Luke Littler gegen das deutsche Publikum: Wird die Rivalität in Dortmund zum Hindernis auf dem Weg zum EM-Titel?

PDC
durch Nic Gayer
Luke Littler DartsNews Podcast collage
Luke Littler kehrt in dieser Woche nach Deutschland zurück – und bei der European Darts Championship 2026 in Dortmund steht für den Weltranglistenersten weit mehr als nur der nächste große Titel auf dem Spiel. Der Engländer hat die Chance, eine der letzten Lücken in seiner Sammlung bedeutender Ranglistentrophäen zu schließen. Gleichzeitig wird sein Verhältnis zum deutschen Publikum erneut auf die Probe gestellt. Nach feindseligen Reaktionen hatte Littler zuletzt Turniere der European Tour in Deutschland gemieden. Nun könnte sein Auftritt in Dortmund zeigen, ob sich die Stimmung inzwischen verändert hat.
„Littler gegen das deutsche Publikum wird an diesem Wochenende zu einem wichtigen Duell“, erklärte Samuel Gill im aktuellen DartsNews-Podcast. Der Darts-Experte ist besonders gespannt darauf, wie die Zuschauer auf die Rückkehr des 19-Jährigen reagieren werden. „Ich bin sehr gespannt, ob die Zuschauer ihn unter Druck setzen und ihm das Leben schwer machen, nachdem er offen gesagt hat, dass er nicht in Deutschland spielen möchte.“

Droht Luke Littler in Dortmund erneut ein Pfeifkonzert?

Dass Littler auch außerhalb Deutschlands mit negativen Publikumsreaktionen zu kämpfen hat, zeigte sich zuletzt bei den World Series of Darts Finals im September in Amsterdam. Während seines Sieges gegen Nathan Aspinall sah sich Schiedsrichter Charlie Corstorphine gezwungen, einzugreifen. Anschließend deutete Littler an, künftig möglicherweise auch Turniere der European Tour in den Niederlanden zu meiden. Mit Blick auf seine Rückkehr nach Deutschland erklärte er gegenüber Online Darts: „In Dortmund werden wir sehen, ob sich etwas verändert oder alles beim Alten bleibt.“

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Ausgerechnet Aspinall könnte bei der Europameisterschaft erneut zu seinem Gegner werden. Gewinnen beide Spieler ihre Auftaktpartien, würden sie am Samstag in der zweiten Runde aufeinandertreffen. Gill glaubt, dass die Atmosphäre in der Halle dem Publikumsliebling Aspinall einen Vorteil verschaffen könnte. „Das könnte Nathan Aspinall in die Karten spielen. Er ist beim Publikum äußerst beliebt und wird in Dortmund sicherlich viel Zuspruch und Unterstützung erhalten – anders als Littler“, sagte der Experte. Auch deshalb zählt er den Weltranglistenersten nicht zu seinen ersten Titelkandidaten: „Das ist für mich ein weiterer Grund, Littler nicht als Titelfavoriten zu sehen. Vielleicht will er etwas beweisen. Oder er lässt sich aus der Ruhe bringen und scheidet früh aus.“
Bemerkenswert ist allerdings, dass die Zwischenfälle in Amsterdam nicht nur Littler selbst verärgerten. Auch Aspinall empfand das Verhalten einiger Zuschauer offenbar als störend. Nach Angaben Littlers hatte sein Gegner sogar den Schiedsrichter angesprochen, weil ihn die Pfiffe gegen den Engländer ebenfalls aus dem Konzept brachten.

Parallelen zu Gerwyn Price: Wird Littler dauerhaft zum Ziel der Zuschauer?

Die Diskussion um Littlers Verhältnis zum Publikum erinnert an die Erfahrungen von Gerwyn Price. Der Waliser wurde nach seinem kontroversen Finale gegen Gary Anderson beim Grand Slam of Darts 2018 über Jahre hinweg immer wieder ausgepfiffen. Erst mit der Zeit entspannte sich sein Verhältnis zu den Fans.
Gill sieht durchaus Parallelen zwischen den beiden Spielern. „Seit jenem Spiel gegen Gary Anderson beim Grand Slam vor etwa acht oder neun Jahren muss er immer wieder heftige Kritik einstecken“, erklärte er mit Blick auf Price. Seiner Ansicht nach haben sich solche Reaktionen bei manchen Zuschauern regelrecht verselbstständigt. „Ich glaube, das Auspfeifen ist mittlerweile zur Normalität geworden. Vielleicht gibt es Fans wie diejenigen, mit denen du in München gesprochen hast, Nic. Sie besuchen Dartsturniere, weil sie den Sport lieben. In Dortmund wird es aber wahrscheinlich auch Leute geben, die Luke Littler sehen und sofort anfangen zu pfeifen, weil sie denken: ‚Na ja, das gehört eben dazu.‘“
Die angespannte Beziehung zwischen Littler und Teilen des deutschen Publikums nahm insbesondere 2025 in München eine entscheidende Wendung. Nach den dortigen Erfahrungen begann der Engländer, Turniere der European Tour in Deutschland zu meiden. Als Nicolas Gayer, der regelmäßig als Interviewer bei European-Tour-Veranstaltungen im Einsatz ist, in dieser Saison mit Fans in München sprach, wurde Littlers anhaltende Abwesenheit erneut zum Thema.
Gayer ist allerdings überzeugt, dass die ablehnende Haltung einiger Zuschauer nicht repräsentativ für die gesamte deutsche Darts-Fangemeinde ist. „Ich bin überzeugt, dass die Diskussion um Littler in Deutschland irgendwann verstummen wird. In den lokalen Ligen, in den Kneipen und auch in den Arenen sieht man, wie viele Fans Littler in Deutschland hat“, erklärte er.
Seine Gespräche mit den Zuschauern in München hätten dieses Bild bestätigt. „Viele Leute sagten – und meiner Meinung nach war das die Mehrheit –, dass sie auf Lukes Rückkehr hoffen“, berichtete Gayer. „Sie verstehen die Reaktionen des Publikums nicht wirklich und finden den Umgang der deutschen Fans mit ihm unfair. Deshalb glaube ich, dass sich das eines Tages ändern wird. Vielleicht passiert es noch in diesem Jahr, vielleicht dauert es ein paar Jahre.“
Dass Littler auch in Deutschland auf große Unterstützung zählen kann, zeigte sich bereits im März bei der Premier League in Berlin. Dort gewann der Engländer den Spieltag nach Erfolgen über Stephen Bunting, Gerwyn Price und Michael van Gerwen. Im Anschluss räumte er selbst ein, dass ihn zumindest Teile des Publikums während seines erfolgreichen Auftritts angefeuert hatten.

Drei Rückschläge in Folge: Kehrt Littler in Dortmund mit einem Titel zurück?

Sportlich reist Littler nach einer für seine Verhältnisse ungewöhnlichen Serie von Enttäuschungen zur Europameisterschaft. Bei den World Series of Darts Finals in Amsterdam war im Viertelfinale Schluss, beim World Grand Prix scheiterte er bereits in der ersten Runde des Turniers mit Doppel-Ein-Modus. Hinzu kam eine Halbfinalniederlage bei der Jugend-Weltmeisterschaft. In Dortmund bietet sich dem zweimaligen Weltmeister nun die Gelegenheit, auf diese Rückschläge zu reagieren und zugleich einen Major-Titel zu gewinnen, der ihm bislang noch fehlt.
Nicolas Gayer glaubt, dass die jüngsten Niederlagen Littler zusätzlich motivieren könnten. Für dessen Konkurrenten sei die Situation möglicherweise sogar besonders ungünstig. „Was in Amsterdam, Leicester und auch bei der Jugend-Weltmeisterschaft passiert ist, war ungefähr das Schlimmste, was den anderen Titelanwärtern hätte passieren können“, erklärte er.
Gayer rechnet fest damit, dass der Weltranglistenerste eine deutliche Reaktion zeigen möchte. Littler werde seiner Einschätzung nach „mit dem Ziel zurückkehren, zurückzuschlagen und den Titel in Dortmund zu gewinnen“. Der Host ergänzte: „Was wäre dafür besser geeignet als ein Titel, den er noch nicht gewonnen hat? Ich glaube also, dass er an diesem Wochenende der Mann in Dortmund sein wird.“
Samuel Gill sieht die Ausgangslage etwas anders und tippt auf Ross Smith als Europameister. Der Engländer ist der am höchsten gesetzte Spieler in der anderen Turnierhälfte. Dennoch traut auch Gill Littler grundsätzlich eine eindrucksvolle Antwort auf seine jüngsten Niederlagen zu. Dabei erinnert er an die Dominanz von Michael van Gerwen in dessen erfolgreichsten Jahren.
„Ich denke immer an Michael van Gerwen ab 2017 zurück. Wenn er verlor – und das kam selten vor –, kehrte er beim nächsten Turnier zurück und gewann“, erklärte Gill. „Oft siegte er deutlich und setzte sofort ein klares Zeichen.“
Ein ähnliches Szenario hält der Experte auch bei Littler für möglich. Ob die Reaktion bereits bei der Europameisterschaft oder erst beim anschließenden Grand Slam of Darts erfolgt, lässt er offen. Entscheidend sei für ihn, dass der Engländer früher oder später wieder seine ganze Klasse zeigen werde. „Sei es an diesem Wochenende oder beim Grand Slam. Er kommt zurück und gewinnt schließlich eines dieser Turniere, und zwar auf beeindruckende Weise“, prognostizierte Gill. „Es würde mich nicht sonderlich überraschen, wenn er an diesem Wochenende gewinnt. Aber ich bin sehr gespannt, wie das Publikum reagiert.“

Kann Littler das deutsche Publikum mit seinen Leistungen zurückgewinnen?

Über den möglichen Titelgewinn hinaus beschäftigt Gill vor allem die langfristige Entwicklung von Littlers Verhältnis zu den Zuschauern. Dabei stellt sich für ihn die Frage, ob der junge Engländer eine ähnliche Phase wie Gerwyn Price durchlaufen muss oder ob seine sportlichen Erfolge die Stimmung schon bald wieder zu seinen Gunsten verändern.
Entscheidend sei letztlich das Verhalten der Fans. Gill fragt sich, „ob Littler wie Price dauerhaft so behandelt wird oder ob seine Siege für sich sprechen und das Publikum ihn bald wieder anfeuert“. Die Antwort darauf hänge in den kommenden Monaten auch davon ab, „wer aus den richtigen Gründen zum Darts kommt und wer vor allem einen Abend ausgehen möchte und deshalb Spieler auspfeift“.
Die erste Gelegenheit, die Stimmung in Dortmund aus nächster Nähe zu erleben, erhält Littler am Freitagabend. Dann trifft der Weltranglistenerste in seinem Auftaktmatch auf William O'Connor. Zuvor bekommt es Nathan Aspinall in derselben Abendsession mit Cristo Reyes zu tun. Beide Engländer müssen ihre Erstrundenpartien im Modus Best of 11 Legs gewinnen, damit es am Samstag tatsächlich zur Neuauflage ihres Duells von Amsterdam kommt.
Sollte Littler diese Hürden überwinden, wären am Sonntag noch drei weitere Siege nötig, um die Darts-Europameisterschaft erstmals zu gewinnen. Damit könnte der 19-Jährige nicht nur seine Titelsammlung um eine weitere bedeutende Trophäe erweitern, sondern möglicherweise auch ein neues Kapitel in seinem schwierigen Verhältnis zum deutschen Darts-Publikum aufschlagen.
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