„Irgendwann heißt es: nachgeben oder zerbrechen“ – Van der Voort findet, die Messlatte für Gian van Veen müsse höher liegen

PDC
Gian van Veen (2)
Vincent van der Voort fordert von Gian van Veen den nächsten Entwicklungsschritt. Der Niederländer hat inzwischen Platz zwei der Weltrangliste erreicht. Von einem Spieler auf dieser Position erwartet der ehemalige Profi auch große Titel. Im Podcast Darts Draait Door warnt Van der Voort: Bleiben Turniersiege auf Dauer aus, kann das zum Problem werden.
Van Veen gehört in dieser Saison zu den konstantesten Spielern der PDC-Tour. Er erreichte das Halbfinale des World Matchplay und das Viertelfinale des World Grand Prix. Auch auf der European Tour liefert er regelmäßig gute Ergebnisse.

Irgendwann muss auch ein Titel her

Trotzdem hält Van der Voort einen kritischen Blick auf die Nummer zwei der Welt für gerechtfertigt. „Wenn man die Nummer zwei der Welt ist, darf man schon etwas kritischer darauf schauen, wie er an diesem Wochenende spielt. Viele werden das anders sehen, weil er schließlich auf Platz zwei der Weltrangliste steht.“
Gian van Veen blickt enttäuscht
Gian van Veen konnte seinen Titel bei der Darts-EM nicht verteidigen
Der Podcast-Gast sieht ein grundsätzliches Problem im niederländischen Darts. Das Land besitzt eine breite Spitze, doch ein Spieler, der regelmäßig große TV-Turniere gewinnt, fehlt derzeit. „Wir haben Spitzenspieler, aber aktuell keinen absoluten Topspieler, der ein TV-Turnier gewinnen kann. Wir sind ein Land mit sehr vielen guten Spielern. Mal kommt der eine weit, mal der andere, und Gian schafft es am häufigsten.“
Van der Voort stellt klar, dass er Van Veens Leistungen nicht schlechtredet. Ein hoher Platz in der Weltrangliste weckt allerdings höhere Erwartungen. „Es ist nicht so, dass seine Ergebnisse schlecht wären. Er macht es sehr gut und erreicht auf der Euro Tour oft das Halbfinale. Wenn man aber noch weiterkommen will, muss man irgendwann auch einmal gewinnen. Dafür muss man diese Spiele sehr gut spielen, und das gelingt ihm derzeit nicht.“
Der frühere Profi befürchtet, dass ausbleibende Titel auch den Kopf belasten. „Irgendwann kommt man in der Karriere an einen Punkt, an dem es um alles oder nichts geht. Wenn man nicht gewinnt, wird das dann zum Problem im Kopf und geht alles bergab? Oder kann man es einordnen und ist trotzdem zufrieden mit dem, was man macht?“
Mit jedem Turnier ohne Sieg wächst der Druck zusätzlich. „Am Anfang kann man denken: Es ist mir egal, das kommt schon von selbst. Doch je länger es dauert, desto mehr wird es zum Thema. Auch für die Presse wird es ein Thema, und dann bekommt man es immer öfter zu hören.“

Van der Voort überrascht über Besuch bei Borussia Dortmund

Im Podcast sprach Van der Voort auch über Van Veens ungewöhnlichen Ausflug nach der Darts-EM. Kurz nach seinem Aus, mit dem er seinen Titel nicht verteidigen konnte, besuchte der Niederländer gemeinsam mit Stephen Bunting ein Spiel von Borussia Dortmund.
Van der Voort kann sich kaum vorstellen, so kurz nach einer Niederlage entspannt auf der Tribüne zu sitzen. „Da denkt man doch: Du hast gerade eine Niederlage kassiert und gehst dann gemütlich nach Dortmund. Wenn ich gerade verloren hätte, hätte Dortmund ruhig untergehen können. Das wäre mir völlig egal gewesen.“
Dass Van Veen seine Enttäuschung offenbar so schnell abschütteln konnte, überrascht ihn. „Eine Stunde später hat man das noch nicht ganz verarbeitet. Dafür war ich gedanklich überhaupt nicht bereit. Ich wäre wirklich am Boden zerstört gewesen, weil ich verloren hätte.“
Gleichzeitig räumt er ein, dass jeder Spieler anders mit Rückschlägen umgeht. „Vielleicht ist das ja seine Stärke. Offenbar kann er damit ziemlich gut umgehen.“

Lob für Stephen Bunting

Auch Bunting kam im Podcast zur Sprache. Der Engländer erlebt laut Van der Voort eine schwierige Saison, zeigte bei der Darts-EM aber wieder bessere Leistungen.
„Bunting ist wirklich ein sehr netter Kerl. Er ist Freundlichkeit in Person und nimmt sich immer Zeit für alle. In diesem Jahr kämpft er ziemlich mit seiner Form, aber bei diesem Turnier hat er einfach gut gespielt.“
Van Veens größte Aufgabe liegt damit am Dartboard. Van der Voort zweifelt nicht an seinen Fähigkeiten, verlangt aber, dass er seine starken Ergebnisse endlich in Titel ummünzt. Als Nummer zwei der Welt steigen die Erwartungen nach Ansicht des Podcast-Gasts weiter.
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