„Er tut nur so, als wäre er der netteste“ – Michael van Gerwen sorgt mit Seitenhieb gegen Luke Humphries im Livestream für Lacher

PDC
durch Nic Gayer
Van Gerwen_Humphries
Michael van Gerwen hat in einem ausführlichen Livestream ungewöhnlich offene Einblicke in sein Leben innerhalb und außerhalb des Dartsports gewährt. Der dreimalige Weltmeister stellte sich den Fragen seiner Follower und ließ es sich gleichzeitig nicht nehmen, zwischendurch immer wieder einige Pfeile auf das Board zu werfen.
Dabei sprach „Mighty Mike“ unter anderem über seine aktuelle Form, die bevorstehende Swiss Darts Trophy, Luke Humphries, seinen ersten 9-Darter und die Möglichkeit, nach seiner Karriere ein Buch zu veröffentlichen. Auch der Spaß kam nicht zu kurz: Mit den während der Übertragung anwesenden Freunden lieferte sich der Niederländer immer wieder kleinere Wortgefechte.

Muskelkater nach Padel und Selbstkritik am Dartboard

Dass es sich um eine ausgesprochen lockere Übertragung handeln würde, zeigte sich bereits früh. Van Gerwens Kinder waren kurz im Bild zu sehen, bevor sie ins Bett gingen. Zudem berichtete der Niederländer, dass er am Vortag anderthalb Stunden Padel gespielt hatte – eine Sportart, in der seine Qualitäten offenbar überschaubar sind. Auf die Frage, ob er gewonnen habe, antwortete van Gerwen ohne zu zögern: „Nein, ich bin der Schlechteste. Das ist normal.“ Die körperlichen Folgen bekam er auch am nächsten Tag noch zu spüren. „Ich habe den schlimmsten Muskelkater, den man sich vorstellen kann.“
Michael van Gerwen jubelt.
Michael van Gerwen gewährte in einem ausführlichen Livestream Einblicke in seine Karriere, sein Privatleben und seine Pläne für die Zeit nach dem Dartsport.
Zwischen den zahlreichen Fragen setzte van Gerwen sein Training fort. Unter anderem arbeitete er an seinen Doppelfeldern und verschiedenen Finishes, zeigte sich mit vielen seiner Versuche allerdings alles andere als zufrieden. Nachdem ein Checkout nicht wie erhofft funktioniert hatte, scherzte er: „Ich bin in sehr vielen Dingen wertlos, aber es gibt zwei oder drei Sachen, in denen ich ziemlich gut bin.“

Van Gerwen will in Basel gewinnen

Deutlich ernster wurde van Gerwen, als das Gespräch auf seinen nächsten Turnierauftritt kam. An diesem Wochenende steht für ihn die Swiss Darts Trophy in Basel auf dem Programm. Dabei machte der Niederländer unmissverständlich klar, dass er keineswegs in die Schweiz reist, um lediglich das Teilnehmerfeld zu komplettieren.
„Natürlich fahre ich nicht in die Schweiz, um nur am Turnier teilzunehmen“, sagte van Gerwen. „Ich will dort natürlich gewinnen. Ich will gewinnen. Das ist für mich das Wichtigste. Natürlich muss ich dafür sorgen, dass ich Leistung bringe.“
Im weiteren Verlauf des Livestreams kam van Gerwen erneut auf das Turnier zu sprechen. Er erklärte, dass er sich auf die Reise nach Basel freue und bereits seit langer Zeit nicht mehr in der Schweiz gespielt habe.
Ein Zuschauer wollte außerdem wissen, wen van Gerwen momentan als seinen größten Konkurrenten ansieht. Seine Antwort fiel bemerkenswert aus und bezog ausdrücklich die eigene Form mit ein. „Im Moment habe ich 128 Konkurrenten“, stellte er fest. „Wenn du nicht dein bestes Spiel machst, ist alles schwierig. Aber du musst dafür sorgen, dass du weiter trainierst und Zeit in dich selbst investierst.“
Damit übte van Gerwen durchaus Selbstkritik. Dem dreimaligen Weltmeister ist bewusst, dass er sein Niveau steigern muss, wenn er wieder regelmäßig um die großen Titel kämpfen möchte. Gleichzeitig wurde während der Übertragung mehrfach deutlich, dass der unbedingte Wille zum Sieg nach wie vor sein größter Antrieb ist.

Humphries während des Livestreams angerufen

Natürlich war auch der World Grand Prix ein Thema. Van Gerwen selbst hatte das Finale verpasst, in dem Luke Humphries nach einem Comeback gegen Gerwyn Price triumphierte. Auf die Frage, ob er das Endspiel gesehen habe, musste der Niederländer zunächst überlegen, wie er den betreffenden Sonntag eigentlich verbracht hatte. „Das Finale? Welches Finale? Der Grand Prix? Ja, Humphries hat ihn gewonnen. Was habe ich Sonntag gemacht? Ach, Sonntag war Grillen.“
Später entschied sich van Gerwen kurzerhand dazu, den frischgebackenen Champion noch während des Livestreams anzurufen. Mit einigen Neckereien stellte er Humphries als „den Grand-Prix-Champion“ vor und lud ihn dazu ein, bei einer späteren Gelegenheit gemeinsam einen Livestream zu veranstalten.
„Wir essen etwas, gehen dann live und haben ein bisschen Spaß“, schlug van Gerwen vor. Humphries sagte schließlich zu, vorbeizukommen. „Luke kommt in den Livestream. Das hat er mir jetzt versprochen“, verkündete van Gerwen anschließend gegenüber seinen Zuschauern.
Wenig später meldete sich Humphries sogar im Chat zu Wort. Van Gerwen konnte sich daraufhin einen weiteren Seitenhieb nicht verkneifen. „Luke Humphries ist nicht der netteste Mann im Darts. Er tut nur so, als wäre er der netteste. Er will der ideale Schwiegersohn sein“, scherzte er, um unmittelbar danach mit ernstem Unterton hinzuzufügen: „Nein, er ist ein großartiger Kerl.“

Besondere Geschichte über den ersten 9-Darter

Unter den zahlreichen Zuschauerfragen ging es auch um einige besondere Momente aus van Gerwens Karriere. So wollte ein Fan wissen, wann der Niederländer seinen ersten 9-Darter geworfen hatte. Seine Antwort führte weit zurück in seine Jugend.
„Mein allererster 9-Darter gelang mir mit Darts von Bob Anderson“, erzählte van Gerwen. Damals habe er die Pfeile des niederländischen Jugendspielers Jeroen Verhoeven ausprobiert. „Ich sagte: Lass mich deine Darts einmal ausprobieren. Und dann warf ich einen 9-Darter. Es waren Bob-Anderson-Darts.“
Bei seinem Lieblingsfinish musste van Gerwen hingegen nicht lange überlegen. Mehrfach wurde er während des Livestreams danach gefragt, ehe er schließlich erklärte, dass die 132 seine bevorzugte Kombination sei. „Wie oft stellt ihr dieselben Fragen? Diese Frage habe ich schon zwanzigmal bekommen“, scherzte der Niederländer.
Auch bei der Frage nach seinem Lieblingsschiedsrichter stand die Antwort schnell fest. „Er ist nicht mehr aktiv. Es ist George Noble“, erklärte van Gerwen.

Van Barneveld ist die Nummer zwei der Niederlande

Ein weiterer interessanter Moment entstand, als van Gerwen gefragt wurde, wen er als zweitbesten niederländischen Dartspieler aller Zeiten einstuft. Bei der Frage nach der Nummer eins gab es aus seiner Sicht erwartungsgemäß keinerlei Zweifel.
Raymond van Barneveld zollt Michael van Gerwen auf der Bühne Respekt.
Michael van Gerwen und Raymond van Barneveld prägten den niederländischen Dartsport über viele Jahre – in der ewigen Rangliste sieht „Mighty Mike“ sich selbst vor seinem langjährigen Rivalen.
„Raymond van Barneveld“, antwortete van Gerwen auf die Frage nach dem zweiten Platz. „Denn der Erste bin ich.“ Als aus dem Raum noch einmal nachgehakt wurde, ob tatsächlich die besten niederländischen Dartspieler aller Zeiten gemeint seien, blieb „Mighty Mike“ bei seiner Einschätzung.
Die Rivalität zwischen van Gerwen und van Barneveld prägte den niederländischen Dartsport über viele Jahre hinweg. Für van Gerwen selbst ist die Rangfolge angesichts der sportlichen Erfolge jedenfalls eindeutig.

Buch erst nach seiner Dartkarriere

Neben dem Geschehen am Oche gewährte van Gerwen auch Einblicke in sein Privatleben. So verriet er, dass er nach wie vor gelegentlich Poker spielt, dafür allerdings nur wenig Zeit findet. „Alle paar Wochen einmal. Ich habe nicht so viel Zeit. Meistens habe ich die Kinder unter der Woche und muss mich um sie kümmern.“
Auch seine Vorlieben bei Getränken kamen zur Sprache. Mit Bier kann van Gerwen nach eigener Aussage überhaupt nichts anfangen. „Ich habe in meinem Leben noch nie Bier getrunken. Eines muss man verstehen: Bier ist nicht mein Ding.“ Wenn er Alkohol trinke, greife er lieber zu anderen Getränken. „Wenn ich trinke, mag ich Champagner, Rosé oder Wein. Ich bin kein großer Trinker.“
Anschließend wollte ein Zuschauer wissen, ob van Gerwen schon einmal darüber nachgedacht habe, ein Buch zu schreiben. Grundsätzlich kann sich der Niederländer das gut vorstellen – allerdings erst nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn. „Ich denke, wenn ich aufgehört habe“, antwortete er. „Wenn ich jetzt ein Buch schreibe, wird es so dick. Im Ernst. Ich habe ein paar großartige Geschichten.“

Neue Darts stehen bevor

Seinen Livestream nutzte van Gerwen außerdem dazu, einen ersten Vorgeschmack auf neue Darts zu geben, die demnächst auf den Markt kommen sollen. Noch durfte er nicht allzu viel verraten oder zeigen, einige Details gab der dreimalige Weltmeister seinen Zuschauern dennoch mit auf den Weg.
Nach Angaben von van Gerwen sollen zunächst vier neue Sets erscheinen, ehe im Dezember ein fünftes hinzukommt. Während des Livestreams berichtete er zudem, dass noch am selben Tag Aufnahmen für die neuen Produkte entstanden seien.
Von einem der Sets zeigte sich van Gerwen besonders angetan. „Dieser Dart braucht eine Stunde auf der Maschine. Ein Dart. Das ist verrückt. Ich glaube nicht, dass es einen anderen Dart gibt, der so komplex ist. Es dauert eine Stunde, um einen Dart herzustellen. Verrückt. Wenn man den Grip sieht, versteht man es.“
In einem kommenden Livestream möchte van Gerwen weitere Einblicke in sein neues Sortiment gewähren. „Es erscheinen vier neue Dart-Sets und allerlei andere Dinge. Ich freue mich wirklich unglaublich darauf.“

Van Gerwen überrascht über niederländischen YouTuber

Gegen Ende der Übertragung sorgte schließlich der niederländische YouTuber Enzo Knol für einen amüsanten Moment. Van Gerwen erfuhr, dass er zur gleichen Zeit ebenfalls live war, und wollte daraufhin wissen, wie viele Zuschauer dessen Stream verfolgten. Als er hörte, dass Knol Minecraft spielte und damit auf YouTube Zehntausende Menschen erreichte, reagierte van Gerwen völlig ungläubig.
„33.000? Was ist das? Im Ernst?“, rief der Niederländer. Anschließend erzählte er, dass auch sein sechsjähriger Sohn Minecraft spiele und ihm bislang nicht bewusst gewesen sei, dass das Spiel auch unter Erwachsenen derart populär ist.
Für Knol selbst hatte van Gerwen ausschließlich lobende Worte übrig. „Er ist ein sehr bekannter Typ in den Niederlanden. Er kommt auch oft zum Darts schauen. Und er ist ein guter Kerl. Enzo ist absolut großartig.“
Zum Abschluss richtete sich van Gerwens Aufmerksamkeit wieder auf das, worum sich für ihn letztlich alles dreht: das Dartboard. Beenden wollte er den Livestream erst, nachdem ihm drei 180er gelungen waren. „Was, wenn es eine Stunde dauert? Dann dauert es eben eine Stunde. Das ist mir egal. Wir sollten ein bisschen Spaß dabei haben.“
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