„Warum sollte man zwanzig Leute aus dem Pub ans Board schicken?“ – Chris Mason kontert Kritik an Netflix-Show „Beat Luke Littler“ und verteidigt umstrittene Teilnehmer

PDC
durch Nic Gayer
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Die anhaltende Kritik am Teilnehmerfeld der Netflix-Show „Beat Luke Littler“ stößt bei Chris Mason auf völliges Unverständnis. Der ehemalige Dartsprofi und WM-Halbfinalist, der am Freitag selbst als Kommentator an der Sendung mitwirken wird, verteidigt insbesondere die Nominierungen von Fallon Sherrock und Mitchell Lawrie. Für Mason steht fest: Die Veranstalter haben bewusst auf eine vielseitige Mischung aus erfahrenen Spielern und unbekannten Gesichtern gesetzt, um Weltmeister Luke Littler vor eine echte Herausforderung zu stellen.
Am Freitag, dem 30. Oktober, steigt ab 20:00 Uhr deutscher Zeit in Manchester die live auf Netflix übertragene Sondersendung „Beat Luke Littler“. Durch den Abend führen Gary Lineker und Richard Osman. Insgesamt 20 Herausforderer erhalten die Gelegenheit, den zweifachen Weltmeister in einem einzigen Leg über 501 Punkte zu bezwingen. Wem dieses Kunststück gelingt, winkt ein Preisgeld von unglaublichen 501.000 Pfund. Mit einem Sieg über Littler wäre die Veranstaltung zugleich vorzeitig beendet.

Diskussionen um Teilnehmerfeld: Chris Mason verteidigt Auswahl für Netflix-Show

Bereits im Vorfeld hatte die Zusammensetzung des Teilnehmerfeldes für erhebliche Diskussionen gesorgt. Obwohl grundsätzlich jeder Dartsbegeisterte ohne PDC Tour Card die Möglichkeit hatte, sich zu bewerben, finden sich unter den 24 ausgewählten Kandidaten auch mehrere Spieler mit Erfahrung auf hohem Niveau. Besonders die Nominierungen von Fallon Sherrock und des erst 15 Jahre alten Schotten Mitchell Lawrie, der die WDF-Weltrangliste anführt, stießen bei Teilen der Fangemeinde auf Kritik. Einige Zuschauer hätten sich gewünscht, dass ausschließlich weitgehend unbekannte Amateurspieler die Chance erhalten, gegen Littler anzutreten.
Wayne Mardle, Chris Mason und Pete Graves in Aktion für ITV.
Chris Mason verteidigt das umstrittene Teilnehmerfeld von „Beat Luke Littler“ und sieht in der Netflix-Show eine große Chance für den Dartsport.
Mason, der selbst intensiv in das Auswahlverfahren eingebunden war, hält diese Vorwürfe für vollkommen verfehlt. Im Gespräch mit Online Darts stellte der frühere Profi die Überlegungen hinter der Zusammenstellung des Teilnehmerfeldes klar. „Warum sollte man zwanzig Leute aus dem Pub ans Board schicken? Am Oche steht eine wirklich starke Mischung unterschiedlicher Spieler“, erklärte Mason.
„Ich war in den gesamten Prozess eingebunden, von den Castings bis zu allem, was dazugehört. Jeder hatte die Möglichkeit, mitzumachen, oder? Das ist ein bisschen wie bei The X Factor, wenn die Leute sagen: ‚Oh, sie war früher schon Sängerin‘ oder ‚Sie hat früher in einer Band gespielt.‘ Viele Teilnehmer solcher Shows bringen bereits Erfahrung mit und gewinnen trotzdem. Genau darum geht es doch bei diesem Format.“
Entscheidend sei schließlich, dass Littler tatsächlich gefordert werde. Eine Veranstaltung, bei der der Weltmeister ausschließlich gegen völlig unerfahrene Spieler antreten müsse, würde aus Masons Sicht ihren Reiz verlieren. „Für Luke steht hier wirklich etwas auf dem Spiel. Ich möchte nicht, dass er dort auftaucht und zwanzig Versionen von mir besiegt.“
Ebenso entschieden widersprach Mason dem Vorwurf, die Netflix-Produktion sei in erster Linie darauf ausgelegt, möglichst viel Geld einzunehmen. Tatsächlich sei die Durchführung der Veranstaltung mit erheblichen finanziellen Aufwendungen verbunden.
„Das ist einfach lächerlich. Die Leute behaupten, das Ganze sei Betrug und nur eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Dabei kostet diese Veranstaltung mehr als eine Million Pfund, und bislang hat ihn noch niemand besiegt. Glaubt ihr wirklich, dass sich die Verantwortlichen darüber keine Gedanken gemacht haben? Natürlich haben sie das. Sollte Luke frühzeitig verlieren, gibt es für die Spieler ein anderes Programm.“
Anschließend gewährte Mason weitere Einblicke in den Ablauf der Show. Zwar wurden insgesamt 24 Kandidaten ausgewählt, tatsächlich werden jedoch nur 20 von ihnen gegen Littler antreten.
„Auch die Netflix-Zuschauer können abstimmen. Es gibt natürlich 24 Spieler, von denen zwanzig tatsächlich antreten. Das Publikum hat also ebenfalls eine Stimme. Die Reihenfolge wird auf vier Gruppen aufgeteilt, und alles passiert live. Es gibt vier Gruppen mit jeweils mehreren Spielern. Den Anfang machen Spieler aus Topf eins, wobei die Töpfe anhand der Setzliste zusammengestellt wurden.“
Auch die grundsätzliche Kritik an der Veranstaltung kann Mason nicht nachvollziehen. „Ich verstehe nicht, wie irgendjemand das als Betrug bezeichnen kann, schließlich musste niemand für seine Teilnahme bezahlen. Man kann die Show auch live vor Ort verfolgen. Sie findet in Manchester statt. Sie heißt Beat Luke oder so ähnlich – ich müsste selbst erst auf der Website nachsehen. Ich finde das großartig. Und zusätzliches Geld bekomme ich dafür jedenfalls nicht.“

„Das kann ihr Leben verändern“ – Mason stellt sich hinter Fallon Sherrock

Besonders kontrovers wird die Teilnahme von Fallon Sherrock diskutiert. Die Engländerin erlangte durch ihre historischen Siege bei der Darts WM im Alexandra Palace internationale Bekanntheit und schrieb damit Darts-Geschichte. Dass eine Spielerin mit einer derart prominenten Vergangenheit nun bei „Beat Luke Littler“ antritt, stößt bei einigen Fans auf Unverständnis. Ihrer Ansicht nach passt Sherrock nicht in ein Teilnehmerfeld, das ursprünglich auch Amateurspielern eine große Bühne bieten sollte.
Für Mason greift diese Sichtweise jedoch deutlich zu kurz. Er verweist darauf, dass Sherrock trotz ihres Bekanntheitsgrades weiterhin hart für ihre sportliche und berufliche Zukunft arbeiten müsse. Gleichzeitig hebt er die Vielfalt der ausgewählten Kandidaten hervor. „Ich finde das faszinierend. Die Mischung ist großartig. Wir haben einen ehemaligen Soldaten, Fallon Sherrock und Menschen dabei, die keine professionellen Dartspieler sind.“
Gerade bei Sherrock sieht Mason gute Gründe, ihr diese Gelegenheit zu ermöglichen. Nach ihrem historischen WM-Erfolg hätten sich zahlreiche lukrative Möglichkeiten eröffnet, die durch die Corona-Pandemie jedoch weitgehend zunichtegemacht worden seien.
„Bei Fallon haben die Menschen gesehen, wie viel Geld sich im Frauen-Darts verdienen lässt. Sie musste sich dafür unglaublich ins Zeug legen. Man darf nicht vergessen, dass COVID ihr die Möglichkeit genommen hat, das Geld zu verdienen, das sie hätte verdienen können. Alles, was nach der Weltmeisterschaft für sie geplant war, hätte ihre Karriere in diesem Jahr auf ein völlig neues Niveau heben können. Das hätte ihr Leben verändern können.“
Umso weniger Verständnis hat Mason dafür, dass Sherrock nun ausgerechnet für die Teilnahme an einer Veranstaltung kritisiert wird, bei der ein Sieg enorme finanzielle Auswirkungen haben könnte.
„Sie arbeitet noch immer unglaublich hart, ist alleinerziehende Mutter und wird jetzt dafür kritisiert, dass sie an einem Wettbewerb teilnimmt, bei dem sie eine halbe Million Pfund gewinnen kann. Das könnte ihr Leben verändern.“

„Luke steht unter Druck“ – Mason warnt vor einer Überraschung

Sportlich geht Littler zwar als haushoher Favorit in die Veranstaltung, einen Selbstläufer erwartet Mason dennoch keineswegs. Das ungewöhnliche Format, bei dem jeweils ein einziges Leg über Sieg und Niederlage entscheidet, birgt erhebliche Risiken für den Weltmeister. Schon ein verpasster Dart auf ein Doppelfeld könnte ausreichen, um einem Herausforderer die Tür zum Hauptgewinn zu öffnen.
„Es gibt nur einen Spieler, der jemals mehr als eine halbe Million Pfund in einem einzigen Dartspiel gewonnen hat, und auch er steht hier auf der Bühne“, erklärte Mason. „Wir dürfen nicht vergessen, dass Luke unter Druck steht. Deshalb hatte ich auch erwartet, dass er hier gut spielen würde. Er hat trainiert.“
Tatsächlich soll der 19-jährige Engländer zuletzt deutlich mehr Zeit am Trainingsboard verbracht haben. Mason erkennt darin eine bemerkenswerte Entwicklung, die Littler von früheren Phasen seiner noch jungen Karriere unterscheidet.
„Gestern hat er bei der Pressekonferenz im Gespräch mit dir ganz offen zugegeben, dass er viele Stunden trainiert hat. Ich glaube, er ist mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem das alte Sprichwort zutrifft: ‚Fleiß schlägt Talent, wenn Talent nicht fleißig ist.‘“
Beim World Matchplay hatte Littler eindrucksvoll demonstriert, zu welchen Leistungen er fähig ist. Allerdings musste der zweimalige Weltmeister in den vergangenen Monaten auch einige Rückschläge verkraften. Mason schließt deshalb keineswegs aus, dass einer der Herausforderer am Freitagabend für eine Sensation sorgen könnte.
„Kann er verlieren? Absolut. Erwarte ich, dass er verliert? Die Wahrscheinlichkeiten sprechen dafür, dass bei zwanzig Legs, Partien bis fünf Legs und einem Start auf das Bull nach PDC-Regeln irgendwann jemand das Bull trifft und anschließend ein Leg mit 15 Darts gewinnt. Das könnte bereits reichen.“
Unabhängig vom sportlichen Ausgang misst Mason der Veranstaltung auch für die Entwicklung des Dartsports große Bedeutung bei. „Darts erreicht damit erstmals in einem solchen Ausmaß die Welt der großen Sportunterhaltung.“

Netflix und Darts: Chris Mason bringt eigenes K.-o.-Turnier ins Gespräch

Für den ehemaligen WM-Halbfinalisten könnte „Beat Luke Littler“ erst der Anfang einer längerfristigen Zusammenarbeit zwischen Netflix und der Dartswelt sein. Dass der Streaminggigant in absehbarer Zeit reguläre PDC-Turniere übertragen wird, hält Mason angesichts der bestehenden TV-Rechteverträge zwar für unwahrscheinlich. Bei eigenständigen Sonderveranstaltungen sieht er dagegen erhebliches Potenzial.
Dabei verfolgt Mason sogar eine eigene Idee für ein K.-o.-Turnier, das möglicherweise auf Netflix eine passende Plattform finden könnte. „Könnte Netflix einzelne Specials übertragen? Das hoffe ich sehr, denn vermutlich spreche ich ungefähr zu dem Zeitpunkt, an dem dieser Artikel erscheint, mit ihnen über meine Idee für ein K.-o.-Turnier. Eine Idee, die ich euch schon häufig vorgestellt habe.“
„Ich glaube, das könnte sehr unterhaltsam werden. Dafür bräuchte es die Zustimmung der PDC, die zweifellos die treibende Kraft hinter einer solchen Veranstaltung wäre. Es würden 64 Spieler teilnehmen, ausschließlich auf Einladung. Netflix ist eine riesige Plattform von beispielloser Größe. Dass der Streamingdienst einen Teil des Dartsports für sich entdecken möchte, kann unserem Sport nur guttun.“
Bei aller Diskussion über Teilnehmer, Preisgeld und sportliche Chancen erinnert Mason jedoch daran, worum es bei „Beat Luke Littler“ in erster Linie gehen soll: Unterhaltung. Zwar eröffnet die Show einzelnen Spielern die Möglichkeit auf einen lebensverändernden Gewinn, doch für die Zuschauer stehen vor allem Spannung, außergewöhnliche Geschichten und die Interaktion mit dem Publikum im Mittelpunkt.
„Es sind junge Spieler dabei, die vor vier oder fünf Jahren an dem Punkt standen, an dem Luke Littler heute ist. Er hat diese jungen Spieler inspiriert, die sich für die Veranstaltung qualifiziert haben. Natürlich gibt es auch einige weniger bekannte Namen. Die Zuschauer entscheiden mit, wen sie spielen sehen möchten. Es geht also wieder um Interaktion, Spaß und Unterhaltung.“
„Das Ganze ist nicht als ernsthafter Sportwettbewerb gedacht. Für die Spieler, die eine halbe Million Pfund gewinnen wollen, ist es natürlich eine ernste Angelegenheit. Für alle anderen geht es letztlich um Spaß und Unterhaltung. Ich kann mir kaum vorstellen, wie groß der Druck auf Luke sein muss. Er ist enorm. Aber für weniger bekannte Spieler oder jemanden wie Fallon ist es eine großartige Gelegenheit, Geld zu gewinnen, das ihr Leben verändern könnte.“

„Wer Luke schlägt, ist sofort ein Star“ – Mason sieht riesige Chancen für die Herausforderer

Aus Sicht von Mason könnte ein erfolgreicher Herausforderer nicht nur finanziell profitieren, sondern praktisch über Nacht zu internationaler Bekanntheit gelangen. Ein Sieg gegen den amtierenden Weltmeister vor einem weltweiten Netflix-Publikum würde dem betreffenden Spieler Möglichkeiten eröffnen, die weit über das Preisgeld hinausgehen. „Seien wir ehrlich: Wenn einer von ihnen Luke schlägt, ist er sofort ein Star. Dann winken Sponsorenverträge, und man wird ihn überall sehen.“
Neben lukrativen Werbeverträgen hält Mason sogar den Einstieg in eine professionelle Dartskarriere für denkbar. „Ganz gleich, was passiert: Wenn Luke ungeschlagen bleibt, wird überall darüber berichtet. Sollte ihn aber jemand besiegen, wird dieser Spieler auf den Social-Media-Kanälen von Netflix, der PDC und allen anderen ausführlich präsentiert. Das kann das Leben eines Menschen verändern, ganz bestimmt. Irgendjemand wird diesem Spieler ein Vermögen zahlen, damit er im Januar zur Q-School fährt. Dazu kommen Einladungen zu Podcasts und die Möglichkeit, überall über dieses Erlebnis zu sprechen.“
Zum Abschluss richtete Mason noch einmal deutliche Worte an die Kritiker der Netflix-Show. Jeder einzelne Teilnehmer habe es verdient, seine persönliche Geschichte erzählen zu dürfen – unabhängig davon, ob er bereits Erfahrungen im professionellen Dartsport gesammelt habe oder bislang weitgehend unbekannt sei. „Es ist wichtig, die Geschichte hinter jedem Teilnehmer zu erzählen und herauszufinden, wie die Menschen diese Erfahrung erleben. Glaubt mir: Sie freuen sich alle unglaublich darauf, dabei zu sein. Und das völlig zu Recht.“
Wer sich dennoch an dem Konzept störe, müsse die Veranstaltung schließlich nicht verfolgen, stellte Mason unmissverständlich klar. „Wenn euch das Konzept nicht gefällt oder ihr zu den Verschwörungstheoretikern gehört, dann schaut es euch nicht an. Dasselbe gilt, wenn ihr mich nicht mögt: Dann schaut mir eben nicht zu. Das ist uns egal. Es gibt genügend Menschen, die sich dafür interessieren. Und ich bin sicher, dass viele sehen wollen, ob jemand tatsächlich eine halbe Million Pfund gewinnen kann.“
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