Rückblick: Als Max Hopp bei der European Championship deutsche Dartsgeschichte schrieb

PDC
max hopp
Eigentlich hatte sich Max Hopp nur vorgenommen, sein Preisgeld aus der zweiten Runde 2016 zu verteidigen. Ein Spiel wollte er bei der Darts-EM 2018 gewinnen. Es kam anders. Hopp spielte das beste Major-Turnier seines Lebens, beeindruckte die heimische Kulisse und zeitweise sogar seine Gegner.
Und hätte Max Hopp einen seiner drei möglichen Matchdarts nutzen können, dann hätte seine Darts-Karriere deutlich anders verlaufen können. Dartsnews.de blickt zurück auf die European Championship 2018.

Aufgeheiztes Spiel zum Auftakt

Max Hopp ging mit viel Selbstvertrauen in die European Championship 2018. Erst wenige Monate zuvor hatte der „Maximiser“ völlig überraschend die German Darts Open gewonnen und sich so auch problemlos für das Major-Turnier in Dortmund qualifizieren können.
Max Hopp klatscht.
Max Hopp spielte bei der Darts-EM 2018 das Turnier seines Lebens.
Dieses startete für ihn kontrovers. Seine Erstrundenpartie bestritt der damals 22-Jährige gegen William O’Connor. Hopp führte schnell, breakte im zweiten Leg und konnte sich sogar auf 3:0 absetzen. O’Connor kämpfte derweil nicht nur mit seinem deutschen Kontrahenten, sondern auch mit dessen Anhängern. Immer wieder pfiff oder buhte das Publikum in der Westfalenhalle, wenn der Ire seine Pfeile Richtung Board warf. Und immer wieder interagierte O’Connor mit dem Publikum. Nachdem der „Magpie“ beispielsweise zwei Darts in der Triple-20 versenkt hatte, drehte er sich um und machte gestenreich deutlich, dass er keine Pfiffe hören konnte.
Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch zwischen O’Connor und den Dortmunder Fans, denen die Provokationen sichtlich Spaß machten. Auch die Atmosphäre auf der Bühne wurde im Verlauf des Matches feindseliger. Beim Stand von 3:1 checkte Hopp über die Doppel-2 zum erneuten Leggewinn und drehte sich triumphierend zu O’Connor um. Der damaligen Nummer 51 der Order of Merit gefiel diese Art des Jubels offenbar überhaupt nicht und raunte Hopp einige Worte zu.
Sportlich entwickelte sich weder ein spannendes noch ein hochklassiges Spiel. Am Ende siegte Hopp durch ein 82er-Finish über Tops mit 6:1 und einem Average knapp über der 90-Punkte-Marke. Es war sein zweiter Achtelfinaleinzug beim Turnier.

Zitterpartie in Runde zwei

Unter den letzten 16 hieß sein Gegner James Wilson. Der Engländer war als ehemalige Nummer eins der BDO seit 2015 auf der PDC-Tour unterwegs. In seiner Auftaktpartie konnte er souverän Jonny Clayton bezwingen und warf mit sechs 180ern die meisten Maxima des Tages. Auch gegen den Deutschen sollte es wieder so viele 180er regnen. Die Partie startete kontrolliert. Beide Spieler brachten immer wieder ihre Anwürfe durch. Bis zum Stand von 4:4. Dort konnte Hopp seinen dritten Dart knapp unten links in der Doppel-10 unterbringen und das erste Break des Matches landen. Allerdings ohne großen Erfolg, denn im direkten Gegenzug scorte der 22-jährige Deutsche zu schwach und ließ sich nach Wilsons 66er-Finish den Anwurf wieder abnehmen.
Die nächsten vier Legs brachte wieder jeweils der anwerfende Spieler ins Ziel. Dann unterlief „Jammy Dodger“ ein entscheidender Fehler: Bei 80 Punkten Rest verpasste es Wilson, seinen Dart auf Tops zur Führung zu nutzen. Hopp machte es besser und traf seinen ersten Break-Dart auf der Doppel-20.
8:7 Führung. Druckausgleich. Nach seinem Check drehte sich Hopp in Richtung seines Anhangs um und brüllte seine Emotionen in die Masse.
james wilson beim walk-on
James Wilson hieß Hopps Gegner in Runde 2.
Ein Leg später sorgte er endgültig für die Vorentscheidung: Wieder scorte der „Maximiser“ nach einem Breakgewinn nicht stark genug. Wilson wartete bei 38 Punkten Rest, um wieder gleichzuziehen. Hopp musste 156 Punkte checken, um das Match endgültig an sich zu reißen: Triple-20, Triple-20, Pause. Hopp ging zwei Schritte zurück und versuchte sekundenlang, sich zu fokussieren.
Eine Viertelminute später trat er wieder ans Oche und traf die Doppel-18.
9:7 für Hopp. Erneuter lautstarker Jubel von der deutschen Nummer eins.
Das war zu viel für Wilson. In Leg 17 konnte er der Dortmunder Euphorie nichts mehr entgegensetzen. Max Hopp machte bei 48 Punkten Rest über die Doppel-16 den ersten deutschen Einzug in ein Major-Viertelfinale perfekt.

Rote Flights und ein Highfinish-Festival

Darren Webster hieß sein dortiger Gegner. Wie schon in den Matches zuvor entwickelte sich eine umkämpfte Anfangsphase. Im zweiten Leg checkte Hopp 126 Punkte und bestätigte sein Break aus Leg eins. Aber auch Webster überzeugte mit hohen Checkouts: Mit einem 120er-Finish brachte er die Partie wieder in den 2:2 Gleichstand. Das Match entwickelte sich zu einem Highfinish-Festival.
Ein 164er-Finish von Hopp besorgte die 3:2-Führung. Mit einem 138er-Check glich der „Demolition Man“ zum 4:4 aus. Keiner ließ den anderen vorbeiziehen. Folgerichtig ging es mit 5:5 in die Pause.
In der kurzen Werbeunterbrechung wechselte Hopp seine Flights. Er hatte sich in der Anfangsphase nicht wohl auf der Bühne gefühlt und dachte, dass diese Änderung ihm helfen könne, ließ Hopp später verlauten. Statt schwarzer Flights, die sein Gesicht zierte, entschied er sich für drei schlichte rote. Und es schien zu funktionieren. Kein einziges Leg gab der „Maximiser“ nach der Pause mehr ab.
Ein perfekter Set-Up-Shot beim Stand von 9:5 bescherte ihm drei Matchdarts. Hopp brauchte nur einen und stand nach seinem Treffer auf der Doppel-8 unter den letzten vier.

Drei Matchdarts vom Finale entfernt

Im Halbfinale kam es zum Aufeinandertreffen mit der Nummer neun der Welt, James Wade. „The Machine“ hatte im vorherigen Turnierverlauf Martin Schindler, Ricky Evans und auch Gerwyn Price ausgeschaltet und wollte sein erstes Major-Finale der Saison erreichen.
Ausgerechnet Wade, einer von Hopps Angstgegnern. Bis heute konnte der Idsteiner noch nie ein Match gegen den Engländer für sich entscheiden.
James Wade freut sich.
Nach seinem 11:10 Erfolg gegen Max Hopp war James Wade sichtlich erleichtert.
Der Matchbeginn war geprägt von Nervosität auf beiden Seiten. Die drei ersten Legs waren Breaks. Hopp schaffte es als erstes, sein eigenes Leg zu gewinnen und ging 3:1 in Führung. Im weiteren Spielverlauf festigte sich Hopps Selbstvertrauen. Vier Legs in Folge konnte er vor der Pause gewinnen und stellte mit seinem Check über die Doppel-16 auf 7:3.
Auch im weiteren Verlauf des Matches gab nur ein Spieler den Ton an und das war Max Hopp. Die Nummer 35 der Order-of-Merit spielte sein bestes Match des Turniers genau dann, als er es am dringendsten benötigte. Insgesamt warf er fünf 180er und hielt eine Doppelquote von rund 50% während des gesamten Matches. Er führte 9:5, ehe Wade zum Comeback blies. Der 35-Jährige arbeitete sich über seine beiden Lieblingsdoppel über die Doppel-20 und die Doppel-10 in die Partie hinein. Zwischenzeitlich verkürzte er nach einem 106er-Highfinish sogar auf 8:9.
Hopp gelang dann der Gewinn seines zehnten Legs – der Deutsche war einen Doppeltreffer vom Einzug in das EM-Finale entfernt. In seinem letzten Anwurfleg war alles angerichtet für den größten deutschen Darts-Erfolg jemals. 40 Punkte musste Hopp auf Null bringen. Angesichts seiner starken Doppelquote eigentlich Formsache: Single-20, Single-10, Außerhalb.
Hopp hatte seine Gelegenheit verpasst. Diesmal hatte er auf das Zurücktreten vor den entscheidenden Darts verzichtet. Und das bestrafte James Wade gnadenlos. Mit zwei Darts löschte er 61 Punkte, im Decider checkte er 102 über die Doppel-20.
Max Hopp war ausgeschieden, James Wade im Finale.
Damit endete das deutsche Herbst-Märchen 2018 im Halbfinale. Max Hopp erhielt 20.000 Pfund und verpasste den vorzeitigen Sprung in die Top-32 der Weltrangliste.
Hätte er einen seiner drei Matchdarts genutzt, dann hätte seine Karriere eine andere Wendung nehmen können. Bis heute hat kein Deutscher ein Major-Finale erreicht.
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