„Es ist zu viel Darts“ – Dreimaliger Weltmeister John Part fordert mehr Freiheiten für die Stars des Sports

PDC
durch Nic Gayer
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Der internationale Darts-Kalender ist so voll wie nie zuvor. Doch für den dreimaligen Weltmeister John Part ist die stetig wachsende Zahl an Turnieren nicht zwangsläufig ein Problem. Der Kanadier plädiert vielmehr dafür, den Topstars bei ihrer Turnierplanung größere Freiheiten einzuräumen. Gleichzeitig sieht er erhebliche finanzielle Hürden für Spieler aus Nordamerika, Asien und Ozeanien, die sich auf der PDC-Tour etablieren wollen. Im Interview mit Online Darts äußerte sich Part ausführlich zur Belastung durch den eng getakteten Spielplan, zur Dominanz von Luke Littler und zu den Herausforderungen bei der weltweiten Entwicklung des Dartsports.
Der Turnierkalender der PDC lässt den Profis mittlerweile kaum noch Verschnaufpausen. Neben den prestigeträchtigen TV-Majors stehen zahlreiche Players Championships, European-Tour-Turniere und weitere Wettbewerbe auf dem Programm. Einerseits eröffnet das den Spielern vielfältige Möglichkeiten, andererseits steigen dadurch auch die körperlichen und mentalen Anforderungen. Besonders für diejenigen, die möglichst jedes Turnier bestreiten möchten, kann die hohe Belastung zum Problem werden.

John Part fordert mehr Entscheidungsfreiheit für die Darts-Profis

Part spricht sich deshalb ausdrücklich dafür aus, dass die Profis selbst bestimmen dürfen, welche Turniere sie bestreiten und auf welche sie verzichten. „Wenn man wirklich jedes Turnier spielen und überall dabei sein muss, ist es meiner Meinung nach zu viel Darts“, erklärt der Kanadier. „Ich weiß, dass das momentan ein viel diskutiertes Thema ist, weil einige Spitzenspieler bestimmte Turniere nicht spielen wollen. Aber ich finde, man sollte ihnen dabei eine gewisse Freiheit lassen.“
John Part jubelt.
Der dreimalige Darts-Weltmeister John Part fordert mehr Freiheiten für die PDC-Stars und bessere finanzielle Perspektiven für internationale Spieler.
Dabei geht es dem ehemaligen Weltmeister insbesondere um die psychischen Auswirkungen eines nahezu pausenlosen Wettkampfbetriebs. „Es ist enorm viel, wenn man alles spielen und daneben auch noch ein halbwegs normales Leben führen soll. Für die psychische Gesundheit, oder wie man es auch nennen möchte, braucht es genug Spielraum, um Entscheidungen zu treffen. Manchmal wird diese Freiheit vielleicht etwas ausgenutzt, aber letztlich sollten die Spieler diese Möglichkeit haben.“

„Das Publikum wird trotzdem gut unterhalten“

Dass prominente Namen wie Luke Littler bei einzelnen Veranstaltungen fehlen, sorgt unter Fans immer wieder für Diskussionen. Insbesondere auf der European Tour kommt es regelmäßig vor, dass einige der besten Spieler der Welt auf eine Teilnahme verzichten. Part kann die Enttäuschung der Zuschauer nachvollziehen, ist allerdings überzeugt, dass die enorme Leistungsdichte im modernen Dartsport solche Ausfälle längst kompensieren kann.
„Es gibt heutzutage so viele gute Spieler, dass wir diejenigen, die sich gegen eine Teilnahme entscheiden, meistens gar nicht vermissen“, betont Part. „Natürlich gibt es Menschen, die Karten für ein European-Tour-Turnier in Deutschland kaufen und vielleicht unbedingt Luke Littler sehen wollen. Am Ende bekommen sie aber großartigen Dartsport geboten.“
Ohnehin sollten sich die Zuschauer bewusst machen, dass selbst die Teilnahme ihres Lieblingsspielers keineswegs einen langen Turnierverbleib garantiert. Als Beispiel nennt Part den World Grand Prix, bei dem Littler bereits nach seinem Auftaktmatch die Segel streichen musste. „Eine Eintrittskarte garantiert nur, dass man Darts zu sehen bekommt. Das haben auch die Zuschauer erlebt, die Karten für den World Grand Prix gekauft hatten. Littler schied schon nach einem Spiel aus.“
Dem Unterhaltungswert des Turniers habe das frühe Aus des Weltmeisters jedoch keinen Abbruch getan. „Wir haben diese Woche sehr viel unterhaltsamen Dartsport gesehen, auch nachdem die Nummer eins der Setzliste ausgeschieden war. Das ist eigentlich immer so. Der Dartsport steht derzeit hervorragend da.“

Warum Littlers frühes Ausscheiden den Druck auf die Konkurrenz sogar erhöht

Verabschiedet sich der größte Titelfavorit frühzeitig aus einem Turnier, steigen für die verbliebenen Teilnehmer auf den ersten Blick die Chancen auf den Titelgewinn. Dass damit automatisch eine geringere mentale Belastung einhergeht, hält Part allerdings für einen Trugschluss.
Nach Einschätzung des Kanadiers kann sich der Druck in einer solchen Situation sogar erheblich verstärken. „Natürlich wird es dadurch interessanter, aber es entsteht auch mehr Druck“, erläutert er. „Plötzlich denkt man: Die Tür steht offen, normalerweise passiert das nicht. Jetzt muss ich die Chance nutzen.“
Wie sich eine solche Konstellation anfühlt, weiß Part aus seiner eigenen aktiven Laufbahn. Damals dominierte Phil Taylor den professionellen Dartsport über viele Jahre nahezu nach Belieben. Schied „The Power“ überraschend früh aus, eröffnete sich seinen Konkurrenten eine seltene Gelegenheit, bei einem großen Turnier selbst den Titel zu holen.
„Man denkt vielleicht, dass jetzt alles leichter wird, aber eigentlich setzt man sich zusätzlich unter Druck, diese Chance zu nutzen. Jeder weiß, was ein solcher Spieler leisten kann. Für uns war Phil Taylor dieses übermächtige Monster. Wenn Phil ausschied, tat sich eine Lücke auf. Solche Chancen gab es nicht oft, also versuchte man alles, um sie zu nutzen.“ Genau diese Dynamik erkennt Part heute wieder, wenn Littler bei einem Turnier vorzeitig ausscheidet.
Allerdings warnt der dreimalige Weltmeister davor, anschließend jede Niederlage eines anderen Titelanwärters pauschal als vergebene Jahrhundertchance zu bewerten. Entscheidend seien vielmehr die Umstände des Ausscheidens. „Das hängt ganz davon ab, wie man verliert. Man kann nur sein Bestes geben, und gegenüber steht jemand, der genau dieselbe Chance hat wie man selbst. So ist der Wettkampf nun einmal.“
Von Spielern, die sich selbst zur absoluten Weltelite zählen, erwartet Part dennoch, dass sie solche Gelegenheiten mit entsprechendem Selbstvertrauen angehen. „Spieler, die wirklich glauben, dass vielleicht nur die Nummer eins der Welt dominanter ist als sie, können selbst dominant werden, wenn sie nur fest genug daran glauben.“
Gleichzeitig müsse eine verpasste Titelchance nicht zwangsläufig in übermäßiger Selbstkritik münden. „Natürlich werden sie es als verpasste Chance betrachten, aber ich glaube nicht, dass sie sich deswegen völlig fertig machen.“ Anders sehe es aus, wenn der Triumph bereits zum Greifen nahe gewesen sei. „Wenn man bei einem Major Matchdarts hat und am Ende nicht gewinnt, macht man sich noch lange Vorwürfe.“

„Wir brauchen mehr Geld“ – Part sieht großes Hindernis für internationale Darts-Talente

Neben der Belastung durch den Turnierkalender und den besonderen Drucksituationen an der Weltspitze beschäftigt Part vor allem die internationale Entwicklung des Dartsports. Insbesondere für ambitionierte Spieler aus Nordamerika, Asien und Ozeanien stellt der finanzielle Aufwand auf dem Weg in den europäischen Profizirkus eine enorme Herausforderung dar.
An der sportlichen Qualität mangelt es nach Überzeugung des Kanadiers keineswegs. In den genannten Regionen gebe es zahlreiche Talente, die durchaus mit einigen Inhabern einer PDC Tour Card mithalten könnten. Häufig scheitere der nächste Karriereschritt jedoch daran, dass die notwendigen finanziellen Mittel für regelmäßige Reisen nach Europa fehlen.
„Für uns ist es eigentlich ganz einfach: Wir brauchen mehr Geld“, bringt Part die Situation in Nordamerika auf den Punkt. „Die Preisgelder müssen steigen, damit beispielsweise die 16 besten Spieler tatsächlich etwas verdienen und Geld für Reisen nach Europa zurücklegen können.“
Zwar hätten sich die Möglichkeiten für nordamerikanische Profis in den vergangenen Jahren erweitert. Neben den regulären PDC-Wettbewerben stehen ihnen inzwischen auch Veranstaltungen von MODUS und dem Amateur Darts Circuit (ADC) offen. Das grundlegende Kostenproblem sei dadurch allerdings nicht gelöst. „Es gibt genügend Möglichkeiten, aber die Anreise hierher kostet nun einmal Geld. Ich bin sicher, dass einige dieser Angebote Unterstützung bieten. Sie reicht aber fast nie aus, um regelmäßig solche Reisen zu finanzieren.“
Eine Schlüsselrolle schreibt Part deshalb der Championship Darts Corporation (CDC) zu, die für die Organisation des professionellen Dartsports in Nordamerika verantwortlich ist. Erst wenn dort ausreichend hohe Preisgelder ausgeschüttet würden, könne sich eine finanziell stabile Gruppe konkurrenzfähiger Spieler entwickeln, die regelmäßig den Schritt auf die internationale Bühne wagt. „Die CDC bildet bei uns die Grundlage für den Profidartsport. Erst wenn das Preisgeld dort hoch genug ist, um eine gesunde Gruppe von Spielern aufzubauen, die sich die Reise hierher tatsächlich leisten können, werden wir wirklich mehr Einfluss gewinnen.“
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