„Ich bin nicht hundertprozentig fit“: Niko Springer vor Darts-EM in Dortmund gesundheitlich angeschlagen

PDC
durch Nic Gayer
Niko Springer schaut traurig.
Für Niko Springer steht eines der besonderen Highlights seines Darts-Jahres unmittelbar bevor. Bei der European Darts Championship 2026 in Dortmund darf sich der 26-Jährige erneut vor heimischem Publikum mit der PDC-Elite messen. Doch ausgerechnet vor dem prestigeträchtigen Heimspiel macht ihm seine Gesundheit einen Strich durch die Vorbereitung. Im Rahmen einer von der PDC Europe organisierten Medienrunde, an der auch Dartsnews.de teilnahm, verriet Springer, dass er derzeit nicht vollständig fit ist.
„Ich bin aktuell ein bisschen angeschlagen, habe mich im Vorfeld von Maastricht bei meinem Bruder angesteckt. Deswegen bin ich nicht hundertprozentig fit, aber ich habe ja noch ein bisschen Zeit bis Freitag und bin zuversichtlich, dass es gut wird. Ich freue mich auf jeden Fall“, erklärte der Deutsche. Viel Zeit zum Auskurieren bleibt allerdings nicht: Bereits in der Freitagabendsession wartet mit Jonny Clayton ein echter Hochkaräter auf den „Meenzer Bub“.

Überraschung am Morgen: Springer hatte mit einem anderen Gegner gerechnet

Dass Springer zum Auftakt ausgerechnet auf den Waliser treffen würde, hatte er selbst nicht unbedingt auf dem Zettel. Die Konstellationen in der Qualifikationsrangliste waren bis zum Abschluss der European Tour in Maastricht noch äußerst eng. Entsprechend aufmerksam verfolgte auch der Deutsche die möglichen Paarungen.
Niko Springer beim Walk-On.
Niko Springer blickt trotz gesundheitlicher Probleme voller Vorfreude auf die Darts-EM in Dortmund – und trifft zum Auftakt auf Jonny Clayton.
„Ich habe an dem Sonntag ab und zu mal auf die Rankings geschaut und hatte eigentlich so drei, vier Namen im Kopf, die es hätten werden können: Woodhouse, Noppert, van Veen. Da habe ich tatsächlich gar nicht an Clayton gedacht und bin auch schlafen gegangen mit dem Gedanken, dass ich gegen van Veen spielen werde“, berichtete Springer.
Erst am nächsten Morgen folgte die Überraschung: „Dann bin ich aufgewacht und habe gesehen, dass Zonneveld das Turnier gewonnen hat und sich noch mal etwas verschoben hat. Das war schon ein bisschen überraschend.“
Am Ende wurde es also Clayton – ein Gegner, vor dem Springer großen Respekt hat. „Es ist, wie es ist. Jonny Clayton ist ein sehr unangenehmer Gegner. Ich habe schon ein paar Mal bei einer Exhibition gegen ihn spielen dürfen, und es war nie leicht.“
Die Rollen vor dem Erstrundenduell scheinen damit klar verteilt. Doch gerade die Außenseiterposition könnte Springer entgegenkommen.

„Prinzipiell habe ich nichts zu verlieren“ – Springer nimmt die Außenseiterrolle an

Auf die Frage, ob er gegen einen favorisierten Gegner wie Clayton befreiter aufspielen könne oder sich vor heimischer Kulisse unbedingt einen Sieg vorgenommen habe, antwortete Springer gelassen.
„Prinzipiell würde ich sagen, habe ich nichts zu verlieren. Man muss aber auch dazusagen: Bei gerade mal 32 Spielern, die sich qualifizieren, ist es eigentlich fast egal, gegen wen man da spielt. Das Niveau ist extrem hoch.“
Dass er sich auf der großen Bühne keineswegs verstecken möchte, machte der Deutsche ebenfalls deutlich: „Ich freue mich einfach, mal wieder vor heimischem Publikum zu spielen, und werde es genießen. Meine Eltern kommen zum Beispiel auch mit, wie letztes Jahr. Ich würde natürlich schon gerne gewinnen, aber ich denke, das will jeder andere auch.“
Die Vorfreude ist also groß, die Erwartungshaltung bleibt dennoch realistisch. Springer weiß, dass es bei einem Teilnehmerfeld von gerade einmal 32 Spielern kaum einen einfachen Auftaktgegner geben kann. Gleichzeitig bietet ihm das Duell mit Clayton die Gelegenheit, ausgerechnet vor den eigenen Fans für eine Überraschung zu sorgen.

Zwischen Fortschritten und schwächeren Zahlen: Springers gemischte Saisonbilanz

Mit Blick auf seine bisherigen Leistungen im Jahr 2026 zieht Springer ein differenziertes Zwischenfazit. Einerseits gelangen ihm auf der Pro Tour Ergebnisse, die im Vorjahr noch deutlich seltener waren. Andererseits sieht er in seinem spielerischen Niveau weiterhin Luft nach oben.
„Tatsächlich mit etwas gemischten Gefühlen. Wenn ich mir allein die Ergebnisse anschaue, was ich im Vergleich zum letzten Jahr geschafft habe, gerade mit Hinblick auf die Pro Tour: Da war das große Ziel, dass ich mich ein bisschen steigern wollte“, erklärte Springer.
„Wenn ich jetzt schaue: Ich war im Halbfinale, auch mal im Viertelfinale. Letztes Jahr war es wirklich oft so, dass ich nur das erste Spiel gewonnen habe und dann rausgeflogen bin. In der Hinsicht sehe ich da schon einen Fortschritt.“
Auch seine regelmäßigen Teilnahmen an den großen Turnieren wertet er positiv. „Ich war jetzt bislang bei den ganzen Majors dabei, das ist für mich natürlich auch ganz wichtig.“
Ganz zufrieden ist Springer trotzdem nicht. Denn während die Resultate teilweise in die richtige Richtung zeigen, erzählen die Statistiken eine andere Geschichte.
„Klar, wenn man sich jetzt auf die Statistiken fokussiert, ist es dann doch schon schwächer als letztes Jahr. Aber die heiße Phase beginnt jetzt erst, und ich freue mich auf das, was jetzt noch kommt. Ich bin positiv gestimmt und habe auf jeden Fall ein gutes Gefühl.“
Gerade mit Blick auf Dortmund ist diese Zuversicht bemerkenswert. Schließlich gehört ausgerechnet ein Bereich, der in engen Partien häufig den Ausschlag gibt, derzeit nicht zu Springers größten Stärken.

Doppelprobleme vor Dortmund: „Ich versuche, mich da gar nicht verrückt zu machen“

Ein Blick auf die vergangenen drei Monate zeigt, wo Springer zuletzt besonders viel Potenzial liegen ließ. Mit einer Doppelquote von lediglich 35,28 Prozent belegt der Deutsche im entsprechenden Statistikvergleich nur Rang 192. Eine Zahl, die gerade vor dem Duell mit einem erfahrenen Spieler wie Clayton Fragen aufwirft.
Springer selbst sieht die Schwierigkeiten auf den äußeren Feldern allerdings nicht als dauerhaftes Problem, sondern vielmehr als eine Frage der jeweiligen Form.
„Das ist tatsächlich gar nicht so einfach, weil ich finde, dass es teilweise auch phasenweise auftritt. Ich bin mir nicht mehr zu hundert Prozent sicher, aber ich meine, ich hatte letztes Jahr eine Durchschnittsdoppelquote von 40 Prozent oder so etwas in der Richtung. Das finde ich eigentlich echt ordentlich“, erklärte er.
Besonders ärgerlich sei es, wenn die Fehlwürfe ausgerechnet in den entscheidenden Momenten auftreten. Doch gezielt und intensiv an dieser Schwachstelle zu arbeiten, ist angesichts des vollgepackten Turnierkalenders leichter gesagt als getan.
„Wirklich Zeit, das zu trainieren, ist eigentlich auch nicht da. Klar, man kann es ins Training ein Stück weit einbauen. Aber ich finde, wenn ich mich jetzt total darauf versteifen würde und mich wirklich nur auf die Doppel konzentriere, heißt das ja auch nicht zwingend, dass es funktioniert.“
Im Gegenteil: Springer befürchtet sogar, dass ein zu großer Fokus auf die Doppel zusätzliche Unsicherheit hervorrufen könnte, sollten die gewünschten Fortschritte auf der Bühne ausbleiben.
Deshalb setzt der Deutsche vor allem auf Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten: „Ich versuche, mich da gar nicht verrückt zu machen oder das zu sehr an mich heranzulassen. Sondern, wie schon gesagt: Ich gehe auf die Bühne, will das Spiel gewinnen und gehe auch mit dem Gefühl rein, dass ich es zumache, wenn ich auf einem Doppel stehe.“

„Ich freue mich schon die ganze Zeit darauf“ – Dortmund als ganz besonderes Heimspiel

Unabhängig von Gegner, Form und gesundheitlicher Verfassung steht für Springer eines fest: Die European Darts Championship in Dortmund besitzt für ihn einen besonderen Stellenwert.
Die Westfalenhalle bietet mit mehreren Tausend Zuschauern eine Kulisse, die selbst im dicht gedrängten PDC-Kalender nicht alltäglich ist. Für einen deutschen Spieler kommt die lautstarke Unterstützung des heimischen Publikums hinzu.
„7.000 bis 8.000 ist natürlich schon eine extrem hohe Anzahl an Zuschauern. Gerade als Deutscher dann dort zu spielen, ist die Unterstützung natürlich extrem hoch“, schwärmte Springer.
Dabei geht es ihm nicht nur um die Atmosphäre auf den Rängen. Auch abseits des Oches wird die EM für den 26-Jährigen zu einem besonderen Erlebnis.
„Das ist auch eines der wenigen Turniere, wo wirklich viele aus dem Freundeskreis oder von der Familie dazukommen wollen, weil sie das auch mal miterleben möchten.“
Bereits im vergangenen Jahr durfte Springer die besondere Stimmung in Dortmund erleben, auch wenn sein Turnier damals schon nach der ersten Runde gegen Jermaine Wattimena beendet war. Die Erinnerungen daran sind dennoch durchweg positiv.
„Ich fand es letztes Jahr extrem schön, unabhängig vom Ergebnis in der ersten Runde gegen Wattimena. Aber ich freue mich da eigentlich schon die ganze Zeit darauf, und es war mit das Ziel, sich wieder für die EM zu qualifizieren.“
Dieses Ziel hat Springer erreicht. Nun gilt es, rechtzeitig wieder vollständig auf die Beine zu kommen, bevor am Freitagabend Jonny Clayton auf der anderen Seite des Oches wartet.
„Das ist mir gelungen. Jetzt heißt es noch, die letzten Tage etwas auszukurieren, und dann freue ich mich, da oben wieder stehen zu dürfen.“
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