„Als ich Weltranglistenerster war und Luke bei der WM geschlagen habe, schien mich jeder zu hassen“ – Luke Humphries spürt wachsenden Rückhalt der Fans

PDC
durch Nic Gayer
Luke Humphries (1)
Luke Humphries steht erneut im Finale des World Grand Prix. Der Weltranglistenerste setzte sich am Samstagabend in seinem Halbfinale mit 5:3 gegen James Wade durch und trifft nun am Sonntag auf Gerwyn Price. Nach einer überzeugenden Vorstellung fehlt Humphries damit nur noch ein Sieg zum nächsten Major-Titel.
Gleichzeitig stellte der Engländer eine bemerkenswerte Bestmarke auf: Als erster Spieler überhaupt erreichte Humphries viermal in Folge das Finale des World Grand Prix. In der anschließenden Pressekonferenz hob er hervor, dass dies nicht einmal Phil Taylor gelungen sei. Nach diesem denkwürdigen Abend und einer starken Leistung gegen Wade zog Humphries entsprechend zufrieden Bilanz.

Humphries überzeugt gegen Wade: „Eine sehr solide Performance“

„Ja, fairerweise fand ich, es war genau auf diesem Niveau. Ich denke, beim Average sieht man: Er hat kaum geschwankt, nicht mal hoch, dann runter und wieder zurück“, erklärte Humphries gegenüber den anwesenden Medien, darunter Dartsnews.de.
„Ich hatte das Gefühl, es war durchgehend auf diesem Level und insgesamt eine sehr solide Performance. Es war nicht mein absolutes Maximum, aber wirklich gut. Ich werde nicht hier sitzen und behaupten, ich hätte nicht gut gespielt.“
Zwar sah Humphries noch Luft nach oben, insgesamt überwogen für ihn jedoch eindeutig die positiven Aspekte. „Ich fand schon, dass ich gut gespielt habe. Ein paar Legs waren dabei, in denen das Checken vielleicht nicht so stark war, und das drückt deinen Average. Trotzdem nehme ich viel aus der Partie mit, der Start war wieder fantastisch, und ich hoffe, der Trend setzt sich nicht fort.“
Damit spielte Humphries auf seine schwankenden Leistungen im bisherigen Turnierverlauf an. Im Finale will er nun an die Vorstellung gegen Wade anknüpfen. „Ich hoffe, es geht nicht schlecht, gut, schlecht, gut und dann wieder schlecht. Ich will das morgen korrigieren und das Level von heute Abend abrufen, denn wenn mir das gelingt, wird es ein großartiges Finale.“

„Das killt dich“

Wade sorgte früh mit einem sehenswerten 141er-Finish für ein Ausrufezeichen – und bei Humphries für ein nur allzu bekanntes Gefühl. „Er ist eben so, und was man in meinem Gesicht sieht, ist: schon wieder gegen mich. Das killt dich, aber in einem Match First to Five Sets darfst du dich an solchen Momenten nicht zu sehr stören, weil es noch früh ist.“
Gerade in einem langen Format sei es entscheidend, sich von solchen Rückschlägen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. „Wenn du dich davon zerstören lässt, wirst du diese großen Spiele nie gewinnen. Ich wusste von Beginn an: Bleib ruhig und lass dich von nichts aus der Fassung bringen. Selbst bei 1:3 oder ähnlichen Szenarien hast du noch eine Chance, weil ich weiß, dass ich zurückkommen kann.“
Auf den Doppelfeldern zeigte sich Humphries in den wichtigen Situationen zur Stelle, auch wenn ihm ausgerechnet die Doppel-12 zwischenzeitlich Probleme bereitete. „Zum Glück war ich in diesen Momenten da und habe ein paar Doppelfelder getroffen; die Doppel-12 hat mich allerdings ein bisschen verfolgt. Es war gut, sie bei 78 Rest zu checken. Ich glaube, das war im letzten Set.“
Dass ihm dieses Checkout gelang, war für Humphries auch mental von Bedeutung. „Das sauber zu Ende zu bringen, wenn du dir ein gutes Finish stehen lässt, vertreibt diese Dämonen, denn die Doppel-12 ist die, die mich oft erwischt. So oft habe ich die verpasst, und es hat mich gekostet. Mein Checkout war insgesamt ziemlich ordentlich. Das Scoring war etwas besser. Wenn ich beides zusammenbekomme, ist es eine gute Leistung.“
Im Endspiel wartet nun Price. Frühere Duelle mit dem Waliser spielen für Humphries bei der Vorbereitung allerdings keine große Rolle. „Ich glaube nicht, dass er daran denken wird. Ich werde es sicher nicht. Er ist jetzt ein anderer Spieler als vor 12 Monaten, um ehrlich zu sein. Aber ich habe das Gefühl, mein Jahr war ordentlich, nur ohne die Resultate, die ich mir gewünscht hätte.“
Gerwyn Price jubelt.
Gerwyn Price trifft im Finale des World Grand Prix auf Luke Humphries und kämpft gegen den Weltranglistenersten um den Titel.
Auch mit seiner Favoritenrolle beschäftigt sich Humphries nicht sonderlich. Schließlich sei er faktisch bereits in jedes Match dieses Turniers als Favorit gegangen. Sein früheres Etikett als Außenseiter in großen Finals habe daher keine Bedeutung mehr. „Eigentlich nicht. Ehrlich gesagt, wurde ich wohl in jedem meiner Spiele als Sieger erwartet.“
„Gegen Chizz (Chisnall) war ich wohl Favorit; gegen Jermaine (Wattimena) wurde ich als Sieger erwartet; gegen Niels (Zonneveld) ebenso und wahrscheinlich auch gegen James, selbst wenn er zuletzt besser gespielt hat als ich. So wird es morgen wieder sein. Das wird mich nicht groß beeinflussen.“
Für Humphries begegnen sich im Finale zwei Spieler auf Augenhöhe. Einen eindeutigen Favoriten sieht er nicht. „Das wird mir nicht im Kopf herumgehen. Viel wird da nicht zwischen uns liegen. Man kann sich nicht einfach hinstellen und sagen: ‚Er schlägt Gezzy sicher‘ oder ‚Gezzy schlägt Luke sicher‘.“
Vielmehr erwartet Humphries ein offenes Duell, bei dem bereits die Anfangsphase richtungsweisend werden könnte. „Es ist ein gutes Finale, weil niemand genau weiß, was passiert. Es hängt stark vom Start ab. Das wird mir ehrlich gesagt nicht allzu sehr im Kopf bleiben.“

Übermotivierter Fan sorgt für Zwischenfall

Während des Halbfinals sorgte auch ein Zuschauer für Gesprächsstoff. Auf Wades Hinweis hin wurde der Fan schließlich aus dem Zuschauerbereich entfernt. Humphries nahm die Situation anschließend mit Humor: Der Anhänger habe ihn eigentlich unterstützen wollen – nach dessen Rauswurf habe er selbst allerdings schwächer gespielt, weshalb er ihn beinahe lieber im Publikum behalten hätte.
„Nein, ich glaube, er wollte mich unterstützen. Vielleicht ein bisschen zu sehr; er hat nicht geschrien, wenn James am Wurf war. Er wollte mich wohl einfach anstacheln. Nicht während James geworfen hat, aber es hat James wohl etwas genervt, und irgendwann hatte er genug.“
Humphries selbst wollte die Situation nicht weiter anheizen und konzentrierte sich stattdessen auf die Partie. „Er wollte einfach, dass es weitergeht. Ich glaube nicht, dass er allzu viel falsch gemacht hat, aber wenn es den Spieler stört, werde ich da nicht Öl ins Feuer gießen. Ich versuche mich aufs Spiel zu konzentrieren, und er sagte: ‚Sorry, Kumpel.‘“
Auch Wades Entscheidung, die Entfernung des Zuschauers zu veranlassen, akzeptierte Humphries ohne Diskussion. „Ich meinte: Entschuldige dich nicht. Wenn du jemanden bitten musst zu gehen, dann ist das eben so, mich stört es nicht. Mich hat es nicht wirklich beeinflusst. In dem Set danach haben wir beide gut gespielt; er war da einfach sehr stark, und ich dachte: ‚Bring dieses Niveau zurück, weil er jetzt aufgedreht hat.‘ Dem Fan gegenüber unfair war es nicht; er war nur etwas übermotiviert, wollte mich unterstützen, und James mochte es nicht. Was er tut, ist seine Sache.“

Vom Buhmann zum Publikumsliebling

Dass Humphries inzwischen immer mehr Unterstützung von den Zuschauerrängen erhält, ist für ihn eine spürbare Veränderung. Schließlich gab es auch Phasen seiner Karriere, in denen er regelmäßig mit Pfiffen konfrontiert wurde – insbesondere zu jener Zeit, als Luke Littler unmittelbar davorstand, die große Darts-Bühne zu dominieren.
„Ja, die Unterstützung für mich ist gewachsen. Viele respektieren, wie ich mit allem umgehe. Trotz der Kritik an mir, obwohl Luke oft der größere Name war, selbst als ich Weltranglistenerster war, habe ich das gut gemanagt, weil ich einfach so bin.“
Humphries versucht, sich weder von Niederlagen noch von der öffentlichen Wahrnehmung zu sehr beeinflussen zu lassen. Sein Fokus liege stattdessen auf seinen sportlichen Zielen. „Ich kann mit Niederlagen meist gut umgehen, und es stört mich nicht. Ich bin hier, um Majors zu gewinnen, Spaß zu haben und meine Träume zu verwirklichen. Ich denke nicht ständig darüber nach, was andere denken.“
Umso mehr bedeutet ihm der wachsende Zuspruch der Fans. „Ich merke deutlich mehr Rückhalt. Das überwältigt mich, weil ich es sehr schätze. Die Unterstützung im Publikum tut gut und gibt mir ein gutes Gefühl.“
Dabei erinnert sich Humphries noch genau an die schwierigeren Zeiten, in denen ihm teilweise offene Ablehnung entgegenschlug. „Natürlich ist es hart, wenn du sie nicht bekommst und dich manche plötzlich ohne Grund hassen. Als ich Weltranglistenerster war und Luke bei der WM geschlagen habe, schien mich jeder zu hassen. Es war eine schwere Zeit, aber ich bin zurückgekommen, bekomme nun viel großartige Unterstützung, und das weiß ich sehr zu schätzen.“
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