Zwischen Hoffnung und Hammerlosen: Der große Form- und Chancencheck für Schindler und Springer bei der Darts-EM in Dortmund

PDC
durch Nic Gayer
Schindler_Springer
Als Martin Schindler am frühen Samstagnachmittag seinen Matchdart auf der Doppel-9 verwandelte, seinen 6:4-Erfolg gegen Karel Sedlacek perfekt machte und damit auf den letzten Drücker sein Ticket für die European Darts Championship 2026 in Dortmund löste, fiel nicht nur „The Wall“ ein gewaltiger Stein vom Herzen. Auch bei den deutschen Dartsfans dürfte sich Erleichterung breitgemacht haben. Denn mit Schindlers Achtelfinaleinzug beim European-Tour-Saisonfinale in Maastricht stand endgültig fest: Darts-Deutschland darf sich bei der Heim-EM auf zwei Hoffnungsträger freuen.
Neben Schindler wird auch Niko Springer in Dortmund an den Start gehen. Zwei deutsche Profis, die auf ganz unterschiedlichen Wegen ihr EM-Ticket gelöst haben, zuletzt nicht immer ihre besten Leistungen abrufen konnten und nun vor denkbar schwierigen Auftaktaufgaben stehen. Doch unter welchen Vorzeichen reisen die beiden deutschen Hoffnungsträger zur European Darts Championship? Wie steht es um ihre aktuelle Form, was verrät der Blick auf die Statistiken und welche Chancen dürfen sich Schindler und Springer bei ihrem Heimspiel tatsächlich ausrechnen? Zeit für eine ausführliche Bestandsaufnahme.

Zwischen starken Zahlen und bitteren Niederlagen: So reisen Schindler und Springer nach Dortmund

Beginnen wir mit Deutschlands Nummer eins. Martin Schindler blickt auf drei Monate zurück, in denen sich Licht und Schatten immer wieder abgewechselt haben. Den Anfang machte dabei eine bittere Major-Enttäuschung: Beim World Matchplay in Blackpool traf „The Wall“ im Juli auf Gerwyn Price und lag gegen den Waliser bereits mit 8:5 in Führung. Doch statt eines prestigeträchtigen Auftakterfolgs musste Schindler am Ende eine schmerzhafte 9:11-Niederlage hinnehmen und bereits nach der ersten Runde die Heimreise antreten.
Martin Schindler im Einsatz.
Martin Schindler zeigte sich in den vergangenen Monaten auf dem Floor konstant, musste auf der European Tour jedoch einige bittere Rückschläge hinnehmen.
Deutlich konstanter präsentierte sich der Deutsche in den vergangenen Monaten auf dem Floor. Bei sechs Players-Championship-Turnieren musste Schindler lediglich zwei Mal zum Auftakt seinen Hut nehmen. Dreimal erreichte er das Boardfinale, einmal schaffte er sogar den Sprung ins Achtelfinale. Ergebnisse, die zwar keinen ganz großen Ausreißer nach oben darstellen, aber durchaus von einer soliden Form zeugen.
Wesentlich weniger erfreulich verliefen hingegen die letzten Wochen auf der European Tour. Gleich dreimal musste sich Schindler bereits zum Auftakt geschlagen geben – eine Schwächephase, die maßgeblich dafür verantwortlich war, dass seine Qualifikation für Dortmund bis zum letzten Turnier auf der Kippe stand. In Prag gelang „The Wall“ immerhin ein Auftakterfolg, ehe beim Saisonfinale in Maastricht schließlich die Erlösung folgte. Mit seinem Sieg gegen Karel Sedlacek und dem damit verbundenen Achtelfinaleinzug sicherte sich Schindler in letzter Sekunde sein Ticket für die Heim-EM.
Etwas anders verliefen die vergangenen Monate für Niko Springer. Der „Meenzer Bub“ bewies insbesondere auf der European Tour eine bemerkenswerte Konstanz. Bei vier seiner fünf Teilnahmen überstand Springer die erste Runde und sammelte damit wichtige Preisgelder für die European Tour Order of Merit. Lediglich beim Saisonfinale in Maastricht musste sich der Deutsche bereits zum Auftakt geschlagen geben. Dort unterlag er Scott Williams – zu diesem Zeitpunkt war seine EM-Qualifikation allerdings längst auf einem guten Weg.
Seinen größten Erfolg der vergangenen drei Monate feierte Springer auf dem Floor. Bei Players Championship 25 erreichte der Deutsche das Halbfinale und setzte damit ein weiteres Ausrufezeichen in seiner noch jungen PDC-Karriere. Abseits dieses starken Ergebnisses verliefen die übrigen Auftritte bei den Players Championships allerdings deutlich unspektakulärer: Zweimal erreichte Springer die zweite Runde, einmal musste er sich bereits in seinem Auftaktspiel geschlagen geben.
Ein weiteres Highlight wartete Ende September auf den „Meenzer Bub“. Beim World Grand Prix in Leicester durfte Springer sein Debüt bei diesem besonderen Major-Turnier feiern – und stand dabei erstmals in seiner Karriere als einziger deutscher Hoffnungsträger auf einer PDC-Major-Bühne. Gegen Danny Noppert zeigte der Siefersheimer eine durchaus ansprechende Leistung, musste sich dem stark aufspielenden Niederländer am Ende allerdings mit 1:2 in Sätzen geschlagen geben.

Der Blick auf die Zahlen: Wo stehen die beiden Deutschen wirklich?

Doch was sagen die nackten Zahlen über die derzeitige Verfassung unserer beiden EM-Hoffnungsträger aus? Beginnen wir erneut mit Martin Schindler. Der 30-Jährige konnte in den vergangenen drei Monaten lediglich elf seiner 24 Partien gewinnen. Das entspricht einer Siegquote von 45,83 Prozent – ein Wert, der den Ansprüchen der deutschen Nummer eins sicherlich nicht gerecht wird.
Umso erstaunlicher ist allerdings ein Blick auf die tiefergehenden Statistiken. Schindler spielte im selben Zeitraum einen Average von 94,69 Punkten und belegt damit im internationalen Vergleich einen starken 16. Rang. Auch in einer seiner Paradedisziplinen, dem Power-Scoring, konnte „The Wall“ durchaus überzeugen. 76 geworfene 180er stehen in den vergangenen drei Monaten zu Buche – mehr als beispielsweise bei Rob Cross, Cameron Menzies oder Dave Chisnall. Mit durchschnittlich 0,33 Maxima pro Leg belegt Schindler in dieser Kategorie sogar einen herausragenden elften Platz.
Doch wo liegt dann das Problem? Die Antwort liefert ein Blick auf den äußeren Ring. In den vergangenen drei Monaten verwandelte Schindler lediglich 38,34 Prozent seiner Doppelversuche. Im internationalen Vergleich bedeutet das Rang 75 – und damit eine Platzierung, die deutlich hinter den Erwartungen an einen Spieler seiner Klasse zurückbleibt.
Damit zeichnet sich ein bemerkenswertes Bild ab: Martin Schindler spielt seit Monaten Darts auf einem durchaus ansprechenden Niveau und gehört insbesondere im Scoring weiterhin zu den stärksten Akteuren der Welt. Doch der Deutsche schafft es zu selten, aus diesen Leistungen auch Kapital zu schlagen. Trotz vielversprechender Statistiken verliert Schindler mehr Spiele, als er gewinnt. Eine wesentliche Ursache dafür dürfte seine ausbaufähige Doppelquote sein, die seine starken Leistungen auf den Triple-Feldern immer wieder zunichtemacht.

Martin Schindler im Statistik-Check: Seine Zahlen der vergangenen drei Monate

StatistikWert (letzte 3 Monate)
Gespielte Matches24
Gewonnene Matches11
Siegquote45.83 %
Average94.69
Geworfene 180er76
180er pro Leg0.33
Doppelquote38,94 %
Und Niko Springer? Dessen statistische Bestandsaufnahme beginnt zunächst ganz ähnlich. Der Deutsche konnte in den vergangenen drei Monaten zwölf seiner 23 Partien für sich entscheiden. Mit einer Siegquote von 52,17 Prozent steht Springer damit sogar etwas besser da als sein Landsmann. Interessant wird es allerdings, wenn man die spielerischen Leistungswerte der beiden Deutschen miteinander vergleicht.
Denn obwohl Springer mehr Spiele gewinnt als Schindler, liegt er beim Average deutlich hinter der deutschen Nummer eins zurück. In den vergangenen drei Monaten erzielte der „Meenzer Bub“ durchschnittlich 90,32 Punkte pro Aufnahme – ein Wert, der im internationalen Vergleich lediglich für Rang 67 reicht.
Niko Springer in Aktion.
Niko Springer blieb in den vergangenen Monaten insbesondere beim Scoring hinter seinen Möglichkeiten zurück – und weist dennoch eine positive Matchbilanz auf.
Auch beim Scoring, das eigentlich zu den großen Stärken des Deutschen zählt, ergibt sich ein eher ernüchterndes Bild. Springer, dessen Spiel von elektrisierenden Power-Scoring-Phasen und zahlreichen 180ern lebt, konnte in den vergangenen Monaten lediglich 49 Maxima erzielen. Damit belegt er in dieser Kategorie Rang 145. Auch die durchschnittlich 0,24 geworfenen 180er pro Leg und der damit verbundene 58. Platz entsprechen sicherlich nicht dem Niveau, das der Deutsche in seinen besten Phasen erreichen kann.
Na gut, dann muss der entscheidende Unterschied zwischen Schindler und Springer wohl auf den Doppeln liegen, richtig? Nicht wirklich. Tatsächlich fällt Springers Doppelquote sogar noch schwächer aus als die seines Landsmanns. Lediglich 35,28 Prozent seiner Versuche auf den äußeren Ring fanden in den vergangenen drei Monaten ihr Ziel. Im internationalen Vergleich bedeutet das einen ernüchternden 192. Rang.
Einmal mehr wird damit deutlich: Darts ist so viel mehr als Statistiken, Averages und Zahlen. Niko Springer hinkt seiner Normalform und insbesondere seinem eigenen Leistungsmaximum in den vergangenen Monaten deutlich hinterher. Und dennoch schafft es der „Meenzer Bub“, mehr Spiele zu gewinnen, als er verliert. Während Schindler aus seinen starken statistischen Werten zu wenig Kapital schlägt, gelingt es Springer trotz deutlich schwächerer Zahlen, eine positive Matchbilanz vorzuweisen.

Springers aktuelle Form im Zahlenvergleich: Die wichtigsten Statistiken

StatistikWert (letzte 3 Monate)
Gespielte Matches23
Gewonnene Matches12
Siegquote52.17 %
Average90.32
Geworfene 180er49
180er pro Leg0.24
Doppelquote35.28 %

Zwei unterschiedliche Wege: So lösten Schindler und Springer ihre EM-Tickets

Diese Fähigkeit, auch ohne absolute Topform regelmäßig Spiele zu gewinnen, dürfte einer der Gründe dafür sein, weshalb Niko Springer dem Qualifikationsrennen für Dortmund deutlich entspannter entgegenblicken konnte als sein Landsmann.
Der 26-Jährige war bei allen 15 Turnieren der diesjährigen European Tour am Start und musste sich dabei jedes Mal als ungesetzter Pro-Tour-Qualifikant durch die erste Runde kämpfen. Seine Bilanz: fünf Erstrundenniederlagen, fünf Zweitrundenteilnahmen, vier Achtelfinals und ein Viertelfinale. Eine Ausbeute, die zwar nicht von spektakulären Ausreißern geprägt war, aber von bemerkenswerter Konstanz zeugt.
In der Endabrechnung reichten diese Ergebnisse für Rang 26 der European Tour Order of Merit. Damit sicherte sich Springer einen Platz unter den besten 32 Spielern der Rangliste und durfte seine Teilnahme an der European Darts Championship frühzeitig einplanen.
Ganz anders sah die Situation bei Martin Schindler aus. Wie eingangs bereits beschrieben, musste „The Wall“ bis zum Saisonfinale in Maastricht um sein EM-Ticket kämpfen. Eine Entwicklung, die insbesondere mit Blick auf die vergangenen beiden Jahre durchaus bemerkenswert ist: 2024 reiste Schindler noch als Nummer eins der Setzliste zur Europameisterschaft nach Dortmund, 2025 immerhin als Nummer zwei. Nur ein Jahr später musste der Deutsche bis zum letzten Turnier zittern, um überhaupt wieder bei seinem Heimspiel dabei sein zu dürfen.
Dabei war auch Schindler bei allen 15 Turnieren der European Tour am Start – und genoss im Gegensatz zu Springer meist sogar den Vorteil einer gesetzten Position. Bei 13 Events durfte der Deutsche direkt in der zweiten Runde einsteigen, lediglich zweimal musste er bereits in Runde eins ans Oche.
Seine Saisonbilanz fällt dennoch ernüchternd aus: Siebenmal verlor Schindler direkt sein Auftaktspiel als gesetzter Akteur in Runde zwei. Hinzu kommen eine Erstrundenniederlage, ein weiterer Zweitrundenauftritt, vier Achtelfinals und zwei Viertelfinals. Insbesondere die zahlreichen Auftaktniederlagen verhinderten, dass sich Schindler frühzeitig eine komfortable Ausgangslage in der Rangliste erarbeiten konnte.
Am Ende ging die Rechnung gerade noch auf. Schindler beendete die European-Tour-Saison auf Rang 31 der Order of Merit und qualifizierte sich damit auf dem vorletzten Platz für die Europameisterschaft. Immerhin: Sein Vorsprung auf den direkt hinter ihm platzierten Karel Sedlacek auf Rang 32 betrug in der Endabrechnung 5.000 Pfund.

Hammerlos für Schindler: Wessel Nijman wartet in Dortmund

Doch auch nach der erfolgreichen Qualifikation dürfen die beiden Deutschen keineswegs durchatmen. Denn die Auftaktgegner, die in Dortmund auf Schindler und Springer warten, haben es in sich.
Anders als bei vielen anderen PDC-Majors wird das Teilnehmerfeld der European Darts Championship nicht klassisch ausgelost. Stattdessen ergibt sich der Turnierbaum direkt aus den Platzierungen in der European Tour Order of Merit. Für Schindler war deshalb bereits im Vorfeld klar, dass ihn als Nummer 31 der Rangliste eine denkbar schwierige Aufgabe erwarten würde.
Und dieses Hammerlos trägt den Namen Wessel Nijman.
Der 26-jährige Niederländer gehört zweifelsohne zu den herausragenden Akteuren dieser Darts-Saison. Insbesondere auf der European Tour präsentierte sich Nijman über weite Strecken des Jahres in bestechender Verfassung, gewann zwei Titel und beendete die Saison als Nummer zwei der entsprechenden Rangliste. Hinzu kommen sechs weitere Turniersiege auf dem PDC-Floor. Acht Titel innerhalb eines Jahres – eine Bilanz, die eindrucksvoll unterstreicht, auf welchem Niveau sich Nijman mittlerweile bewegt.
Doch trotz dieser beeindruckenden Erfolge gibt es zwei Aspekte, die Martin Schindler zumindest etwas Hoffnung machen dürften: Nijmans bisherige Schwierigkeiten auf den großen Major-Bühnen und seine Form in den vergangenen Wochen.
Denn so dominant sich der Niederländer auf der Pro Tour auch präsentiert, so wenig konnte er diese Leistungen bislang bei den ganz großen Turnieren bestätigen. Bei seinen bisherigen 19 PDC-Major-Teilnahmen gelangen Nijman gerade einmal 13 Siege. Immer wieder wird dem 26-Jährigen vorgeworfen, auf den großen Bühnen die nötige Kaltschnäuzigkeit und Nervenstärke vermissen zu lassen.
Inzwischen ist Nijman bereits elfmaliger PDC-Titelgewinner im Seniorenbereich – und dennoch wartet er weiterhin auf seinen ersten Major-Viertelfinaleinzug. Über das Achtelfinale hinaus schaffte es der Niederländer bei einem der großen Turniere bislang noch nie.
Hinzu kommt, dass Nijmans beeindruckende Titelausbeute in diesem Jahr vor allem auf seine Leistungen in der ersten Saisonhälfte zurückzuführen ist. Sämtliche acht Turniersiege feierte der Niederländer vor Ende Juni. Seinen bislang letzten Titel holte er bei den Slovak Darts Open, als er sich im Finale gegen Rob Cross durchsetzte. Seither ist Nijman zumindest ein Stück weit abgekühlt. Zwar erreichte er noch ein weiteres Halbfinale, auf einen erneuten Finaleinzug wartet er allerdings seit mittlerweile mehreren Monaten.
Dennoch wäre es vermessen, Nijman deshalb als angeschlagenen Gegner zu bezeichnen. Auch die Statistiken der vergangenen drei Monate zeigen deutlich, dass der Niederländer weiterhin Darts auf absolutem Weltklasse-Niveau spielt. Mit einer Siegquote von 58,82 Prozent, einem Average von 95,68 Punkten und Rang zehn im internationalen Vergleich präsentiert sich Nijman weiterhin stärker als die meisten seiner Konkurrenten.
Auch beim Scoring kann sich seine Bilanz sehen lassen: 112 geworfene 180er bedeuten Rang 26, mit durchschnittlich 0,33 Maxima pro Leg liegt Nijman sogar auf dem zehnten Platz. Besonders bemerkenswert ist allerdings seine Doppelquote. Mit 43,53 Prozent belegt der Niederländer in dieser Kategorie einen herausragenden siebten Rang – und liegt damit deutlich vor Schindler.
Auch der direkte Vergleich spricht eine klare Sprache: Achtmal standen sich die beiden bislang gegenüber, sechsmal behielt Nijman die Oberhand. Lediglich zwei Duelle konnte Schindler für sich entscheiden.
Damit ist die Favoritenrolle eindeutig verteilt. Wessel Nijman reist als einer der formstärksten Spieler des Jahres nach Dortmund und wird gegen die deutsche Nummer eins als klarer Favorit ans Oche treten. Doch vielleicht liegt genau in der besonderen Atmosphäre einer Major-Bühne, auf der Nijman bislang so häufig seine Schwierigkeiten hatte, die große Chance für Martin Schindler.

Wessel Nijman im Statistik-Check: Seine Zahlen der vergangenen drei Monate

StatistikWert (letzte 3 Monate)Vorteil
Siegquote58.82 %Nijman
Average95.68Nijman
Geworfene 180er112Nijman
180er pro Leg0.33Gleichstand
Doppelquote43.53 %Nijman

Auch Springer vor Herkulesaufgabe: Jonny Clayton wartet

Und Niko Springer? Auch der „Meenzer Bub“ durfte sich als Nummer 26 der European Tour Order of Merit keine großen Hoffnungen auf ein einfaches Auftaktlos machen. Bereits vor der Veröffentlichung des Turnierbaums stand fest, dass Springer es in Dortmund mit einem Spieler aus den Top zehn der Rangliste zu tun bekommen würde.
Sein Gegner: Jonny Clayton.
Der Waliser präsentiert sich in diesem Jahr in herausragender Verfassung und gehört wieder zu den konstantesten Akteuren der PDC-Tour. Insbesondere bei seiner Rückkehr in die Premier League of Darts wusste „The Ferret“ zu überzeugen. Mit vier Tagessiegen und einem starken zweiten Platz in der Abschlusstabelle hinter Luke Littler spielte Clayton eine beeindruckende Premier-League-Saison.
Auch auf der European Tour durfte sich der Waliser zuletzt über einen besonderen Erfolg freuen. Bei der Swiss Darts Trophy sicherte sich Clayton seinen ersten Ranglistentitel des Jahres und unterstrich damit, dass er auch abseits der Major-Bühnen weiterhin zur absoluten Weltspitze gehört.
Wie stark Clayton derzeit tatsächlich aufspielt, zeigt ein Blick auf seine Statistiken der vergangenen drei Monate. Der Waliser konnte beeindruckende 73,08 Prozent seiner Partien gewinnen und weist damit eine deutlich bessere Siegquote auf als Springer. Auch beim Average liegt „The Ferret“ mit 93,98 Punkten und Rang 23 im internationalen Vergleich klar vor dem Deutschen.
Beim Scoring stehen für Clayton in diesem Zeitraum 85 geworfene 180er zu Buche, was Rang 49 bedeutet. Mit durchschnittlich 0,28 Maxima pro Leg belegt der Waliser zudem den 29. Platz. Werte, die zwar nicht an die absoluten Spitzenreiter dieser Kategorien heranreichen, aber dennoch deutlich über Springers jüngsten Scoring-Leistungen liegen.
Seine vielleicht größte Stärke zeigt Clayton allerdings auf den Doppelfeldern. In den vergangenen drei Monaten verwandelte der Waliser herausragende 44,42 Prozent seiner Doppelversuche. Im internationalen Vergleich bedeutet das Rang fünf – und damit eine Platzierung, von der Springer mit seiner Quote von 35,28 Prozent derzeit weit entfernt ist.
Auch der direkte Vergleich liefert dem deutschen Hoffnungsträger wenig Grund zur Zuversicht. Zweimal standen sich Springer und Clayton bislang auf der PDC-Tour gegenüber, beide Duelle entschied der Waliser für sich.
Damit zeichnet sich auch im zweiten deutsch besetzten Auftaktspiel eine klare Rollenverteilung ab. Jonny Clayton geht als Favorit in die Partie gegen Niko Springer – und der „Meenzer Bub“ wird eine deutliche Leistungssteigerung benötigen, wenn er den Waliser in Dortmund ernsthaft in Bedrängnis bringen möchte.
StatistikWert (letzte 3 Monate)Vorteil
Siegquote73.08 %Clayton
Average93.98Clayton
Geworfene 180er85Clayton
180er pro Leg0.28Clayton
Doppelquote44.42 %Clayton

Hammer-Aufgaben, aber kaum Druck: Dortmund als große Chance

Die Ausgangslage vor der European Darts Championship könnte für die beiden deutschen Hoffnungsträger damit kaum anspruchsvoller sein. Martin Schindler bekommt es mit einem der erfolgreichsten Spieler der laufenden Saison zu tun, Niko Springer muss sich gegen einen Jonny Clayton in bestechender Verfassung behaupten. Beide Deutschen gehen als Außenseiter in ihre Auftaktpartien – und dennoch bietet die Heim-EM für beide eine große Chance.
Denn während andere Spieler in Dortmund nicht nur um den Titel, sondern auch um die Verteidigung wichtiger Weltranglisten-Preisgelder kämpfen, haben Schindler und Springer in dieser Hinsicht vergleichsweise wenig Druck.
Schindler musste sich bei der Europameisterschaft 2024 bereits in der ersten Runde geschlagen geben. Die damals erspielten 7.500 Pfund, die nun aus seiner zweijährigen PDC Order of Merit fallen, hat sich der Deutsche mit seiner erneuten Qualifikation bereits wieder gesichert. Jeder weitere Sieg würde deshalb einen zusätzlichen Gewinn für sein Weltranglisten-Konto bedeuten.
Noch komfortabler gestaltet sich die Situation für Niko Springer. Der Siefersheimer feierte erst im vergangenen Jahr sein Debüt bei der European Darts Championship und war vor zwei Jahren noch gar nicht Teil des Teilnehmerfeldes. Da sich Springer zudem erst im zweiten Jahr seiner Tour Card befindet, hat er derzeit ohnehin kein Preisgeld aus dem entsprechenden zweijährigen Ranking-Zeitraum zu verteidigen. Jedes Pfund, das der „Meenzer Bub“ in Dortmund erspielt, kommt seinem Weltranglisten-Konto unmittelbar zugute.
Damit steht fest: Sportlich haben Schindler und Springer bei der Heim-EM zwei echte Herkulesaufgaben vor der Brust. Mit Blick auf die Weltrangliste können sie allerdings fast nur gewinnen. Beide Deutschen reisen ohne größere Ranking-Altlasten nach Dortmund, beide haben in dieser Saison bereits bewiesen, dass sie an einem guten Tag auch die absolute Weltspitze herausfordern können.
Ob ihnen das ausgerechnet vor heimischem Publikum gelingt, bleibt abzuwarten. Klar ist aber schon jetzt: Auch wenn Darts-Deutschland in diesem Jahr nur zwei Hoffnungsträger zur European Darts Championship schickt, mangelt es deren Auftaktpartien ganz sicher nicht an Brisanz.
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