Die PDC stellt den Dartsport im Jahr 2027 vor weitreichende Veränderungen. Mehrere bedeutende Turniere werden ausgebaut, die Preisgelder steigen weiter und mit den European Open kommt sogar ein neues Major-Turnier hinzu. Der Weltmeister von 2008 Mark Webster begrüßt die Entwicklung grundsätzlich, warnt jedoch vor einem zunehmend überfüllten Terminkalender. In einem ausführlichen Interview mit Online Darts spricht der Waliser über die Reformen, den anhaltenden Boom der Darts-WM im Alexandra Palace und die jüngsten Entscheidungen von Luke Littler.
Webster, der nach seiner aktiven Karriere als Darts-Analyst arbeitet, verfolgt den rasanten Aufstieg des Sports aus nächster Nähe. Der frühere BDO-Weltmeister sieht insbesondere die wachsenden Verdienstmöglichkeiten und die zusätzlichen Chancen für Spieler als positive Entwicklungen. Gleichzeitig stellt sich für ihn zunehmend die Frage, wie die Profis die immer größere Zahl an Turnieren bewältigen sollen.
Players Championship Finals 2027: Teilnehmerfeld wird auf 128 Spieler verdoppelt
Eine der bedeutendsten Neuerungen betrifft die Players Championship Finals. Während sich bislang 64 Spieler für das traditionsreiche Ranglistenturnier qualifizieren konnten, wird das Teilnehmerfeld ab 2027 auf 128 Profis erweitert. Damit verdoppelt die PDC die Zahl der Startplätze und eröffnet deutlich mehr Spielern die Möglichkeit, bei einem großen Turnier anzutreten.
Der frühere Darts-Weltmeister Mark Webster begrüßt die umfangreichen PDC-Reformen für 2027. Der heutige Analyst freut sich über größere Turniere, steigende Preisgelder und ein neues Major in Salzburg, warnt aber zugleich vor einem zunehmend überfüllten Terminkalender.
Webster hält diesen Schritt für sinnvoll und sieht auch organisatorisch keine größeren Hindernisse. „Das kann ich eigentlich nur begrüßen. Wir waren schon oft dort, und die nötige Infrastruktur ist vorhanden. Es ist eine recht einfache Anpassung“, erklärte der Waliser.
Durch das größere Teilnehmerfeld werde die Veranstaltung künftig gewisse Ähnlichkeiten mit den UK Open aufweisen. Einen entscheidenden Unterschied hob Webster allerdings hervor: „Es wird ein wenig mit den UK Open vergleichbar sein, aber es gibt keine offene Auslosung. Ich halte das für eine gute Entwicklung.“
Gleichzeitig stellte der Analyst klar, dass die Erweiterung keineswegs bedeutet, dass sämtliche 128 Tour-Card-Inhaber automatisch einen Startplatz erhalten. Maßgeblich bleiben die Ergebnisse auf der Players Championship Tour. Dabei ging Webster auch auf die Diskussionen um Luke Littler ein. „Es geht um die 128 besten Spieler. Jeder sagt, diese Änderung sei speziell für Luke Littler eingeführt worden. Aber auch Littler muss sich ganz normal qualifizieren. Er muss weiterhin an den Turnieren teilnehmen.“
Allerdings dürfte die niedrigere Qualifikationshürde den Spielern mehr Flexibilität bei ihrer Saisonplanung ermöglichen. „Die Spieler werden vermutlich etwas seltener antreten müssen, um dabei zu sein. Dafür erhalten mehr Darter eine Chance, und das kann nur positiv sein“, sagte Webster.
Darts-Europameisterschaft wächst auf 48 Teilnehmer und eine Million Pfund Preisgeld
Auch die Darts-Europameisterschaft steht vor einem grundlegenden Wandel. Ab 2027 wird das Teilnehmerfeld von bislang 32 auf 48 Spieler aufgestockt. Zudem erstreckt sich das Turnier künftig über eine komplette Woche. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung beim Preisgeld: Erstmals werden insgesamt eine Million Pfund ausgeschüttet.
Webster sieht darin einen weiteren Beleg für die wachsende Bedeutung der European Tour, deren Ergebnisse für die Qualifikation zur Europameisterschaft entscheidend sind. „Die European Tour läuft natürlich bereits hervorragend. Ich glaube, ein weiteres Turnier in Frankreich kommt noch hinzu. Der Kalender wird also weiter ausgebaut.“
Die Entscheidung für 48 Teilnehmer überrascht den BDO-Weltmeister aus dem Jahr 2008 nicht. Schließlich entspricht diese Größe bereits dem etablierten Format der European-Tour-Turniere. „Ich hatte bereits Gerüchte gehört, dass es dazu kommen würde. Ich bin froh, dass es jetzt Wirklichkeit wird.“
Nach Websters Einschätzung wird die Europameisterschaft durch die zusätzlichen Spieltage und das höhere Preisgeld noch mehr Aufmerksamkeit erhalten. „Das Turnier war natürlich schon ein Major, aber mit den zusätzlichen Spieltagen wirkt es jetzt noch größer. Und das zusätzliche Preisgeld ist für die Spieler wichtig. Es wird sie auch dazu anspornen, sich ganz auf die European Tour zu konzentrieren.“
Neues PDC-Major in Salzburg: European Open eröffnen Amateuren eine Chance
Neben den Erweiterungen bestehender Veranstaltungen plant die PDC für 2027 die Einführung eines zusätzlichen Major-Turniers. Die neuen European Open werden in Salzburg ausgetragen und sollen sich am Format der UK Open orientieren. Das bedeutet insbesondere, dass auch Amateurspieler aus Kontinentaleuropa die Möglichkeit erhalten, sich für einen Wettbewerb mit den etablierten Profis zu qualifizieren.
Webster begrüßt diesen Ansatz, sieht allerdings auch die zunehmende Belastung durch den ohnehin dicht gedrängten Turnierkalender. „Ich denke, das ist gut für die Spieler“, erklärte der Waliser, fügte jedoch einschränkend hinzu: „Allerdings wird unser Kalender allmählich ziemlich voll.“
Die Vorteile des neuen Wettbewerbs überwiegen für ihn dennoch. Vor allem die Verbindung aus etablierten Tour-Card-Inhabern und Spielern, die sich über gesonderte Qualifikationsturniere ihren Platz sichern, hält Webster für attraktiv. „Tour-Card-Inhaber können teilnehmen, außerdem gibt es Qualifikationsturniere für europäische Spieler. Dieses offene Format gefällt mir. Es wird interessant sein zu sehen, wie es sich entwickelt.“
Besonders wertvoll könnten die European Open nach Ansicht des Analysten für jene Profis werden, die sich nicht regelmäßig für die anderen großen Ranglistenturniere qualifizieren. Ihnen eröffnet die zusätzliche Veranstaltung eine weitere Gelegenheit, Preisgeld zu verdienen und sich auf einer bedeutenden Bühne zu präsentieren.
„Du kannst 110.000 Pfund verdienen, und trotzdem reicht es nicht“
Ein weiteres zentrales Thema des Interviews war die enorme Entwicklung der Preisgelder im professionellen Dartsport. Angesichts der steigenden Ausschüttungen könnte künftig selbst ein Verdienst von rund 120.000 Pfund innerhalb des maßgeblichen Ranglistenzeitraums erforderlich sein, um die eigene Tour Card zu behalten. Auf diese mögliche Entwicklung wurde Webster im Gespräch angesprochen.
Für den früheren Weltmeister verdeutlichen solche Zahlen, wie stark sich die finanziellen Dimensionen des Sports verändert haben. „Ich hätte wirklich nicht erwartet, dass wir dieses Niveau erreichen. Das ist fantastisch, oder?“, sagte der Waliser.
Gleichzeitig machte Webster auf eine bemerkenswerte Konsequenz aufmerksam: Selbst Spieler, die über zwei Jahre hinweg einen sechsstelligen Betrag an Preisgeld gewinnen, könnten künftig ihren Platz auf der Profitour verlieren.
„Du kannst 100.000 oder 110.000 Pfund verdienen, und trotzdem reicht es nicht. Das ist heutzutage ein hervorragendes Einkommen, aber offenbar nicht genug, um auf der Tour zu bleiben“, erklärte der frühere Weltmeister.
Für Webster ist diese Entwicklung Ausdruck des enorm gestiegenen sportlichen Niveaus. „Es ist anspruchsvoll, und die Konkurrenz ist enorm. Die Spieler können heute hervorragend davon leben. Am unteren Ende der Rangliste ist es weiterhin schwierig, aber die Chancen sind riesig.“
Dabei erinnerte sich der Waliser auch an die langfristigen Ziele, die der frühere PDC-Vorsitzende Barry Hearn über viele Jahre formuliert hatte. „Barry sagte immer, er werde den Sport auf dieses Niveau bringen. Damals konnte man das kaum glauben, aber inzwischen sind wir so weit. Das ist großartig zu sehen.“
Angesichts der heutigen Verdienstmöglichkeiten konnte sich Webster schließlich eine selbstironische Bemerkung nicht verkneifen. „Irgendwie bin ich ein bisschen neidisch, dass ich selbst nicht mehr spiele. Ich könnte es noch einmal versuchen, aber ich bin längst nicht mehr gut genug.“
Darts-WM im Alexandra Palace: 2.000 zusätzliche Fans pro Session
Nicht nur der Turnierkalender verändert sich. Auch die Darts-WM im Londoner Alexandra Palace wird weiter ausgebaut. Durch den Umzug in eine größere Halle können künftig pro Session rund 2.000 zusätzliche Zuschauer das Geschehen live verfolgen. Damit reagiert die PDC auf die seit Jahren außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Eintrittskarten.
Der Alexandra Palace in London bleibt die legendäre Heimat der Darts-WM. Durch den Umzug in eine größere Halle können künftig rund 2.000 zusätzliche Fans pro Session dabei sein und für eine noch beeindruckendere Atmosphäre im „Ally Pally“ sorgen.
Webster blickt der Neuerung mit großer Vorfreude entgegen. „Es ist unglaublich, wie beliebt das Turnier geworden ist. Eigentlich ist es verrückt“, sagte der Analyst. Wie weit die Begeisterung mittlerweile reicht, erlebt er regelmäßig in seinem eigenen Umfeld. „Ich wohne etwa vier Stunden von London entfernt, und selbst bei mir fragen die Leute nach Tickets. Jeder möchte Teil dieses Ereignisses sein.“
Nach Ansicht des Walisers hat sich die Darts-WM längst zu einem festen Bestandteil der britischen Sporttradition rund um Weihnachten und den Jahreswechsel entwickelt. „Sie ist das Highlight im Dezember und Anfang Januar. Natürlich gibt es auch viele große Fußballspiele, aber die kann man vergessen. Alles dreht sich um Ally Pally.“
Selbst die höhere Zuschauerkapazität scheint die enorme Nachfrage kaum bremsen zu können. „Die Karten waren wieder innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Ich kann es kaum erwarten zu sehen, wie es dort aussehen wird“, erklärte Webster.
Auch für die Fernsehberichterstattung könnte der Umzug Veränderungen mit sich bringen. Webster rechnet mit einem neuen Studiokonzept, das die besondere Stimmung in der Halle stärker in die Übertragungen einbindet. „Ich glaube, wir bekommen ein neues, offenes Studio, in dem wir die Atmosphäre in der Halle viel besser mitbekommen. Das wird eine erfrischende Neuerung.“
Vor allem die zusätzlichen Zuschauer dürften das ohnehin außergewöhnliche Erlebnis im Alexandra Palace noch einmal intensivieren. „Die Atmosphäre dort ist ohnehin fantastisch, aber die 2.000 zusätzlichen Fans werden noch etwas drauflegen“, zeigte sich Webster überzeugt.
Luke Littler beim Grand Slam kaum zu stoppen? Webster sieht große Chancen
Zum Abschluss des Interviews richtete sich der Blick auf die verbleibenden großen Turniere der laufenden Saison. Im Mittelpunkt stand dabei Luke Littler, der trotz seiner herausragenden Stellung im internationalen Darts nicht an den Players Championship Finals teilnehmen wird.
Für den Grand Slam of Darts rechnet Webster dagegen mit einem starken Auftritt des jungen Engländers. Sollte Littler rechtzeitig zu seiner gewohnten Form zurückfinden und die Gruppenphase erfolgreich überstehen, dürfte er aus Sicht des Analysten nur schwer zu bezwingen sein. „Wenn Luke Littler beim Grand Slam wieder in Form ist und die Gruppenphase übersteht, wird es unglaublich schwierig, ihn aufzuhalten.“
Besonders die längeren Matchdistanzen spielen dem zweimaligen Weltmeister nach Websters Einschätzung in die Karten. „Sobald man über zehn und danach sechzehn gewonnene Legs spielt, wird es eine riesige Aufgabe, ihn zu schlagen. Dieses Format liegt ihm normalerweise ausgezeichnet.“
Bei den Players Championship Finals erwartet Webster dagegen einen deutlich offeneren Titelkampf. Durch Littlers Abwesenheit fehlt einer der großen Favoriten. Hinzu kommt, dass sich die Setzliste nicht nach der allgemeinen Weltrangliste, sondern nach der gesonderten Players Championship Order of Merit richtet. „Wenn er in Minehead nicht dabei ist, ist das Turnier völlig offen. Die Setzliste richtet sich nach der Players Championship-Rangliste und nicht nach der Weltrangliste. Deshalb wird die Auslosung ohnehin ganz anders aussehen.“
„Sein Selbstvertrauen hat einen kleinen Knacks bekommen“ – Webster über Littlers Jugend-WM-Meldung
Für Gesprächsstoff sorgt außerdem Littlers überraschende Entscheidung, sich für die Jugend-WM anzumelden. Dass der Engländer diesen Schritt unternommen hat, obwohl er nicht versucht hat, sich für die Players Championship Finals zu qualifizieren, wirft bei einigen Beobachtern Fragen auf.
Webster vermutet hinter der Anmeldung auch sportliche und mentale Beweggründe. Dabei betonte er ausdrücklich, dass es sich lediglich um seine persönliche Einschätzung handelt. „Das ist meine persönliche Einschätzung, aber ich glaube, sein Selbstvertrauen hat im Moment einen kleinen Knacks bekommen“, erklärte der Waliser.
Möglicherweise wolle Littler das Jugendturnier nutzen, um zusätzliche Spielpraxis zu sammeln und wieder zu seinem gewohnten Rhythmus zurückzufinden. „Ich glaube, er möchte einfach spielen, sehen, wie weit er kommt, und mit seinen Freunden Darts spielen“, sagte Webster.
Ob der junge Engländer letztlich tatsächlich bei der Jugend-WM antreten wird, konnte der Analyst zum Zeitpunkt des Interviews nicht bestätigen. „Vielleicht spielt er am Ende gar nicht mit. Aber er hat sich angemeldet, und das ist seine Entscheidung.“
Die Meldung des Darts-Stars hatte bereits Diskussionen ausgelöst. Einige Beobachter stellen infrage, weshalb ein Spieler, der längst zur absoluten Weltspitze gehört, weiterhin an einem Jugendturnier teilnehmen darf. Webster kann diese Kritik allerdings nicht nachvollziehen. „Das hat für einigen Wirbel gesorgt. Die Leute fragen, warum er dort mitspielen darf. Aber das sind nun einmal die Regeln. Er macht überhaupt nichts falsch.“
Mit größeren Teilnehmerfeldern, steigenden Preisgeldern, einem zusätzlichen Major-Turnier und einer erweiterten Darts-WM steht der PDC ein ereignisreiches Jahr 2027 bevor. Für Webster überwiegt trotz seiner Bedenken hinsichtlich der zunehmenden Termindichte die Vorfreude auf die Neuerungen. Auch sein eigener Arbeitskalender dürfte als Analyst entsprechend umfangreicher werden. „Im nächsten Jahr werde ich genug zu tun haben. Besonders freue ich mich auf die erweiterte Europameisterschaft und die neue European Open. Auch für mich wird der Kalender voll sein.“
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.