„Wenn ich mein bestes Spiel zeige, kann mich niemand schlagen“ – Luke Littler kämpft auf Netflix gegen 20 Amateure um 501.000 Pfund

PDC
durch Nic Gayer
Luke Littler (1)
Luke Littler steht vor einer außergewöhnlichen Herausforderung: Ende Oktober muss sich der Weltranglistenerste im Rahmen einer neuen Netflix-Show gegen 20 Amateurspieler behaupten, die ihm ein Preisgeld von 501.000 Pfund abjagen wollen. Anders als bei den großen Darts-Turnieren, die der 19-Jährige im Jahr 2026 nach Belieben dominiert hat, bleibt ihm dabei praktisch kein Spielraum für Fehler. Schon ein einziger schwacher Durchgang könnte eine Niederlage bedeuten.
Das Format von „Beat Luke Littler“ ist ebenso einfach wie gnadenlos: Jeder der 20 Herausforderer erhält die Gelegenheit, den zweimaligen Weltmeister in einem einzigen Leg über 501 Punkte zu besiegen. Gelingt dies auch nur einem Teilnehmer, ist Littlers Auftritt sofort beendet. Eine Möglichkeit, einen Rückstand in einem weiteren Leg oder Satz wieder wettzumachen, gibt es nicht. Damit könnte selbst ein Spieler, der dem Darts-Superstar normalerweise deutlich unterlegen wäre, mit einer außergewöhnlichen Leistung für eine Sensation sorgen.

Luke Littler warnt vor der Gefahr eines einzigen perfekten Legs

„Man weiß nicht, wer die 20 sind, man weiß nicht, wie sie spielen werden. Sie brauchen nur ein gutes Leg, und für mich ist Schluss“, erklärte Littler in einem Interview, das Netflix im Vorfeld der Show veröffentlichte. Dennoch glaubt der Engländer, dass der enorme Druck vor allem seine Herausforderer belasten könnte. „Ich denke aber, dass sie nervös sein werden, weil sie gegen mich antreten und das Preisgeld ihr Leben verändern könnte. Ich werde also versuchen, ruhig zu bleiben und es zu genießen. Hoffentlich schlage ich alle. Wenn es nicht sein soll, dann ist es eben so.“
Beat Luke Littler – Pressefoto.
Luke Littler stellt sich in der Netflix-Show „Beat Luke Littler“ einer außergewöhnlichen Herausforderung. Der zweimalige Darts-Weltmeister muss 20 Amateurspieler in jeweils einem Leg bezwingen, um zu verhindern, dass einer von ihnen 501.000 Pfund gewinnt.
Wer allerdings erwartet, dass Littler die Duelle mit den Amateuren als lockere Unterhaltung betrachtet, dürfte sich täuschen. Der zweimalige Weltmeister machte unmissverständlich deutlich, dass er jeden einzelnen Gegner mit derselben Entschlossenheit bezwingen möchte, die ihn auch auf der professionellen Darts-Tour auszeichnet. „Auf keinen Fall! Es geht um eine halbe Million Pfund. Ich werde ganz sicher nicht mit angezogener Handbremse spielen. Ich will jeden schlagen, der antritt“, betonte er. Auch mögliche Anfangsschwierigkeiten bereiten ihm wenig Sorgen: „Vielleicht bin ich in den ersten Legs etwas nervös. Aber sobald ich ins Spiel komme, wird mich wohl niemand mehr aufhalten.“

„Ich will, dass sie das ganze Leg über nervös sind“

Dass auch er selbst beim Auftakt der Veranstaltung eine gewisse Anspannung verspüren könnte, bestreitet Littler nicht. Gleichzeitig ist er überzeugt, dass die außergewöhnliche Situation für seine Gegner noch wesentlich belastender sein dürfte. Schließlich steht für jeden von ihnen nicht nur ein Duell mit dem besten Spieler der Weltrangliste auf dem Programm, sondern auch die Chance auf einen Gewinn, der das eigene Leben grundlegend verändern könnte.
Als Littler gefragt wurde, welchen Rat er den Amateuren vor ihrem großen Auftritt auf der Bühne geben würde, reagierte er zunächst mit einer gehörigen Portion Humor. Statt ihnen dabei zu helfen, ihre Nervosität abzulegen, würde er den Druck am liebsten sogar noch erhöhen.
„Ha! Ich will nicht, dass sie sich beruhigen. Sie sollen das ganze Leg über nervös sein“, scherzte der Engländer. Anschließend wurde er allerdings ernst und erklärte, worauf es aus seiner Sicht ankommt: „Nein, sie müssen sich einfach klarmachen: Sie haben diese eine Chance, dieses eine Leg, um mich für eine halbe Million Pfund zu schlagen. Dann sollen sie rausgehen und alles gegen mich in die Waagschale werfen.“
Wie selten Littler in einem einzelnen 501er-Leg gegen einen Amateur den Kürzeren zieht, verdeutlicht seine Erinnerung an die letzte entsprechende Niederlage. Auf die Frage, wann ihm das zuletzt passiert sei, konnte der 19-Jährige keine konkrete Antwort geben. „Irgendwann muss es passiert sein, aber es ist so lange her, dass ich es vergessen habe“, räumte er ein.
Auch mögliche Provokationen oder psychologische Spielchen seiner Herausforderer lassen den Weltmeister offenbar kalt. Sollte einer der Teilnehmer versuchen, ihn mit Sticheleien oder anderen Mitteln aus dem Konzept zu bringen, würde Littler ihn einfach gewähren lassen. An seiner eigenen Leistungsfähigkeit zweifelt er ohnehin nicht. Seine Einschätzung fiel entsprechend selbstbewusst aus: „Wenn ich mein bestes Spiel zeige, kann mich niemand schlagen.“

Richard Osman sieht nur geringe Chancen für Littler – und erwartet einen Matchdart auf 501.000 Pfund

Deutlich skeptischer beurteilt Richard Osman die Aussichten des Darts-Stars. Der als Experte an der Show beteiligte Brite hatte Littlers Wahrscheinlichkeit, sämtliche 20 Duelle erfolgreich zu überstehen, zuvor auf lediglich rund 15 Prozent geschätzt. Bei seiner jüngsten Einschätzung beschäftigt ihn allerdings vor allem ein Faktor, der sich kaum zuverlässig in statistischen Modellen abbilden lässt: Wie reagiert ein Amateur, wenn er plötzlich einen Dart auf ein Doppelfeld werfen muss, der ihm mehr als eine halbe Million Pfund einbringen könnte?
„Die Zahlen sagen mir, dass die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch ist, dass ihn jemand schlägt“, erklärte Osman. Dabei verwies er ausdrücklich darauf, dass es sich bei den Teilnehmern keineswegs um unerfahrene Gelegenheitsspieler handelt. „Das sind gute Spieler, keine zufällig von der Straße geholten Leute. Und obwohl Luke Littler vielleicht der beste Dartspieler aller Zeiten ist, verliert auch er Sätze.“
Aus diesem Grund hält Osman es durchaus für wahrscheinlich, dass einer der Herausforderer die Sensation schafft. Allerdings sieht er einen entscheidenden Unterschied zwischen einer rechnerischen Siegchance und der tatsächlichen Fähigkeit, diese unter enormem Druck zu nutzen. „Deshalb glaube ich natürlich, dass ihn jemand schlagen und die halbe Million Pfund gewinnen wird. Aber dafür muss man irgendwann einen Dart auf ein Doppelfeld werfen – vor einem riesigen Live-Publikum und im Wissen, dass man gleich eine lebensverändernde Summe gewinnt. Das macht jede Statistik lächerlich.“
Nach Osmans Einschätzung dürften die ausgewählten Amateurspieler im Durchschnitt einen Drei-Dart-Average von ungefähr 80 Punkten erreichen. Damit verfügen sie durchaus über die Qualität, Littler zumindest in einem einzelnen Leg gefährlich zu werden. Die größten Unterschiede zur absoluten Weltspitze sieht der Experte jedoch in der Konstanz und insbesondere in der Fähigkeit, auch unter außergewöhnlichem Druck die entscheidenden Würfe zu treffen.
Trotz dieser Unwägbarkeiten ist Osman überzeugt, dass mindestens einer der 20 Teilnehmer dem Sensationssieg zum Greifen nahe kommen wird. „Ich glaube wirklich, dass mindestens einer einen Dart bekommt, mit dem er alles gewinnen kann. Das garantiere ich fast“, erklärte er mit Blick auf die möglichen dramatischen Momente der Veranstaltung.
Dabei rechnet Osman mit völlig unterschiedlichen Reaktionen der Herausforderer. Einige könnten von der besonderen Atmosphäre, dem großen Publikum und der Aussicht auf das enorme Preisgeld regelrecht überwältigt werden. Für andere wiederum könnte sich die Show zu einem persönlichen „Rocky-Moment“ entwickeln – einem Augenblick, in dem ein vermeintlich chancenloser Außenseiter über sich hinauswächst.
Auch Moderator Gary Lineker hält eine Überraschung keineswegs für ausgeschlossen. Zwar bezeichnet er Littler als „unglaublich konstant“, doch gerade das besondere Format eröffnet den Amateuren seiner Ansicht nach eine realistische Möglichkeit. Dafür müsste einer der Herausforderer lediglich sein bestes Darts zeigen und gleichzeitig darauf hoffen, dass der Weltmeister ausgerechnet in diesem Leg eine schwächere Leistung erwischt.
Littler selbst lässt sich von diesen Berechnungen allerdings nicht beeindrucken. Als er auf Osmans Einschätzung angesprochen wurde, reagierte er mit der gewohnten Gelassenheit und kündigte an, nach einer möglichen Eingewöhnungsphase immer stärker zu werden. „Wenn ich die ersten paar Spiele überstehe, werde ich einfach unerbittlich sein“, erklärte der 19-Jährige.
Welche 20 Amateurspieler tatsächlich gegen ihn antreten werden und mit welchen Spielstilen sie ihn herausfordern, weiß Littler nach eigenen Angaben bislang nicht. Die Antworten darauf gibt es am Freitag, dem 30. Oktober, wenn „Beat Luke Littler“ ab 19:00 Uhr exklusiv und live auf Netflix übertragen wird. Dann entscheidet sich, ob der zweimalige Weltmeister seiner Favoritenrolle gerecht wird oder einer der Außenseiter mit einem einzigen außergewöhnlichen Leg die 501.000 Pfund gewinnt.
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