„Genau zu diesem Zeitpunkt letzte Woche war ich noch gar nicht hier“ – Bunting schockt Noppert im Entscheidungsleg mit 160er-Checkout

PDC
Stephen Bunting (1)
Stephen Bunting hat bei der European Championship in Dortmund einen Moment geschaffen, den die Fans so schnell nicht vergessen werden. Mit einem Checkout über 160 Punkte entschied er das Entscheidungsleg gegen Danny Noppert für sich. Der Niederländer hatte zuvor die Chance auf den Sieg vergeben.
Das Finish fasste Buntings Turnierverlauf treffend zusammen. In der Vorwoche in Maastricht hätte er früh ausscheiden können, kämpfte sich aber weiter. In Dortmund steht er nur, weil er sich erst am letzten Spieltag der Qualifikation einen Platz sicherte. Nach dem Match sprach er sichtlich erleichtert mit den Medien, darunter DartsNews.

„Das sind die letzten drei Darts des Turniers“

„Ich war schon draußen, oder? Um ehrlich zu sein, war ich genau zu diesem Zeitpunkt letzte Woche noch gar nicht im Turnier. Letzte Woche habe ich es gut gemacht und bin wirklich stolz auf diese 160“, sagte Bunting gegenüber den Medien, darunter DartsNews.
Vor der entscheidenden Aufnahme ließ sich der Engländer bewusst Zeit. Er ging noch einmal zum Wassertisch, sammelte sich und trat dann wieder an die Abwurflinie. „Ich habe mich erneut konzentriert und gedacht: Das sind die letzten drei Darts des Turniers. Entweder sie sitzen, oder du fährst nach Hause“, schilderte er.
Der erste Dart landete perfekt in der Triple 20, der zweite folgte ebenso präzise. Beim letzten Wurf schloss Bunting die Augen und traf die Doppel 20. „Als der erste Dart im Triple landete, dachte ich: Ich habe eine Chance. Beim zweiten dachte ich: Jetzt ist sie ziemlich groß. Dann saß auch die Doppel-20. Das war ein großartiger Moment“, sagte er. Für Noppert sei das bitter gewesen, räumte Bunting ein: „Danny war vermutlich nicht besonders glücklich, aber genau solche Momente erlebt man im Darts und erinnert sich noch lange daran.“ Er ahnt, wie sehr der Treffer die Szene beschäftigen wird: „Alle werden über diese 160 sprechen. Wer weiß? Vielleicht gewinne ich jetzt sogar das Turnier.“
Bunting weiß, wie schnell sich im Darts innerhalb von zwölf Monaten alles ändern kann. Vor einem Jahr qualifizierte er sich mühelos für das Turnier und ging als Nummer eins an den Start. Gegen Chris Dobey schied er damals trotz eines Averages von 109 Punkten aus. Diesmal erreichte er Dortmund erst am letzten Tag der Qualifikation. „Ehrlich gesagt fühlt sich das nicht besonders gut an“, sagte er.
Er erklärt sich den Absturz mit seiner Rolle abseits der großen Bühne. „In diesem Jahr bin ich wohl ein wenig unter dem Radar geblieben. Ich glaube weiterhin, dass ich sehr gut spiele. Auf den großen Bühnen habe ich es noch nicht gezeigt, aber ich bin sicher, dass es bald so weit ist. Ich weiß, wie gut ich sein kann. In dieser Woche werde ich jemandem das Leben schwer machen.“
Auch das wachsende Niveau auf der Tour beschäftigt ihn. „Ich glaube, das Niveau der Spieler steigt von Jahr zu Jahr. Es gab wieder so viele Spiele. Ich habe mit einem Average von 100 oder knapp darunter verloren. Wichtig ist, dass man sich davon nicht zu sehr herunterziehen lässt“, sagte Bunting. Dabei spielt auch der Druck der Weltrangliste mit. Die Premier League verlief für ihn zwar erfolgreich, doch nun kämpft er darum, im kommenden Jahr wieder dabei zu sein. „Deshalb weiß ich, dass ich meine besten Leistungen zeigen muss.“
Zuletzt änderte Bunting sein Material: Er wechselte von seinem gewohnten 18-Gramm-Barrel auf 21 Gramm. Im Training laufe es „unglaublich gut“, betonte er. „Ich glaube, es ist nur eine Frage der Zeit, bis ihr das auch seht.“ In der Vorwoche habe er das Gefühl gehabt, dass seine Darts oft müde wirkten, deshalb tauschte er das Gewicht aus. Gegen Noppert spürte er allerdings noch Anspannung im Wurfarm. „Man will gewinnen, setzt sich zu sehr unter Druck. Genau in diese Lage habe ich mich gebracht“, räumte er ein.
Immerhin kommt ihm die Auslosung entgegen. Der erkrankte Luke Humphries fehlt im Feld, was das Turnier für Bunting ein wenig leichter macht. Als Nächstes wartet dennoch ein schwerer Gegner: Er trifft auf Searle oder Huybrechts. „Ich werde das nicht auf die leichte Schulter nehmen“, kündigte Bunting an. Am freien Tag will er sich erholen, um am Samstag wieder topfit zu sein. Ob er dann mit 21 oder 23 Gramm wirft, lässt er offen.
Stephen Bunting
Stephen Bunting setzte sich in Runde eins gegen Danny Noppert durch.

Bunting will wichtige Ranglistenpunkte verteidigen

Hinter Bunting liegen schwierige Wochen. Er litt unter einer heftigen Grippe und steckte sogar seinen Sohn Theo an. Nun will er vor allem seine Ranglistenpunkte verteidigen, denn ein arbeitsreiches Jahresende steht bevor.
„Ich habe mich selbst in diese Lage gebracht. Vor einigen Jahren hatte ich eine großartige Weltmeisterschaft und weiß, dass ich diese Punkte verteidigen muss. Gleichzeitig weiß ich, dass ich dazu in der Lage bin. Die höheren Preisgelder machen es etwas leichter“, sagte er. Sein Ziel formuliert er klar: Zuerst will er das Viertelfinale erreichen, dann das Halbfinale. „Aber ich gehe in jedes Turnier, um es zu gewinnen.“
Die Krankheit setzte ihm sichtbar zu. „Ich bekomme kaum Luft. Gestern war ich sehr schlapp und müde, und ich war auch etwas schlecht gelaunt. Normalerweise bin ich nicht so. Fragt gern meinen Manager“, erzählte Bunting mit einem Augenzwinkern. Gewöhnlich lacht er viel und macht im Trainingsraum ständig Witze. In den vergangenen Wochen ging ihm das verloren. „Aber ich fühle mich von Tag zu Tag besser. Zu Hause kann sich meine Frau um Theo kümmern.“

Noch ein paar Prozent herausholen

Bunting sucht weiter nach den entscheidenden Prozentpunkten. Dabei half ihm zuletzt auch der Wechsel auf ein K-Flex-System. „Ich wollte schon länger umsteigen. Mit meinem Flight und dem Schaft hatte ich Probleme. Der Flight löste sich ziemlich oft vom Schaft“, erklärte er. Die einzige Lösung sei gewesen, den Barrel zu verlängern und den Schaft zu kürzen. Das K-Flex-System funktioniere sehr gut und sei bei den 160 Punkten „einfach perfekt“ gewesen.
Mit dem neuen Material hat er erst 15 bis 20 Minuten geworfen, und doch gewann er damit gegen einen der besten Spieler der Welt, auch wenn Noppert nicht sein bestes Darts zeigte. „Je mehr ich mit diesen Darts spiele, desto besser werde ich. Gegen einen der besten Spieler der Welt nehme ich viel Selbstvertrauen mit“, sagte Bunting.

Bunting speaks after.

Der Engländer sieht viele positive Signale: den Lauf bis ins Halbfinale in der Vorwoche und nun das Finish über 160 Punkte. Zudem sei jetzt alles ein Bonus, da er ursprünglich gar nicht zum Teilnehmerfeld gehörte. „Genau zu diesem Zeitpunkt letzte Woche war ich noch gar nicht hier. Dafür bin ich sehr dankbar.“
Nun gilt es, sich neu zu sammeln. Bunting nutzt den freien Tag zur Erholung, im Kopf hatte er gegen Noppert viel: die Gewichtsumstellung, die Anreise und die schwachen Wochen davor. Seine Ansage für Samstag fällt entsprechend deutlich aus: „Dann werdet ihr einen anderen Stephen Bunting sehen.“
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