Gian van Veen startet am Donnerstagabend als Titelverteidiger in die European Darts Championship in Dortmund. Der 24-jährige Niederländer hofft, zum zweiten Mal in Folge den Europameistertitel zu gewinnen und damit Phil Taylor und Michael van Gerwen zu folgen. Bislang gelang es nur diesen beiden Spielern, ihren EM-Titel zu verteidigen. Nach einem schwierigen Start ins Jahr 2026 hat van Veen seine Bestform wiedergefunden und blickt zuversichtlich auf das Turnier in der Westfalenhalle.
Im vergangenen Jahr gelang van Veen in Dortmund endgültig der Durchbruch auf höchster Ebene. Im Halbfinale setzte sich der Niederländer gegen Michael van Gerwen durch, bevor er Luke Humphries in einem packenden Finale bezwang. Erst im Decider fiel die Entscheidung. Anschließend durfte Van Veen seinen ersten großen Einzeltitel der PDC feiern.
Rückkehr als amtierender Europameister
Ein Jahr später kehrt er als Nummer drei der Weltrangliste und an Position acht gesetzt an den Ort zurück, an dem sein Aufstieg begann. In der ersten Runde trifft er auf Andrew Gilding, den UK-Open-Sieger von 2023. „Nach dem vergangenen Jahr nach Dortmund zurückzukehren, wird etwas ganz Besonderes“, sagte Van Veen vor seiner Titelverteidigung gegenüber pdc.tv.
Gian van Veen gewann 2025 die European Darts Championship
„Ich habe das Gefühl, dass mir dieses Turnier sehr liegt. Natürlich erreichte ich hier vor drei Jahren auch mein erstes Major-Halbfinale. Ich verbinde also schöne Erinnerungen mit diesem Turnier.“
Der Europameistertitel war für van Veen der Auftakt zu einer besonders erfolgreichen Phase. Der Niederländer etablierte sich innerhalb kurzer Zeit in der Weltspitze und erreichte im Januar sogar das Finale der Darts-WM.
Zwar konnte er den Weltmeistertitel nicht gewinnen, doch seinen Auftritt im Alexandra Palace bezeichnet van Veen als bislang wichtigsten Moment seiner Karriere. „Ich bin sehr stolz auf das, was ich seit der EM erreicht habe“, sagte der zweifache Jugendweltmeister.
„Der absolute Höhepunkt war natürlich der Einzug ins WM-Finale. Auch wenn ich es verloren habe, war es dennoch ein Moment, der meine Karriere entscheidend geprägt hat.“
Seine starken Leistungen brachten ihm zudem sein Debüt in der Premier League Darts ein. Außerdem durfte er bei den World-Series-Turnieren antreten und erzielte auch bei den großen TV-Turnieren überzeugende Ergebnisse.
„Ich spielte zum ersten Mal in der Premier League und nahm an allen World-Series-Turnieren teil. Außerdem erreichte ich das Halbfinale des World Matchplay und das Viertelfinale des World Grand Prix.“
Für van Veen belegen diese Ergebnisse, dass sein EM-Titel kein einmaliger Ausreißer war. „Ich finde, dass es insgesamt sehr gut läuft, und bin froh, dass ich auf dem Erfolg aufbauen konnte, den ich im vergangenen Jahr in Dortmund erzielt habe.“
Nierenstein-OP überschattete den Saisonstart
Dennoch verlief das Jahr 2026 für van Veen nicht durchweg nach Wunsch. Im März bekam der Niederländer gesundheitliche Probleme und musste wegen Nierensteinen operiert werden.
Der Eingriff kam zu einem ungünstigen Zeitpunkt, mitten in seiner ersten Premier-League-Saison. Dadurch wurde seine Kampagne in der prestigeträchtigen Liga erheblich beeinträchtigt.
Auch nach seiner Genesung dauerte es einige Zeit, bis van Veen zu seinem gewohnten Niveau zurückfand. Auf der European Tour verlor er sogar dreimal in Folge sein Auftaktspiel. „Der Start ins Jahr 2026 war definitiv nicht einfach, aber ich habe sehr viel über mich selbst gelernt“, blickte van Veen zurück.
Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit: Es ist unmöglich, jede Woche seine allerbeste Leistung abzurufen. „Das Wichtigste, was ich gelernt habe, ist, dass man nicht jedes Mal hundert Prozent geben kann. Das lässt sich schlichtweg nicht Woche für Woche durchhalten, besonders nicht bei unserem Spielplan.“
Van Veen hat inzwischen akzeptiert, dass Niederlagen unvermeidlich sind – auch für Spieler, die zur absoluten Weltspitze gehören. „Man verliert mehr Turniere, als man gewinnt, und das muss man akzeptieren. Besonders in der Premier League, wo man jede Woche gegen die besten Spieler der Welt antritt.“
Historischer Average in Maastricht sorgt für zusätzliches Selbstvertrauen
Nach der schwierigen Phase steigerte vann Veen im Sommer seine Leistungen kontinuierlich. Vor allem sein Halbfinaleinzug beim World Matchplay im Juli war ein wichtiger Wendepunkt.
Im vergangenen Monat erreichte er zudem dreimal das Halbfinale auf der European Tour. Am vergangenen Wochenende unterstrich er seine starke Form bei der Dutch Darts Championship in Maastricht.
In seinem Duell mit Sebastian Bialecki gewann van Veen souverän mit 6:0 und erzielte einen herausragenden Average von 120,24 Punkten pro Aufnahme.
Damit stellte er einen neuen Rekord auf der European Tour auf. Diese Leistung gab ihm mit Blick auf die European Darts Championship einen kräftigen Schub Selbstvertrauen. „Es gibt wohl keinen besseren Zeitpunkt im Jahr, um in guter Form zu sein“, sagte van Veen.
„Vor allem der Average von 120 am vergangenen Wochenende gibt mir enorm viel Selbstvertrauen. Auch wenn es nur sechs Legs waren, zeigt es, dass sich die harte Arbeit auch auf der Bühne auszahlt.“
Der Niederländer sieht seine starken Leistungen als Bestätigung dafür, dass er wieder zur absoluten Weltspitze gehört. „Ich habe allen gezeigt, dass ich es noch immer kann. Deshalb ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um in Form zu sein – mit der Europameisterschaft, dem Grand Slam, den Players Championship Finals und natürlich der bevorstehenden Weltmeisterschaft.“
Nur Taylor und van Gerwen waren vor ihm erfolgreich
Van Veen gehört an diesem Wochenende zu den fünf ehemaligen Europameistern, die bei der Darts-EM antreten. Allerdings steht ihm eine besonders schwierige Aufgabe bevor. Seit 2018 ist es keinem Titelverteidiger mehr gelungen, bei der Darts-EM auch nur sein Auftaktspiel zu gewinnen.
Van Veen hofft, diese Serie am Donnerstagabend gegen Gilding zu beenden. Danach will er im Turnier natürlich so weit wie möglich kommen. Sollte er den Titel erneut gewinnen, würde er einem äußerst exklusiven Kreis beitreten. Bisher gelang es nur Phil Taylor und Michael van Gerwen, die Darts-EM zweimal in Folge zu gewinnen.
Für van Veen wäre es ein weiterer Meilenstein in seiner noch jungen Karriere. „Ein zweiter Europameistertitel würde mir natürlich unglaublich viel bedeuten“, sagt der Niederländer.
Neben dem sportlichen Ruhm hat van Veen noch einen persönlichen Grund, seinen Titel verteidigen zu wollen. Die Trophäe, die er im vergangenen Jahr in Dortmund gewann, hat seitdem einen besonderen Platz in seinem Zuhause. Mit dem Beginn der nächsten Darts-EM muss er den Pokal jedoch wieder abgeben.
Van Veen hofft, die Trophäe am Sonntagabend erneut mit nach Hause nehmen zu dürfen. „Der Pokal hat einen besonderen Platz bei uns zu Hause bekommen, und bald muss er unser Zuhause wieder verlassen. Ich würde ihn also sehr gern zurückholen, sonst fühlt es sich bald so leer an!“
Dass die Trophäe sonst endgültig aus seinem Zuhause verschwindet, sorgt laut van Veen für zusätzliche Motivation. „Das ist für mich eine gute Motivation für dieses Wochenende – falls ich überhaupt noch welche gebraucht habe!“
Julian Grille ist Redakteur bei Dartsnews.de und beschäftigt sich seit 2019 intensiv mit dem professionellen Dartsport. Für Dartsnews.de berichtet er über aktuelle Entwicklungen, Turniere und weitere Ereignisse aus der Welt der PDC und des internationalen Dartsports.
Erste journalistische Erfahrung im Darts sammelte Julian bereits 2023 bei einem Darts-Magazin. Darüber hinaus produziert er regelmäßig eigene Inhalte rund um den Sport und veröffentlicht diese unter dem Namen @Darty_8 auf Social Media. Dadurch verfolgt er das Geschehen im professionellen Darts nicht nur redaktionell, sondern setzt sich auch abseits seiner Arbeit kontinuierlich mit dem Sport auseinander.
Parallel zu seiner redaktionellen Tätigkeit studiert Julian Sportjournalismus in Potsdam. Dabei verbindet er seine journalistische Ausbildung mit seiner langjährigen Begeisterung und seinem Fachwissen für den Dartsport.