Gerwyn Price hat bei der European Championship 2026 souverän die zweite Runde erreicht. Der Waliser setzte sich zum Auftakt mit 6:2 gegen Rob Cross durch und trifft nun auf Cameron Menzies. Trotz des deutlichen Erfolgs zeigte sich der Weltmeister von 2021 mit seiner eigenen Leistung alles andere als zufrieden.
Im anschließenden Gespräch mit Medienvertretern, darunter Dartsnews.de (YouTube), sprach Price über Probleme mit seinen Darts, die in einem ungewohnten Winkel im Board steckten und ihn während der Partie aus dem Rhythmus brachten. Seinen Auftritt stufte er deshalb als „nicht gut genug“ ein. Die schmerzhafte Finalniederlage beim World Grand Prix hatte der Waliser dagegen längst verarbeitet. Angesichts des vollgepackten PDC-Kalenders sei ihm kaum Zeit geblieben, dem verpassten Titel in Leicester nachzutrauern.
Price trotz souveränem Sieg unzufrieden: „Ich setze mir selbst hohe Maßstäbe“
„Ich hatte während des Spiels das Gefühl, mich richtig durchkämpfen zu müssen. Als ich anschließend die Bühne verließ und auf den Bildschirm schaute, während Rob die Treppe herunterkam, sah ich, dass mein Average bei fast 100 lag. Da dachte ich mir, dass ich vielleicht nicht ganz so hart mit mir ins Gericht gehen sollte. Aber ich habe hohe Ansprüche an mich selbst, und meiner Meinung nach war meine Leistung heute einfach nicht gut genug“, erklärte Price gegenüber den anwesenden Medienvertretern.
Auf die Nachfrage, ob er seine Leistung tatsächlich weiterhin als unzureichend einschätze, verwies der frühere Weltranglistenerste insbesondere auf die ungewöhnliche Position seiner Darts im Board. „Nein, ich finde nach wie vor nicht, dass ich gut genug gespielt habe. Meine Darts steckten einfach sehr merkwürdig im Board. Wenn ich die Triple-20 traf, zeigten die Darts nach unten, sodass ich auf ein anderes Feld wechseln musste. Aber auch in der Triple-19 steckten sie anschließend ungünstig.“
Diese Schwierigkeiten hätten ihn immer wieder dazu gezwungen, von seinem gewohnten Spiel abzuweichen. „Dadurch hatte ich ständig das Gefühl, zu viel auf dem Board herumwechseln zu müssen, obwohl ich das eigentlich gar nicht wollte. Normalerweise findet man seinen Rhythmus, sobald der erste Dart im Triple steckt. Aber letztlich habe ich gewonnen, und das ist das Wichtigste. Jetzt kann ich mich auf meine nächste Partie konzentrieren.“
Im weiteren Turnierverlauf hätte es für Price zu einem Duell mit Luke Humphries kommen können. Der Engländer musste seine Teilnahme jedoch krankheitsbedingt absagen, wodurch sich für den Waliser auf dem Weg in die entscheidende Turnierphase eine zusätzliche Gelegenheit ergibt. Price machte allerdings deutlich, dass er sich auch vor einem direkten Aufeinandertreffen mit Humphries keineswegs gefürchtet hätte.
„Vielleicht wäre ich im Viertelfinale auf ihn getroffen. Natürlich schaut man sich seine Turnierhälfte an und überlegt, wie der mögliche Weg ins Finale aussehen könnte. Aber ich konzentriere mich immer nur auf das nächste Spiel. Wäre es im Viertelfinale zum Duell mit Luke gekommen, wäre ich absolut zuversichtlich gewesen, ihn schlagen zu können.“
Gleichzeitig richtete Price Genesungswünsche an seinen erkrankten Konkurrenten. „Natürlich ist er jetzt nicht mehr dabei, und ich wünsche ihm eine schnelle Genesung. Ich habe gehört, dass es ihm nicht besonders gut geht und er wohl Probleme mit dem Magen hat. Offenbar ist er krank. Aber ich konzentriere mich auf mein eigenes Spiel und werde versuchen, mein Bestes zu geben. Ja, ich denke schon, dass sich meine Turnierhälfte durch seinen Rückzug etwas geöffnet hat.“
„Die Lukes sind eben die Lukes“ – Price hat Grand-Prix-Drama abgehakt
Auch die bittere Finalniederlage beim World Grand Prix war im Gespräch noch einmal Thema. Nach dem verlorenen Endspiel hatte Price bereits erklärt, dass ihn solche Rückschläge früher über mehrere Tage hinweg beschäftigt hätten. Mittlerweile gehe er deutlich gelassener damit um. Vor allem die hohe Anzahl an Turnieren im PDC-Kalender lasse ihm kaum Gelegenheit, sich länger mit einer Niederlage auseinanderzusetzen.
„Ich habe in diesem Match fantastisch gespielt. Aber auch Luke hat an diesem Nachmittag überragend gespielt und sich wieder zurückgekämpft. Im vierten Satz warf er, glaube ich, eine 180 und checkte anschließend 105 Punkte, um auf 1:3 zu verkürzen.“
Dennoch sei der Ausgang der Begegnung keineswegs unausweichlich gewesen. „Selbst danach hätte ich den Satz zum 5:4 gewinnen müssen. Ich hatte das Spiel in meiner Hand. Aber Luke ist nun einmal Luke. Die Lukes sind eben die Lukes.“
Gerwyn Price spricht nach seinem Auftaktsieg in Dortmund zu den Medien.
Price räumte ein, dass sein Gegner die entscheidenden Gelegenheiten konsequent genutzt habe, während er selbst nicht mehr an sein zuvor gezeigtes Niveau anknüpfen konnte. „Sie spielen stark und sind genau dann zur Stelle, wenn es darauf ankommt. Ich habe ein wenig nachgelassen und ihm dadurch Chancen eröffnet, die er sofort genutzt hat. Vor ein paar Jahren hätte mich so etwas noch tagelang beschäftigt. Heute denke ich nach 30 oder 40 Minuten, spätestens aber nach einer Stunde: Es war eben ein weiteres Spiel, das ich verloren habe.“
Der eng getaktete Turnierkalender habe seinen Umgang mit solchen Enttäuschungen nachhaltig verändert. „Bei der Menge an PDC-Turnieren, die wir heutzutage bestreiten, hat man einfach keine Zeit, lange darüber nachzudenken. Also hake ich die Niederlage ab, schaue nach vorne und hoffe, dass ich es beim nächsten Mal besser mache.“
Ungewöhnliche Probleme mit den Darts: Price rätselt über die Ursache
Zum Abschluss des Gesprächs wurde Price noch einmal auf die Schwierigkeiten mit seinen Darts angesprochen. Dabei ging es insbesondere um die Frage, ob eine Veränderung an seiner Ausrüstung für die ungewöhnliche Position der Pfeile im Board verantwortlich gewesen sein könnte oder ob es sich lediglich um ein einmaliges Problem handelte.
„Die Spitze war ein wenig anders. Ich glaube nicht, dass ich zuvor schonmal so lange Spitzen benutzt habe wie die, die ich derzeit verwende. Sie funktionieren also gut, und das ist natürlich erfreulich.“
Trotzdem habe sich das Spielgefühl gegen Cross nicht so angefühlt, wie er es gewohnt sei. „Heute steckten meine Darts einfach etwas merkwürdig im Board. Hoffentlich wird das im weiteren Verlauf des Wochenendes besser.“
Eine eindeutige Erklärung für die Schwierigkeiten konnte der Waliser nicht liefern. „Manchmal liegt es schlicht am Board. Gelegentlich sind sie etwas zu hart gepresst, sodass der Dart nicht richtig darin stecken bleibt. Aber ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob das heute der Fall war.“
Price wollte deshalb keine mögliche Ursache ausschließen. „Vielleicht lag es am Board, vielleicht an meinem Wurf, an der Luft oder an irgendetwas anderem. Jedenfalls fühlten sich meine Darts heute nicht richtig an. Dadurch musste ich viel zu häufig über das Board switchen.“
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.