„120 im Average? Wahnsinn!“ – Gian van Veen pulverisiert mit einem unfassbaren Average den Rekord auf der European Tour

PDC
Gian van Veen
Gian van Veen schrieb am Samstagabend European-Tour-Geschichte. Beim Dutch Darts Championship in Maastricht erzielte der 24-jährige Niederländer einen Average von unglaublichen 120,24 Punkten pro Aufnahme mit drei Pfeilen. Damit brach er den acht Jahre alten Rekord von Dave Chisnall. Sebastian Bialecki war chancenlos und wurde mit 6:0 von der Bühne gefegt. Nach dem Match konnte Van Veen kaum glauben, welche Zahlen er erzielt hatte.
Die Nummer drei der Welt benötigte nur 75 Pfeile, um die sechs Legs zu gewinnen. Bialecki bekam während des gesamten Matches keine einzige Chance auf ein Doppelfeld. Das Publikum im MECC sah, wie Van Veen vom ersten Wurf an auf außergewöhnlich hohem Niveau spielte.
Der Niederländer startete mit einem 12-Darter, bei dem er 77 Punkte checkte. Das war zugleich das höchste Finish des Matches. Anschließend breakte er den polnischen Darter mit einem weiteren 12-Darter.
Auch in den beiden folgenden Legs machte Van Veen beeindruckend weiter. Mit zwei 13-Dartern zog er auf 4:0 davon, ehe er sich mit einem 11-Darter nur noch ein Leg vom Sieg entfernte. Ein 14-Darter gegen den Anwurf machte den Erfolg perfekt.
Gian van Veen jubelt
Gian van Veen feierte vor heimischem Publikum einen beeindruckenden Sieg

„120 im Average? Wahnsinn!“

Van Veen wusste während des Matches, dass er hervorragend spielte, hatte aber keine Ahnung, dass er einen neuen European-Tour-Rekord aufgestellt hatte. Als er nach dem Match seinen Average erfuhr, reagierte er ungläubig.
„Wirklich? 120 im Average? Wahnsinn!“, reagierte Van Veen. „Natürlich wusste ich, dass ich gut spielte. Ein paar 12-Darter, danach zwei 13-Darter und dann ein 11-Darter. Im letzten Leg wollte ich eigentlich das Bullseye treffen und noch einen 12-Darter spielen.“
Auch im letzten Leg hatte der Niederländer bereits geahnt, dass er auf einen außergewöhnlichen Average zusteuerte. „Nach der 180 im letzten Leg sah ich, dass noch 126 Punkte übrig waren. Ich dachte: Mach es einfach mit sechs Pfeilen aus. Das gelang nicht, aber ich schaffte es mit acht. Ein Average von 120, unglaublich.“
Der vorherige Rekord gehörte seit September 2018 Dave Chisnall. Der Engländer hatte damals bei der German Darts Championship einen Average von 118,66 erzielt. Fast acht Jahre lang konnte niemand diese Leistung übertreffen.

„Wenn ich morgen einen Average von 90 spiele und gewinne, bin ich auch zufrieden“

Obwohl Van Veen stolz auf seine historische Leistung war, betonte er, dass Siege letztlich wichtiger seien als beeindruckende Statistiken. „Der Average ist schön, und es fühlt sich fantastisch an, diesen Rekord zu halten, weil Chizzy auf der European Tour seit Jahren ein großartiger Spieler ist. Aber es ist einfach wieder ein Sieg, und darum geht es.“
Der Niederländer wartet weiterhin auf seinen ersten Titel auf der European Tour. Dieser Erfolg bedeutet ihm daher mehr als ein individueller Rekord. „Wenn ich morgen einen Average von 90 spiele und trotzdem gewinne, bin ich auch zufrieden. Aber das zeigt, dass ich dieses Niveau immer noch erreichen kann.“
Van Veen nutzte seinen beeindruckenden Auftritt außerdem, um auf die Kritik zu reagieren, der er in letzter Zeit ausgesetzt war. „Vor ein paar Monaten haben viele an mir gezweifelt. Das tun sie immer noch, aber ich bin nach wie vor da. Und das ist auch gut so.“
Der absolute TV-Rekord blieb allerdings außer Reichweite. Mit 123,40 hält ihn weiterhin Michael van Gerwen. Als Van Veen darauf angesprochen wurde, antwortete er mit einem Augenzwinkern: „Den überlasse ich Michael. Ich mag Michael, also darf er den Rekord vorerst behalten.“

Sogar das niederländische Publikum buhte Van Veen aus

Das Publikum in Maastricht genoss Van Veens außergewöhnliche Leistung sichtlich. Trotzdem musste der Niederländer in einem bemerkenswerten Moment sogar Pfiffe hinnehmen.
Dazu kam es, als er nach einer Reihe beeindruckender Aufnahmen nur 60 Punkte erzielte. Die Zuschauer hatten inzwischen ein so hohes Niveau von ihm gesehen, dass selbst ein gewöhnlicher Wurf mit einer enttäuschten Reaktion quittiert wurde.
„Wie ich schon sagte, wusste ich, dass mein Average zu diesem Zeitpunkt bei etwa 126 lag. Dann warf ich eine 60, und sogar das Publikum fing an, mich auszubuhen. Das passiert nicht oft, wenn man als Niederländer in den Niederlanden spielt“, erzählte Van Veen lachend.
„Nach einer 60 ausgepfiffen zu werden! Aber ich habe heute auf der Bühne großen Spaß gehabt. Es fühlte sich großartig an, wie man wohl auch sehen konnte, und das Publikum war fantastisch.“

„Ich spüre keinen Druck mehr, sondern nur noch einen zusätzlichen Ansporn“

Van Veen räumte ein, dass es ihm früher nicht immer leichtgefallen war, vor heimischem Publikum zu spielen. Die Erwartungen der niederländischen Zuschauer hatten bei ihm zuvor für zusätzlichen Druck gesorgt. „Heute habe ich diesen Druck nicht gespürt. In den vergangenen Jahren war das bei der European Tour in den Niederlanden aber schon der Fall.“
Der Darter erinnerte sich dabei an eine frühere Enttäuschung auf heimischem Boden. „Letztes Jahr verlor ich am Freitag gegen Boris Krcmar. Ich spielte schrecklich, weil der Druck zu groß wurde.“
Inzwischen hat sich laut Van Veen vieles verändert. Durch seine Erfahrungen auf den großen Bühnen hat er gelernt, besser mit den Erwartungen umzugehen. „Ich denke, dass ich mich als Spieler enorm weiterentwickelt habe. Natürlich habe ich in Rotterdam in der Premier League gespielt, danach in Amsterdam bei den World Series Finals, und jetzt sind wir hier.“
Vor allem sein gestiegenes Selbstvertrauen spielt dem Europameister zufolge eine wichtige Rolle. „Ich spüre diesen Druck nicht mehr. Ich fühle nur noch einen zusätzlichen Ansporn, auch weil mein Selbstvertrauen in den vergangenen Wochen enorm gewachsen ist. Ich denke, das war heute zu sehen.“
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