„Ich fühle mich für dumm verkauft“ – Amateur-Dartspieler wütend auf Netflix, nachdem er für ein Duell mit Luke Littler abgelehnt wurde

PDC
Luke Littler (1)
Die Teilnehmerliste der Netflix-Show „Beat Luke Littler“ sorgt für reichlich Gesprächsstoff. In der Live-Sendung am 30. Oktober treten 24 Kandidaten an. Jeder von ihnen kann 501.000 Pfund gewinnen, wenn er Luke Littler in einem Leg schlägt. Unter den Auserwählten finden sich jedoch mehrere bekannte Darter, darunter Fallon Sherrock und das 15-jährige Top-Talent Mitchell Lawrie. Das ärgert John Steele, einen Amateurspieler aus Südafrika. Er steckte Tausende Pfund in die Auswahlrunden und bekam am Ende trotzdem eine Absage.
Der 44-jährige Steele, den alle unter seinem Spitznamen „Dominoman“ kennen, hatte fest damit gerechnet, dass Netflix vor allem gewöhnlichen Amateuren eine Bühne bietet. Sie sollten gegen den besten Dartspieler der Welt antreten dürfen. Der Brite lebt seit 2010 mit seiner Familie in Südafrika und flog eigens für die Auswahlrunden nach Manchester.

Tausende Pfund für die Auswahlrunden ausgegeben

Steele arbeitet als Finanzplaner und treibt die Entwicklung des Dartsports in Südafrika voran. Er spielt auf der afrikanischen PDC-Tour und betreibt unter Dominoman.com einen eigenen Dartshop. Mit einem Average zwischen 65 und 75 Punkten gehört er nach eigener Einschätzung nicht zur Spitze. Trotzdem hielt er sich für stark genug, Littler in einem einzelnen Leg zu überraschen.
Für Steele ging es um mehr als einen Geldgewinn. Er wollte die Aufmerksamkeit auf den Dartsport in seiner Wahlheimat lenken. Mit dem Hauptpreis hätte er seinen Dartshop vergrößert und mehr Jugendlichen in Südafrika den Zugang zum Sport ermöglicht.
Gemeinsam mit seinen Kindern Rebecca (24) und Aiden (19) reiste er nach England. Die Familie besuchte Verwandte und unternahm einige Ausflüge. Steele sah sich ein Spiel von Manchester United an. Zur Vorbereitung auf seine Auswahlrunde startete er außerdem bei einem Dartturnier im Hindley Social Club. Dort stand auch der frühere WM-Finalist Kirk Shepherd am Board.
Die Reise kostete ihn rund 2.000 Pfund für Flüge, Unterkunft und weitere Ausgaben. Dennoch hoffte er auf einen Platz unter den letzten 24 Teilnehmern. Journalist Chris Hammer, der bei den Auswahlrunden vor Ort war, berichtete auf X, Steele habe mit seiner Geschichte überzeugt und es unter die letzten 100 geschafft.

„Ich begann mit 125, 85 und 100 Punkten“

In der ersten Auswahlrunde mussten die Kandidaten ein 501-Leg mit höchstens 24 Darts beenden. Steele schaffte das, allerdings nicht ohne Zittern. „Als ich mein 501-Leg begann, sahen mir eine Fernsehkamera, ein PDC-Schiedsrichter, ein Schiedsrichter von Target und ein Produktionsleiter zu. Ich begann mit 125, 85 und 100 Punkten und dachte: Okay, John, das klappt. Dann warf ich elf Punkte“, erzählte er der Website SportingLife.
Nach zwölf Darts standen noch 180 Punkte Rest auf dem Board. In der nächsten Aufnahme holte Steele nur 44 Zähler und blieb auf 136 Punkten sitzen. Er hatte noch neun Darts, um das Leg zu beenden. „Mit meinen nächsten drei Darts wäre es beinahe gelungen. Ich traf den Draht bei Doppel 8, bevor ich es in meiner nächsten Aufnahme doch noch beendete.“
Das reichte für den Einzug in die nächste Runde. Dort traf er auf mehrere Spieler mit Erfahrung bei der MODUS Super Series, bei WDF-Turnieren und auf der PDC Development Tour. Unter ihnen waren Dan Coates und Llew Bewan. Auch Mike Warburton erkannte Steele wieder, den er zuvor bei der MODUS Super Series gegen Littler gesehen hatte.
Nach stundenlangem Warten sprach Steele mit den Produzenten der Sendung. Sie fragten ihn nach seiner Darterfahrung, seinen Leistungen unter Druck und seiner Motivation für die Teilnahme.

Phil Taylor und Barry Hearn beurteilen die Kandidaten

Zu Steeles großer Freude durfte er anschließend in die dritte Auswahlrunde. Dort erwartete ihn eine prominente Jury. Dartslegende Phil Taylor, der frühere PDC-Chef Barry Hearn und Darts-Expertin Laura Turner bewerteten die Kandidaten.
„Ich saß gerade einmal zehn Minuten dort, als mein Name aufgerufen wurde. Ich musste fast weinen, als mir ein Mitarbeiter sagte, dass ich in die dritte Runde gekommen war. Ich bekam ein Mikrofon und wurde von Phil Taylor, Barry Hearn und Laura Turner interviewt.“
Steele erinnerte das an seine frühere Teilnahme an den Castings der britischen Fernsehsendung The X Factor. „Es fühlte sich wirklich wie X Factor an. Ich ging hinein, stellte mich auf ein Kreuz und musste mich The Power vorstellen. Ich konnte meinen Augen nicht trauen.“
Er stellte sich als „Dominoman John Steele“ vor. Hearn wollte sofort wissen, woher der Spitzname stammt. Das Gespräch verlief locker, bis Taylor ihn aufforderte, sein Können am Board zu zeigen. „Wenn ich vorher schon nervös war, dann jetzt erst recht. Zum Glück warf ich mit meinen ersten drei Darts eine ordentliche 60 und schaffte danach 100 Punkte.“
Taylor gefiel, was er sah. „Phil sagte dann: ‚Nun, du kannst auf jeden Fall Darts spielen.‘“ Für Steele war das ein Moment für die Ewigkeit. „Das vom besten Dartspieler aller Zeiten zu hören, war ein wahr gewordener Traum.“
Tausende stehen für die „Beat Luke Littler“-Auditions für Netflix Schlange
Tausende stehen für die „Beat Luke Littler“-Auditions für Netflix Schlange

Absage sorgt für Ärger

Nach den Auditions entschied sich Steele für die Rückreise nach Südafrika. Zunächst hatte er überlegt, länger in England zu bleiben, doch die Kosten stiegen immer weiter. Dann begann das Warten auf Netflix. „Es dauerte unglaublich lange, und ich schaute ständig nach Flugpreisen. Jedes Mal, wenn ich eine Gmail-Benachrichtigung erhielt, war ich gleichzeitig angespannt und aufgeregt. Doch die Wochen vergingen, ohne dass ich etwas hörte.“
Schließlich kam die Nachricht: Steele gehört nicht zu den 24 Teilnehmern. „Meine erste Reaktion war natürlich Enttäuschung, gefolgt von Erleichterung, dass es endlich vorbei war.“
Lange hielt die Erleichterung nicht an. Als Steele die Namen der Ausgewählten las, kippte seine Stimmung. „Als ich die Namen der Ausgewählten sah, etwa Fallon Sherrock, Mitchell Lawrie, Ashley Coleman und Jayden Walker, wurde aus meiner Erleichterung Wut und Traurigkeit. Das sieht für mich nach einer Mischung aus Halbprofis, künftigen Stars und etablierten Namen aus.“ Das Teilnehmerfeld weicht aus seiner Sicht deutlich von dem Bild ab, das er sich vor der Show gemacht hatte.

„Was ist aus den gewöhnlichen Kneipenspielern geworden?“

Vor allem eines versteht Steele nicht: Mehrere Teilnehmer standen bereits auf großen Dartbühnen, einige sogar gegen Littler. „Was ist aus der Idee geworden, gewöhnlichen Kneipenspielern die Chance zu geben, gegen den besten Spieler der Welt anzutreten? Einige spielen bereits bei Showturnieren gegen Luke Littler, und Fallon hat mehrfach an der Weltmeisterschaft teilgenommen.“
Außerdem verweist er auf den Ausrüster Target, der einige der Auserwählten sponsert. „Einige dieser Spieler werden von Target gesponsert, und inzwischen habe ich das Gefühl, dass die Auswahl schon vorher feststand. Ich fühle mich getäuscht.“ Damit unterstellt Steele, dass die Verantwortlichen bekannte Namen bevorzugten. Belege für diesen Verdacht liefert er nicht.
Dass Netflix vor allem eine unterhaltsame Show produzieren will, versteht der Südafrikaner durchaus. Er fordert aber mehr Klarheit im Vorfeld. „Hören Sie, ich verstehe, dass es um Unterhaltung geht, aber das sind keine gewöhnlichen Amateure. Die Sendung heißt nicht ‚The Next Luke Littler‘. Wenn sie nach dem X-Faktor des Dartsports gesucht haben, hätten sie das ankündigen müssen. Dann hätte ich mich nie beworben.“
Steele sah sich selbst als genau den Spielertyp, an den sich das Format richtet. „Ich bin einfach jemand, der einen Average von etwas über 60 spielt und gelegentlich einen 15-Darter hinbekommt. Ich dachte, nach solchen Spielern würden sie suchen.“

Diskussion um die Teilnahme von Mitchell Lawrie

Besonders die Nominierung von Mitchell Lawrie wirft Fragen zum Konzept der Show auf. Der 15-jährige Schotte zählt zu den größten Talenten im Dartsport und hat bereits mehrere internationale Titel gewonnen. Formal gilt er als Amateur, weil er keine PDC Tour Card besitzt. Spielerisch liegt er aber weit über dem Niveau eines gewöhnlichen Kneipenspielers.
Die Zahlen unterstreichen das. Seit Anfang September spielte Lawrie einen Average von 96,93 Punkten. Littler kam im selben Zeitraum auf 96,70. Beide Werte stammen aus den Turnieren, an denen die beiden jeweils teilnahmen.
Auch Sherrock, Coleman und Walker bringen deutlich mehr Wettkampferfahrung mit als die meisten Freizeitspieler. Mit solchen Namen steigt die Chance, dass Littler tatsächlich ein Leg abgibt und Netflix die 501.000 Pfund auszahlen muss. Gleichzeitig fragen sich Fans, ob die Show gewöhnlichen Amateuren noch die erhoffte Chance bietet.

„Ich bereue nichts“

Trotz der Enttäuschung blickt Steele nicht nur im Zorn auf sein Abenteuer zurück. Die Auditions bescherten ihm besondere Erlebnisse, darunter die Begegnungen mit Taylor, Hearn und Turner. Außerdem konnte er seine Geschichte erzählen und den Dartsport in Südafrika ins Rampenlicht rücken.
Die Reise nach Manchester bereut er deshalb nicht. „Bereue ich es? Nein. Ich bereue nichts. Alles geschieht aus einem bestimmten Grund.“
Nun richtet Steele den Blick wieder auf seine eigene Dartkarriere. Vielleicht gelingt ihm über ein Qualifikationsturnier der Sprung zur PDC-Weltmeisterschaft, oder er sichert sich mit starken Ergebnissen einen Startplatz bei der Q-School. „Wer weiß, vielleicht gewinne ich nächstes Wochenende unser Qualifikationsturnier für die PDC-Weltmeisterschaft. Oder vielleicht gewinne ich eines der Turniere und sichere mir damit einen Platz bei der Q-School. Vielleicht gewinne ich auch gar nichts. Was auch passiert, es wird einen Grund haben.“
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