Damon Heta hat bei der European Championship 2026 einen dramatischen Auftaktsieg gefeiert und dabei eine weitere Enttäuschung nur hauchdünn abgewendet. Der Australier setzte sich gegen James Wade mit 6:5 durch, nachdem er im entscheidenden Leg gleich vier Matchdarts seines Gegners überstanden hatte. Nach dem nervenaufreibenden Erfolg überwog beim 39-Jährigen vor allem ein Gefühl: pure Erleichterung.
Im anschließenden Gespräch mit den anwesenden Medienvertretern, darunter auch Dartsnews.de (YouTube), machte Heta deutlich, welche Bedeutung dieser Sieg für ihn hatte. Seine bislang ernüchternde Bilanz bei der European Championship sei ihm selbst ein Rätsel. Trotz des enormen Trainingsaufwands und der kontinuierlichen Arbeit während der European-Tour-Saison habe er seine Leistungen bei diesem Turnier über Jahre hinweg kaum in Siege ummünzen können. Umso größer war die Genugtuung, diese Negativserie nun zumindest ein Stück weit durchbrochen zu haben.
„Eine riesige Erleichterung“ – Heta beendet seine Durststrecke
„Verrückt. Ich bin gefühlt schon eine Ewigkeit bei der European Championship dabei. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie oft ich hier gespielt habe. Es müssen fünf oder sechs Teilnahmen gewesen sein, und dabei habe ich gerade einmal ein Match gewonnen. Das ergibt für mich einfach keinen Sinn. Ich arbeite so hart, investiere so viel, bin jedes Mal dabei und habe trotzdem nur einen einzigen Sieg vorzuweisen. Das soll mir mal jemand erklären“, sagte Heta gegenüber DartsNews. „Wenn ich darauf zurückblicke, ist dieser Erfolg für mich wirklich riesig.“
Die enttäuschende Turnierhistorie sei für den Australier auch deshalb schwer auszublenden gewesen, weil er regelmäßig damit konfrontiert worden sei. „Selbst wenn ich versuche, dem Thema aus dem Weg zu gehen, habe ich das Gefühl, dass mich irgendjemand wieder daran erinnern wird. Die sozialen Medien sind massiv, man kann sie nicht meiden. So ist das Spiel, so ist das Leben. Selbst wenn ich versuche, mich fernzuhalten, habe ich das Gefühl, dass ich daran erinnert werde. Egal ob es ein Pre-Match Interview gibt, oder nicht – sie werden dich erinnern. Deshalb ist dieser Sieg für mich eine unglaublich große Erleichterung.“
Gleichzeitig wollte Heta den Erfolg nicht überbewerten, schließlich steht er erst am Anfang des Turniers. „Und dabei war das gerade einmal die erste Runde. Es liegt noch eine Menge vor mir. Aber jetzt kann ich dieses Thema endlich abhaken, nach vorne schauen und einfach wieder befreit Darts spielen.“
Im weiteren Verlauf des Gesprächs wurde Heta auf frühere Interviews mit Dartsnews.de während der European-Tour-Saison angesprochen. Schon damals hatte er offen über seine ausbleibenden Erfolge und die Schwankungen in seinem Spiel gesprochen. Mittlerweile verspüre er jedoch, dass seine Form langsam wieder in die richtige Richtung gehe. Für den Australier ist das ein Zeichen dafür, dass sich seine intensive Arbeit allmählich auszahlt und die einzelnen Elemente seines Spiels schon bald wieder ineinandergreifen könnten.
Heta arbeitet an seiner Form: „Es braucht nur einen kleinen Schneeballeffekt“
Dabei beschränkt sich Heta keineswegs auf die Arbeit am Oche. Auch abseits der Bühne beschäftigt er sich intensiv mit den Bereichen, in denen er noch Verbesserungspotenzial sieht. Er ist überzeugt, dass bereits kleine Fortschritte eine Kettenreaktion auslösen und ihn Schritt für Schritt zurück zu seiner Bestform führen können.
Damon Heta spricht nach seinem Auftaktsieg in Dortmund zu den Medien.
„Am Ende geht es doch darum, diese letzten paar Prozent herauszuholen, oder? Ich möchte nicht zu viel darüber verraten, aber ich arbeite an genau den Dingen, an denen ich arbeiten muss. Und dann wird es für mich auch wieder aufwärtsgehen. Manchmal braucht es nur einen kleinen Schneeballeffekt, damit plötzlich alles wieder ins Rollen kommt. Ich bin schließlich nicht komplett von der Bildfläche verschwunden. Ich war ziemlich gut unterwegs. Wenn mich die Leute jetzt wegen meiner aktuellen Form kritisieren, ist das wahrscheinlich sogar ein gutes Zeichen. Denn wenn das meine schlechten Phasen sind, wie ich schon in vielen Interviews gesagt habe, dann sieht es doch eigentlich ganz ordentlich aus.“
Auf die Frage, mit welchem Spielrhythmus er sich am wohlsten fühle und welchen Zustand er künftig wieder erreichen wolle, hielt sich Heta mit konkreten Einblicken in seine Arbeit bewusst zurück. Sein Ziel sei es, am Oche wieder vollkommen frei und ohne störende Gedanken agieren zu können. Er wolle zu jener Selbstverständlichkeit zurückfinden, mit der er in seinen besten Phasen auch beim Scoring problemlos mit der Weltspitze mithalten konnte.
Gerade seine enorme Scoring-Power und der scheinbar mühelose Wurfstil hatten Heta in der Vergangenheit ausgezeichnet. An diese Qualitäten möchte der Australier wieder anknüpfen. Entscheidend sei für ihn dabei nicht nur die technische Ausführung, sondern auch die Fähigkeit, negative Gedanken auszublenden und sich nicht von misslungenen Aufnahmen aus dem Konzept bringen zu lassen.
„Ja, natürlich würde ich am liebsten immer in einem flüssigen Rhythmus spielen. Einfach ans Oche treten, nicht groß nachdenken, werfen, werfen, werfen – und schon ist die Arbeit erledigt. Die 180er kommen dann wie von selbst.“
Allerdings habe er inzwischen gelernt, dass ein gleichbleibender Rhythmus nicht unter allen Umständen die richtige Lösung sei. „Manchmal funktioniert es eben nicht so, oder? Wenn ich meinen Rhythmus gefunden habe und alles läuft, ist das fantastisch. Aber wenn ich diesen Rhythmus beibehalte und trotzdem nichts funktioniert, warum sollte ich dann an einem schlechten Tag unbedingt daran festhalten? Genau so sehe ich das. Mehr möchte ich dazu im Moment nicht verraten.“
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.