Alle Augen auf Niko Springer: Das erwartet den einzigen Deutschen beim World Grand Prix 2026

PDC
durch Nic Gayer
Freitag, 25 September 2026 um 17:00
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Wenn der World Grand Prix 2026 am kommenden Montag, den 28. September, beginnt, wird Niko Springer Neuland betreten. Nicht, weil er zuvor noch nie nach Leicester gereist wäre oder den berühmten Double-In-, Double-Out-Modus gespielt hätte, sondern weil er erstmals in seiner Karriere als einziger Deutscher bei einem PDC-Major an den Start gehen wird.
Damit hat sich längst jene Prophezeiung erfüllt, die jahrelang über dem deutschen Dartsport schwebte. Aus dem einstigen Toptalent Niko Springer ist ein gestandener Hoffnungsträger der deutschen Dartsfans geworden. Ab dem kommenden Montag wird er in den englischen East Midlands erstmals die Hoffnungen einer ganzen Dartsnation auf seinen noch jungen Schultern tragen.

Zwischen Konstanz und Ausreißern: So reist Springer nach Leicester

Zeit also, um einen genauen Blick darauf zu werfen, unter welchen Vorzeichen der „Meenzer Bub“ zum World Grand Prix reist: Auf der European Tour zeigte Springer in den vergangenen Monaten vor allem Konstanz. Bei allen vier Turnieren, an denen er teilnahm, überstand der 26-Jährige seine Auftakthürde, ehe jeweils in der zweiten Runde Endstation war. Zwei Events vor dem Saisonende steht Springer damit auf Rang 25 der European Tour Order of Merit – und befindet sich somit auf Kurs für die Europameisterschaft in Dortmund.
Niko Springer jubelt.
Niko Springer zeigte sich in den vergangenen Monaten auf der European Tour konstant und befindet sich weiterhin auf Kurs für die Europameisterschaft in Dortmund.
Seinen größten Erfolg der vergangenen drei Monate feierte der Deutsche allerdings auf dem Floor. Bei Players Championship 25 auf heimischem Boden in Hildesheim erreichte Springer zum zweiten Mal in dieser Saison das Halbfinale und unterstrich damit einmal mehr, welches Potenzial in ihm steckt. Abseits dieses Ausrufezeichens fielen die Ergebnisse bei den Players Championships allerdings deutlich unspektakulärer aus: Bei seinen drei weiteren Teilnahmen erreichte Springer zweimal die zweite Runde, einmal musste er sich bereits zum Auftakt geschlagen geben.
Auch auf der Major-Bühne durfte sich Springer in diesem Zeitraum beweisen. Im Juli feierte der Mainzer in Blackpool sein Debüt beim World Matchplay. Trotz einer ansprechenden Leistung war gegen Weltmeister Luke Littler allerdings bereits in der ersten Runde Schluss. Springer unterlag „The Nuke“ mit 6:10 – Littler sollte im weiteren Turnierverlauf auch alle weiteren Hürden mit spektakulärer Dominanz nehmen und sich schließlich den Titel sichern.
Eine weitere Gelegenheit, sich mit der internationalen Spitze zu messen, bot sich Springer beim Tour Card Qualifier für die World Series of Darts Finals. Dort kämpfte sich der Deutsche bis ins Viertelfinale vor, ehe Callan Rydz seinen Lauf beendete.

Der Blick auf die Zahlen

Doch was sagen die nackten Zahlen über Springers derzeitige Verfassung aus? Seit dem 1. Juli spielt der „Meenzer Bub“ einen Average von 92,59 Punkten und belegt damit im internationalen Vergleich Rang 46. Ein solider Wert, der allerdings auch zeigt, dass Springer derzeit nicht ganz an die Leistungen herankommt, mit denen er in seinen besten Phasen auf der Tour für Furore sorgen kann.
Interessant ist dabei insbesondere ein Blick auf eine Disziplin, die eigentlich zu den großen Stärken des Deutschen zählt. Springer zeichnet sich durch enorme Power-Scoring-Phasen und eine hohe 180er-Frequenz aus, seit Anfang Juli stehen allerdings lediglich 49 Maxima zu Buche. Damit belegt er in diesem Zeitraum nur Rang 132 in der entsprechenden Rangliste.
Und dann wären da noch die Doppel – im Darts ohnehin von entscheidender Bedeutung, beim World Grand Prix mit seinem Double-In-, Double-Out-Modus jedoch elementarer denn je. In den vergangenen drei Monaten verwandelte Springer 38,19 Prozent seiner Versuche auf die Doppelfelder. Im internationalen Vergleich bedeutet das Rang 75.

Springers Form der letzten drei Monate

Kennzahl (letzte 3 Monate)WertRang
Average92,5946
180er49132
Doppelquote38,1975
Von einer Formkrise kann angesichts dieser Ergebnisse und Zahlen sicherlich keine Rede sein. Springer hat in den vergangenen Monaten konstant Spiele gewonnen, ein weiteres Players-Championship-Halbfinale erreicht und sich auch auf der Major-Bühne ordentlich präsentiert. Gleichzeitig lässt sich aber ebenso festhalten: In absoluter Topform reist der „Meenzer Bub“ nicht nach Leicester.

So löste Springer sein Grand-Prix-Ticket

Dennoch hat es Springer geschafft, sich einen Platz im exklusiven Feld von nur 32 PDC-Profis beim World Grand Prix zu sichern. Sein Ticket löste der Deutsche als Nummer 13 im einjährigen Qualifikationsrennen über die Pro Tour – ein weiterer Beleg für die starken Leistungen, die Springer seit seinem Einstieg auf der PDC-Tour gezeigt hat. Allen voran steht dabei natürlich sein Titelgewinn bei der Hungarian Darts Trophy 2025.
Die Auslosung hält für den „Meenzer Bub“ nun zweifelsohne eine anspruchsvolle Aufgabe bereit – gleichzeitig aber auch eine, bei der er sich durchaus Chancen ausrechnen darf. Als ungesetzter Spieler war bereits im Vorfeld klar, dass Springer in der ersten Runde auf einen Akteur aus den Top-16 der PDC Order of Merit treffen würde. Auslosung und Spielplan haben schließlich ergeben, dass ausgerechnet der Deutsche den World Grand Prix am Montagabend um 19:00 Uhr eröffnen wird. Sein Gegner: die aktuelle Nummer acht der Welt, Danny Noppert.
Danny Noppert und Niko Springer beim Handshake.
Keine Unbekannten: Niko Springer und Danny Noppert standen sich bereits dreimal auf der European Tour gegenüber – zweimal siegte der Niederländer, einmal der Deutsche.
Gänzlich unbekannt ist Springer der Niederländer keineswegs. Dreimal standen sich die beiden bislang auf der PDC-Tour gegenüber, alle drei Duelle fanden auf der European Tour statt. Zweimal behielt Noppert die Oberhand: Einmal musste sich Springer im Achtelfinale mit 4:6 geschlagen geben, ein weiteres Aufeinandertreffen in der zweiten Runde ging denkbar knapp mit 5:6 verloren.
Doch als die Lichter am hellsten schienen, war es Springer, der das bessere Ende für sich hatte. Im Finale der bereits erwähnten Hungarian Darts Trophy lieferten sich beide einen Krimi über die volle Distanz, ehe der Deutsche den entscheidenden 15. Durchgang zum 8:7 für sich entschied. Springer feierte damit seinen ersten PDC-Titel im Seniorenbereich – und sorgte gleichzeitig dafür, dass Noppert weiterhin auf seinen ersten Triumph auf der European Tour warten muss.

Noppert zeigt sich 2026 verwundbar

Doch nicht nur dieses gute Omen macht Hoffnung auf einen deutschen Erfolg in Leicester. Nimmt man die bisherige Saison von Danny Noppert genauer unter die Lupe, wird deutlich, dass auch der Niederländer derzeit nicht in absoluter Topform aufläuft. Galt es zu Beginn des Jahres noch als Überraschung und wurde vielerorts als ungerecht empfunden, dass „The Freeze“ keinen Platz in der Premier League of Darts erhielt, scheint die Elite-Liga aktuell ein gutes Stück entfernt.
Dabei spielt Noppert keineswegs eine schlechte Saison. Auf der European Tour erreichte der Niederländer in München ein Finale, auf dem Floor steht ein Halbfinale als bislang bestes Ergebnis zu Buche. Rang sieben in der European Tour Order of Merit und Platz zwölf in der Players Championship Order of Merit zeigen ebenfalls, dass Noppert über das gesamte Jahr hinweg solide Ergebnisse liefert und damit grundsätzlich die Erwartungen an einen Weltranglistenachten erfüllt. Ein absolutes Ausnahmejahr spielt der 35-Jährige bislang allerdings nicht – insbesondere, weil er 2026 noch ohne Titelgewinn ist.
Ein ähnliches Bild ergibt sich auf den großen Bühnen. Bei den bisherigen Major-Turnieren des Jahres erreichte Noppert zweimal das Viertelfinale, zweimal war hingegen bereits in der ersten Runde Endstation. Zuletzt erwischte es ihn ausgerechnet bei seinem Heimspiel: Bei den World Series of Darts Finals in Amsterdam musste sich „The Freeze“ bereits zum Auftakt verabschieden.

Nopperts Major-Leistungen im Jahr 2026

Major-EventErgebnis
World MastersViertelfinale
UK OpenViertelfinale
World MatchplayErstrundenaus
World Series of Darts FinalsErstrundenaus
Noppert, der im vergangenen Jahr noch zu den konstantesten Spielern auf den großen Bühnen gehörte, präsentiert sich in dieser Saison damit durchaus verwundbar. Für Springer könnte genau darin die Chance liegen: Der Deutsche trifft zwar auf die Nummer acht der Welt – aber keineswegs auf einen Gegner, der derzeit unantastbar erscheint.

Hammer-Auslosung, aber nichts zu verlieren: Springers große Chance in Leicester

Einfacher würde Springers Weg durch den World Grand Prix auch nach einem möglichen Auftakterfolg gegen Danny Noppert keineswegs werden. Bereits im Achtelfinale könnte mit Michael van Gerwen der nächste niederländische Hochkaräter warten – vorausgesetzt, der dreimalige Weltmeister setzt sich zum Auftakt gegen Ryan Joyce durch.
Ohnehin hat es die Auslosung mit dem „Meenzer Bub“ alles andere als gut gemeint. Auch mit Blick auf den weiteren Turnierverlauf hat Springer eines der denkbar schwersten Lose erwischt. Der Deutsche befindet sich im selben Viertel des Turnierbaums wie Titelverteidiger und Weltranglistenerster Luke Littler. Zu einem Duell mit dem amtierenden Weltmeister könnte es damit bereits im Viertelfinale kommen.
Und dennoch gilt: Der World Grand Prix bedeutet für Springer vor allem eine große Chance – und vergleichsweise wenig Druck. Denn während viele seiner Konkurrenten in Leicester um Preisgeld kämpfen, das sie vor zwei Jahren bei diesem Turnier erspielt haben und nun in der PDC Order of Merit verteidigen müssen, kann der Deutsche vollkommen unbelastet aufspielen.
Springer befindet sich schließlich erst im zweiten Jahr seiner Tour Card und hat beim World Grand Prix entsprechend kein Preisgeld aus dem zweijährigen Ranking-Zeitraum zu verteidigen. Bedeutet im Umkehrschluss: Jedes Pfund, das der „Meenzer Bub“ in Leicester erspielt, wandert direkt auf sein Weltranglisten-Konto.
Schon ein einziger Sieg könnte sich deshalb doppelt auszahlen. Bezwingt Springer zum Auftakt Danny Noppert, hätte er bereits 20.000 Pfund sicher. Gleichzeitig würde er in der PDC Order of Merit am zweifachen Weltmeister Peter Wright vorbeiziehen und auf Rang 37 der Welt klettern.
Die Ausgangslage vor Springers erstem World Grand Prix könnte damit kaum spannender sein: Ein schwerer Auftaktgegner, ein noch schwierigerer Weg durch den Turnierbaum – aber gleichzeitig die Gelegenheit, ohne Altlasten im Ranking wertvolles Preisgeld zu sammeln und den nächsten großen Schritt in seiner noch jungen PDC-Karriere zu machen.
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