Raymond van Barneveld qualifiziert sich für die Darts WM: Warum seine Rückkehr auf die große Bühne viel mehr bedeutet als nur einen weiteren Spieler im Teilnehmerfeld
PDC
Es war ein hartes Stück Arbeit, doch Raymond van Barneveld hat es erneut geschafft: Der fünfmalige Weltmeister wird auch in diesem Jahr bei der PDC Darts WM am Oche stehen. Um sich seinen Startplatz im Alexandra Palace zu sichern, musste der inzwischen 59-jährige Niederländer aus Den Haag bis an seine Grenzen gehen. Seine große Zeit als einer der dominierenden Spieler der internationalen Darts-Szene liegt längst hinter ihm. Dennoch gehört seine erfolgreiche Qualifikation für unseren niederländischen Redakteur Pieter Verbeek zu den schönsten Geschichten im Vorfeld der kommenden Weltmeisterschaft. Denn eines steht für ihn fest: Eine Darts WM mit Raymond van Barneveld ist schlicht unterhaltsamer als eine ohne ihn.
Mit seiner erneuten Teilnahme schreibt „Barney“ zugleich ein weiteres Kapitel Darts-Geschichte. Zum mittlerweile 34. Mal wird der Niederländer bei einer Weltmeisterschaft antreten und damit zum alleinigen Rekordhalter aufsteigen. Bislang teilte er sich diese Bestmarke mit dem Engländer Steve Beaton, der ebenfalls auf 33 WM-Teilnahmen zurückblicken kann.
Mehr als Zahlen und Titel: Warum Raymond van Barneveld eine Ausnahmeerscheinung bleibt
Natürlich gibt es inzwischen zahlreiche Spieler, die sportlich über van Barneveld stehen. Luke Littler, Luke Humphries und viele weitere Stars demonstrieren Woche für Woche ein Niveau, das der Niederländer nur noch selten erreicht. Auch ihm selbst dürfte bewusst sein, dass seine erfolgreichsten Jahre unwiederbringlich hinter ihm liegen. Doch wer einen Spieler ausschließlich anhand seiner Averages, Ergebnisse und Weltranglistenposition beurteilt, übersieht bei van Barneveld etwas Entscheidendes: seine enorme Bedeutung für den gesamten Dartsport.

Raymond van Barneveld hat sich erneut für die Darts-WM qualifiziert und steht vor seiner rekordverdächtigen 34. Teilnahme im Alexandra Palace.
Für eine ganze Generation niederländischer Dartsfans ist er weit mehr als ein erfolgreicher Profi. Seine Bekanntheit reicht bis zu Menschen, die sich ansonsten kaum für Darts interessieren. Pieters Großeltern beispielsweise hatten mit diesem Sport überhaupt nichts am Hut. Trotzdem stellten sie ihm immer wieder dieselbe Frage: „Wie geht es dem Postboten?“ Treffender lässt sich van Barnevelds außergewöhnliche Strahlkraft kaum beschreiben. Selbst wer noch nie bewusst ein Dartsturnier verfolgt hat, kennt seinen Namen.
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In den Niederlanden gibt es ein untrügliches Zeichen dafür, dass ein Sportler einen ganz besonderen Stellenwert erreicht hat: Es genügt, seinen Vornamen zu nennen, und jeder weiß sofort, wer gemeint ist. Bei Max, Sven und Ireen, Epke oder Mathieu funktioniert das beinahe selbstverständlich. Auch Johan muss niemand näher vorstellen. Für Pieter hat sich Raymond längst einen Platz in dieser illustren Gesellschaft verdient.
Fällt in den Niederlanden im sportlichen Zusammenhang der Name Raymond, denken viele unmittelbar an van Barneveld. Diese Selbstverständlichkeit verdeutlicht, welchen Status er sich über Jahrzehnte erarbeitet hat. Er gehört nicht nur zu den erfolgreichsten Dartspielern, die die Niederlande jemals hervorgebracht haben. Er ist eine echte Sportikone, deren Bekanntheit weit über die Grenzen der Dartswelt hinausreicht.
Der Mann, der in den Niederlanden eine Darts-Begeisterung entfachte
Wer die Entwicklung des niederländischen Dartsports verstehen möchte, kommt an Raymond van Barneveld nicht vorbei. Sein erster Weltmeistertitel 1998 markierte einen historischen Wendepunkt. Darts war plötzlich nicht mehr bloß jene Sportart, die viele vor allem mit englischen Pubs verbanden. Millionen Menschen in den Niederlanden verfolgten vor ihren Fernsehgeräten, wie einer ihrer Landsleute die Weltspitze eroberte.
Van Barneveld stieg zum nationalen Sporthelden auf. Seine weiteren Weltmeistertitel, der viel beachtete Wechsel zur PDC und insbesondere das unvergessliche WM-Finale gegen Phil Taylor im Jahr 2007 gehören bis heute zu den bedeutendsten Momenten der niederländischen Darts-Geschichte.
Ohne Van Barneveld hätte der Dartsport in den Niederlanden vermutlich eine völlig andere Entwicklung genommen. Er war ein Wegbereiter für sämtliche Generationen, die nach ihm folgten. Michael van Gerwen, Dirk van Duijvenbode, Gian van Veen und zahlreiche weitere niederländische Profis profitieren heute von der enormen Popularität einer Sportart, zu der van Barnevelds Erfolge entscheidend beigetragen haben. Allein diese Pionierleistung verdient größten Respekt.
Zwischen Selbstvertrauen und Selbstzweifeln: Ein Charakter, den der Dartsport braucht
Pieters Bewunderung für van Barneveld beschränkt sich allerdings keineswegs auf seine beeindruckende Sammlung an Titeln und Erfolgen. Es ist vor allem seine Persönlichkeit, die ihn für unseren niederländischen Kollegen so faszinierend macht. Bei Raymond lässt sich kaum vorhersagen, welche Seite er als Nächstes zeigen wird. Mal steht er voller Selbstvertrauen vor den Kameras und vermittelt den Eindruck, nach wie vor jeden Gegner bezwingen zu können. Nur wenige Tage später stellt derselbe Mann seine eigenen Fähigkeiten und seine sportliche Zukunft schonungslos infrage. Er kann kritisch sein, emotional reagieren oder einfach ausgesprochen schlechte Laune haben. Doch genau daraus entstehen immer wieder bemerkenswerte Geschichten. Mit „What you see is what you get“ hat Barney seine Persönlichkeit einmal selbst auf den Punkt gebracht.
Gerade für Pieter als Journalisten macht ihn diese Offenheit zu einem der interessantesten Spieler überhaupt. Während sich zahlreiche Profis nach ihren Partien auf die immer gleichen Erklärungen über verpasste Doppelfelder oder überzeugende Scores zurückziehen, lässt van Barneveld sein Gegenüber regelmäßig an seinen tatsächlichen Gedanken und Gefühlen teilhaben.
Langweilig werden seine Interviews deshalb nur selten. Nach einer Niederlage geht er mitunter derart hart mit sich selbst ins Gericht, dass es beinahe schmerzt, ihm zuzuhören. Gelingt ihm dagegen ein bedeutender Erfolg, ist seine Freude ebenso unverkennbar. Diese Mischung aus Ehrlichkeit, Verletzlichkeit und einer gewissen Unberechenbarkeit hebt ihn von vielen seiner Konkurrenten ab.
Sportlich längst überholt, aber noch immer ein Publikumsmagnet
Auf sportlicher Ebene ist van Barnevelds Situation inzwischen eine völlig andere als zu seinen Glanzzeiten. Mittlerweile muss er sich nahezu jeden Sieg hart erarbeiten. Wer ihn noch als überragende Nummer eins der Welt erlebt hat, empfindet es bisweilen als schmerzhaft, diesen Kampf mitanzusehen.
Gleichzeitig liegt genau darin etwas zutiefst Bewundernswertes. Van Barneveld hätte seine Darts längst endgültig beiseitelegen können. Mit fünf Weltmeistertiteln und einer Karriere, von der die überwältigende Mehrheit seiner Kollegen nur träumen kann, hätte er allen Grund gehabt, zufrieden einen Schlussstrich zu ziehen.
Doch er macht weiter. Er nimmt die Reisen auf sich, absolviert seine Trainingseinheiten, muss Niederlagen verkraften, feiert Siege und versucht anschließend, für die nächste Herausforderung neue Energie zu schöpfen. Gerade diese Beharrlichkeit ist einer der Gründe, weshalb Pieter ihm die erneute WM-Qualifikation von Herzen gönnt.
Denn ungeachtet aller sportlichen Rückschläge gehört Raymond van Barneveld weiterhin zu jenen Spielern, für die das Publikum ganz bewusst den Fernseher einschaltet. Wenn sein Name durch den Alexandra Palace schallt und er sich auf den Weg zu seinem Walk-on macht, liegt plötzlich eine ganz besondere Atmosphäre in der Halle. Seine unverwechselbare Erscheinung, seine außergewöhnliche Geschichte und die Erinnerungen an all seine großen Triumphe sind in diesem Moment wieder zum Greifen nah.
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Genießen wir Raymond van Barneveld, solange wir ihn noch erleben dürfen
Wie viele Weltmeisterschaften Raymond van Barneveld noch bestreiten wird, kann niemand vorhersagen. Vielleicht endet sein nächster Auftritt im Alexandra Palace mit einer bitteren Enttäuschung. Vielleicht gelingt ihm aber auch noch einmal einer jener besonderen Siege, die seine Karriere so lange geprägt haben. Für Pieter ist der sportliche Ausgang allerdings gar nicht das Entscheidende.
Viel wichtiger ist ihm die Gewissheit, dass wir ihn noch einmal auf der größten Bühne des Dartsports erleben dürfen. Dass wir erneut seinen unverwechselbaren Walk-on sehen, seine Emotionen miterleben und seinen ebenso offenen wie unterhaltsamen Interviews lauschen können. Und natürlich bleibt die Hoffnung, dass er uns noch einmal mit jenem großartigen Darts begeistert, zu dem er trotz seines Alters weiterhin fähig ist.
Raymond van Barneveld muss keine weitere Weltmeisterschaft gewinnen, um seinen Platz im Alexandra Palace zu verdienen. Seine außergewöhnlichen Erfolge und sein unschätzbarer Beitrag zur Entwicklung des Dartsports haben ihm diesen Status längst gesichert.
Eines Tages wird unweigerlich der Moment kommen, an dem Raymond van Barneveld der Darts-Weltmeisterschaft endgültig Lebewohl sagt. Dann wird eine der größten Sportikonen der Niederlande nicht mehr auf der Bühne des Alexandra Palace stehen. Eine Ära wird zu Ende gehen, die den Dartsport in unserem Nachbarland über Jahrzehnte entscheidend geprägt hat. Doch glücklicherweise ist es noch nicht so weit. Und genau darüber dürfen wir uns als Dartsfans von Herzen freuen.

Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026








