„Er war am Boden zerstört“ – Van der Voort enthüllt van Gerwens Gefühlschaos und warnt vor Selbstmitleid

PDC
durch Nic Gayer
Michael van Gerwen (2)
Michael van Gerwen steckt weiterhin in einer sportlich schwierigen Phase. Der dreimalige Weltmeister sucht nach seiner früheren Konstanz und muss immer wieder empfindliche Rückschläge hinnehmen. Auch bei der Dutch Darts Championship in Maastricht war für den Niederländer am vergangenen Wochenende bereits nach seinem ersten Auftritt Schluss. Wie sein enger Freund Vincent van der Voort berichtet, setzte ihm die Niederlage gegen William O'Connor emotional besonders schwer zu. Der ehemalige Profi warnt jedoch eindringlich davor, dass van Gerwen nun in Selbstmitleid verfällt. Wer zu alter Stärke zurückfinden wolle, müsse auch solche Enttäuschungen überwinden.
Vor heimischer Kulisse hatte sich van Gerwen einiges vorgenommen. Statt eines erhofften Erfolgserlebnisses folgte jedoch bereits in der zweiten Runde das bittere Aus. Gegen den Iren William O'Connor musste sich der dreimalige Weltmeister denkbar knapp mit 5:6 geschlagen geben.

„Hut ab vor ihm“ – Van der Voort lobt van Gerwens Bezwinger

Dabei sah van der Voort die Leistung seines langjährigen Freundes keineswegs so kritisch, wie es das Ergebnis vermuten lassen könnte. Van Gerwen habe durchaus ordentlich gespielt, sei allerdings auf einen Gegner getroffen, der ausgerechnet in der entscheidenden Phase seine beste Leistung abrufen konnte.
Michael van Gerwen winkt ins Publikum.
Michael van Gerwen durchlebt sportlich und privat eine schwierige Phase. Sein enger Freund Vincent van der Voort berichtet, wie sehr den dreimaligen Weltmeister die jüngsten Rückschläge belasten.
Beim Stand von 5:4 aus Sicht van Gerwens bewies O'Connor beeindruckende Nervenstärke. Mit zwei aufeinanderfolgenden 12-Dartern drehte der Ire die Partie und entriss dem Niederländer noch den Sieg. „Hut ab vor ihm, das war wirklich stark“, würdigte van der Voort die Leistung des Außenseiters im Podcast Darts Draait Door.

„Er war am Boden zerstört“ – van Gerwen leidet unter nächstem Rückschlag

Gerade weil van Gerwen spielerisch durchaus zu überzeugen wusste, wog das frühe Ausscheiden umso schwerer. Die erneute Enttäuschung hinterließ beim dreimaligen Weltmeister deutliche Spuren. Van der Voort, der nach der Partie mit seinem Freund sprach, bekam dessen Frustration unmittelbar zu spüren. „Das war so bitter für ihn, er war am Boden zerstört. Das ist verständlich und muss auch so sein“, schilderte der ehemalige Darts-Profi.
Allerdings suchte van der Voort nicht unmittelbar nach dem verlorenen Match das Gespräch. Stattdessen ließ er van Gerwen zunächst etwas Zeit, um seine Emotionen zu ordnen und die Niederlage zu verarbeiten.
„Ich habe ihn erst einmal runterkommen lassen, danach haben wir telefoniert. Was er jetzt nicht gebrauchen kann, ist Selbstmitleid. Diese Niederlage muss er einfach wegstecken, aber er muss auch weiter trainieren. Sonst wird er das nicht drehen.“
Für Van der Voort steht fest, dass sein Freund auf dem Weg zurück zu seiner einstigen Dominanz weitere schmerzhafte Niederlagen einkalkulieren muss. Entscheidend sei deshalb, wie van Gerwen mit solchen Rückschlägen umgehe. Nur wenn er konsequent an seinem Spiel arbeite und sich von Misserfolgen nicht aus der Bahn werfen lasse, könne ihm die Rückkehr an die Spitze gelingen.

Ungewohnt verletzlich: Van Gerwen überrascht mit offenem Interview

Das enttäuschende Abschneiden in Maastricht folgte auf ein bemerkenswert persönliches Interview, das van Gerwen kurz zuvor Sportnieuws.nl gegeben hatte. Darin gewährte der Niederländer ungewöhnlich tiefe Einblicke in sein Privatleben und sprach ausführlich über die Schwierigkeiten, die ihn in der jüngeren Vergangenheit beschäftigt hatten.
Unter anderem thematisierte der dreimalige Weltmeister die Trennung von seiner früheren Ehefrau Daphne und erläuterte, welche Auswirkungen seine persönlichen Lebensumstände auf ihn gehabt hatten.
Selbst van der Voort, der van Gerwen seit vielen Jahren eng begleitet und ihn entsprechend gut kennt, hatte mit einigen dieser Aussagen nicht gerechnet. „Er hat auch Dinge gesagt, mit denen ich nie gerechnet hätte. Zum Beispiel, dass ihm klar gewesen sei, dass er und seine Ex-Frau Daphne nicht zusammen alt werden würden. Das hatte ich von ihm noch nie gehört.“
Besonders bemerkenswert fand van der Voort, dass sein Freund öffentlich eine Seite von sich offenbarte, die er normalerweise konsequent hinter seinem selbstbewussten Auftreten verbirgt. „Er trägt immer diesen Schutzschild und tritt überall mit großer Klappe auf. Diesmal hat er auch eine verletzliche Seite gezeigt. Er ist ein ziemlich emotionaler Mensch, aber das lässt er nie erkennen.“

Van der Voort ermutigte van Gerwen, seine verletzliche Seite zu zeigen

Dass van Gerwen in dem Interview derart offen über seine persönlichen Probleme sprach, kam nicht von ungefähr. Wie van der Voort berichtete, hatten die beiden in der Vergangenheit immer wieder intensive Gespräche geführt. Dabei war es gelegentlich zu unterschiedlichen Wahrnehmungen darüber gekommen, wie der ehemalige Profi die Situation seines Freundes einschätzte.
Van Gerwen hatte mitunter den Eindruck gewonnen, dass van der Voort seine privaten Belastungen nicht ausreichend berücksichtigte und deshalb zu hart mit ihm ins Gericht ging. Aus Sicht des dreimaligen Weltmeisters blieben viele der Schwierigkeiten, mit denen er tatsächlich zu kämpfen hatte, für Außenstehende unsichtbar.
„Wir haben öfter darüber gesprochen, weil er dachte, ich würde ihn nicht verstehen und sei zu streng und kritisch. Er habe mit mehr zu kämpfen, als er erkennen lasse. Daraufhin habe ich ihm gesagt, er solle einmal ein solches Interview geben, damit auch andere Menschen ihn besser verstehen können. Das war das Ziel. Hoffentlich ist das gut angekommen.“
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