„Ich bin nicht der talentierteste Spieler der Welt“ – Niels Zonneveld spricht nach historischem Triumph über seinen Weg an die Spitze

PDC
durch Nic Gayer
Niels Zonneveld (2)
Niels Zonneveld hat am vergangenen Sonntag den bislang größten Erfolg seiner Darts-Karriere gefeiert. Bei der Dutch Darts Championship in Maastricht krönte sich der Niederländer erstmals zum Sieger eines European-Tour-Turniers. Nur kurze Zeit nach seinem Triumph war er im Podcast Darts Draait Door zu Gast, wo er gemeinsam mit Moderator Damian Vlottes und Ex-Profi Vincent van der Voort auf seinen historischen Erfolg zurückblickte. Dabei gewährte Zonneveld bemerkenswert offene Einblicke in seinen Weg an die Spitze, sprach über harte Arbeit und schmerzhafte Rückschläge – und gestand, dass er das Ausmaß seines Erfolgs selbst noch gar nicht vollständig begriffen hatte.
Obwohl die Siegertrophäe bereits vor ihm stand, fiel es Zonneveld schwer, die Ereignisse von Maastricht wirklich zu verarbeiten. „Ich bin natürlich überglücklich, aber ich habe es noch nicht ganz realisiert“, gestand der Niederländer. „Ich weiß sehr wohl, dass ich gewonnen habe, und das ist mir auch bewusst. Aber dieses überwältigende Gefühl von: Jetzt ist es wirklich geschafft, habe ich noch nicht. Das muss erst einmal sacken.“

Zonneveld schreibt niederländische Darts-Geschichte

Mit seinem Premierentitel hat sich Zonneveld zugleich einen Platz in einem exklusiven Kreis gesichert. Nach Raymond van Barneveld, Michael van Gerwen, Vincent van der Voort und Wessel Nijman ist er erst der fünfte Niederländer, dem ein Turniersieg auf der European Tour gelungen ist. Nijman hatte in der laufenden Saison sogar bereits zweimal triumphiert.
Niels Zonneveld jubelt ausgelassen.
Niels Zonneveld feierte bei der Dutch Darts Championship in Maastricht seinen ersten European-Tour-Titel und wurde für jahrelange harte Arbeit belohnt.

„Manchmal braucht man einfach einen Tag, an dem alles für einen läuft“

Der Weg zum Titel verlangte Zonneveld am Finaltag einiges ab. Zunächst behauptete er sich unter anderem gegen Gerwyn Price und seinen Landsmann Wessel Nijman, ehe er im Halbfinale auch Stephen Bunting aus dem Turnier warf. Im rein niederländischen Endspiel fand schließlich selbst Danny Noppert kein Mittel, um Zonnevelds Siegeszug zu stoppen.
Trotz der beeindruckenden Gegnerliste wollte der frischgebackene Champion seine Leistung keineswegs überbewerten. „Gegen Price und Wessel war es meiner Meinung nach einfach richtig gut“, analysierte er. „Das Halbfinale gegen Bunting war mühsam, aber er ließ mich im Spiel. Auch Noppert ließ mich im Spiel, denn seien wir ehrlich: Das Halbfinale und das Finale waren nicht überragend.“
Dass an diesem besonderen Tag neben seiner spielerischen Qualität auch das nötige Quäntchen Glück eine Rolle gespielt hatte, wollte Zonneveld gar nicht bestreiten. „Manchmal braucht man einfach einen Tag, an dem alles für einen läuft. Ich denke, heute war so ein Tag. Nicht in jeder Hinsicht, denn gegen Wessel und Price habe ich wirklich stark gespielt. Diese Spiele habe ich aus eigener Kraft gewonnen. Aber letztlich gehört auch ein bisschen Glück dazu, und das darf einem ruhig einmal passieren. Oft genug war ich auf der anderen Seite.“
Vincent van der Voort konnte diese Einschätzung aus eigener Erfahrung bestens nachvollziehen. Der ehemalige Profi verwies darauf, dass sich gerade die bitteren Momente einer Karriere besonders tief ins Gedächtnis einprägen, während glückliche Wendungen häufig schnell wieder in Vergessenheit geraten.
„Im Laufe deiner Karriere gibt es viele Momente, in denen du Rückschläge einstecken musst. Die bleiben einem lange im Gedächtnis. Die Situationen, in denen es für einen läuft, vergisst man dagegen schnell, weil man das für selbstverständlich hält“, erklärte Van der Voort. „Deshalb ist es gut, dass du erwähnst, dass es auch einfach einmal für einen laufen darf.“

„Ich muss dafür arbeiten“ – Zonneveld über das Geheimnis seines Aufstiegs

Für Zonneveld bedeutete der Triumph von Maastricht weit mehr als einen einzelnen Turniersieg. Er war der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die ihm über Jahre hinweg enorme Disziplin und Ausdauer abverlangt hatte. Noch vor einigen Jahren rangierte der Niederländer auf Platz 64 der Weltrangliste. Mittlerweile hat er sich bis auf Rang 28 nach vorne gearbeitet.
Dabei macht Zonneveld keinen Hehl daraus, dass er seinen Aufstieg weniger außergewöhnlichem Naturtalent als vielmehr konsequenter Arbeit verdankt. „Ich glaube nicht, dass ich der talentierteste Spieler der Welt bin. Seien wir ehrlich. Ich muss dafür arbeiten“, stellte er unmissverständlich klar.
Besonders in den vergangenen anderthalb Jahren habe er seine Einstellung zum Training konsequent in die Tat umgesetzt. „Das habe ich in den letzten anderthalb Jahren sehr konsequent gemacht. Ich glaube, das bringt mich wirklich weit. Die Stunden, die ich Tag für Tag investiere, haben mich letztlich zu diesem Sieg geführt.“
Dass sein bislang größter Karriereerfolg keineswegs ein Zufallsprodukt war, unterstrich Zonneveld noch einmal mit deutlichen Worten. „Wenn ich das nicht mache und denke: Das wird schon alles, dann funktioniert es nicht. Ich muss wirklich dafür arbeiten. Das habe ich in den letzten anderthalb Jahren getan, und heute zahlt es sich aus. Das ist einfach fantastisch.“

Van der Voort sieht weitreichende Konsequenzen für Zonnevelds Karriere

Der erste European-Tour-Titel beschert Zonneveld nicht nur eine prestigeträchtige Trophäe, sondern könnte auch für seinen weiteren Karriereverlauf von enormer Bedeutung sein. Mit dem Turniersieg löste er sein Ticket für den Grand Slam of Darts und verschaffte sich gleichzeitig eine erheblich bessere Ausgangsposition in mehreren Qualifikationsranglisten.
Van der Voort machte seinem Landsmann deutlich, welche Türen sich durch den Erfolg nun öffnen. „Der Grand Slam ist dir jetzt schon sicher. Das ist sofort ein großartiger Erfolg“, betonte der ehemalige Profi. „Außerdem machst du in der Grand-Prix- und der Matchplay-Rangliste riesige Sprünge. Für das Matchplay bist du praktisch schon qualifiziert.“
Auch für die kommende Spielzeit dürfte der Triumph weitreichende positive Folgen haben. Nach Einschätzung von Van der Voort kann Zonneveld nun nahezu fest damit rechnen, bei sämtlichen Turnieren der European Tour an den Start gehen zu dürfen.
„Jetzt weißt du, dass du ein ganzes Jahr lang bei allen Euro Tours dabei bist. Du warst selbst schon einmal in der Situation, dass du nicht qualifiziert warst, und weißt, wie schwer es ist, hineinzukommen. Wenn du jetzt sicher dabei bist, ist das natürlich eine große Erleichterung.“
Bei aller Freude über die neuen Möglichkeiten verband Van der Voort seine Glückwünsche allerdings auch mit einer eindringlichen Mahnung. Zonneveld dürfe seinen Erfolg keinesfalls zum Anlass nehmen, in seinen Bemühungen nachzulassen. „Was du jetzt auf keinen Fall machen darfst, ist zu denken, dass es nicht mehr so wichtig ist. Bei jedem Turnier musst du wieder alles geben, um dein nächstes Ziel zu erreichen. Aber im Moment solltest du den Erfolg einfach genießen.“

Zwischen Titelfeier und nächstem Major: Zonneveld bleibt fokussiert

Zum Abschluss des Gesprächs rückte schließlich noch eine ganz andere Frage in den Mittelpunkt: Wie würde Zonneveld seinen ersten Titel auf der European Tour gebührend feiern? Einen konkreten Plan hatte sich der Niederländer zu diesem Zeitpunkt noch nicht zurechtgelegt. Fest stand für ihn allerdings, dass dieser besondere Meilenstein nicht einfach ohne Feierlichkeiten vorübergehen sollte.
Allzu ausgiebig darf die Siegesparty jedoch nicht ausfallen. Bereits am kommenden Wochenende wartet mit der European Championship in Dortmund das nächste große Highlight auf Zonneveld. Dort geht er als Nummer vier der Setzliste ins Rennen.
Van der Voort erinnerte seinen Landsmann deshalb daran, bei aller Euphorie die notwendige Regeneration nicht zu vernachlässigen. „Am Donnerstag oder Freitag steht schon wieder ein sehr wichtiges Turnier an. Da musst du gut spielen. Wenn du dort in der ersten Runde ausscheidest, sagst du wieder: Super, letzte Woche, aber diesmal war nichts drin. Du musst einfach wieder bereit sein.“
Zonneveld selbst blickte der Herausforderung gelassen entgegen und versicherte, die richtige Balance zwischen Feiern und Vorbereitung finden zu können. „Ich denke, ich kann es auf jeden Fall im Rahmen halten. Ich weiß auch, dass ich am Mittwoch oder Donnerstag wieder abreise. Es ist schließlich ein wichtiges Major.“
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