Nach seinem Sieg bei der European Darts Championship hat Ross Smith seine Ziele für die kommenden Monate formuliert. Der Engländer gewann am Sonntagabend in Dortmund mit einem 11:8 gegen Martin Schindler seinen dritten Major-Titel und kletterte damit auf Platz sechs der Weltrangliste. Smith hofft nun auch auf eine Einladung zur Premier League Darts im kommenden Jahr. Ihm ist jedoch bewusst, dass er diese Entscheidung nicht selbst in der Hand hat.
Vier Jahre nach seinem ersten EM-Titel durfte Smith in Dortmund erneut die Trophäe in die Höhe stemmen. Zugleich war es sein zweiter Major-Titel im Jahr 2026, nachdem er im September bereits die World Series of Darts Finals in Amsterdam gewonnen hatte. Nach dem Erfolg fiel es „Smudger“ schwer, seine Gefühle in Worte zu fassen.
„Ich weiß eigentlich nicht, was ich sagen soll. Es fühlt sich ein bisschen seltsam an, verstehst du? Ich bin unglaublich glücklich“, sagte er auf seiner Pressekonferenz. „Ich habe wieder einen Major-Titel gewonnen. Das Leben ist schön und ich bin glücklich.“
Als man ihm sagte, er müsse sich wohl an Interviews nach großen Siegen gewöhnen, musste der Engländer lachen. „Ehrlich gesagt bin ich daran noch überhaupt nicht gewöhnt. Wenn ich noch mehr Titel gewinne, werde ich hoffentlich auch besser in solchen Gesprächen.“
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Smith führt seine Entwicklung in den vergangenen Jahren auch auf die Erfahrung zurück, die er auf der European Tour gesammelt hat. Die Turniere sind für den Engländer eine wichtige Vorbereitung auf die großen TV-Majors.
„Die European Tour ist unglaublich wichtig. Für mich fühlen sich diese Turniere eigentlich wie Majors an. Man spielt vor drei- oder fünftausend Zuschauern, und das unterscheidet sich nicht von dem, was wir heute hier erlebt haben. Das hat mir enorm geholfen. Langfristig hat mir die European Tour viel bedeutet, ebenso wie der Sieg bei der World Series.“
Auch sein Selbstvertrauen sei deutlich gewachsen, sagte Smith. Vor einigen Jahren habe er noch manchmal an seinen Fähigkeiten gezweifelt. Inzwischen habe er das Gefühl, jeden Gegner schlagen zu können.
„Ich glaube jetzt an mich. Vor ein paar Jahren war das wahrscheinlich noch nicht so. Aber wie soll man an sich glauben, wenn man überhaupt nichts gewinnt? Siege geben Selbstvertrauen, und mit diesem Selbstvertrauen spielt man auch besser.“
„Ich sehe mich definitiv als einen der Topspieler“
Mit seinem EM-Titel kletterte Smith auf Platz sechs der PDC Order of Merit und damit auf die beste Position seiner Karriere. Doch der Engländer will sich damit nicht zufriedengeben. Die Top Vier hat er fest im Blick.
„Es fühlt sich fantastisch an, Sechster der Welt zu sein. Aber ich würde gern noch weiter nach oben kommen, das will ich nicht leugnen. In diesem Jahr stehen noch drei Majors an. Also machen wir weiter und versuchen, die Top Vier zu erreichen.“
Smith sieht weitere Chancen, in der Rangliste zu klettern. Bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften schied er jeweils bereits in der ersten Runde aus.
„Die Top Vier zu erreichen, wäre großartig, aber es ist für mich nicht das Allerwichtigste. Natürlich möchte ich als Spieler so weit oben wie möglich stehen. In den vergangenen beiden Jahren habe ich im Alexandra Palace in der ersten Runde verloren und schrecklich gespielt. Deshalb habe ich dort eigentlich nichts zu verteidigen. Hätte ich mich dort halbwegs ordentlich geschlagen, wäre ich wahrscheinlich schon in den Top Vier.“
Dass er inzwischen zur absoluten Weltspitze gehört, steht für Smith außer Frage. „Natürlich sehe ich mich als einen der Topspieler. Ich glaube, dass ich jeden schlagen kann. Aber ich bin realistisch genug, um zu wissen, dass ich verlieren kann, wenn ich mein Niveau nicht erreiche. Man gewinnt nicht einfach so drei Majors, wenn man kein Selbstvertrauen hat. Ich fühle mich unglaublich gut. Warum sollte ich mich nicht zur Weltspitze zählen?“
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Mit zwei Major-Titeln in einem Kalenderjahr ist Smith ein ernsthafter Kandidat für die Premier League Darts 2027. Der Engländer hat noch nie an dem prestigeträchtigen Wettbewerb teilgenommen, findet aber, dass seine Leistungen inzwischen für sich sprechen. „Ich weiß nicht, was mich erwartet, denn einen solchen Anruf habe ich noch nie bekommen. Wie soll ich etwas erwarten, das ich noch nie erlebt habe? Vielleicht bekomme ich eine E-Mail oder eine Nachricht, ich habe keine Ahnung.“
Smith betont, dass er auf die endgültige Auswahl selbst nur wenig Einfluss habe. „Mehr kann ich nicht tun als das, was ich gerade mache. Ich gewinne Spiele und hole Titel. Ich bin als topgesetzter Spieler hierhergekommen und habe das Turnier gewonnen.“
Bemerkenswerterweise war der Engländer mit seiner Leistung in Dortmund nicht einmal vollkommen zufrieden. „Ich finde eigentlich nicht, dass ich in dieser Woche großartig gespielt habe. Aber ich ziehe daraus mehr Positives als Negatives. Ich habe einige Spiele gewonnen, ohne gut zu spielen, musste hart kämpfen und habe die Aufgaben professionell gelöst.“
Sollte tatsächlich eine Einladung kommen, würde Smith sie mit beiden Händen ergreifen. „Wenn ich einen Anruf, eine E-Mail oder eine Nachricht von Herrn Porter oder Herrn Hearn bekomme, wäre ich natürlich überglücklich. Wenn es nicht passiert, werde ich im nächsten Jahr einfach wieder hart arbeiten. Das Leben ist unglaublich schön und ich genieße es.“
Auf die direkte Frage, ob er einen Platz in der Premier League verdient habe, antwortete Smith deutlich bestimmter. „Im Moment auf jeden Fall. Am Jahresende? Wer weiß. Es stehen noch drei Majors an, und es hängt auch davon ab, was die anderen Spieler machen. Aber im Moment finde ich definitiv, dass ich es verdient habe. Ich habe zwei Majors gewonnen, die European Order of Merit als Erster abgeschlossen und ein paar Euro-Tour-Turniere gewonnen.“
Zum Schluss richtete der Engländer mit einem Augenzwinkern den Blick auf diejenigen, die letztlich über die Auswahl für die Premier League entscheiden. „Aber noch einmal: Ich bin nicht derjenige, der die Spieler auswählen darf. Das ist verdammt schade, oder?“
Oliver Ried ist seit Ende 2024 Redakteur bei Dartsnews.de. Er berichtet dort über den professionellen Dartsport und erstellt regelmäßig Liveblogs zu den wichtigsten Turnieren und Ereignissen, darunter die PDC World Darts Championship, die Premier League Darts und das World Matchplay. Ergänzend veröffentlicht er Berichte, Einordnungen und Hintergrundtexte zum Geschehen auf der PDC-Tour. Seit Anfang 2025 schreibt er zudem für Radsportaktuell.de über den professionellen Radsport.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er selbst aktiver Dartspieler und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.