investieren. „Es ist wirklich nervig. Aber ich arbeite hart und will sicherstellen, dass ich weiter Zeit in mich investiere, damit ich stärker zurückkomme.“

„Ein Turniersieg und alles ändert sich“

Auch wenn die Ergebnisse bislang deutlich hinter seinen eigenen Ansprüchen zurückbleiben, betont van Gerwen, dass es keineswegs an mangelndem Einsatz liegt. Neben harter Arbeit spiele allerdings auch das Selbstvertrauen eine entscheidende Rolle. „Ich trainiere wirklich sehr hart. Natürlich hat es auch mit Vertrauen und allem Drumherum zu tun. Es ist nicht einfach, aber ich komme da durch. Macht euch keine Sorgen.“
Dass hinter ihm eine schwierige Phase liegt, will der dreifache Weltmeister gar nicht bestreiten. Aufgeben kommt für ihn dennoch nicht infrage. „Natürlich hatte ich eine harte Zeit, aber gib niemals auf. Weiterkämpfen.“
Gleichzeitig ist sich van Gerwen bewusst, dass er in der kommenden Zeit viele Matches benötigt. Mittlerweile ist der Niederländer bis auf Rang neun der Weltrangliste abgerutscht und möchte deshalb möglichst viele Turniere bestreiten, um sich wieder nach vorne zu arbeiten. „Ich muss immer mehr Turniere spielen für meine Rangliste. Wir werden sehen, wie es läuft.“
Van Gerwen weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell sich die Vorzeichen im Darts verändern können. Eine einzige erfolgreiche Woche könne genügen, um das verlorene Selbstvertrauen vollständig zurückzugewinnen. „Weißt du, ein Turniersieg und alles ändert sich. So funktioniert das. So schnell kann es gehen. Und lass die Hater einfach Hater sein.“

Taylor verblüffte van Gerwen mit sechs 180ern in Serie

Im selben Livestream wurde van Gerwen auch nach seinen Trainingseinheiten gefragt – genauer gesagt nach der höchsten Anzahl an 180ern, die er jemals hintereinander geworfen hat. Die Frage weckte bei ihm die Erinnerung an einen außergewöhnlichen Moment vor beinahe zwei Jahrzehnten, als er gemeinsam mit Vincent van der Voort Phil Taylor beim Training beobachtete.
„Die meisten 180er, die ich nacheinander geworfen habe? Vier oder fünf. Aber ich kann euch eine Geschichte erzählen. Vincent und ich saßen früher, ich denke vor etwa achtzehn Jahren, auf einem Stuhl und haben Phil Taylor beim Training zugesehen.“
Was anschließend geschah, hinterließ bei den beiden Niederländern bleibenden Eindruck. Taylor warf ein Maximum nach dem anderen. „Wir sahen ihm zu und er warf 180, 180. Wir dachten, er geht auf den 9-Darter, aber nein: wieder 180. Vielleicht jetzt? Nein, erneut 180.“
Taylor blieb unbeirrt auf der Triple-20 und produzierte schließlich sechs Maxima hintereinander. Van Gerwen und Van der Voort konnten nur staunen. „Wir sahen ihn sechs 180er hintereinander werfen. Es war wirklich verrückt. Ich selbst habe, glaube ich, maximal vier am Stück geworfen, oder so.“
Mit seinen 16 Weltmeistertiteln ist Taylor nach wie vor der erfolgreichste Spieler in der Geschichte des Sports. Van Gerwen selbst durfte die Sid Waddell Trophy bislang dreimal in die Höhe stemmen – 2014, 2017 und 2019. Dennoch geht der Niederländer davon aus, dass ihn eines Tages ein anderer Spieler in dieser Kategorie übertreffen wird.
Van Gerwen traut Luke Littler zu, im Laufe seiner Karriere mindestens fünfmal Weltmeister zu werden. „Wir wissen alle, dass Littler ein guter Spieler ist. Das wissen wir. Natürlich denke ich auch, dass er mindestens fünffacher Weltmeister wird.“
Wie viele WM-Titel Littler tatsächlich sammeln kann, hängt für van Gerwen vor allem davon ab, wie lange der Engländer seine Karriere fortsetzt. An dessen spielerischen Voraussetzungen hat er jedenfalls keine Zweifel. „Es hängt natürlich davon ab, wie lange er spielt. Aber mit seinen Qualitäten: mindestens fünf.“
Dass van Gerwen der neuen Generation deshalb kampflos das Feld überlassen möchte, bedeutet das allerdings keineswegs. Trotz seiner derzeitigen Durststrecke ist der Niederländer weiterhin von seinen eigenen Möglichkeiten überzeugt. Zum Abschluss richtete er eine unmissverständliche Botschaft an Littler und seine Fans: „Aber macht euch keine Sorgen. Ich bin da, um ihn aufzuhalten.“
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