100:1-Sensation und Taylor-Schocks: Die 5 größten Überraschungen beim World Grand Prix

PDC
Samstag, 26 September 2026 um 16:00
Phil Taylor
Beim World Grand Prix kann ein Spiel schneller kippen als bei jedem anderen großen Dartsturnier. Selbst nach einem wichtigen High Finish muss ein Spieler im nächsten Leg erst wieder ein Doppel treffen, bevor er Punkte sammeln kann. Dazu kommt der Satzmodus: Ein schwacher Start oder wenige verpasste Doppeldarts können bereits das Aus bedeuten.
In der Geschichte des Turniers sorgte diese Mischung immer wieder für Ergebnisse, mit denen zuvor kaum jemand gerechnet hatte. Zweimal erwischte es Phil Taylor schon zum Auftakt. Ein Außenseiter erreichte das Finale, ein sechsfacher Champion blieb ohne Leggewinn – und 2024 gewann ein Belgier mit einer Siegerquote von 100:1 den Titel.

2004: Andy Callaby wirft Phil Taylor mit einem 145er-Finish raus

In den Anfangsjahren dominierte Phil „The Power“ Taylor den World Grand Prix. Er gewann die Turniere von 1998 bis 2000 sowie 2002 und 2003. Lediglich 2001 schied er in der ersten Runde gegen Kevin Painter aus. Bei der siebten Auflage 2004 wollte Taylor seinen sechsten Titel holen.
Sein Auftaktgegner war Andy Callaby. Der Engländer hatte sich über den PDPA-Qualifier einen Startplatz gesichert und gab beim World Grand Prix sein Debüt auf der großen PDC-Bühne. Für den zehnmaligen Weltmeister Taylor schien das Duell mit dem weitgehend unbekannten Landsmann eine klare Angelegenheit zu werden.
Doch Callaby gewann den ersten Satz und ging auch im zweiten mit 2:0 in Führung. Ihm fehlte nur noch ein Leg zur Sensation. Mit einer 140 stellte er sich 145 Punkte Rest, während Taylor nach einer 81 bei 120 stand. Dann traf Callaby Triple 20, Triple 19 und Doppel 14.
Im Citywest Hotel in Dublin brach Jubel aus. „Taylor is gone, Taylor is out“, riefen die Kommentatoren, als Callaby den letzten Dart auf Doppel 14 versenkte. Sie sprachen von „the biggest shock in the history of darts“. Taylor war ausgeschieden, bevor seine Titelverteidigung richtig begonnen hatte.
Für Callaby blieb das Turnier der größte Erfolg seiner Karriere. Für eine Darts WM qualifizierte er sich nie. Bei den UK Open 2006 erreichte er allerdings noch einmal ein Viertelfinale.

2007: Adrian Gray beschert Taylor den nächsten Auftaktschock

Nach seinem frühen Aus 2004 holte Taylor die Titel 2005 und 2006. Beim World Grand Prix 2007 wartete in der ersten Runde Adrian Gray auf ihn. Der Debütant stand damals auf Rang 44 der Welt, Taylor war die unangefochtene Nummer eins. Erneut sprach vor dem Match fast alles für „The Power“.
Zunächst lief das Spiel wie erwartet. Taylor führte im ersten Satz mit 2:0 Legs und stand kurz vor der Satzführung. Doch Gray glich aus. Im Entscheidungsleg verpasste Taylor bei 126 Rest einen Dart auf Bullseye. Gray nutzte seine Chance auf Doppel 12 und gewann den Satz.
Im zweiten Satz traf Gray zunächst ein 107er-Finish auf Doppel 16. Kurz darauf brachte ihm dieselbe Doppelzahl das 2:0 in Legs. Taylor verkürzte noch einmal, doch Gray eröffnete sein nächstes Leg auf Doppel 16 und warf anschließend zwei 180er in Folge. Mit einem Treffer auf Doppel 7 machte er den 2:0-Satzsieg perfekt.
Für Taylor endete der World Grand Prix damit zum dritten Mal in der ersten Runde – und zum zweiten Mal nach einem überraschenden Duell mit einem Debütanten. Gray schied später im Viertelfinale gegen John Part aus. Der Einzug in die Runde der letzten Acht blieb sein größter Erfolg in seiner Dartskarriere.

2020: Dirk van Duijvenbode stürmt als Nummer 72 der Welt ins Finale

Dirk van Duijvenbode hatte sich seine Tour Card für 2020 zurückgeholt und zeigte früh gute Leistungen. Er erreichte ein Halbfinale auf der European Tour und eines bei der Players Championship. Als Nummer 72 der Welt qualifizierte sich der Niederländer erstmals für den World Grand Prix. Dass er dort bis ins Finale kommen würde, war kaum abzusehen.
Schon sein Auftakt gegen Mensur Suljović wurde zur Geduldsprobe. Van Duijvenbode gewann mit 2:1 in Sätzen, beide Spieler kamen aber nur auf einen Average knapp über 70 Punkte. In Runde zwei wartete der frischgebackene World-Matchplay-Sieger Dimitri Van den Bergh.
Gegen den Belgier steigerte sich van Duijvenbode deutlich. Er gewann die ersten beiden Sätze jeweils im Entscheidungsleg und überstand dabei Satzdarts. Van den Bergh verkürzte noch einmal, doch der Niederländer setzte sich mit 3:1 durch. Besonders seine Doppelquote von 55 Prozent trug ihn in sein erstes Major-Viertelfinale.
Dort schlug van Duijvenbode Gary Anderson mit 3:1. Im Halbfinale traf er auf Simon Whitlock, der zuvor Michael van Gerwen mit einem 100er-Average aus dem Turnier geworfen hatte. Van Duijvenbode setzte vor allem mit seinem Scoring und zahlreichen 180ern Akzente. Mit einem 4:1 zog er ins Finale ein.
Gerwyn Price stoppte schließlich den überraschenden Lauf. Der Waliser führte bereits mit 4:1 in Sätzen, doch van Duijvenbode verkürzte noch einmal auf 2:4. Im siebten Satz lag der Niederländer sogar mit 2:0 in Legs vorn. Price gewann jedoch drei Legs in Folge und besiegelte seinen 5:2-Erfolg mit einem 102er-Finish. Für van Duijvenbode war der Finaleinzug dennoch der Durchbruch auf der großen Bühne.
Gerwyn Price und Dirk van Duijvenbode
Dirk van Duijvenbode erreichte sensationell den 2. Platz beim World Grand Prix 2020

2024: Michael van Gerwen verliert gegen Daryl Gurney jedes Leg

Daryl Gurney erwischte beim World Grand Prix 2024 ein schweres Auftaktlos. Er traf auf Michael van Gerwen, den erfolgreichsten Spieler des Turniers nach Phil Taylor. Der Niederländer hatte den World Grand Prix bereits sechsmal gewonnen. Gurney, selbst Turniersieger von 2017, war dagegen auf Rang 25 der Weltrangliste zurückgefallen.
Auch van Gerwens jüngste Ergebnisse sprachen für ihn. Beim World Matchplay hatte er das Finale erreicht, bei den World Series of Darts Finals stand er im Halbfinale. Gegen Gurney wollte er erneut um den Titel mitspielen. Stattdessen geriet sein Auftakt zu einer seiner bittersten Niederlagen bei einem Majorturnier.
Schon der erste Satz lief vollständig gegen van Gerwen. Gurney nahm ihm zweimal den Anwurf ab und sicherte sich mit einem Treffer auf Doppel 8 das 1:0. Während der Nordire seine Chancen konsequent nutzte, brachte van Gerwen seine Darts auf die Doppel nicht ins Ziel.
Wer nun mit einer Reaktion des sechsfachen Champions rechnete, wurde enttäuscht. Auch im zweiten Satz gewann Gurney alle drei Legs. Nach nur sechs Legs war die Partie vorbei: 2:0 in Sätzen, 6:0 in Legs für den Nordiren. Van Gerwen schied aus, ohne ein einziges Leg gewonnen zu haben und mit einer Quote von 0/8 auf die Doppel.
Gerade die Art der Niederlage machte das Ergebnis so bemerkenswert. Van Gerwen hatte dieses Turnier über Jahre geprägt und seinen Gegnern regelmäßig das anspruchsvolle Double-In-Format aufgezwungen. Diesmal fand er selbst keinen Weg ins Spiel. Gurney sorgte für einen der deutlichsten Schocks der Turniergeschichte, konnte daran aber nicht anknüpfen: Im Achtelfinale verlor er gegen Joe Cullen.

2024: Mike De Decker gewinnt das Turnier mit einer Titelquote von 100:1

Im selben Jahr schrieb Mike De Decker die größte Außenseitergeschichte des Turniers. Der Belgier reiste als Nummer 36 der Welt nach Leicester. Vor dem Start führten ihn die Buchmacher des Turniers mit einer Siegquote von 100:1.
Zum Auftakt lieferte sich De Decker ein enges Duell mit Damon Heta. Im ersten Satz checkte er 116 Punkte im Entscheidungsleg, während der Australier bei 56 Rest wartete. Heta glich in Sätzen aus, doch De Decker gewann den dritten Durchgang und setzte sich mit 2:1 durch.
Gegen Gary Anderson zeigte der Belgier erneut seine Stärke in den wichtigen Momenten. Ein 120er-Checkout brachte ihm den zweiten Satz, ein 74er-Finish besiegelte den 3:0-Sieg. Im Viertelfinale wartete mit James Wade ein Spieler, der für sein Timing bekannt ist. Diesmal gehörten die entscheidenden Legs aber De Decker: Er gewann alle drei Sätze im Decider und erreichte sein erstes Major-Halbfinale.
Dort traf er auf seinen Landsmann und Freund Dimitri Van den Bergh. Nach einem schwachen Start glich De Decker zum 1:1 aus und zog anschließend auf 3:1 davon. Van den Bergh verkürzte noch einmal, doch De Decker gewann mit 5:2. Im Finale wartete Luke Humphries – die Nummer eins der Welt, amtierender Weltmeister und Titelverteidiger beim World Grand Prix.
Humphries holte den ersten Satz. De Decker glich aus und erspielte sich anschließend eine 4:1-Führung. Dann schlug der Favorit zurück: Mit Checkouts von 149 und 152 Punkten leitete Humphries seine Aufholjagd ein. Ein 67er-Finish brachte ihm schließlich den Ausgleich zum 4:4.
De Decker ließ sich davon nicht stoppen. Er gewann den neunten Satz und stellte im Entscheidungsleg des zehnten Durchgangs auf 55 Punkte Rest. Humphries erhöhte mit einer 180 noch einmal den Druck. Doch der Belgier checkte die 55 Punkte mit zwei Darts und gewann das Finale mit 6:4.
Mit seinem ersten Major-Titel sprang De Decker in der Weltrangliste von Platz 36 auf Rang 25. Vor allem sein Timing auf die Doppel machte aus einer 100:1-Chance einen der überraschendsten Turniersiege in der Geschichte des World Grand Prix. Welche Überraschung hält die nächste Auflage bereit?
Mike De Decker posiert mit der World-Grand-Prix-Trophäe.
Der größte Erfolg im Leben von Mike de Decker: Der World Grand Prix Sieg 2024
RundeGegnerErgebnis (in Sätzen)Average von de Decker
1. RundeDamon Heta2-192.01
AchtelfinaleGary Anderson3-095.74
ViertelfinaleJames Wade3-091.64
HalbfinaleDimitri van den Bergh5-286.32
FinaleLuke Humphries6-492.06
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