James Wade könnte sich das nächste nervenaufreibende Warten auf eine Einladung zur
Premier League Darts ersparen. Mit seinem Halbfinaleinzug beim
World Grand Prix 2026 hat sich der Engländer auf den fünften Platz der Weltrangliste vorgeschoben und ist damit der automatischen Qualifikation für das prestigeträchtige Einladungsturnier einen entscheidenden Schritt nähergekommen. Nach mehreren schmerzhaften Nichtberücksichtigungen hat Wade seine Zukunft nun wieder selbst in der Hand.
Der World-Grand-Prix-Champion von 2009 wartet seit seinem Halbfinaleinzug 2022 auf eine Rückkehr in die Premier League. Selbst seine Finalteilnahmen bei den UK Open und dem World Matchplay reichten nicht aus, um in diesem Jahr berücksichtigt zu werden. Doch sein jüngster Erfolgslauf in Leicester hat die Ausgangslage verändert: Wade ist zurück unter den fünf besten Spielern der Welt und nur noch einen Rang von einem direkten Qualifikationsplatz entfernt.
„Er ist jetzt sicher dabei“ – James Wade setzt die PDC unter Druck
„Er ist jetzt sicher in der Premier League dabei“, erklärte
Samuel Gill, Chief Content Officer von DartsNews, der den World Grand Prix vor Ort begleitete,
in der jüngsten Ausgabe des DartsNews-Podcasts. „Er steht unter den Top fünf. Eigentlich kann es für ihn nur noch aufwärtsgehen. Sein Ziel werden die Top vier sein, damit die PDC nicht erneut so verfährt wie in den vergangenen Jahren und ihn außen vor lässt.“
Das aktuelle Auswahlverfahren sieht vor, dass sich die vier bestplatzierten Spieler der Weltrangliste nach der Weltmeisterschaft automatisch für die Premier League qualifizieren. Wade führt als Weltranglistenfünfter derzeit das Verfolgerfeld an. Allerdings hat Gerwyn Price mit seinem Finaleinzug in Leicester den vierten Rang gefestigt und damit seine Position im Kampf um eines der begehrten Tickets gestärkt.
Nach dem World Grand Prix standen für Wade 686.250 Pfund in der über zwei Jahre geführten Weltrangliste zu Buche, während Price auf 793.000 Pfund kam. Damit beträgt der Abstand zwischen beiden Kontrahenten 106.750 Pfund. Eine beträchtliche Differenz, die angesichts der noch ausstehenden Ranglistenturniere und der Weltmeisterschaft im Alexandra Palace allerdings keineswegs uneinholbar erscheint. Hinzu kommt, dass bei beiden Spielern ältere Preisgelder aus der Wertung fallen, während neue Ergebnisse in die Rangliste einfließen.
Vier Titel, starke Major-Auftritte und ein neues Selbstbewusstsein
Die wiederholte Nichtberücksichtigung von James Wade beschäftigt die Experten des DartsNews-Podcasts bereits seit der
ersten Ausgabe im Februar. Schon damals hatte sich Moderator
Kieran Wood für eine Rückkehr des Engländers ausgesprochen. Als entscheidenden Schwachpunkt seiner ansonsten überzeugenden Bewerbung bezeichnete er jedoch „ein schwaches Ende des Jahres 2025“.
Wade lieferte seine Antwort am Oche. Zunächst sicherte er sich den Titel bei Players Championship 1 und erreichte erneut das Finale der UK Open. Anschließend triumphierte er beim Australian Darts Masters sowie der Flanders Darts Trophy. Mit seinem Erfolg in Flandern beendete der Routinier zugleich eine mehr als zehnjährige Durststrecke auf der European Tour.
James Wade spielt sich mit starken Leistungen zurück in die Weltspitze und darf auf seine Rückkehr in die Premier League hoffen.
Spätestens im September war für den deutschen Darts-Experten und Podcast-Co-Moderator
Nicolas Gayer klar, dass Wade einen Platz in der Premier League 2027 verdient hat. Dabei standen nicht nur die sportlichen Resultate im Mittelpunkt der Diskussion. Auch die zunehmend offenen und direkten Interviews des Engländers sowie seine immer engere Verbindung zu den Fans wurden als Argumente für eine Nominierung angeführt.
Beim World Grand Prix in Leicester untermauerte Wade seine Ansprüche mit einem weiteren überzeugenden Auftritt auf der großen Bühne. Nach Siegen gegen Joe Cullen und Stephen Bunting ließ er im Viertelfinale auch der Nummer drei der Welt, Gian van Veen, beim deutlichen 3:0 keine Chance. Erst im Halbfinale musste er sich dem späteren Turniersieger Luke Humphries mit 3:5 geschlagen geben.
„Für mich ist er definitiv gesetzt und hat sich selbst wieder ins Gespräch gebracht“, betonte Gill. „Meiner Meinung nach spielt James Wade die besten Darts seiner Karriere. Früher oder später wird er wieder ein großes Turnier gewinnen. Aufgrund seiner Erfahrung traue ich ihm momentan sogar eher als Gerwyn Price zu, einen Major-Titel zu holen.“
Dass Wade auch beim Scoring inzwischen Leistungen auf höchstem Niveau abrufen kann, hatte er bereits bei den UK Open eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Im Halbfinale gegen Price in Minehead glänzte er mit einem Average von 105,53 Punkten, elf 180ern in nur 19 Legs und einem spektakulären 167er-Finish. Erst im Endspiel wurde sein Lauf von Luke Littler gestoppt.
Der junge Engländer hatte sich bereits 2025 als Wades Finalschreck erwiesen und ihn sowohl bei den UK Open als auch beim World Matchplay im Titelduell bezwungen. Zwar erreichte Wade in diesem Zeitraum immer wieder die entscheidenden Phasen großer Turniere, doch sein letzter Triumph bei einem bedeutenden Ranglistenturnier liegt einige Jahre zurück: 2021 gewann er die UK Open.
„Das wäre großartig“ – Träumt James Wade sogar vom WM-Titel?
Für Samuel Gill wäre die Rückkehr in die Premier League allerdings längst nicht der größte Erfolg, den er Wade in den kommenden Monaten zutraut. Vielmehr hofft der Experte auf einen weiteren goldenen Herbst in der Karriere des Engländers. Bereits 2018 hatte Wade zum Saisonende mit Titeln bei der European Championship und den World Series of Darts Finals für Aufsehen gesorgt. Nun könnte ausgerechnet die Weltmeisterschaft, die in seiner beeindruckenden Titelsammlung noch fehlt, zum Schauplatz eines weiteren großen Triumphs werden.
„Ich würde ihn am Ende des Jahres unglaublich gerne einen großen Titel gewinnen sehen. Für mich wäre das großartig“, erklärte Gill. „Es hätte schon eine gewisse Ironie, wenn James Wade nach einer längeren Zeit ohne Major-Titel plötzlich Weltmeister werden würde – ähnlich wie damals, als er in seinem berühmten Herbst gleich mehrere große Titel gewann.“
Eine konkrete Titelprognose wollte der DartsNews-Experte daraus allerdings noch nicht ableiten. „Ich werde jetzt noch keine gewagte Vorhersage treffen“, schränkte Gill ein.
Tatsächlich spricht Wades jüngste Bilanz bei der Weltmeisterschaft nicht unbedingt für einen bevorstehenden Durchbruch im Alexandra Palace. Bei seinen vergangenen vier WM-Teilnahmen musste der Engländer jeweils bereits nach seinem Auftaktmatch die Heimreise antreten. Dabei hatte er 2022 noch zum vierten Mal in seiner Karriere das Halbfinale der Weltmeisterschaft erreicht.
Bevor Wade erneut in London antritt, warten jedoch weitere Gelegenheiten, seine Position in der Weltrangliste zu verbessern und den Rückstand auf Gerwyn Price zu verkürzen. Den Auftakt macht an diesem Wochenende die
Swiss Darts Trophy in Basel. Dort geht Wade als Nummer vier der Setzliste ins Rennen und trifft in seinem ersten Match entweder auf Dirk van Duijvenbode oder den Schweizer Qualifikanten Bruno Stöckli. Im Viertelfinale könnte es anschließend zum Duell mit Michael van Gerwen kommen.
Besonders interessant ist die Ausgangslage durch den Rückzug von Gerwyn Price. Da der Waliser bei der Swiss Darts Trophy nicht antritt, bietet sich Wade die Chance, ohne direkte Gegenwehr seines unmittelbaren Ranglistenkonkurrenten wichtige Preisgelder aufzuholen. Wie konsequent der Engländer diese Gelegenheit nutzt, dürfte zum nächsten Gradmesser einer bemerkenswerten Saison werden. Einer Saison, an deren Ende James Wade möglicherweise nicht mehr auf eine Einladung der PDC hoffen muss, sondern bereits ganz konkret für seine Rückkehr in die Premier League planen kann.