Ein absoluter Thriller, historische Zahlen und niederländische Enttäuschung: Das fiel in den Viertelfinals des World Grand Prix auf

PDC
Gerwyn Price & Nathan Aspinall
Der World Grand Prix biegt auf die Zielgerade ein: Im Halbfinale stehen nur noch vier Spieler. Bevor sie in Leicester erneut die Bühne betreten, werfen wir einen letzten Blick zurück auf die Viertelfinals.
Auch dort lieferte das Turnier reichlich Gesprächsstoff. Für die letzten beiden Niederländer endete der Wettbewerb. Ein rein walisisches Duell wuchs zu einem Krimi heran, an den wir uns noch lange erinnern werden. Und Nathan Aspinall spielte sich mit einer herausragenden Leistung eindrucksvoll in die Runde der letzten Vier.

Price entkommt dem Aus in letzter Sekunde

Viele Beobachter hatten dieses Match im Vorfeld erwartet, und das walisische Duell zwischen Gerwyn Price und Jonny Clayton enttäuschte nicht. Sportlich bot die Partie nicht das höchste Niveau dieses World Grand Prix: Clayton kam über einen Average im hohen 80er-Bereich nicht hinaus, Price warf knapp über 90 Punkte. Die Spannung machte das jedoch mehr als wett.
Gerwyn Price jubelt
Gerwyn Price besiegte Landsmann Jonny Clayton und zog in Leicester ins Halbfinale ein
Beide Waliser warten seit Längerem auf einen neuen Major-Titel. Clayton holte seinen letzten großen Titel 2021, Price hofft seit 2022 auf neues Major-Glück. Für Clayton endete der Abend besonders bitter. „The Ferret“ führte mit 2:0 nach Sätzen und lag auch im Entscheidungssatz schon mit 2:0 in den Legs vorn. Trotzdem brachte er die Partie nicht nach Hause, am Ende entschied ein einziges Leg.
Clayton hatte unterwegs gleich drei Matchdarts, doch er nutzte keinen davon. Price blieb im Spiel und profitierte maximal von den vergebenen Chancen seines Landsmanns. „The Iceman“ entging damit einem Aus, das lange Zeit alles andere als unrealistisch aussah.
Price wirft seit einem Jahr konstant stark und sehnt sich, auch wenn er es kaum zugeben wird, nach einem neuen Major-Titel. Nach dem überraschenden Aus von Luke Littler, der dem Waliser in der Vergangenheit oft im Weg stand, wuchs der Druck auf Price zusätzlich. Der hart erkämpfte Sieg gegen Clayton kann ihm nun die nötige Ruhe geben.
Price hätte bereits ausscheiden können, vielleicht sogar müssen. Stattdessen lebt seine Chance auf den Titel beim World Grand Prix weiter. Alles, was jetzt noch dazukommt, darf „The Iceman“ als Bonus verbuchen.

Niederländische Enttäuschung

Acht Niederländer starteten in den World Grand Prix, nach den Viertelfinals ist keiner mehr dabei. Das enttäuscht, schließlich weckte die starke niederländische Präsenz zu Turnierbeginn große Hoffnungen. Einige Spieler nehmen trotzdem genug Positives mit.
Gian van Veen stand in diesem Jahr bereits bei den World Masters und beim World Matchplay im Halbfinale. Sein aktuelles Niveau reicht allerdings nicht ganz an die Form heran, mit der er zu Jahresbeginn ins WM-Finale einzog. Seit seiner Operation wegen Nierensteinen wirkt beim 24-Jährigen manches weniger selbstverständlich. Van Veen sucht sichtbar nach der Topform, mit der er die Weltspitze überraschte.
Dass er trotz dieser Suche weiter starke Ergebnisse liefert, sollte ihm für die kommenden Majors im Herbst Selbstvertrauen geben. Zudem winkt ihm ein Sprung in der Weltrangliste: Gewinnt Luke Humphries den World Grand Prix nicht, kehrt Van Veen auf Rang zwei der PDC Order of Merit zurück.
Niels Zonneveld ist enttäuscht
Niels Zonneveld verlor mit 0-3 gegen Luke Humphries
Für Niels Zonneveld bedeutete der Einzug ins Viertelfinale eine Premiere. „Triple Z“ besaß gegen Humphries durchaus Chancen, die Partie in eine andere Richtung zu lenken. Den ersten Satz hätte er eigentlich gewinnen müssen, ließ aber in den entscheidenden Momenten Möglichkeiten liegen. Danach übernahm Humphries komplett das Kommando und agierte schlicht zu stark.
Trotzdem blickt auch Zonneveld mit einem guten Gefühl auf sein Turnier zurück. Er erzielte sein bestes Major-Resultat überhaupt und macht einen deutlichen Sprung in der Weltrangliste. Der 27-jährige Niederländer steht inzwischen auf Platz 29 und geht damit den nächsten wichtigen Schritt Richtung Weltspitze.
PDC-Major in der Saison 2026 Niederländer unter den letzten Vier Niederländische(r) Spieler Ergebnis Halbfinale
World Masters 1 Gian van Veen 0-5 gegen Luke Humphries verloren
UK Open 0 — —
Premier League Darts 0 — —
World Matchplay 2 Dirk van Duijvenbode, Gian van Veen Van Duijvenbode verlor 5-17 gegen Luke Littler; Van Veen verlor 10-17 gegen Gerwyn Price
World Grand Prix 0 — —

Aspinall schreibt Geschichte

Wer nur auf das Ergebnis zwischen Nathan Aspinall und Ryan Joyce schaut, sieht ein nüchternes 3:0 für „The Asp“. Es erzählt jedoch nicht die ganze Geschichte. Aspinall kämpft seit einiger Zeit mit Dartitis, drehte gegen Joyce aber die Uhr zurück und zeigte eine rundum großartige Partie.
Der 35-jährige Engländer erzielte einen Average von beeindruckenden 105,15. Damit warf er den höchsten Average aller Zeiten in einem World-Grand-Prix-Match, in dem ein Spieler mehr als zwei Sätze gewann. Im Vergleich aller Partien der Turniergeschichte belegt seine Leistung sogar Platz vier. Das ist eine bemerkenswerte Marke, zumal Aspinall zuletzt eine schwierige Phase durchlebte.
„The Asp“ findet damit zum richtigen Zeitpunkt zu seiner Topform zurück. Im Halbfinale wartet mit Gerwyn Price ein Gegner, der ebenfalls in glänzender Verfassung auftritt. Das verspricht schon vorab eine echte Knallerpartie.
Beide Spieler stehen nicht gerade für Zurückhaltung auf der Bühne. Das Publikum darf deshalb hohe Scores, spektakuläre Finishes und reichlich Dezibel erwarten. Nehmen Aspinall und Price ihre Viertelfinalform mit ins Halbfinale, könnte daraus eine der markantesten Partien dieses World Grand Prix werden.

Top 10 höchste averages beim World Grand Prix

average Spieler Jahr (+ Runde) Gegner Ergebnis
106,47 Gian van Veen (Niederlande) 2025, 1. Runde Luke Littler (England) 0–2
106,45 Alan Warriner (England) 2001, 1. Runde Andy Jenkins (England) 2–0
105,58 Luke Littler (England) 2025, 1. Runde Gian van Veen (Niederlande) 2–0
105,15 Nathan Aspinall (England) 2026, Viertelfinale Ryan Joyce (England) 3–0
104,86 Gary Anderson (Schottland) 2013, 1. Runde Jelle Klaasen (Niederlande) 2–0
104,47 Michael van Gerwen (Niederlande) 2013, 1. Runde John Part (Kanada) 2–0
103,09 Michael van Gerwen (Niederlande) 2016, Viertelfinale Simon Whitlock (Australien) 3–1
103,02 Phil Taylor (England) 2011, Halbfinale Richie Burnett (Wales) 5–2
102,85 Dave Chisnall (England) 2020, 1. Runde Glen Durrant (England) 2–0
102,48 Phil Taylor (England) 2010, 1. Runde Brendan Dolan (Nordirland) 2–0

„He's still standing“

James Wade betritt die Bühne seit geraumer Zeit zu den Klängen von „I'm Still Standing“ von Elton John. Passender hätte „The Machine“ seinen Einlaufsong kaum wählen können. Nach mehr als zwanzig Jahren an der Spitze steht Wade nämlich immer noch da. Mehrfach schrieben ihn die Beobachter ab, doch jedes Mal erfand er sich neu und kehrte auf Topniveau zurück.
Wade gehört nach all den Jahren weiterhin zu den konstantesten Spielern der Tour. Bei nahezu jedem Turnier zählt er zu den Profis, die weit kommen können. Selten gelingt ihm das mit spektakulärem oder flamboyantem Spiel. Er setzt stattdessen auf eine grundsolide Art, die ihm seit Jahren Erfolge beschert.
Früher stand Wade nicht für hohe Averages, doch in den vergangenen Jahren hat er beim Scoring deutlich zugelegt. Das zeigt sich auch bei diesem World Grand Prix. Mehrfach eröffnete „The Machine“ ein Leg mit Doppel 20 und ließ zwei Triple 20 folgen. Kommt Wade ins Rollen, baut er auch mit dem Scoring enormen Druck auf.
Dazu kommen natürlich seine Doppel. Wade zählt seit Jahren zu den besten Closern der Tour und beweist das auch bei diesem World Grand Prix erneut. Dass er das Turnier bereits zweimal gewann, ist alles andere als Zufall.
Seinen letzten Triumph beim World Grand Prix feierte er allerdings 2010, vor 16 Jahren. Das fühlt sich fast wie eine Ewigkeit an. Wer Wade in dieser Woche gesehen hat, weiß aber: Ein neuer Titel ist keineswegs ausgeschlossen. Der inzwischen 43-jährige Engländer steht eben immer noch da. Vielleicht schreibt er an diesem Wochenende erneut Geschichte.

Majortitel von James Wade

Jahr Major Gegner im Finale Ergebnis
2007 World Matchplay Terry Jenkins 18-7
2007 World Grand Prix Terry Jenkins 6-3
2008 UK Open Gary Mawson 11-7
2009 Premier League Mervyn King 13-8
2010 World Grand Prix Adrian Lewis 6-3
2010 Championship League Phil Taylor 6-5
2011 UK Open Wes Newton 11-8
2014 The Masters Mervyn King 11-10
2018 European Championship Simon Whitlock 11-8
2018 World Series of Darts Finals Michael Smith 11-10
2021 UK Open Luke Humphries 11-5

Humphries: der stille Favorit

Wir sprachen bereits über Gerwyn Price, Nathan Aspinall und James Wade. Der höchstgesetzte Spieler unter den letzten Vier ist jedoch Luke Humphries. Die Nummer zwei der Welt hat sich beim World Grand Prix beinahe geräuschlos ins Halbfinale gespielt. Während sich der Fokus oft auf andere Akteure und das frühe Aus von Titelverteidiger Luke Littler richtete, gewann Humphries ruhig seine Partien.
Auffällig: „Cool Hand Luke“ gilt dennoch nicht automatisch als klarer Topfavorit auf den Titel. Das überrascht, denn in Bestform kann der Engländer ohne Zweifel jedes große Turnier dominieren. Seine Leistungen der vergangenen Jahre belegen das mehr als deutlich.
Es gab sogar eine Phase, in der Humphries nahezu als Garant für große Titel galt. Er startete eine beispiellose Erfolgsserie und sammelte in kurzer Zeit eine Trophäe nach der anderen. Auf den Durchbruch an die absolute Weltspitze folgte eine Reihe beeindruckender Auftritte auf den größten Bühnen. Humphries gewann nicht nur Matches, er gab in den entscheidenden Momenten auch kaum dem Druck nach.
Seinen letzten Major-Titel holte er allerdings schon im Mai des vergangenen Jahres, als er die Premier League Darts gewann. Seitdem drang er zwar regelmäßig tief in große Turniere vor, doch ein weiterer Major-Erfolg blieb aus. Für einen Spieler seines Kalibers ist das bemerkenswert.
Das schmälert die Qualitäten des 31-jährigen Engländers selbstverständlich nicht. Humphries gehört weiterhin zur absoluten Weltspitze, sein zweiter Platz in der Weltrangliste unterstreicht das. Er verfügt über alle Waffen, um den World Grand Prix zu gewinnen: Sein Scoring ist exzellent, und auf seine Doppel kann er sich in der Regel besonders verlassen.
Dennoch ist die Aura der Unbesiegbarkeit, die ihn vor einigen Jahren umgab, längst verflogen. Gegner betreten die Bühne heute wieder mit dem Gefühl, dass sie Humphries schlagen können. Früher galt sein Name vielen als Inbegriff einer Hammerauslosung, inzwischen traut man einen Sieg gegen ihn wieder deutlich eher zu.
Humphries erhält bei diesem World Grand Prix deshalb eine äußerst interessante Chance, an große Titel anzuknüpfen. Littlers Aus öffnete den Weg zur Trophäe weit. Die Nummer eins der Welt ist draußen, und mit Price, Aspinall und Wade in der anderen Turnierhälfte bietet sich Humphries eine einmalige Gelegenheit, seine Titelsammlung um einen großen Triumph zu erweitern.
Als Halbfinalist weiß Humphries genau, worum es geht: Nur noch zwei Matches trennen ihn vom World-Grand-Prix-Titel. Das Halbfinale ist die nächste Hürde, doch mit einem Sieg rückt die Trophäe schlagartig in greifbare Nähe.
Vielleicht ist das der Moment, in dem „Cool Hand Luke“ erneut ein Ausrufezeichen setzt. Humphries muss niemandem mehr seine Klasse beweisen, doch ein neuer Major-Sieg wäre ein klares Signal. Der Engländer bleibt die Nummer zwei der Welt. Beim World Grand Prix hat er die Chance, das auch auf der größten Bühne erneut zu zeigen.

Ergebnisse von Luke Humphries bei PDC-Majors in der Saison 2026

Major Ergebnis Ausgeschieden gegen
World Masters Finale Luke Littler (5-6)
UK Open Letzte 16 Danny Noppert (6-10)
Premier League Darts Finale Luke Littler (10-11)
World Matchplay Erste Runde Cameron Menzies (7-10)
World Grand Prix Halbfinale* —
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