Der
World Grand Prix 2026 biegt auf die Zielgerade ein – und vor den Halbfinals scheint der Kampf um den Titel so offen wie selten.
Nathan Aspinall,
Gerwyn Price,
Luke Humphries und
James Wade sind noch im Rennen und bringen nach Einschätzung von Vincent van der Voort allesamt die Erfahrung und Qualität mit, um sich in Leicester die Trophäe zu sichern. Besonders Aspinall und Wade haben beim Niederländer bislang Eindruck hinterlassen, während Humphries trotz seiner Siege noch nicht sein bestes Niveau erreicht hat.
Aspinall ließ Ryan Joyce in seinem Viertelfinale kaum eine Chance. Van der Voort zeigt sich vor allem davon beeindruckt, wie „The Asp“ mit den Stockungen in seinem Wurf umgeht. „Der spielt sowieso das ganze Turnier über sehr gut. Es sieht gut aus. Obwohl es bei ihm alles so lange dauert und er viele Haker hat, spielt er einfach großartig“, erklärt der ehemalige Profi im Podcast
„Darts Draait Door“.
Van der Voort beeindruckt: Aspinall trotzt seinem „zusätzlichen Gegner“
Gerade in den entscheidenden Momenten gelingt es Aspinall immer wieder, seine Probleme in den Griff zu bekommen. Für van der Voort macht genau das seine Leistung umso bemerkenswerter. „Das macht es extra stark, denn normalerweise gilt: Je länger es dauert, desto mehr Spannung baut sich im Körper auf und desto schwieriger ist es, ein Finish zu werfen. Aber er hat einen Weg gefunden, sehr gut damit umzugehen. Ich denke, viele andere Spieler würden bei so etwas komplett verrückt werden.“
Vincent van der Voort analysiert den Titelkampf beim World Grand Prix und zeigt sich besonders von Nathan Aspinall und James Wade beeindruckt.
Nach Ansicht des Niederländers scheint Aspinall eine Methode entwickelt zu haben, mit der er sich in diesen schwierigen Situationen gezielt ablenken kann. „Er hat einen Weg gefunden, ordentlich damit umzugehen. Vielleicht, indem er seine Gedanken verlagert oder einen bestimmten Punkt anstarrt oder was auch immer. Er hakt natürlich anders, und man muss sagen: Das ist enorm stark, was er macht, obwohl er eigentlich einen zusätzlichen Gegner hat.“
Spielplan fällt für Aspinall günstig aus
Gleichzeitig räumt van der Voort ein, dass es der Spielplan bislang durchaus gut mit Aspinall gemeint hat. Anstatt zunächst auf Luke Littler und anschließend möglicherweise auf Michael van Gerwen oder Danny Noppert zu treffen, bekam es der Engländer nacheinander mit Luke Woodhouse und Joyce zu tun.
Aspinalls Leistungen möchte der ehemalige Profi deshalb allerdings keineswegs schmälern. „Auch einfach Kredit an Joyce, das ist ebenfalls ein guter Spieler. Nur spielt er ihn heute komplett an die Wand, und das ist auch stark. Jeder hätte es heute schwer gegen ihn gehabt. Aber dass die Auslosung etwas mitgespielt hat, ist natürlich klar. Ich finde, er macht einen sehr guten Eindruck.“
Auch in der Weltrangliste hat Aspinall mit seinem Lauf in Leicester wichtige Schritte gemacht. Laut dem Podcast wird er mindestens bis auf Rang elf klettern. Van der Voort bewertet das umso höher, weil Aspinall in diesem Jahr längst nicht jedes Turnier bestritten hat. „Sauber, dass er sich wieder komplett zurückkämpft, denn so viel hat er dieses Jahr auch nicht gespielt. Das ist dann schon stark.“
Dass Aspinall seinen Lauf mit einem weiteren großen Titel krönen kann, hält van der Voort für absolut realistisch. „Wenn du so weiterspielst, auf jeden Fall. Du hast jetzt vier Spieler, die alle vier denken: Das könnte mein Turnier sein.“
Einen klar herausragenden Favoriten kann der Niederländer anhand der bisherigen Leistungen ohnehin nicht erkennen. „Es ist nicht so, dass Humphries so viel Eindruck macht. Wade macht einen großartigen Eindruck, Price einen guten und Aspinall auch.“
Price entkommt gegen Clayton
Im Halbfinale bekommt es Aspinall mit Price zu tun. Der Waliser musste in seinem Viertelfinale gegen Jonny Clayton deutlich mehr zittern und überstand ein hochspannendes Duell. Clayton erhielt in der entscheidenden Phase sogar die Chance auf ein 52er-Finish, konnte diese jedoch nicht nutzen.
Für van der Voort kam dieser Fehlschuss überraschend. „Wenn er sich einmal in so ein Match hineingekämpft hat, verpasst er das normalerweise nicht mehr. Weil er so zäh ist, dass er das durchzieht. Daher war ich eigentlich überrascht, dass er es verfehlte.“
Gleichzeitig hält van der Voort ausgerechnet Price für einen besonders unangenehmen Gegner für Clayton. „Price ist einfach sein unangenehmster Gegner, habe ich das Gefühl. Es wirkt, als spiele er lieber gegen Humphries und Littler als gegen Price.“ Für Price reichte es letztlich zum Einzug in die Runde der letzten Vier, in der nun Aspinall auf ihn wartet.
Humphries siegt, ohne zu überzeugen
In der anderen Hälfte des Tableaus setzte sich Humphries mit 3:0 gegen Niels Zonneveld durch und löste damit ebenfalls sein Halbfinalticket. Das klare Ergebnis spiegelt den tatsächlichen Spielverlauf aus Sicht von van der Voort allerdings nur unzureichend wider. „Es war alles knapp daneben. Da liegt der Unterschied zwischen einem echten Weltklassespieler und einem, der sehr gut ist.“
Zonneveld bekam durchaus seine Möglichkeiten, einzelne Sätze für sich zu entscheiden. In den entscheidenden Situationen zeigte sich Humphries jedoch konsequenter. „Das geht bei ihm knapp daneben. Bei Humphries geht das nicht daneben. Das zeigt auch, wie gut Humphries ist, denn der ist bei diesem Turnier eigentlich noch nicht in Form.“
Durch das Set-System fiel das Resultat am Ende wesentlich deutlicher aus, als es der tatsächliche Abstand zwischen beiden Spielern vermuten ließ. „Das ist jetzt 3:0 in Sets. Dann wirkt es sehr deutlich, aber es lag ziemlich eng beieinander.“
Umso bemerkenswerter findet van der Voort, dass Humphries trotz seiner bislang überschaubaren Form bereits das Halbfinale erreicht hat. „Die erste Runde war bei Humphries natürlich gar nichts. Aber danach ist er nicht viel besser geworden.“
Wade stellt eine ernsthafte Bedrohung dar
Dort trifft Humphries nun auf Wade. Vor allem dessen aktuelle Form und die für „The Machine“ typische Konstanz nötigen van der Voort großen Respekt ab.
Auf dem Papier mag Humphries als der stärkste der vier verbliebenen Spieler erscheinen. Gemessen an den bisherigen Auftritten in Leicester kommt van der Voort jedoch zu einer anderen Einschätzung. „Das würde man auf dem Papier sagen. Aber von den vier spielt er meiner Meinung nach am wenigsten. Deshalb denke ich, dass es sehr eng beieinander liegt.“
Insbesondere Wade hält der Niederländer für einen äußerst gefährlichen Gegner. „Wir wissen alle, dass Wade nicht plötzlich deutlich schlechter wirft. Er weiß einfach, wie man ein solches Turnier spielt, was er tun muss und was nicht. Humphries muss wirklich ein gutes Stück besser werden, um James Wade zu schlagen.“
Auch direkten Vergleichswerten zwischen Wade und seinen Konkurrenten misst van der Voort nur wenig Bedeutung bei. Der Engländer gehört schließlich schon so lange zur Weltspitze, dass Duelle, die viele Jahre zurückliegen, aus seiner Sicht kaum noch Rückschlüsse auf die aktuelle Situation zulassen.
„James Wade spielt schon so lange. Man kann James Wade in einer Phase erwischen, in der er nicht so gut gespielt hat. Dann hat man ihn ein paar Mal geschlagen, und das ist zehn Jahre her. Daraus lässt sich nicht viel ableiten.“
Van der Voort hält es sogar für möglich, dass Wade in den kommenden Monaten einen weiteren großen Sprung in der Weltrangliste macht. „Es würde mich nicht überraschen, wenn James Wade in den Top Vier der Welt steht. Es würde mich nicht wundern, wenn er in den kommenden Monaten noch ein Superergebnis liefert und einfach Top Vier der Welt ist.“
Für die beiden Halbfinals legt sich van der Voort schließlich auf Price und Wade fest. Im Duell zwischen Price und Aspinall erwartet er den Waliser vorne. „Ich denke, dass Price es gegen Aspinall zieht. Ich finde Aspinall wirklich großartig, aber ich habe das Gefühl, dass dies das Turnier von Price wird.“ Im zweiten Halbfinale rechnet er dagegen mit einem Erfolg Wades gegen Humphries: „Ich denke, dass James Wade gegen Humphries gewinnt.“