Peter Wright, Dimitri Van den Bergh und Michael Smith. Drei Namen, die im vergangenen Jahr noch zu den 16 besten Spielern der Welt gehörten, inzwischen aber immer weiter in der Rangliste abgerutscht sind. Van den Bergh droht der schmerzhafteste Rückschlag. Der Belgier dürfte nach der Weltmeisterschaft seine PDC Tour Card verlieren, während Wright Ende des kommenden Jahres vor derselben Situation stehen könnte. Smith braucht derweil dringend eine Wende, um nicht noch weiter zurückzufallen.
Drei ehemalige Spitzenspieler, die inzwischen um ihren Platz in der Elite kämpfen. Sie sind jedoch längst nicht die ersten großen Namen, die innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit aus dem Rampenlicht verschwunden sind.
Glen Durrant: vom Premier-League-Sieger zum Verlust der PDC Tour Card
In den vergangenen Jahren feierten mehrere Spieler rasche Erfolge, verloren anschließend aber allmählich an Einfluss auf der Profitour. Einige verloren ihre PDC Tour Card, andere verschwanden von den großen TV-Bühnen. Manche erreichten ihr früheres Niveau nie wieder.
2020 gewann Glen Durrant die Premier League.
Mehrere bekannte Spieler haben die Tour in den vergangenen Jahren verlassen, darunter Phil Taylor, Adrian Lewis und Steve Beaton. Sie entschieden sich jedoch für den Rücktritt. Im Mittelpunkt stehen hier Spieler, die sportlich innerhalb kurzer Zeit aus dem Rampenlicht verschwanden.
Ein besonders deutliches Beispiel für den rasanten Absturz von der Weltspitze ist Glen Durrant. Der Engländer gewann dreimal die BDO-Weltmeisterschaft, bevor er 2019 zur PDC wechselte. Nur ein Jahr später holte er den Titel in der Premier League Darts. Durrants Zukunft schien glänzend, auch bei anderen großen TV-Turnieren performte er stark. Unter anderem erreichte er zweimal das Halbfinale des World Matchplay.
Doch kurz nach seinem größten PDC-Erfolg schlug das Pech zu. Nur zwei Wochen nach seinem Premier-League-Sieg infizierte sich Durrant mit Covid-19. Die Erkrankung beeinträchtigte sein Spiel erheblich, besonders seinen Wurf. Der Engländer kam seinem früheren Niveau nie wieder nahe. Seine Ergebnisse wurden schwächer und er fiel rasch in der Weltrangliste zurück.
Letztlich erwies sich der Abwärtstrend als unumkehrbar. 2022 verlor Durrant seine PDC Tour Card, kaum zweieinhalb Jahre nach seinem Triumph in der Premier League. Damit endete ein besonders schmerzhaftes Kapitel für einen Spieler, der kurz zuvor noch zur Weltspitze gehört hatte.
Seitdem trat Durrant einige Male auf der Seniorentour an, hinterließ dort aber nicht denselben Eindruck wie in seiner Bestzeit. Inzwischen hat er eine neue Rolle im Dartsport gefunden. „Duzza“ kommentiert und analysiert regelmäßig für Sky Sports die großen PDC-Turniere im Fernsehen. Außerdem arbeitete er eine Zeit lang für die Spielergewerkschaft PDPA. So blieb er dem Sport verbunden, in dem er einst seine größten Erfolge feierte – wenn auch in einer ganz anderen Funktion.
Glen Durrants Ergebnisse bei Weltmeisterschaften
Weltmeisterschaft
Jahr
Runde
Gegner
Ergebnis
BDO-Weltmeisterschaft
2014
Zweite Runde
Alan Norris
1:4
BDO-Weltmeisterschaft
2015
Halbfinale
Martin Adams
5:6
BDO-Weltmeisterschaft
2016
Viertelfinale
Scott Waites
4:5
BDO-Weltmeisterschaft
2017
Sieger
—
7:3 im Finale gegen Danny Noppert
BDO-Weltmeisterschaft
2018
Sieger
—
7:6 im Finale gegen Mark McGeeney
BDO-Weltmeisterschaft
2019
Sieger
—
7:3 im Finale gegen Scott Waites
PDC-Weltmeisterschaft
2020
Viertelfinale
Gerwyn Price
1:5
PDC-Weltmeisterschaft
2021
Vierte Runde (Achtelfinale)
Dirk van Duijvenbode
3:4
PDC-Weltmeisterschaft
2022
Zweite Runde
William O'Connor
0:3
World Seniors Championship
2023
Erste Runde
Mark Dudbridge
0:3
World Seniors Championship
2024
Erste Runde
Mark Dudbridge
2:3
Der rasante Absturz von „The Special One“
Jose de Sousa ist ein weiteres eindrucksvolles Beispiel für einen Spieler, der innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit von der Weltspitze in die Bedeutungslosigkeit abrutschte. Der Portugiese erhielt wegen seines ungewöhnlichen Finish-Stils den Spitznamen „The Special One“. Als er seine erste PDC Tour Card gewann, war er bereits 45 Jahre alt. Trotzdem dauerte es nicht lange, bis er sich unter den besten Spielern der Welt etabliert hatte.
Nur ein Jahr nach dem Gewinn seiner Tour Card erreichte De Sousa den Höhepunkt seiner Karriere. 2020 gewann er den Grand Slam of Darts und besiegte James Wade im Finale mit 16:12. Wie bei Glen Durrant schien auch für den Portugiesen alles möglich. Er bewies, dass er trotz seines späten Durchbruchs mit der Weltspitze mithalten konnte, und schien bereit, jahrelang eine wichtige Rolle bei den TV-Turnieren zu spielen.
2021 bestätigte De Sousa seinen Status mit dem Einzug ins Finale der Premier League Darts. Dort unterlag er Jonny Clayton letztlich mit 5:11. Auch 2022 zeigte der Portugiese seine Klasse: Er erreichte das Viertelfinale des World Matchplay und das Halbfinale des Masters.
Jose de Sousa gewann den Grand Slam of Darts 2020
Danach wurde es jedoch zunehmend schwieriger. De Sousa konnte nicht an seine früheren Erfolge anknüpfen und rutschte in der Weltrangliste immer weiter ab. Für die jüngste Weltmeisterschaft qualifizierte er sich über den Weg für Tour-Card-Inhaber, schied dort aber enttäuschend in der ersten Runde aus. Eine 1:3-Niederlage gegen Ricardo Pietreczko beendete seinen Auftritt.
Anschließend verlor De Sousa seine PDC Tour Card. Bei der Q-School gelang ihm die Rückeroberung nicht, sodass seine Zukunft auf höchstem Niveau ungewiss ist. Der inzwischen 52-jährige Portugiese hat mit seinem Grand-Slam-Sieg und dem Einzug ins Premier-League-Finale außergewöhnliche Fähigkeiten bewiesen. Ob „The Special One“ noch einmal auf der ProTour zu sehen sein wird, bleibt offen.
Jose de Sousas beste Ergebnisse bei PDC-Majors
Turnier
Jahr
Bestes Ergebnis
Finalgegner / Gegner beim Ausscheiden
Ergebnis
Grand Slam of Darts
2020
Sieger
James Wade
16:12
Premier League Darts
2021
Finale
Jonny Clayton
5:11
World Matchplay
2022
Viertelfinale
Gerwyn Price
14:16
The Masters
2022
Halbfinale
Joe Cullen
8:11
Weltmeisterschaft
2023
Achtelfinale
Gerwyn Price
1:4
European Championship
2021
Viertelfinale
Rob Cross
5:10
UK Open
2021
Achtelfinale
Michael van Gerwen
9:10
Players Championship Finals
2021
Viertelfinale
Brendan Dolan
4:10
World Grand Prix
2021
Achtelfinale
Jonny Clayton
1:3
World Series of Darts Finals
2021
Achtelfinale
Dimitri Van den Bergh
3:6
Dartitis bringt van Dongens Karriere aus der Bahn
Auch Jules van Dongen verdient eine Erwähnung. Der Niederländer tritt international für die Vereinigten Staaten an und überzeugte 2021 auf der WDF-Tour, wodurch er sich einen Platz bei der Weltmeisterschaft sicherte. Anfang 2022 gewann er außerdem eine PDC Tour Card und wechselte auf die Profitour.
Im selben Jahr durfte van Dongen noch bei der WDF-Weltmeisterschaft antreten. Obwohl er bereits eine PDC Tour Card besaß, gewährte ihm der Verband eine Ausnahmegenehmigung für das WDF-Turnier im April. In der zweiten Runde schied er mit einer 1:3-Niederlage gegen Ryan de Vreede aus.
Der Rechtshänder „Dutch Dragon“ zeigte bei der PDC zunächst, dass er über reichlich Talent verfügte. Ende 2023 verlor er seine Tour Card, holte sie sich bei der Q-School aber sofort zurück. Es schien, als könne van Dongen sich auf höchstem Niveau weiterentwickeln. Dann trat ein hartnäckiges Problem auf, das den Verlauf seiner Karriere veränderte.
Van Dongen litt an einer Form von Dartitis, bei der Spieler die Kontrolle über ihre Wurfbewegung teilweise verlieren. Das wirkte sich massiv auf sein Spiel aus. Der US-Amerikaner kam seinem früheren Niveau nicht mehr nahe, während seine Ergebnisse weiter zurückgingen.
Im vergangenen Jahr vertrat van Dongen die Vereinigten Staaten beim World Cup of Darts. Es sollte sein letzter Auftritt auf der großen Bühne sein. Um seine Probleme zu überwinden, versuchte er eine Zeit lang, mit der linken Hand zu werfen. Der Wechsel brachte ihn nicht auf das nötige Niveau, und eine Rückkehr auf die Profitour blieb bislang aus.
Van Dongens Geschichte zeigt auf schmerzhafte Weise, wie schnell eine Darts-Karriere eine andere Wendung nehmen kann. Nach seinem Durchbruch und dem Gewinn seiner Tour Card schien der Niederländer auf dem Weg zu regelmäßigen Einsätzen auf der PDC-Tour. Letztlich bremsten ihn Probleme mit seiner Wurfbewegung aus. Ob ihm noch einmal ein Comeback auf höchstem Niveau gelingt, ist offen.
Petersen glänzte eine Zeit lang, verlor dann aber rasch seine Tour Card
Auch Devon Petersen schien vor einigen Jahren den Sprung in die zweite Reihe des Profitarts zu schaffen, verschwand dann aber schnell aus dem Blickfeld. Der Südafrikaner war bereits einige Zeit auf der PDC-Tour unterwegs, als er zwischen 2019 und 2022 seine beste Phase erlebte. Unter der Anleitung des ehemaligen Profis Wayne Mardle machte Petersen große Fortschritte und zeigte bei den wichtigsten Turnieren, dass er mit der Weltspitze mithalten konnte.
Seinen Durchbruch bei der Weltmeisterschaft schaffte er 2019 mit dem Einzug ins Achtelfinale. Mit diesem Lauf hinterließ „The African Warrior“ einen starken Eindruck. In den folgenden Jahren legte er mit weiteren guten Ergebnissen nach: 2020 erreichte er das Halbfinale der European Championship und ein Jahr später das Viertelfinale der UK Open.
Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte Petersen 2020 mit dem Sieg bei der German Darts Championship. Im Finale bezwang der Südafrikaner Jonny Clayton und sicherte sich seinen ersten Titel auf der European Tour. Damit krönte er eine Phase, in der er sich auf höchstem Niveau einen Namen gemacht hatte. Außerdem vertrat er Südafrika mehrfach beim World Cup of Darts.
Dieses Niveau dauerhaft zu halten, erwies sich jedoch als schwierig. Kurz nach seinen starken Jahren ließ seine Form nach, und 2023 verlor Petersen seine PDC Tour Card. Zurückgewinnen konnte er sie bislang nicht, womit seine Zeit als regelmäßiger Spieler auf der ProTour endete.
Ganz aus dem Dartsport verschwunden ist Petersen nicht. 2024 gewann er die ADC Global Championship und blieb auch hinter den Kulissen aktiv. Zudem analysiert er regelmäßig für Sky Sports und teilt sein Wissen und seine Erfahrung mit den Zuschauern.
Auch wenn Petersen bei großen PDC-Turnieren nicht mehr regelmäßig antritt, kann er auf eine Phase mit einem European-Tour-Titel und mehreren starken Major-Auftritten zurückblicken. Seine Geschichte reiht sich in die von Spielern ein, die kurzzeitig an der Tür zur Weltspitze klopften, sich dort aber letztlich nicht festsetzen konnten.
Der World Cup of Darts wurde zu Hendersons Karrierehöhepunkt
John Henderson erreichte 2021 den Höhepunkt seiner Karriere. Gemeinsam mit seinem Landsmann Peter Wright gewann der Schotte den World Cup of Darts. Im Finale besiegten sie Österreich mit 3:1. Für Henderson war es ein besonderer Moment, nachdem er jahrelang auf höchstem Niveau gespielt hatte, ohne einen großen Einzeltitel zu gewinnen.
Devon Petersen gewann einen Titel auf der European Tour.
Doch Hendersons Geschichte nahm bald eine andere Wendung. 2022 verpasste er zum zweiten Mal in Folge die Qualifikation für die Weltmeisterschaft. Das war ein schwerer Rückschlag. Ende des Jahres verlor er zudem seine PDC Tour Card. Kaum eineinhalb Jahre nach seinem größten PDC-Erfolg musste Henderson die ProTour verlassen.
Der Schotte unternahm bei der Q-School mehrere Versuche, seine Tour Card zurückzugewinnen, blieb jedoch erfolglos. Bei den großen PDC-Turnieren gehörte er nicht mehr zum regelmäßigen Teilnehmerfeld. Henderson war aber noch lange nicht am Ende. Auf der Seniorentour zeigte er 2024 erneut, was in ihm steckt.
Dieses Jahr wurde zu einem besonders erfolgreichen Kapitel seiner Karriere. Henderson gewann die World Seniors Championship, das World Senior Matchplay und die World Senior Masters. Die drei Titel zeigten, dass er trotz seines Rückgangs bei der PDC weiterhin zu den stärkeren Spielern auf der Seniorentour gehörte.
Hendersons Karriere nahm damit einen bemerkenswert wechselhaften Verlauf. 2021 stemmte er gemeinsam mit Wright den World Cup, ein Jahr später verlor er seinen Platz auf höchster PDC-Ebene. Seine Erfolge bei den Senioren boten ihm anschließend eine neue Bühne, auf der er sein Können zeigen konnte. Aus dem Dartsport ist der Schotte längst nicht verschwunden.
BDO-Star gewinnt früh einen ProTour-Titel, doch der Beruf hat Vorrang
Die Erwartungen waren hoch, als Jim Williams 2022 seine PDC Tour Card gewann. Der Waliser hatte seine Klasse bereits bei der BDO bewiesen: Er gewann die World Trophy und erreichte das Finale der BDO-Weltmeisterschaft. Viele wollten wissen, ob er sich auch bei der PDC regelmäßig in der Spitze etablieren könnte.
Williams legte einen starken Start hin. Nur sechs Players Championship-Turniere nach dem Gewinn seiner Tour Card holte er seinen ersten Titel. Er bewies, dass er mit den etablierten Namen auf höchstem Niveau mithalten konnte. Kurzzeitig schien er dem Weg seines guten Freundes Glen Durrant zu folgen, der nach dem Wechsel von der BDO zur PDC ebenfalls schnell erfolgreich war.
Rückblickend ist der Vergleich aus einem weiteren Grund bemerkenswert. Wie Durrant verschwand auch Williams nach einer vielversprechenden Phase vergleichsweise schnell aus dem Blickfeld. Zunächst blieb der Waliser konkurrenzfähig, konnte aber nicht an seinen starken Start anknüpfen. Bei der Weltmeisterschaft 2024 erreichte er das Achtelfinale, danach wurde es zunehmend schwieriger.
2025 verlor Williams schließlich seine PDC Tour Card. Auch seine beruflichen Verpflichtungen erschwerten es ihm, sich ganz auf seine Darts-Karriere zu konzentrieren. Für einen Spieler, der bei seinem Einstieg in die ProTour sofort auf sich aufmerksam gemacht hatte, war das ein enttäuschender Ausgang.
Seitdem gibt es nur wenige Nachrichten über den Waliser. Er gehörte zu den Besten der BDO und gewann bei der PDC auf Anhieb einen Titel, ist in jüngster Zeit auf der internationalen Darts-Bühne aber deutlich seltener zu sehen. Ob Williams einen Versuch wagt, auf höchstes Niveau zurückzukehren, bleibt abzuwarten.
Florian Hempel: Der frühere Handballprofi sorgte auf der großen Darts-Bühne für Überraschungen
Auch Florian Hempel sorgte vor einigen Jahren auf der PDC-Bühne für unvergessliche Momente, ist inzwischen aber weitgehend aus dem Blickfeld verschwunden. Der Deutsche hatte einen ungewöhnlichen Werdegang: Bevor er sich ganz auf Darts konzentrierte, spielte er professionell Handball. 2021 gewann er eine PDC Tour Card und gab ein Jahr später sein Debüt bei der Weltmeisterschaft.
Hempel machte sofort auf sich aufmerksam. In einer der größten Überraschungen des Turniers warf der Deutsche den an Position fünf gesetzten Dimitri Van den Bergh in der zweiten Runde aus dem Wettbewerb. Damit rückte er in den Blick einer breiteren Öffentlichkeit. Auf der Bühne wirkte Hempel besonders sicher und galt bald als Spieler, der bei den größten Turnieren über sich hinauswachsen konnte.
Zwei Jahre später bewies er es erneut. Hempel und Van den Bergh trafen in der zweiten Runde der Weltmeisterschaft 2024 aufeinander, und wieder setzte sich der Deutsche durch. Damit wiederholte er seine Überraschung von 2021 auf bemerkenswerte Weise und unterstrich seine Fähigkeit, auf der größten Bühne des Sports zu liefern.
Anschließend war Hempel noch einige Zeit auf höchstem Niveau aktiv. Anfang 2025 nahm er beispielsweise am Masters teil. Doch es gelang ihm nicht, aus seinen großen Momenten einen dauerhaften Aufstieg in der Weltrangliste zu machen. Nachdem er die Qualifikation für die Weltmeisterschaft verpasst hatte, verlor er schließlich seine PDC Tour Card.
Damit endete vorerst seine Zeit als regelmäßiger ProTour-Spieler. Seitdem gibt es nur wenige Nachrichten über den Deutschen, obwohl er bei der Weltmeisterschaft innerhalb weniger Jahre zweimal denselben Gegner besiegt hatte. Seine Geschichte zeigt, wie schwer es ist, vereinzelte Erfolge auf der großen Bühne in eine lange Karriere an der Spitze umzuwandeln.
Die vielen Reisen fordern ihren Tribut bei Matt Campbell
Florian Hempel sorgte bei der Weltmeisterschaft für große Überraschungen
Auch Matt Campbell schien vor einigen Jahren auf dem Weg zu einem Stammplatz auf der PDC-Tour. Der Kanadier überzeugte 2021 auf der Challenge Tour, gewann drei Turniere und beendete die Saison an der Spitze der Rangliste. Damit sicherte er sich eine PDC Tour Card und die Chance, sich auf höchstem Niveau zu beweisen.
Campbell nutzte diese Gelegenheit. In seinem ersten Jahr auf der ProTour zeigte er sofort, dass er mit den etablierten Namen mithalten konnte. Beim Players Championship 13 erreichte er das Finale, in dem Nathan Aspinall mit 8:5 zu stark war. Auch international machte Campbell auf sich aufmerksam: Er vertrat Kanada mehrfach beim World Cup of Darts und sorgte 2022 bei großen Turnieren für einige starke Auftritte.
In jenem Jahr erreichte Campbell sowohl bei den Players Championship Finals als auch bei den World Series of Darts Finals das Achtelfinale. Diese Ergebnisse deuteten darauf hin, dass er sich bei größeren Turnieren zu einem gefährlichen Außenseiter entwickeln könnte.
Dieses Niveau zu halten, erwies sich jedoch als sehr schwierig. Campbell lebte in Kanada und musste für die PDC-Turniere nach Europa reisen. Die häufigen Reisen und die Anforderungen der Profitour erschwerten es ihm, seine Leistungen konstant abzurufen. Seine Ergebnisse wurden schwächer, und nach der jüngsten Weltmeisterschaft verlor er schließlich seine PDC Tour Card.
Damit endete vorerst seine Zeit auf höchstem Niveau. Seitdem ist Campbell bei keinem PDC-Turnier mehr angetreten. Seine starken Ergebnisse auf der Challenge Tour und sein vielversprechender Start auf der ProTour hatten gezeigt, dass er das Potenzial besaß, sich unter den besseren Spielern zu etablieren. Seine Geschichte macht aber auch deutlich, dass eine Profikarriere im Dartsport mehr als Talent erfordert: Die praktischen Umstände können für den Karriereaufbau eine große Rolle spielen.
Auch Jamie Hughes schien nach seinem Wechsel von der BDO zur PDC eine glänzende Zukunft vor sich zu haben, verschwand dann aber allmählich aus dem Blickfeld. Der Engländer hatte sich schon vor seinem Wechsel zur PDC einen guten Ruf erarbeitet. 2014 gewann er die Finder Masters und erreichte das Finale der World Masters. Außerdem stand er zweimal im Halbfinale der BDO-Weltmeisterschaft. Als er 2019 seine PDC Tour Card gewann, verfügte er also bereits über reichlich Erfahrung auf höchstem Niveau.
Hughes, genannt „Yozza“, ließ bei der PDC nicht lange auf sich warten. In seinem ersten Jahr als Tour-Card-Inhaber gewann er die Czech Darts Open, ein Turnier der European Tour. Damit bewies er, dass er die etablierten PDC-Spieler schlagen konnte. Ein Jahr später erreichte er das Viertelfinale der UK Open.
Diese Ergebnisse brachten Hughes in die Nähe der Top 32 der Weltrangliste. Es sah danach aus, als könnte er sich unter den besseren Spielern der Tour festsetzen und vielleicht sogar den nächsten Schritt in Richtung Weltspitze machen.
Auch Anfang 2023 gab es zunächst kaum Anzeichen für Schwierigkeiten. Hughes erreichte das Finale des ersten Players Championship-Turniers des Jahres, unterlag dort aber Michael Smith. Danach begann seine Form nachzulassen. Die starken Ergebnisse blieben aus, und der Engländer rutschte in der Weltrangliste ab.
Der Rückgang war so deutlich, dass Hughes 2024 seine PDC Tour Card verlor. Damit endete vorerst seine Zeit als regelmäßiger ProTour-Spieler. Ganz aus dem Dartsport ist er nicht verschwunden und trat seitdem auf der Challenge Tour an. Auf die höchste Ebene ist er jedoch noch nicht zurückgekehrt, da es ihm nicht gelang, seine Tour Card zurückzugewinnen.
Für Hughes ist das eine enttäuschende Wendung in einer Karriere, die bei der PDC so vielversprechend begonnen hatte. Er hat bewiesen, dass er auf diesem Niveau bestehen kann: mit einem European-Tour-Titel, dem Viertelfinale der UK Open und einem ProTour-Finale. Nun muss er die nötige Konstanz finden, um auf die Tour zurückzukehren, auf der er sich vor einigen Jahren den Top 32 der Welt näherte.
Julian Grille ist Redakteur bei Dartsnews.de und beschäftigt sich seit 2019 intensiv mit dem professionellen Dartsport. Für Dartsnews.de berichtet er über aktuelle Entwicklungen, Turniere und weitere Ereignisse aus der Welt der PDC und des internationalen Dartsports.
Erste journalistische Erfahrung im Darts sammelte Julian bereits 2023 bei einem Darts-Magazin. Darüber hinaus produziert er regelmäßig eigene Inhalte rund um den Sport und veröffentlicht diese unter dem Namen @Darty_8 auf Social Media. Dadurch verfolgt er das Geschehen im professionellen Darts nicht nur redaktionell, sondern setzt sich auch abseits seiner Arbeit kontinuierlich mit dem Sport auseinander.
Parallel zu seiner redaktionellen Tätigkeit studiert Julian Sportjournalismus in Potsdam. Dabei verbindet er seine journalistische Ausbildung mit seiner langjährigen Begeisterung und seinem Fachwissen für den Dartsport.