Wie Jan Schmidt sich für die Darts WM qualifizieren kann, ohne überhaupt spielen zu müssen

PDC
Jan Schmidt (2)
Jan Schmidt ist nach Martin Schindler und Max Hopp erst der dritte Deutsche im Finale der Darts Jugend-Weltmeisterschaft. Gewinnt er das Spiel im November, dann qualifiziert er sich für die im Dezember startende Darts-WM. Verliert er das Spiel, dann erlischt der WM-Traum von „Lightning“ für das Jahr 2026. Das dachte jedenfalls auch Jan Schmidt bis vor kurzem.
Nun wurde aber eine Regeländerung der PDC bekannt, die es dem jungen Herforder möglich machen könnte, doch bei der Darts-WM dabei sein zu können. Und das, ohne überhaupt ein weiteres Spiel bestreiten zu müssen.

Der Tag, der alles verändern sollte

Der 5. Oktober 2026 sollte der erfolgreichste Tag in der Dartskarriere von Jan Schmidt werden. Es war der Tag der Jugend-Weltmeisterschaft. Schmidt hatte sich im Vorfeld über die Development Tour für das Turnier qualifizieren können. Die Erfolgsaussichten des Herforders waren angesichts der anderen Teilnehmer allerdings recht gering.
Jan Schmidt jubelt.
Jan Schmidt hat eine realistische Chance sich für die Darts-WM zu qualifizieren.
Nicht nur der Sieger der Development Tour, Sebastian Bialecki, oder die Major-Halbfinalisten Keane Barry und Adam Gawlas spielten mit, sondern auch Luke Littler wollte nach seinem Sieg 2023 erneut den Titel gewinnen.
Es kam aber anders und Schmidt qualifizierte sich nach einem beeindruckenden Lauf für das Finale. Auf seinem Weg in das Endspiel schlug Schmidt im Achtelfinale Sebastian Bialecki, bezwang den diesjährigen Pro Tour Sieger Henry Coates unter den letzten Acht und siegte im Halbfinale gegen WM-Viertelfinalist Charlie Manby.
Somit zog „Lightning“ in das erste Jugend-WM Finale mit deutscher Beteiligung seit 2018 ein. Damals verlor Martin Schindler mit 3:6 gegen Dimitri Van den Bergh.

Wer ist Schmidts Finalgegner?

Das Finale des Wettbewerbs wird traditionell in der letzten Session der Players Championship Finals auf der Bühne in Minehead ausgetragen. Der Gegner des Deutschen ist Cameron Crabtree. Der Engländer hatte völlig überraschend den Decider des anderen Halbfinales gegen Luke Littler für sich entscheiden können.
Crabtree hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber seinem Kontrahenten. Er ist schon für die WM qualifiziert. Nach seinen überzeugenden Leistungen auf der Development Tour in diesem Jahr steht für ihn schon vor dem Jugend-WM Finale fest, dass er im Dezember im Ally Pally auflaufen wird.
Für Schmidt hieß es lange Zeit, dass seine Chance auf eine Teilnahmeberechtigung beim größten Turnier des Jahres darin liege, das Spiel gegen Crabtree Ende November für sich zu entscheiden, denn der Gewinner der Youth World Championship qualifiziert sich direkt für die WM.
Cam Crabtree lächelt.
Cam Crabtree ist der Finalgegner von Jan Schmidt im Jugend-WM Finale.
Eine Alternative für Schmidt bestünde darin, die Super League, eine WM-Qualifikationsmöglichkeit für die Deutschen, die am 10. November beginnt, zu gewinnen.

Eine weitere WM-Qualifikationsmöglichkeit?

Nach den jüngsten Erkenntnissen hat der Deutsche aber noch eine andere Möglichkeit, sich zu qualifizieren und dafür müsste er nicht einmal mehr ein Match bestreiten.
Im Podcast von „Checkout“ war Jan Schmidt in dieser Woche in der Premierenausgabe von „Checkout: Best of 5“ zu Gast und offenbarte, was ihm Philipp Brezinski auf seine Frage geantwortet hatte, ob er sein erstes Spiel beim Grand Slam of Darts am Samstagnachmittag spielen müsste. Einen Tag bevor der Grand Slam of Darts nämlich startet, endet die Super League, in der Schmidt eine realistische Chance hat, sich in die finale Session vorzuspielen.
Durch das Erreichen des Endspiels qualifizierte sich Schmidt nämlich als zweiter Deutscher nach Gabriel Clemens auch für den Grand Slam of Darts in diesem Jahr.
Der zeitliche Abstand zwischen dem möglichen Halbfinale oder dem Finale und der ersten Session des Grand Slam of Darts 2026 ist also stark begrenzt.
Umso verwunderter war Schmidt, als Brzinski ihm nicht nur antwortete, dass er am Nachmittag des Samstages nicht spielen müsse, sondern dass er die Super League vielleicht sogar in Gänze auslassen könne.

Regeländerung der PDC macht Schmidts Chance möglich

Diese Aussage hat etwas mit Cam Crabtree zu tun und mit den geänderten Regeln der PDC.
Eigentlich war es bislang so, dass der Unterlegene des Jugend-WM Finals keinen Starplatz für den Ally Pally erhält, wenn sein Gegner bereits für die WM qualifiziert gewesen ist.
Aus diesem Grund flossen beispielsweise bei Jurjen van der Velde vor knapp zwei Jahren Tränen auf der Bühne, nachdem er gegen Gian van Veen mehrere Matchdarts vergeben hatte und den Sieg am Ende aus den Händen gab.
Dies hat sich jetzt anscheinend geändert. Der Grund dafür hat etwas mit seinem Jugend-WM Finalgegner zu tun.
Cam Crabtree ist ein aktueller PDC Tourcardholder. Er hat noch Chancen sich über die Pro Tour, für die WM zu qualifizieren. Sollte er dies schaffen, dann wäre Schmidt automatisch im WM-Teilnehmerfeld der 96 Starter mit dabei.
Stand jetzt ist Crabtree auf Rang 42 der Pro Tour Rangliste. Nur die besten 40 werden im Dezember mit dabei sein. Sein aktueller Rückstand auf Raymond van Barneveld beträgt 1250 Pfund.
Sollte es Crabtree schaffen, diesen Rückstand an Preisgeld aufzuholen und sich über diese Rangliste auch für die WM zu qualifizieren, dann fiele sein WM-Startplatz an Jack Drayton, der nach ihm in der Development Tour Rangliste stehen würde. Jan Schmidt hätte seinen Startplatz im Ally Pally dann unabhängig vom Ausgang des Jugend-WM Finals sicher, da er auch als Zweiter der Jugend-WM nachrücken würde.

Schmidt froh über diese Erkenntnis

Im Checkout-Podcast äußerte sich Schmidt erfreut über Brzinskis Antwort. „Wenn Cam Crabtree sich über die Pro Tour für die WM qualifiziert, bin ich auch qualifiziert, egal wie das Jugend WM-Finale ausgeht. Ich bin auf der Arbeit durchgedreht, wo ich das gehört habe. Ich habe mich so gefreut.“
„Lightning“ führte weiter aus: „Ich freue mich darauf, in den nächsten eineinhalb Wochen Cam Crabtree Fan sein zu dürfen, wenn er nächste Woche Donnerstag vielleicht den einen entscheidenden Matchdart versenkt, der ihn in die Top-40 reinspielt und dann schrei ich wirklich alles auf Arbeit zusammen. Das verspreche ich.“
Kommende Woche stehen die restlichen beiden Players Championship Turniere in England an. Wenn sich Crabtree in Leicester unter die Top-40 der Pro Tour spielen würde, dann wäre Schmidts WM-Teilnahme besiegelt. Die Super League würde er dann absagen, so der 22-Jährige bei „Checkout“.
Davon würde dann wiederum Kevin Troppmann profitieren, der über die Next-Gen Tour nachrücken würde. Schmidt könnte sich dann gelassen auf den am 14. November startenden Grand Slam of Darts fokussieren, ohne den Hintergedanken der noch ausstehenden WM-Quali.
Ob sich Jan Schmidt also für den Ally Pally qualifiziert, das hat er vorerst nicht in der eigenen Hand. In der nächsten Woche wird er also vermutlich einer der größten Unterstützer von Cam Crabtree sein, wohlwissend, dass er im größten Spiel seiner Karriere knapp einen Monat später sein Gegner sein wird.
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