„Das Problem ist, dass sie alle der nächste Luke Littler werden wollen“ – Nathan Aspinall warnt vor Dartitis bei jungen Nachwuchsspielern

PDC
durch Nic Gayer
Nathan Aspinall (3)
Nathan Aspinall hat eindringlich davor gewarnt, welche Folgen der Wunsch, der „nächste Luke Littler“ zu werden, für junge Dartspieler haben kann. Der zweimalige Major-Sieger beobachtet mit Sorge, dass sich immer mehr Nachwuchstalente unter enormen Erfolgsdruck setzen. Besonders nachdenklich stimmt ihn, dass er inzwischen regelmäßig auf das Thema Dartitis angesprochen wird – teilweise sogar von Eltern noch sehr junger Kinder.
Die aktuelle Nummer elf der Weltrangliste weiß aus eigener, schmerzhafter Erfahrung, wie gravierend sich Dartitis auf die Karriere eines Spielers auswirken kann. Aspinall hat selbst mit der Erkrankung zu kämpfen und befürchtet, dass Littlers beispielloser Aufstieg bei jungen Talenten unrealistische Erwartungen weckt und dadurch unnötigen Druck erzeugt.

Aspinall warnt: „Sie alle wollen der nächste Luke Littler werden“

Littler schrieb Darts-Geschichte, als er im Alter von gerade einmal 17 Jahren und 347 Tagen die Sid Waddell Trophy gewann und damit zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten wurde. Seit seinem Einstieg in den Profisport im Jahr 2024 entwickelte sich „The Nuke“ in atemberaubendem Tempo zum größten Namen der Dartswelt. Mittlerweile hat der Engländer bereits 14 individuelle PDC-Major-Titel und insgesamt 30 PDC-Turniersiege auf seinem Konto.
Nathan Aspinall und Luke Littler im Gespräch auf der Bühne.
Nathan Aspinall kennt die Folgen von Dartitis aus eigener Erfahrung und warnt junge Dartspieler davor, sich durch Vergleiche mit Luke Littler unter Druck zu setzen.
Für Aspinall liegt genau darin allerdings die Gefahr: Littlers außergewöhnliche Erfolgsgeschichte sei eben keine gewöhnliche Entwicklung, sondern eine absolute Ausnahmeerscheinung. Junge Dartspieler sollten sich deshalb nicht ständig an den Leistungen des Weltmeisters messen.
„Ich denke, das Problem ist, dass sie alle der nächste Luke Littler werden wollen“, erklärt Aspinall gegenüber 247Bet. „Aber die Realität ist, dass es nur einen Luke Littler gibt. Kinder sollten vor allem Freude am Spiel haben. Setzt euch nicht selbst unter Druck. Wenn ihr gut genug seid, kommt der Erfolg von allein.“
Wie weit verbreitet das Problem mittlerweile ist, erlebt Aspinall insbesondere bei Showturnieren. Dort wird er nach eigenen Angaben immer wieder auf Dartitis angesprochen. Die Häufigkeit dieser Fragen und vor allem das junge Alter der betroffenen Spieler stimmen den Engländer nachdenklich.
„Meiner Meinung nach lautet die häufigste Frage bei einer Exhibition: ‚Mein Kind hat Dartitis. Hast du vielleicht einen Rat?‘ Dann frage ich: ‚Wie alt ist dein Kind?‘ – ‚Zwölf.‘ Wie bitte? Ich bekam es wegen des Stresses durch die Hypothek, meine Familie und Probleme mit den Kindern. Es gab so viele Gründe, warum es mich getroffen hat. Aber worüber sollte man sich mit zwölf Jahren bitte Sorgen machen?“
Dartitis bezeichnet eine psychologische und neuromuskuläre Störung, bei der Dartspieler plötzlich Schwierigkeiten haben, ihren Pfeil auf natürliche Weise loszulassen. Aspinall kennt die damit verbundenen Probleme nur zu gut. Seine eigene Leidensgeschichte hat ihm vor Augen geführt, welchen Einfluss psychischer Druck und innere Anspannung auf einen Bewegungsablauf haben können, der normalerweise nahezu automatisch funktioniert.
Der aus Stockport stammende Engländer hatte während seiner Partien immer wieder sichtbar damit zu kämpfen, seinen Wurf vollständig auszuführen. Teilweise musste er die Bewegung sogar mitten im Ablauf abbrechen. Mittlerweile arbeitet Aspinall mit einem Sportpsychologen zusammen und setzt zusätzlich auf gezielte Atemübungen, um seine Dartitis in den Griff zu bekommen.
Gerade wegen dieser persönlichen Erfahrungen betrachtet Aspinall die Entwicklung im Nachwuchsbereich mit großer Sorge. Der kometenhafte Aufstieg von Luke Littler dürfe nicht dazu führen, dass sich jedes junge Talent an dessen außergewöhnlichen Erfolgen messen müsse. Statt bereits in jungen Jahren den Durchbruch an die Weltspitze erzwingen zu wollen, sollten Kinder und Jugendliche vor allem eines bewahren: die Freude am Dartsport.
Klatscht 0Besucher 0
loading

Gerade In

Beliebte Nachrichten

Aktuelle Kommentare

Loading