Die alte Garde bei Darts-EM unter Beschuss: Können Michael van Gerwen und Co. die junge Garde noch stoppen?

PDC
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Am kommenden Donnerstag beginnt in den Westfalenhallen in Dortmund die Darts-EM. Das Turnier verspricht ein spannendes Duell zwischen der jungen Generation und den etablierten Spielern. Letztere geraten zunehmend durch aufstrebende Talente unter Druck. Die Darts-EM dürfte also für reichlich Spannung sorgen, doch wer setzt sich am Ende durch? Übernehmen die jungen Talente das Kommando, oder beweisen die erfahrenen Spieler, dass sie weiterhin zur absoluten Spitze gehören?
Ein Blick auf das Teilnehmerfeld der Darts-EM zeigt sofort, wie wichtig Erfahrung auf höchstem Niveau ist. Vierzehn der 32 Teilnehmer haben in ihrer Karriere bereits einen oder mehrere PDC-Majortitel gewonnen. Die Hälfte des Feldes hat also bewiesen, dass sie auf den größten Bühnen Titel gewinnen kann. Auffällig ist jedoch, dass die meisten dieser Spieler zur erfahrenen Generation gehören, während die jüngeren Profis noch auf ihren ersten großen Titel warten.

Wie gut sind die jungen Wilden?

Bisher haben es nur zwei Spieler unter 30 Jahren geschafft, einen oder mehrere PDC-Majortitel zu gewinnen. Dabei handelt es sich um Luke Littler und Gian van Veen, die dem internationalen Darts in der vergangenen Zeit deutlich ihren Stempel aufgedrückt haben. Vor allem Littler hat in kurzer Zeit eine beeindruckende Titelsammlung aufgebaut. Der junge Engländer gewann innerhalb weniger Jahre eine Reihe prestigeträchtiger Titel und ist mit deutlichem Vorsprung die Nummer eins der Welt. Auch van Veen hat gezeigt, dass er mit den besten Spielern der Welt mithalten kann. Mit seinem Europameistertitel im vergangenen Jahr hat er das eindrucksvoll bewiesen.
Gian van Veen jubelt.
Gian van Veen konnte bereits die European-Championship im vergangenen Jahr gewinnen.
Für Littler erhält die European Championship zudem eine besondere Bedeutung. Der Europameistertitel ist daseinzige Major, der ihm noch in seiner Sammlung fehlt. Obwohl er in jungen Jahren bereits zahlreiche große Turniere gewonnen hat, blieb ihm der Titel bei der Darts-EM bislang verwehrt. In Dortmund bietet sich ihm eine weitere Gelegenheit, dieses letzte fehlende Puzzleteil zu seiner beeindruckenden Titelsammlung hinzuzufügen. Dank seiner Klasse und seiner Erfahrung auf den großen Bühnen zählt er zweifellos zu den Favoriten.
Dass sich die etablierten Spieler nicht kampflos verdrängen lassen, zeigt die jüngere Turniergeschichte. Seit 2020 wurde die Darts-EM nur einmal von einem Spieler unter 30 Jahren gewonnen. Im vergangenen Jahr gelang das Gian van Veen, der damit die Dominanz der erfahreneren Generation beendete. Nun stellt sich die Frage, ob die jungen Talente seinem Beispiel folgen können oder ob erneut ein etablierter Name den Titel holt.

Sieger der Darts-EM seit 2020

JahrSiegerAlter beim Titelgewinn
2020Peter Wright50 Jahre
2021Rob Cross31 Jahre
2022Ross Smith33 Jahre
2023Peter Wright53 Jahre
2024Ritchie Edhouse41 Jahre
2025Gian van Veen23 Jahre

Niederländer rücken nach

Der Angriff der jungen Generation auf die etablierten Spieler kommt in diesem Jahr vor allem aus den Niederlanden. Mit Wessel Nijman und Niels Zonneveld hat der niederländische Dartsport zwei Spieler, die in den vergangenen Monaten deutlich an die Tür zur Weltspitze geklopft haben. Beide spielen eine starke Saison und haben bereits bewiesen, dass sie bei den Players Championships und auf der European Tour mit den Besten mithalten können.
Besonders der 26-jährige Nijman hat in diesem Jahr einen starken Eindruck hinterlassen. Der Niederländer schaffte mit sechs Titeln bei Players-Championship-Turnieren und zwei Turniersiegen auf der European Tour endgültig den Durchbruch. Damit zählt er zu den erfolgreichsten Spielern der Saison. Auch in der Weltrangliste machte Nijman große Fortschritte und gehört inzwischen zu den am höchsten platzierten Niederländern.
Wessel Nijman ballt die Faust
Wessel Nijman hat in diesem Jahr bereits acht PDC-Ranglistentitel gewonnen

Erfolge auch bei Major-Turnieren?

Am vergangenen Wochenende rückte dann Niels Zonneveld ins Rampenlicht. Der Niederländer gewann die Dutch Darts Championship und feierte damit einen wichtigen Erfolg in seiner Karriere. Dieser Triumph unterstrich, dass sich auch Zonneveld auf höchstem Niveau immer besser zurechtfindet. Gemeinsam mit Nijman zählt er zu den Aushängeschildern des niederländischen Darts. Beide können mit viel Selbstvertrauen zur Darts-EM reisen.
In Dortmund wartet allerdings eine große Herausforderung auf sie. Nijman überzeugte bei den Players Championships und auf der European Tour mit starken Ergebnissen, konnte diese Leistungen bei den großen TV-Turnieren bislang aber noch nicht wiederholen. Sein bestes Ergebnis bei einem PDC-Major ist bisher der Einzug ins Achtelfinale. Das zeigt, wie schwierig der Schritt von Erfolgen bei regulären Turnieren zur absoluten Spitze sein kann.
Bei Majors geben Erfahrung, Spielrhythmus und der Umgang mit Druck oft den Ausschlag. Die etablierten Namen wissen in der Regel, was nötig ist, um in den entscheidenden Momenten ihr bestes Niveau abzurufen. Für Nijman und Zonneveld bietet sich in Dortmund eine große Chance, diese Hürde zu überwinden. Ihre aktuelle Form macht ambitionierte Ziele durchaus realistisch. Können sie ihre starke Verfassung auch in ihren ersten Majortitel ummünzen?

Auch Kevin Doets mit Chancen

Mit Kevin Doets klopft ein weiterer junger Niederländer an die Tür zur Spitze. Der in Schweden lebende Niederländer machte in diesem Jahr einen wichtigen Schritt in seiner Karriere und gewann mit Players Championship 13 seinen ersten PDC-Ranglistentitel. Doets zeigte damit, dass er nicht nur auf den großen Bühnen überraschen kann, sondern auch über ein ganzes Turnier hinweg stark genug ist, um die Konkurrenz hinter sich zu lassen. Die nächste Herausforderung besteht darin, diese Form auch bei den Majors zu bestätigen. Bei der Darts-EM erhält er eine neue Chance, sich mit der Weltspitze zu messen und den nächsten Entwicklungsschritt zu machen.
Kevin Doets ballt die Faust.
Kevin Doets blickt bereits auf ein starkes Jahr 2026 zurück.
Doets hat in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass er ein gefährlicher Gegner sein kann. Mit seinem offensiven Spielstil und seiner hohen Punktzahl kann er auch den großen Namen das Leben schwer machen. Nach seinem ersten Ranglistentitel dürfte sein Selbstvertrauen gewachsen sein. Ein starkes Abschneiden in Dortmund würde seinen Status als einen der niederländischen Spieler, die man im Auge behalten muss, weiter festigen.

Kann Rock „endlich“ einen Majortitel gewinnen?

Und was ist mit Josh Rock? Der inzwischen 25-jährige Nordire gilt seit einigen Jahren als künftiger Majorsieger. Rock punktet herausragend und hat mehrfach bewiesen, dass er an seinen besten Tagen mit der absoluten Weltspitze mithalten kann. Der lang ersehnte Durchbruch bei einem Einzel-Major lässt jedoch weiter auf sich warten. Auch für ihn erweist sich der Schritt vom talentierten Herausforderer zum Sieger eines der größten Titel als schwieriger als erwartet.
Josh Rock ballt die Faust
Josh Rock ist derzeit die Nummer acht der Welt.
Vor einigen Jahren wurde Rock mit Blick auf sein natürliches Talent oft in einem Atemzug mit Luke Littler genannt. Beide galten als außergewöhnliche Talente, die künftig die großen Titel unter sich ausmachen würden. Inzwischen hat Littler seinen Altersgenossen jedoch überholt. Der Engländer gewann schon in jungen Jahren mehrere Majors und entwickelte sich zu einer prägenden Figur des modernen Darts. Rock wartet dagegen weiterhin auf seinen ersten individuellen Majortitel.
Das bedeutet nicht, dass der Nordire seine Chancen bereits verspielt hat. Mit 25 Jahren bleibt ihm noch genügend Zeit, sein Potenzial voll auszuschöpfen. Die Darts-EM könnte dafür eine wichtige Bühne bieten. Sowohl Doets als auch Rock erhalten in Dortmund die Chance, ihre Ambitionen zu untermauern und zu beweisen, dass sie nicht nur Talent haben, sondern auch in den größten Momenten zuschlagen können.

Majorsieger werden jünger

Im Darts zeichnet sich allmählich ein klarer Trend ab: Das Durchschnittsalter der absoluten Weltspitze sinkt. Früher war es nicht ungewöhnlich, dass Spieler bis weit in ihre 30er, 40er oder sogar 50er Jahre um die größten Titel mitspielten. Heute findet die neue Generation offenbar immer früher den Weg an die Spitze. Die aufstrebenden Talente zwingen die etablierten Spieler mehr denn je zur Vorsicht.
Das bekannteste Beispiel ist natürlich Luke Littler. Der Engländer ist gerade einmal 19 Jahre alt, hat aber bereits eine beeindruckende Titelsammlung aufgebaut und gehört zur absoluten Elite des Darts. Seine Erfolgsgeschichte ist jedoch kein Einzelfall. Auch andere junge Spieler machen zunehmend auf sich aufmerksam und zeigen, dass das Alter auf höchstem Niveau immer weniger entscheidend ist.
Luke Littler posiert mit der WM-Trophäe.
Mit 19 Jahren hat Luke Littler bereits zwei Weltmeistertitel gewonnen.
Auch das Teilnehmerfeld der Darts-EM verdeutlicht diese Entwicklung. Von den 32 Spielern, die in Dortmund um den Europameistertitel kämpfen, sind nur neun mindestens 40 Jahre alt. Mit Jonny Clayton und Andrew Gilding haben zudem lediglich zwei Teilnehmer die 50 überschritten. Das ist bemerkenswert in einer Sportart, in der Erfahrung lange als großer Vorteil galt und Spieler häufig bis ins höhere Alter auf höchstem Niveau mithielten.

Wright, van Barneveld und Anderson fehlen in Dortmund

Dass einige bekannte Namen fehlen, macht diesen Wandel noch deutlicher. Peter Wright, Raymond van Barneveld und Gary Anderson gehören zu den etablierten Spielern, die in der Vergangenheit große Erfolge feierten. In diesem Jahr gelang es ihnen jedoch nicht, sich für die Darts-EM zu qualifizieren. Ihre Abwesenheit eröffnet in Dortmund einer neuen Spielergeneration die Möglichkeit, sich auf der großen Bühne zu beweisen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass die Erfahrung der älteren Generation plötzlich keine Rolle mehr spielt. Spieler wie Clayton beweisen weiterhin, dass sie auf höchstem Niveau mithalten können. Trotzdem verschiebt sich das Kräfteverhältnis zunehmend zugunsten der jüngeren Generation. In Dortmund könnte sich erneut zeigen, ob sich dieser Trend fortsetzt oder ob die Routiniers noch einmal auf sich aufmerksam machen.

Altersübersicht aller Teilnehmer der Darts-EM 2026

SpielerAlterSpielerAlter
Luke Littler19Ross Smith37
Gian van Veen24Michael van Gerwen37
Josh Rock25Luke Woodhouse38
Wessel Nijman26Jermaine Wattimena38
Niko Springer26Damon Heta39
Kevin Doets28Ryan Searle39
Niels Zonneveld28Cristo Reyes39
Martin Schindler30William O'Connor40
Luke Humphries31Gerwyn Price41
Dirk van Duijvenbode34Stephen Bunting41
Nathan Aspinall35Ryan Joyce 41
Danny Noppert35James Wade43
Rob Cross36Dave Chisnall46
Chris Dobey36Krzysztof Ratajski49
Cameron Menzies36Jonny Clayton 52
Ross Smith37Andrew Gilding55
Es wäre dennoch falsch, die etablierten Spieler einfach abzuschreiben. Die jüngere Generation drängt zwar immer stärker nach vorn, doch mehrere erfahrene Profis beweisen weiterhin, dass sie auf den größten Bühnen eine wichtige Rolle spielen können. Die diesjährigen Ergebnisse zeigen, dass das Alter kein Hindernis sein muss, um um die wichtigsten Titel mitzuspielen.
Ein besonders gutes Beispiel dafür ist Gerwyn Price. Der 41-jährige Waliser stand in diesem Jahr bereits in drei der sechs ausgetragenen Einzelfinals bei Majors. Zwar verpasste er jedes Mal den Titel, doch seine konstant starken Leistungen sind bemerkenswert. Price gehört seit Monaten zu den Spielern, die bei großen Turnieren weit kommen, und scheint nur noch einen Schritt von einem weiteren großen Titel entfernt zu sein. Der frühere Weltmeister startet daher mit einem zusätzlichen Ziel in die Darts-EM. In Dortmund will er nicht nur den Europameistertitel gewinnen, sondern auch beweisen, dass er weiterhin die größten Titel holen kann. Nach drei verlorenen Majorfinals wäre ein Turniersieg zudem ein passender Lohn für seine starke Saison.

Gerwyn Prices Ergebnisse bei PDC-Majors 2026

World MastersHalbfinaleLuke Littler4:5
UK OpenHalbfinaleJames Wade8:11
Premier League DartsHalbfinale (Play-offs)Luke Littler9:10
World MatchplayFinaleLuke Littler9:18
World Series of Darts FinalsFinaleRoss Smith5:11
World Grand PrixFinaleLuke Humphries4:6

Wer sind die Geheimfavoriten für Dortmund?

Auch James Wade ist ein Beispiel für einen Spieler, der trotz seiner Erfahrung weiterhin mit der jüngeren Generation mithalten kann. Der Engländer erreichte zum zweiten Jahr in Folge das Finale der UK Open, musste sich dort aber erneut Luke Littler geschlagen geben. Wade gehört seit mehr als 20 Jahren zur Spitze und hat in dieser Zeit eine beeindruckende Titelsammlung aufgebaut. Mit 43 Jahren zählt er zu den erfahrensten Spielern im Teilnehmerfeld, doch seine jüngsten Ergebnisse zeigen, dass er noch lange nicht abgeschrieben ist. The Machine bleibt ein gefährlicher Gegner, besonders bei großen Turnieren, bei denen Erfahrung und Wettkampfhärte oft den Unterschied ausmachen.
Ein weiterer Routinier, den man im Auge behalten sollte, ist Jonny Clayton. Mit 52 Jahren ist der Waliser nach Andrew Gilding der älteste Teilnehmer der kommenden Darts-EM. The Ferret hat in diesem Jahr erneut gezeigt, dass er Turniere gewinnen kann. Neben der Swiss Darts Trophy und den New Zealand Darts Masters holte Clayton auch einen Titel bei einem Players-Championship-Turnier. Damit bewies er, dass er weiterhin das Niveau für Turniersiege mitbringt.
Auf einen weiteren Majortitel wartet Clayton allerdings schon lange. Seine letzten großen Einzelerfolge stammen aus seinem herausragenden Jahr 2021, als er unter anderem die Premier League Darts und den World Grand Prix gewann. Seitdem ist er auf höchstem Niveau eine feste Größe, doch ein weiterer individueller Majortitel fehlt noch in seiner Sammlung. Bei der Darts-EM erhält er eine neue Gelegenheit, das zu ändern.
Jonny Clayton mit dem Pokal bei der Swiss Darts Trophy
Jonny Clayton gewann in diesem Jahr die World Darts Trophy
Price, Wade und Clayton zeigen, dass die jüngere Generation die Macht noch nicht vollständig übernommen hat. Den etablierten Spielern fällt es zunehmend schwer, ihre Dominanz zu behaupten. Sie verfügen aber weiterhin über die Klasse und Erfahrung, um in den entscheidenden Momenten zuzuschlagen. In Dortmund wird es deshalb spannend zu sehen sein, ob die jungen Spieler erneut die Oberhand gewinnen oder die Routiniers ihre Klasse zeigen.

Englisches Trio muss um seinen Platz an der Spitze kämpfen

Bei Price, Wade und Clayton ist klar, dass sie weiterhin zur absoluten Spitze gehören. Für einige andere etablierte Spieler ist die Lage deutlich schwieriger. Die Darts-EM bietet Stephen Bunting, Rob Cross und Dave Chisnall eine hervorragende Gelegenheit, wieder auf sich aufmerksam zu machen. Alle drei verfügen über die nötige Erfahrung und Klasse, doch ihre jüngsten Ergebnisse werfen immer mehr Fragen auf. Durch den Aufstieg einer neuen Generation wird es für sie zudem zunehmend schwieriger, ihren Platz an der Spitze zu behaupten.
Stephen Bunting blickt bislang besonders mit gemischten Gefühlen auf seine Saison zurück. The Bullet qualifizierte sich nur knapp für die Darts-EM, was sinnbildlich für ein sehr wechselhaftes Jahr steht. In der Weltrangliste ist der Engländer inzwischen auf Platz 13 zurückgefallen, obwohl er vor nicht allzu langer Zeit noch zu den Top vier gehörte. Dieser Absturz macht deutlich, dass Bunting dringend ein starkes Ergebnis bei einem großen Turnier braucht.
Angesichts der immer stärker aufstrebenden jungen Konkurrenz dürfte dem Engländer klar sein, dass er sich nicht auf seinen bisherigen Erfolgen ausruhen kann. Ein gutes Ergebnis in Dortmund käme daher gleich in mehrfacher Hinsicht gelegen. Vor zwei Jahren schied Bunting bei der Darts-EM bereits in der ersten Runde aus. In diesem Jahr hat er allerdings kein Preisgeld aus dem Vorjahr zu verteidigen. Ein tiefer Lauf könnte ihm also nicht nur sportliches Selbstvertrauen geben, sondern auch einen deutlichen Sprung in der Weltrangliste ermöglichen. Für The Bullet bietet sich damit eine hervorragende Gelegenheit, das Blatt zu wenden.
Auch Rob Cross wird mit zusätzlicher Motivation in die Darts-EM starten. Der Engländer gewann den Europameistertitel 2019 und 2021, ist inzwischen aber auf Platz 22 der Weltrangliste zurückgefallen. Für einen Spieler, der jahrelang zur absoluten Weltspitze gehörte, ist das ein bemerkenswerter Rückschritt. Mit seinem Weltmeistertitel von 2018 und den beiden Europameistertiteln hat Cross jedoch bewiesen, dass er auf den größten Bühnen bestehen kann. Die Frage ist, ob Voltage wieder Anschluss an die Spitze findet. Die Darts-EM, bei der er in der Vergangenheit besonders erfolgreich war, bietet dafür die ideale Gelegenheit.
Das dritte Mitglied dieses Trios ist Dave Chisnall. Anders als Bunting und Cross hat Chizzy zwar noch nie ein individuelles PDC-Major gewonnen, stand aber mehrfach in den Endspielen großer Turniere. Der inzwischen 46-jährige Engländer war jahrelang ein fester Bestandteil der Schlussphasen wichtiger Wettbewerbe. In den vergangenen zwei Jahren suchte er jedoch zunehmend nach seiner Bestform.
Dass sich Chisnall trotz einer schwachen Saison für die Darts-EM qualifiziert hat, ist bereits ein kleiner Erfolg. In der Weltrangliste ist er mittlerweile auf Platz 30 abgerutscht und braucht dringend ein gutes Ergebnis. Kann Chizzy in Dortmund wieder sein bestes Niveau erreichen und beweisen, dass er weiterhin zu den großen Namen gehört? Für ihn, Bunting und Cross steht mehr auf dem Spiel als nur der Europameistertitel. Die Darts-EM könnte ihnen eine wichtige Gelegenheit bieten, ihre Saison doch noch aufzuwerten und den Anschluss an die Spitze nicht endgültig zu verlieren.

Kann van Gerwen die Negativspirale durchbrechen?

Schließlich gibt es noch einige Spieler in ihren frühen oder mittleren 30ern, die sich zwischen der aufstrebenden Generation und den etablierten Namen bewegen. Diese Zwischengeneration hat genügend Erfahrung, um auf den größten Bühnen zu bestehen, und zugleich noch viele Jahre vor sich, um ihre Titelsammlung zu erweitern. Angeführt wird sie natürlich von Michael van Gerwen, der jahrelang das Gesicht des internationalen Darts war.
Der 37-jährige Niederländer ist nach Phil Taylor der erfolgreichste Spieler der Sportgeschichte und gewann die Darts-EM bereits dreimal. Mighty Mike befindet sich jedoch schon seit einiger Zeit in einer schwächeren Phase. Früher ging er nahezu in jedes Turnier als einer der großen Favoriten. Inzwischen muss er sich häufiger mit einer Nebenrolle begnügen.
Michael van Gerwen in Aktion
Michael van Gerwen gewann die Darts-EM bereits dreimal.
Bei einem Einzel-Major kam van Gerwen in diesem Jahr bislang nicht über das Achtelfinale hinaus. In der Weltrangliste ist er inzwischen auf Platz zehn zurückgefallen. Ohne bessere Ergebnisse droht ihm ein weiterer Absturz.
Für van Gerwen ist die Darts-EM daher eine hervorragende Gelegenheit, das Blatt zu wenden. Der Niederländer ist es nicht gewohnt, um seinen Platz an der Spitze kämpfen zu müssen, doch die Konkurrenz ist in den vergangenen Jahren enorm stark geworden. Auch mit Blick auf eine mögliche Nominierung für die kommende Premier League Darts käme ihm ein weiterer Majortitel gelegen. Als viermaliger Europameister weiß er zudem wie kaum ein anderer, was nötig ist, um in Dortmund den Titel zu holen.

Michael van Gerwens Ergebnisse bei PDC-Majors 2026

TurnierRundeGegnerErgebnis
World MastersLetzte 32Damon Heta1:3 (Sätze)
UK OpenLetzte 16James Wade3:10
Premier League Darts6. Platz—Keine Play-offs
World Cup of DartsFinaleEngland (Luke Littler und Luke Humphries)5:10
World MatchplayLetzte 16Dirk van Duijvenbode12:14
World Series of Darts FinalsLetzte 32Daryl Gurney5:6
World Grand PrixLetzte 32Ryan Joyce1:2 (Sätze)

Weitere Spieler in ihren 30ern gehören zur Zwischengeneration

Ganz anders stellt sich die Lage für Luke Humphries dar. Der 31-jährige Engländer hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass er zur absoluten Weltspitze gehört und große Titel gewinnen kann. In letzter Zeit musste sich Cool Hand Luke jedoch regelmäßig Luke Littler geschlagen geben, der immer stärker in den Vordergrund rückt. Mit seinem Sieg beim World Grand Prix zeigte Humphries kürzlich aber, dass er weiterhin das Zeug zum Majorsieger hat. Entsprechend selbstbewusst dürfte er zur Darts-EM reisen.
Auch Ross Smith und Nathan Aspinall gehören zu dieser Zwischengeneration, die auf höchstem Niveau weiterhin voll mitmischt. Der 37-jährige Smith feierte in diesem Jahr einen wichtigen Meilenstein und gewann die World Series of Darts Finals. Damit sicherte sich Smudger seinen zweiten Majortitel und bestätigte, dass er bei großen Turnieren weiterhin ein gefährlicher Außenseiter ist.
Auch der 35-jährige Aspinall hat bereits einige Erfolge gefeiert. The Asp gewann Anfang April den German Darts Grand Prix und bleibt ein Spieler, den man bei Erreichen seiner Bestform im Auge behalten muss. Im Herbst wird der Engländer zweifellos erneut versuchen, einen Majortitel zu holen.
Mit Spielern wie van Gerwen, Humphries, Smith und Aspinall ist die Zwischengeneration also längst nicht abgeschrieben. Sie bringt genügend Erfahrung mit, um die jungen Talente aufzuhalten, weiß aber zugleich, dass die Konkurrenz immer größer wird. Die Darts-EM wird damit zu einem interessanten Gradmesser: Kann diese Generation einem Major erneut ihren Stempel aufdrücken, oder übernehmen die jungen Talente zunehmend das Kommando?
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