Vom hitzigen Duell zwischen Price und Aspinall bis zu Humphries’ historischem Rekord: Das bleibt von den Halbfinals in Leicester

PDC
durch Nic Gayer
Gerwyn Price & Luke Humphries
Heute Abend fliegen in Leicester wieder die Pfeile, wenn beim World Grand Prix 2026 die Entscheidung um den Titel fällt. Bevor jedoch das große Finale und damit der Kampf um eine der prestigeträchtigsten Trophäen des Dartsports in den Mittelpunkt rückt, lohnt sich ein letzter Blick zurück auf die Halbfinals. Denn die boten – wie bei diesem Turnier mittlerweile fast schon gewohnt – reichlich Gesprächsstoff.
Beide Halbfinals entwickelten dabei auf ihre ganz eigene Weise einen besonderen Reiz. Im ersten Duell standen sich zwei Spieler gegenüber, die nicht dafür bekannt sind, einer hitzigen Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen. Entsprechend spielten nicht nur die Scores, sondern auch Emotionen und Charakter eine entscheidende Rolle. Zwei Alphatiere, die sich keinen Zentimeter schenkten und um jeden Preis ins Finale einziehen wollten – eine explosive Mischung, die für spürbare Spannung auf der Bühne sorgte.

Price behält im hitzigen Halbfinale gegen Aspinall einen kühlen Kopf

Auf dem Papier mag das Halbfinale zwischen Gerwyn Price und Nathan Aspinall kein klassischer Thriller gewesen sein, doch auf der Bühne bot sich ein völlig anderes Bild. Die Anspannung war über die gesamte Partie hinweg förmlich greifbar. Price und Aspinall lieferten sich nicht nur am Board ein intensives Duell, sondern schienen sich auch gegenseitig immer wieder zu provozieren. Am Ende behielt der Waliser mit 5:2 die Oberhand und löste damit sein Ticket für das Finale des World Grand Prix.
Price erwischte einen Start nach Maß. Der „Iceman“ übernahm vom ersten Moment an die Kontrolle und setzte sich schnell mit 3:0 ab. So komfortabel seine Führung auch wirkte, mindestens ebenso auffällig war die Art und Weise, wie sich Price auf der Bühne präsentierte. Wie so oft verschaffte sich der Waliser nach entscheidenden Momenten lautstark Gehör und zelebrierte seine gewonnenen Legs mit großer Leidenschaft.
So entwickelte sich eine Partie, in der die Emotionen immer wieder hochkochten. Price ist dafür bekannt, seinen Gefühlen auf der Dartsbühne freien Lauf zu lassen – und gegen Aspinall machte er keine Ausnahme. Doch der Engländer dachte nicht daran, sich kampflos geschlagen zu geben. „The Asp“ biss sich zurück in die Partie und verkürzte auf 2:3. Für einen kurzen Moment schien die Wende tatsächlich in Reichweite.
Auch Aspinall setzte in dieser Phase emotionale Ausrufezeichen. Der Engländer feierte seine gewonnenen Legs ausgelassen und machte seinem Jubel mehrfach lautstark Luft. Die Spannung zwischen den beiden Kontrahenten war längst nicht mehr nur sichtbar, sondern auch deutlich zu hören. Gleichzeitig zeigte sich Aspinall zunehmend irritiert vom Verhalten des Publikums und wandte sich deshalb mehrfach mit Beschwerden an den Schiedsrichter.
Price konnte diese Reaktion im Nachhinein kaum nachvollziehen. Aus Sicht des Walisers gab es keinerlei Anlass zu der Annahme, das Publikum habe sich gegen Aspinall gestellt. Ganz im Gegenteil: Price hatte den Eindruck, dass die Zuschauer deutlich auf der Seite von „The Asp“ standen. Im Nachgang offenbarte sich damit ein bemerkenswerter Gegensatz darin, wie die beiden Spieler die Stimmung während des Matches wahrgenommen hatten.
Nach Aspinalls kurzer Aufholjagd schlug Price allerdings eindrucksvoll zurück. Der Waliser ließ sich weder aus der Ruhe noch von seinem Kurs abbringen und demonstrierte, warum er seit Jahren zur absoluten Weltspitze zählt. Mit dem 5:2-Endstand beendete er Aspinalls Hoffnungen endgültig und sicherte sich souverän seinen Platz im Finale.
Gerwyn Price jubelt.
Gerwyn Price behielt im hitzigen Halbfinale gegen Nathan Aspinall die Oberhand und zog mit einem 5:2-Erfolg ins Finale des World Grand Prix ein.
Für Price bietet das Finale zugleich die nächste Gelegenheit, eine bemerkenswert lange Durststrecke ohne großen Titel zu beenden. Seit 2022 wartet der „Iceman“ auf eine weitere Majortrophäe. Seinen bislang letzten großen Triumph feierte er bei den World Series of Darts Finals desselben Jahres. Seither hat Price zwar regelmäßig unter Beweis gestellt, dass er nach wie vor zur absoluten Weltspitze zählt, der nächste prestigeträchtige Titel blieb ihm jedoch verwehrt.
In Leicester bietet sich ihm nun die Chance, diese Durststrecke endlich zu beenden. Vier Jahre nach seinem letzten großen Titel steht Price wieder unmittelbar vor einem prestigeträchtigen Turniersieg. Spielerisch präsentiert sich der Waliser stabil genug, um diesen letzten Schritt zu gehen. Am Sonntagabend wird jedoch vor allem eine Frage entscheidend sein: Gelingt es dem „Iceman“, auch im Finale seine Emotionen und Nerven unter Kontrolle zu halten?

Majortitel von Gerwyn Price

JahrMajorFinalgegnerErgebnis
2018Grand Slam of DartsGary Anderson16–13
2019Grand Slam of DartsPeter Wright16–6
2020World Grand PrixDirk van Duijvenbode5–2
2020World Series of Darts FinalsRob Cross11–9
2021WeltmeisterschaftGary Anderson7–3
2021Grand Slam of DartsPeter Wright16–8
2022World Series of Darts FinalsDirk van Duijvenbode11–10

Humphries schreibt Geschichte und nimmt den nächsten Majorsieg ins Visier

Luke Humphries hat beim World Grand Prix Geschichte geschrieben. Der 31-jährige Engländer setzte sich im Halbfinale mit 5:3 gegen seinen Landsmann James Wade durch und löste damit sein Ticket für das Endspiel. Doch der Finaleinzug besitzt noch eine weitaus größere Bedeutung: „Cool Hand Luke“ steht zum vierten Mal in Folge im Finale des World Grand Prix. Ein Kunststück, das vor ihm noch keinem Spieler gelungen ist.
Selbst die größten Namen der Darts-Geschichte konnten eine solche Serie nicht vorweisen. Sowohl Phil Taylor als auch Michael van Gerwen erreichten mehrfach das Finale des World Grand Prix, doch keinem von beiden gelang der Sprung ins Endspiel in vier aufeinanderfolgenden Jahren. Humphries hat diese Marke nun gesetzt und seiner ohnehin beeindruckenden Vita damit ein weiteres außergewöhnliches Kapitel hinzugefügt.
Der World Grand Prix nimmt in Humphries' Karriere ohnehin einen ganz besonderen Stellenwert ein. 2023 feierte der Engländer in Leicester seinen endgültigen Durchbruch, als er dort den ersten Major-Titel seiner Karriere gewann. Dieser Triumph war der Startschuss für eine herausragende Erfolgsserie. Humphries entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Spieler seiner Generation und ließ seitdem nicht weniger als sieben weitere Majortitel folgen.
Sein letzter individueller Major-Triumph liegt inzwischen allerdings eine ganze Weile zurück. Am 29. Mai 2025 krönte sich Humphries zum Champion der Premier League Darts. Seit diesem Erfolg ist es um „Cool Hand Luke“ bei den Einzel-Majors auffallend ruhig geworden. Zwar schaffte er es weiterhin regelmäßig bis in die entscheidenden Turnierphasen, ein weiterer Titelgewinn blieb ihm bislang jedoch verwehrt.
Mehr noch: Seit seinem letzten Major-Triumph musste sich Humphries gleich in fünf Major-Finals geschlagen geben. In vier dieser Endspiele stand ihm dabei ein besonders unangenehmer Kontrahent gegenüber: Luke Littler. Der junge Engländer entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem echten Angstgegner für Humphries und versperrte ihm gleich mehrfach den Weg zur nächsten großen Trophäe.
Umso bemerkenswerter ist, dass Humphries diesmal keinen Gedanken an „The Nuke“ verschwenden muss. Littler verabschiedete sich überraschend früh aus dem World Grand Prix, wodurch der Weg zum Titel für Humphries auf den ersten Blick etwas weniger steinig erscheint. Von einer einfachen Aufgabe kann vor dem Finale allerdings keineswegs die Rede sein.
Luke Humphries applaudiert dem Publikum.
Luke Humphries steht nach seinem 5:3-Erfolg über James Wade zum vierten Mal in Folge im Finale des World Grand Prix und greift in Leicester nach seinem zweiten Titel bei diesem Major.
Damit treffen am Sonntagabend zwei Spieler aufeinander, für die weit mehr als nur der Titel auf dem Spiel steht. Humphries kann nicht nur seine lange Durststrecke ohne individuellen Majorsieg beenden, sondern zugleich seine historische vierte World-Grand-Prix-Finalteilnahme in Serie mit dem Titel krönen. Price wiederum bietet sich die Gelegenheit, seine mittlerweile vier Jahre andauernde Flaute auf der großen Bühne endlich zu beenden.
Vieles deutet daher auf ein hart umkämpftes Finale hin. Beide bringen die Qualität, Erfahrung und Motivation mit, um sich gegenseitig bis ans Limit zu treiben. Zudem wissen Humphries und Price genau, dass sich ihnen die große Chance bietet, eine lange Zeit ohne individuellen Majortitel hinter sich zu lassen. Entsprechend groß dürfte der Druck am Sonntagabend sein. Eines scheint schon vor dem ersten geworfenen Dart klar: Wer am Ende die Trophäe in die Höhe stemmen will, wird bis an seine Grenzen gehen müssen.

Finals von Luke Humphries beim World Grand Prix

Jahr Gegner Ergebnis
2023 Gerwyn Price 5–2 Sieg
2024 Mike De Decker 4–6 Niederlage
2025 Luke Littler 1–6 Niederlage
2026 Gerwyn Price Noch nicht gespielt

Wade scheitert erneut kurz vor dem großen Ziel

James Wade gehört in dieser Saison zu den konstantesten Spielern bei den großen Turnieren. Der 43-jährige Engländer kann auf eine beeindruckende Bilanz zurückblicken: Bei den Majors, an denen er teilnahm, erreichte er zweimal das Viertelfinale, einmal das Halbfinale und einmal das Finale. Auch für einen Spieler mit Wades beeindruckender Vita ist das zweifellos eine starke Ausbeute. Dennoch bleibt vor allem ein Gefühl zurück: Wieder war er ganz nah dran – und wieder blieb die große Belohnung aus.
Wade zählt mittlerweile zu den erfahrensten Akteuren auf der PDC-Tour. Elf Majortitel hat der Engländer im Laufe seiner Karriere bereits gesammelt, seit 2021 wartet er jedoch auf Nummer zwölf. Eine bemerkenswert lange Durststrecke, die zunehmend ins Auge fällt – insbesondere, weil „The Machine“ auch in dieser Saison mehrfach bewiesen hat, dass er auf den größten Bühnen noch immer weit kommen kann.
Beim World Grand Prix schien der Moment für den nächsten großen Triumph endlich gekommen zu sein. Wade überzeugte im Turnierverlauf auf ganzer Linie und erntete für seine Auftritte von allen Seiten Anerkennung. Der Tenor war eindeutig: „The Machine“ spielte herausragend. Seine Auftritte wirkten entschlossen und zwingend, Wade strahlte großes Selbstvertrauen aus – und plötzlich schien der erste Majorsieg nach fünf Jahren des Wartens wieder zum Greifen nah.
Auch im Halbfinale gegen Luke Humphries enttäuschte Wade keineswegs. Der Engländer hielt sein hohes Niveau und verlangte seinem Landsmann einiges ab. In den entscheidenden Momenten war Humphries letztlich jedoch den entscheidenden Tick stärker. Mit einem 5:3-Erfolg löste „Cool Hand Luke“ sein Ticket für das Finale, während für Wade eine weitere vielversprechende Major-Kampagne kurz vor dem großen Ziel endete.
Genau das dürfte die Niederlage für Wade besonders bitter machen. Einmal mehr hat er bewiesen, dass er weiterhin um die größten Titel mitspielen kann. Doch wenn die Entscheidung naht, bleibt der ersehnte zwölfte Majortitel außer Reichweite. Ein Muster, das sich in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt hat: Wade kommt dem nächsten großen Triumph bemerkenswert nahe, doch der entscheidende letzte Schritt zur Trophäe fehlt weiterhin.
James Wade blickt enttäuscht.
James Wade präsentierte sich beim World Grand Prix erneut in starker Form, musste seinen Traum vom zwölften Majortitel nach der 3:5-Halbfinalniederlage gegen Luke Humphries jedoch begraben.
Hinzu kommt eine weitere verpasste Gelegenheit. Durch das überraschend frühe Ausscheiden von Luke Littler war das Rennen um den Titel diesmal völlig offen. Der Weltmeister hatte sich in den vergangenen Jahren für zahlreiche Topspieler als nahezu unüberwindbare Hürde erwiesen. Sein frühes Aus eröffnete Wade und den übrigen Titelanwärtern daher eine ideale Chance.
Doch auch diese Gelegenheit ließ Wade ungenutzt. Im Halbfinale war für den Engländer Endstation – nur einen Sieg vom Endspiel und damit von einer weiteren Chance auf die begehrte Trophäe entfernt.
Den starken Gesamteindruck, den Wade beim World Grand Prix hinterlassen hat, schmälert dieses Ausscheiden dennoch kaum. Der 43-Jährige hat einmal mehr bewiesen, dass er weiterhin zu jenen Spielern gehört, die ihren Gegnern auch auf den größten Bühnen erhebliche Probleme bereiten können. Und doch bleibt vorerst dieses hartnäckige Gefühl zurück, dem ganz großen Erfolg erneut denkbar nahe gekommen zu sein.
Wieder war James Wade kurz davor. Wieder schien der zwölfte Majortitel zum Greifen nah. Und wieder muss sich „The Machine“ damit abfinden, dass am Ende nur wenig zum ersehnten Triumph gefehlt hat.

Ergebnisse von James Wade bei PDC-Majors in der Saison 2026

Major Ergebnis Ausgeschieden gegen Resultat
World Masters Viertelfinale Gian van Veen 2–4
UK Open Finale Luke Littler 7–11
Premier League Darts Nicht nominiert — —
World Matchplay Viertelfinale Gian van Veen 13–16
World Grand Prix Halbfinale Luke Humphries 3–5

Auch in der Weltrangliste steht einiges auf dem Spiel

Im Finale des World Grand Prix geht es am Sonntagabend nicht nur um den prestigeträchtigen Titel und das damit verbundene Preisgeld. Auch mit Blick auf die Weltrangliste besitzt das Duell zwischen Gerwyn Price und Luke Humphries große Bedeutung. Während bereits feststeht, dass Price unabhängig vom Ausgang des Endspiels nach dem Turnier den vierten Platz der Weltrangliste belegen wird, kämpft Humphries zugleich um seine aktuelle Position.
Der Engländer geht als Weltranglistenzweiter ins Finale, kann diesen Platz allerdings nur mit einem Triumph beim World Grand Prix verteidigen. Sollte Humphries das Endspiel verlieren, würde Gian van Veen an ihm vorbeiziehen und auf Rang zwei vorrücken – dies ist in der unten stehenden, virtuellen Order of Merit bereits zu sehen. Für den Niederländer wäre diese Position keineswegs Neuland: Bereits im Laufe dieses Jahres hatte van Veen den zweiten Platz der Weltrangliste inne.

Aktuelle Weltrangliste vor dem Finale des World Grand Prix 

Rang +/- Name Preisgeld R1 R2 VF HF F T
1 Luke Littler 3124 3124
2 +1 Gian van Veen 1029,75 1002,25 1014,75 1029,75
3 -1 Luke Humphries 1011 938,5 951 966 981 1011 1081
4 Gerwyn Price 793 720,5 733 748 763 793 863
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