Seit fast zwei Jahrzehnten zählt
James Wade zur absoluten Elite des Dartsports. Während zahlreiche Weggefährten längst den Anschluss an die Weltspitze verloren haben oder vollständig von der Bildfläche verschwunden sind, behauptet sich „The Machine“ weiterhin unter den Besten der Welt. Für Ex-Profi
Paul Nicholson liegt der Schlüssel zu dieser außergewöhnlichen Beständigkeit vor allem in Wades Privatleben: Der Engländer spielt inzwischen nicht mehr nur für sich selbst, sondern vor allem für seine Familie.
Seinen endgültigen Durchbruch auf der großen Dartsbühne feierte Wade 2007, als er mit dem World Matchplay und dem World Grand Prix gleich zwei prestigeträchtige Major-Turniere gewann. Erstmals stürmte er damals unter die besten fünf Spieler der Weltrangliste. 19 Jahre später hat sich an seiner Zugehörigkeit zur Weltelite bemerkenswert wenig geändert. Auch mit mittlerweile 43 Jahren ist Wade aus der internationalen Darts-Spitze kaum wegzudenken.
Vom Luxus zum Familienglück: Was James Wade heute antreibt
Elf Major-Titel hat Wade im Laufe seiner außergewöhnlichen Karriere gewonnen – verteilt über drei verschiedene Jahrzehnte. Insgesamt bringt es der Engländer inzwischen auf beeindruckende 42 PDC-Titel. Dass sein Erfolgshunger auch 2026 ungebrochen ist, stellte er bereits eindrucksvoll unter Beweis: Mit Triumphen bei Players Championship 1, dem Australian Darts Masters und der Flanders Darts Trophy unterstrich „The Machine“ einmal mehr seine Klasse.
James Wade gehört auch mit 43 Jahren zur Weltelite im Dartsport. Laut Paul Nicholson schöpft „The Machine“ seine größte Motivation mittlerweile aus seiner Familie.
Doch während Wade sportlich weiterhin auf höchstem Niveau unterwegs ist, haben sich seine Beweggründe nach Einschätzung von Paul Nicholson grundlegend verändert. Wo einst teure Autos und andere Statussymbole als Ansporn dienten, stehen heute seine Ehefrau Sammi Marsh und die beiden gemeinsamen Söhne im Mittelpunkt.
„Was ist also das Geheimnis hinter seiner unglaublich langen Karriere?“, wirft Nicholson im Gespräch mit
Sporting Life eine spannende Frage auf. „Manche Sportler werden durch Geld angetrieben, andere durch Ruhm oder ihren persönlichen Ehrgeiz. Wieder andere wollen in erster Linie ihre Familie finanziell absichern. Bei James glaube ich allerdings, dass sich seine Motivation im Laufe der verschiedenen Karrierephasen verändert hat.“
Der ehemalige australische Dartsprofi kennt Wade seit vielen Jahren und kann sich noch gut an Zeiten erinnern, in denen der Engländer seine sportlichen Höchstleistungen mitunter aus ganz anderen Gründen abrief. „Früher haben wir manchmal darüber gescherzt, wie sehr er sich ein neues Auto wünschte“, erinnert sich Nicholson. „Und wenn er tatsächlich ein neues Auto haben wollte, lieferte er plötzlich richtig starke Leistungen ab. Er hatte eine große Schwäche für BMWs, Bentleys und solche Autos.“
Auch im Umgang mit seinem verdienten Preisgeld soll Wade in jungen Jahren einen ausgesprochen kostspieligen Geschmack gehabt haben. Nicholson erzählt schmunzelnd: „Vielleicht ist er zu Beginn seiner Karriere nicht gerade besonders vernünftig mit seinem Geld umgegangen. Dartsschuhe, die weniger als 200 Pfund kosteten, hätte man an ihm wohl niemals gesehen!“
„Das ist die größte Motivation, die er je hatte“ – wie die Vaterschaft Wade veränderte
Mit der Geburt seiner Kinder setzte bei Wade nach Nicholsons Beobachtung jedoch ein grundlegender Wandel ein. An die Stelle materieller Wünsche und persönlicher Ambitionen trat zunehmend das Verantwortungsgefühl gegenüber seiner Familie. Seinen Angehörigen eine sorgenfreie Zukunft zu ermöglichen, scheint für den 43-Jährigen inzwischen ein weitaus stärkerer Antrieb zu sein als jeder Luxusgegenstand.
„Ich glaube, seine Einstellung hat sich verändert, seit er Kinder hat“, erklärt Nicholson. „Meiner Meinung nach ist das momentan seine größte Motivation. Er möchte für seine Jungs sorgen und seiner Familie ein Leben ermöglichen, in dem sie sich nie wieder Gedanken über Geld machen muss. Und das gelingt ihm ausgesprochen gut. Wahrscheinlich ist das die größte Motivation, die er je hatte.“
Dieser neue Antrieb könnte nach Ansicht Nicholsons auch entscheidend dazu beigetragen haben, dass Wade sportliche Rückschläge überwinden konnte. Denn trotz seiner beeindruckenden Erfolgsbilanz verlief die Karriere des Engländers keineswegs ohne schwierige Phasen. Zwischenzeitlich rutschte der vielfache Major-Champion sogar bis auf Platz 19 der Weltrangliste ab und musste um seinen Platz in der absoluten Weltspitze kämpfen.
„Wenn man irgendwann nur noch für sich selbst spielt, kann sich das möglicherweise ziemlich leer anfühlen – gerade angesichts der vielen Reisen“, gibt Nicholson zu bedenken. „Auch in seiner Karriere gab es schwierige Zeiten, in denen er sogar auf den 19. Platz der Weltrangliste zurückgefallen ist.“
Inzwischen wartet auf Wade nach jeder Turnierreise jedoch eine ganz besondere Erinnerung daran, weshalb er die Strapazen des Profisports weiterhin auf sich nimmt. Nicholson beschreibt die Situation seines langjährigen Weggefährten mit eindringlichen Worten: „Heute kommt er nach Hause, sieht sein wunderschönes Haus, seine Frau und seine Kinder und denkt sich: Das ist die ganze Motivation, die ich brauche.“
Für den Australier steht fest, dass dieses familiäre Fundament eine entscheidende Rolle bei Wades bemerkenswerter Rückkehr in die Weltspitze gespielt hat. „Ohne das, glaube ich, hätte er nicht auf diese Weise reagiert und wäre auch nicht wieder unter die besten fünf Spieler der Welt zurückgekehrt. Das ist eines der beeindruckendsten Dinge, die ich seit Jahren erlebt habe.“
„Neurodiversität kann eine echte Superkraft sein“ – Nicholson sieht weiteren Schlüssel zu Wades Erfolg
Dass sich Wade nach zwischenzeitlichen Rückschlägen noch einmal derart eindrucksvoll zurückkämpfen konnte, zählt für Nicholson zu den außergewöhnlichsten Entwicklungen der jüngeren Darts-Geschichte. Der frühere Major-Sieger vermutet allerdings, dass neben Wades familiärer Motivation noch ein weiterer Aspekt zu seiner bemerkenswerten Langlebigkeit im Profisport beitragen könnte.
Wade hat in der Vergangenheit offen darüber gesprochen, dass bei ihm ADHS und eine bipolare Störung diagnostiziert wurden. Nicholson hält es für möglich, dass bestimmte mit Neurodiversität verbundene Eigenschaften gerade im Dartsport von Vorteil sein können. Schließlich verlangt die Sportart ein hohes Maß an Konzentration, beständige Trainingsroutinen und die Bereitschaft, dieselben Bewegungsabläufe unzählige Male zu wiederholen.
„Er hat in der Vergangenheit über seine ADHS und seine bipolare Störung gesprochen. Manchmal habe ich allerdings das Gefühl, dass Neurodiversität in einer Sportart wie Darts eine Art Superkraft sein kann“, erläutert Nicholson seine Einschätzung. „Beim Training braucht man ein gewisses Maß an Hyperfokus, und eine konstruktive Form der Besessenheit kann dabei durchaus hilfreich sein.“
Hinzu kommt, dass der Dartsport seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil von Wades Leben ist. Für Nicholson ist deshalb kaum vorstellbar, dass sein ehemaliger Weggefährte diesen vertrauten Alltag einfach hinter sich lassen könnte. „Das ist James' Routine. Wenn er nicht mehr Darts spielen könnte, würde er sich wahrscheinlich irgendwie seltsam fühlen. Vielleicht ist auch das eine zusätzliche Motivation.“