Niels Zonneveld hat seine starke Vorstellung beim
World Grand Prix eindrucksvoll fortgesetzt. Der Niederländer besiegte Gary Anderson im Achtelfinale mit 3:1 in Sets und zog damit ins Viertelfinale ein. Für Zonneveld bedeutete der Erfolg über den zweifachen Weltmeister zudem die Bestätigung, dass er auf den großen TV-Bühnen inzwischen konstanter performen kann.
Zonneveld brauchte nach dem Match einen Moment, um zu realisieren, was er erreicht hatte. Anderson zu schlagen ist seiner Ansicht nach immer besonders, erst recht bei einem Turnier mit dem Double-in, Double-out-Format.
Zonneveld ringt weiter mit dem besonderen Format
„Was soll ich sagen? Gary Anderson in diesem Format zu schlagen, mit all seiner Erfahrung ... Ich kann eigentlich nur stolz auf mich sein“, reagierte Zonneveld
auf der Pressekonferenz, bei der unter anderem Dartsnews.de anwesend war.
„Nichts gegen Gary. Er ist ein großartiger Spieler und ein großartiger Mensch. Er zeigt mir all den Respekt, den ich mir wünsche, und ich gebe ihm den Respekt zurück, den er meiner Meinung nach von mir erwartet. Es ist also ein großartiger Sieg, aber allen Respekt für Gary.“
Obwohl Zonneveld in Leicester bereits mehrere Partien gewonnen hat, fühlt er sich mit dem Format des
World Grand Prix noch nicht vollständig wohl. In jedem Leg muss nicht nur mit einem Doppel abgeschlossen, sondern auch mit einem Doppel begonnen werden.
„Natürlich war ich nervös. Es ist ein ungewohntes Format mit Double-in, Double-out. Ich gewöhne mich immer noch nicht daran, aber es läuft gut. Vielleicht muss ich etwas mehr an mich glauben, so wie in der vergangenen Woche.“
Verliebt hat Zonneveld sich in das Format dennoch nicht. „Es ist nett, weil es etwas anderes ist, aber am Ende vor allem frustrierend. Es macht mich ein bisschen nervös. Aber ich bin damit sehr glücklich.“
Die Leistung kommt zudem zu einem besonderen Zeitpunkt in seinem Leben. Zonneveld wurde kürzlich Vater und räumte ein, dass Darts dadurch eine Weile in den Hintergrund rückte. In den letzten Wochen hat er das Training wieder ernsthaft aufgenommen.
„In den vergangenen Monaten nicht, denn ich bin Vater geworden und habe deshalb nicht so viel trainiert. In den letzten sechs Wochen habe ich das wieder getan und ich spüre, dass es zurückkommt.“
Seine gute Form kommt mit Blick auf den weiteren Saisonverlauf zur rechten Zeit. „Das ist natürlich ein schöner Moment, aber ich schaue vor allem auf die nächsten Turniere wie die European Championship, die WM und die Players Championship Finals. Darauf bleibe ich fokussiert. Im Moment fühle ich mich gut. Zu Hause läuft alles gut und ich denke, das hilft wirklich.“
„Darts hat mich kurzzeitig gar nicht interessiert“
Die Geburt seiner Tochter stellte für Zonneveld zunächst alles auf den Kopf. Seine Prioritäten lagen vorübergehend vollständig außerhalb des Dartsports.
„In den ersten acht Wochen dachte ich wirklich: Darts interessiert mich überhaupt nicht. Aber am Ende, als mit meiner Tochter alles gut war, musste der Fokus natürlich wieder auf Darts und auf meine Arbeit.“
In den vergangenen Wochen gelang das immer besser. „In den letzten drei oder vier Wochen habe ich das umgesetzt und ich denke, es läuft wieder sehr gut. Davor war es schwierig, aber von jetzt an denke ich, dass es gut läuft. Das muss ich den Rest des Jahres halten.“
Zonneveld bedankte sich dabei auch ausdrücklich bei seiner Freundin. Sie ermutigte ihn, früher zum Turnier anzureisen, damit er ausreichend Ruhe finden konnte.
„Ich habe unglaublich viel Glück mit meiner Freundin. Sie sagte zu mir, ich solle zwei Tage vor dem Turnier losfahren. Einfach etwas Schlaf holen, zur Ruhe kommen und sicherstellen, dass ich für das erste Match bereit bin. Das habe ich getan und dafür bin ich ihr sehr dankbar, denn ich glaube, ich habe es gebraucht.“
Niels Zonneveld bezwang Gary Anderson im Achtelfinale des World Grand Prix mit 3:1.
Früherer Durchbruch womöglich zu früh
Es ist nicht das erste Mal, dass Zonneveld ein TV-Viertelfinale erreicht. Rückblickend glaubt er jedoch, dass er vor einigen Jahren noch nicht bereit war, dauerhaft auf diesem Niveau mitzuhalten.
„Beim ersten Mal habe ich es mir vielleicht verdient, war aber noch nicht auf dem Niveau, auf dem ich es mir verdient hätte. Es war im eigenen Land, ich schlug Dave Chisnall und Gary Anderson, aber vielleicht kam es zu früh.“
Jetzt fühlt es sich anders an. „Ich denke, ich kann jetzt sagen, dass ich Viertelfinalist beim World Grand Prix bin und stolz darauf sein. Vor vier oder fünf Jahren war ich dafür vielleicht noch nicht bereit. Es passierte zwar, aber ich war meiner Meinung nach noch nicht auf diesem Niveau.“
Auffällig war, dass Zonneveld selbstkritisch anmerkte, Anderson habe nicht sein bestes Match gespielt. Der Niederländer spürte das im Verlauf der Partie und fühlte dadurch sogar zusätzlichen Druck. „Eigentlich hatte ich das ganze Match über das Gefühl, dass er für seine Verhältnisse nicht großartig spielte. Aber das setzte mich auch extra unter Druck. Ich führte 2:0, und dann fing er plötzlich an, richtig gut zu spielen.“
Zonneveld machte kein Geheimnis daraus, dass ein Anderson in Topform für ihn eine ganz andere Geschichte gewesen wäre. „Am Ende kam ich über die Ziellinie, aber ich denke, ich brauchte auch, dass er etwas schwächer spielte. Denn wenn er wirklich richtig performt, gewinne ich dieses Match nicht.“
Zonneveld fühlt sich auf der großen Bühne zuhause
Die Saison 2026 bedeutet für Zonneveld in mehrfacher Hinsicht den Durchbruch. Er gab sein Debüt beim World Matchplay und beim World Grand Prix und hat sich auch erstmals für die European Championship qualifiziert. Nach Ansicht des Niederländers zahlt sich die Erfahrung aus acht Jahren auf der Profi-Tour immer stärker aus.
„Ich denke, es ist einfach Erfahrung. Ich spiele seit acht Jahren professionelle Turniere. Es war einfach Zeit, diese Turniere zu erreichen und auf der Bühne gut zu spielen.“
Zonneveld sieht sich zudem ausdrücklich als Spieler, der auf der großen Bühne zurechtkommt.
„Ich glaube, ich bin ein sehr guter Bühnenspieler. Ich habe keine Angst, auf einer Bühne zu spielen. Das ist eine gute Eigenschaft, denn manche Spieler sind auf dem Floor sehr gut und nicht auf der Bühne. Wenn ich so weitermache, denke ich, dass ich mich selbst noch überraschen kann.“
Großes Vertrauen in die niederländische Generation
Zonneveld wurde anschließend auch nach der neuen Garde niederländischer Dartspieler gefragt. Dabei äußerte er sich unter anderem lobend über Wessel Nijman, mit dem ihn eine enge Freundschaft verbindet.
„Wir haben sehr viele talentierte Spieler, wie Wessel und Kevin. Sie sind großartig, aber ich muss mich an ihnen messen. Ich muss in ihrer Nähe bleiben, und das ist es, was ich versuche.“
Über Nijman ging Zonneveld noch einen Schritt weiter. „Ich bin sehr gut mit Wessel befreundet. Ich denke, dass er nächstes Jahr zu den besten Fünf der Welt gehört. Da bin ich mir sicher. Er ist so ein guter Spieler. Wenn wir trainieren, ist er unglaublich, aber nicht nur im Training. Das zeigt er schon das ganze Jahr.“
Auch Kevin Doets wurde von Zonneveld erwähnt. „Kevin lebt derzeit in Schweden. Er hat es ziemlich schwer, aber ich denke, er gehört ebenfalls dazu. Er spielt sehr gut. Es muss nur einmal klicken, und ich glaube, das gilt auch für mich.“
„Vielleicht habe ich das gebraucht“
Früher im Turnier hatte Zonneveld bereits einen wichtigen Sieg gegen Josh Rock eingefahren. Ob der Erfolg gegen Anderson nun der größte seiner Laufbahn ist, wollte er nicht sofort sagen.
„Vielleicht, wegen des Turniers. Ich glaube nicht, dass dieses Match unglaublich gut war, aber ich habe gut gespielt. Ich bin auf den wichtigen Doppeln nicht eingebrochen, und das ist für mich etwas Positives. Das klappt eigentlich das ganze Jahr schon gut.“
Vor allem die Art und Weise, wie er nach dem dritten Satz reagierte, stimmte ihn zufrieden. Anderson hatte auf 2:1 verkürzt, doch Zonneveld verhinderte, dass der Schotte die Partie komplett drehen konnte.
„Ich bin vor allem sehr glücklich, dass ich, als es 2:1 stand, das Match trotzdem über die Ziellinie gebracht habe. Das ist für mich wirklich wichtig. Gerade bei diesem Turnier, denn es ist eines der größten des Jahres.“
Die guten Resultate auf der European Tour haben laut Zonneveld ebenfalls zu seiner Entwicklung im TV beigetragen. Nach einer Phase, in der Darts durch die Geburt seiner Tochter folgerichtig weniger im Mittelpunkt stand, hat er den Fokus inzwischen vollständig zurück.
„Ich brauchte ein paar gute Runs. In den vergangenen Monaten hat das nicht geklappt, vielleicht weil mein Fokus nicht vollständig auf Darts lag. In den letzten Wochen ist dieser Fokus wieder da, und ich denke, es zahlt sich sehr schnell aus.“