Im Juli 2005 steht ein 20-Jähriger aus Stoke-on-Trent im MGM Grand von Las Vegas und kann sein Glück kaum fassen. Am Roulettetisch hat er gewonnen, danach gewinnt er an einem Zwei-Dollar-Automaten, wechselt an einen Fünf-Dollar-Automaten und landet dort den Jackpot. Kurz darauf stehen Sicherheitsleute neben ihm, und der Gewinn ist verloren, bevor er ihn überhaupt in der Hand hält. Aus dieser Nacht stammt einer der bekanntesten Spitznamen der Darts-Geschichte. Adrian Lewis heißt seitdem „Jackpot“.
Die Desert Classic als Bühne der PDC
Nach Las Vegas war Lewis eigentlich wegen der Darts gekommen. Die PDC richtete
von 2002 bis 2009 die Las Vegas Desert Classic aus, ab 2006 im Mandalay Bay. Für die Profis aus England und den Niederlanden war das Turnier ein Ausflug in eine andere Welt. Zwischen Bühne und Hotelzimmer lagen Spielsäle, die rund um die Uhr geöffnet hatten. Lewis reiste als Schützling von
Phil Taylor an, der ebenfalls aus Stoke-on-Trent stammt und mit dem jungen Talent regelmäßig trainierte. Sportlich spielte der 20-Jährige in Las Vegas noch keine Rolle. Seine eigentliche Geschichte schrieb er in jenem Sommer an einem ganz anderen Ort als am Oche.
Ein Gewinn ohne Auszahlung
Was an jenem Abend genau passierte,
erzählte Lewis 2009 einem Reporter der „Las Vegas Sun“. Ihm fehlte damals ein halbes Jahr bis zum 21. Geburtstag, als er im MGM Grand an einem Fünf-Dollar-Automaten den Jackpot traf. Das Casino verweigerte die Auszahlung. Lewis fragte noch nach den 300 oder 400 Dollar, die er zuvor in die Maschine gesteckt hatte. Das Sicherheitspersonal bedauerte knapp und ließ ihn stehen. Lewis selbst bezifferte den entgangenen Jackpot auf rund 72.600 Dollar.
Der Grund für die Absage steht im Glücksspielrecht von Nevada. Personen
unter 21 Jahren dürfen dort weder spielen noch Gewinne entgegennehmen, auch nicht über Dritte. Ein junger Darts-Profi aus England bildete da keine Ausnahme.
In Europa hätte Lewis dieses Problem nicht gehabt. Casinos in Österreich lassen Spieler ab 18 Jahren an die Tische. Wer den Nervenkitzel von damals im Netz sucht, stößt auf Vergleichsportale, die
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Lewis blieb von jener Nacht nur eine Geschichte. Sie sollte ihm auf Dauer mehr einbringen als jeder Automat auf dem Strip.
Aus der Anekdote wird eine Marke
Der Name blieb schneller hängen als jeder Doppel-Treffer. Kommentatoren griffen ihn auf, die Fans ebenso, und bald stand „Jackpot“ auf Trikots und eigenen Dartpfeilen. Zu seinen Auftritten gehörte ein Walk-on, den die Hallen lautstark mitfeierten. Sportlich musste Lewis allerdings noch einige Jahre warten, bis die Ergebnisse zum Spitznamen passten.
2011 gewann er im Londoner Alexandra Palace seinen ersten WM-Titel, zwölf Monate später verteidigte er ihn. Damit war der
zweimalige Weltmeister endgültig in der Weltspitze angekommen, die Europameisterschaft 2013 und die UK Open 2014 folgten. Viele Beobachter sahen in den beiden WM-Titeln den Jackpot, den ihm Las Vegas verwehrt hatte. Die Anekdote aus dem MGM Grand passte zudem zu seinem Stil am Oche. Lewis galt als Spieler mit enormem Talent und einem Hang zum Risiko, der Zuschauer begeistern und Gegner zur Verzweiflung treiben konnte. Die Stadt, in der alles begann, verschwand nach 2009 allerdings für eine Weile von der großen Darts-Bühne.
Las Vegas bleibt ein Sehnsuchtsort
Nach dem Ende der Desert Classic fehlte Las Vegas einige Jahre im Kalender der großen Fernsehturniere. 2017 kehrte die PDC mit dem US Darts Masters an den Strip zurück, gespielt wurde wieder im Mandalay Bay. Die Premiere gewann Michael van Gerwen im Finale gegen Daryl Gurney. Für viele Profis ist ein Auftritt in der Stadt bis heute etwas Besonderes, weil die Bühne mitten in einem Resort steht, in dem Sportarena und Spielsaal nur wenige Schritte trennen. Die Geschichte von Adrian Lewis gehört zu den Anekdoten, die auf der Tour immer wieder erzählt werden, sobald die Reise nach Nevada geht.
Gut zwei Jahrzehnte später wirkt die Episode fast wie ein Drehbuch. Ein junger Spieler verliert in Las Vegas einen Gewinn, den er nie in den Händen hielt, und bekommt dafür einen Namen, der ihn durch seine ganze Karriere begleitet. Die großen Siege kamen erst später und auf einer anderen Bühne. Der Spitzname „Jackpot“ erinnert bis heute daran, dass ausgerechnet ein verweigerter Gewinn zum wertvollsten Souvenir seiner Laufbahn wurde.