Vincent van der Voort zieht ein positives, aber differenziertes Fazit zu den World Series of Darts Finals in Amsterdam. Der ehemalige Profi sieht in dem Turnier vor allem ein Vehikel, um Darts weltweit zu promoten. Über reine Leistungen lässt sich das Teilnehmerfeld seiner Meinung nach kaum rechtfertigen.
In der Podcast-Sendung "Darts Draait Door" blickte Van der Voort auf ein langes Wochenende in Amsterdam zurück. Das Finale zwischen Ross Smith und Gerwyn Price konnte ihn dabei nicht restlos überzeugen. Smith setzte sich am Ende deutlich mit 11:5 durch, nachdem beide Finalisten bis zur Mitte der Partie auf Augenhöhe gekämpft hatten.
Smith überzeugt mit starkem zweiten TV-Titel
„Ich finde, es war insgesamt ein wirklich schönes Turnier. Wir haben unterhaltsame und starke Partien gesehen. Das Finale war inhaltlich etwas schwächer", urteilte Van der Voort. „Ross Smith war einfach sehr gut, aber bis 5:5 war es spannend, und danach war es gelaufen. Das siehst du bei Finals natürlich öfter, dass es recht einseitig wird."
Die Deutlichkeit von Smiths Sieg hatte Van der Voort im Vorfeld nicht erwartet. „Ich hätte nur nicht gedacht, dass Ross Smith im Finale so gut sein würde. Aber es ist stark von ihm. Sein zweiter TV-Titel, und er hat natürlich ein großartiges Jahr. Einfach verdient gewonnen."
Handverletzung bremst Van Duijvenbode aus
Auch Dirk van Duijvenbode kam in der Sendung zur Sprache. Der Niederländer scheiterte im Viertelfinale an Gian van Veen, hatte im Laufe des Matches aber durchaus Chancen, die Partie für sich zu entscheiden. Van der Voort glaubt trotzdem nicht, dass sein Landsmann im Nachhinein das Gefühl hat, das gesamte Turnier hätte gewinnen können. „Klar ärgerst du dich immer, denn er hätte dieses Spiel schon gewinnen können. Aber ich denke nicht, dass Dirk das Gefühl hat, er hätte dieses Turnier holen können."
Van der Voort verweist dabei vor allem auf die Handverletzung, mit der Van Duijvenbode zu kämpfen hatte. „Wenn du schon Probleme mit der Hand hast, wird das im Laufe so eines Tages nicht besser. Es ist wieder eine Blessur, und die hält dich eben doch davon ab, dich weiterzuentwickeln."
Dirk van Duijvenbode erreichte trotz Blessur das Viertelfinale bei den World Series Finals
Van Duijvenbode versucht laut seinem Landsmann weiterhin, zu der Form von vor einigen Jahren zurückzufinden, mit der er unter anderem das Finale des World Grand Prix erreichte. „Er sucht weiterhin diese Form von vor ein paar Jahren, als er das Finale beim World Grand Prix erreichte. Dieses leichte Scoring und die vielen 180er, das ist ein bisschen weg. Ich denke, er will so schnell wie möglich wieder dorthin, und da hilft eine Blessur natürlich nicht."
Van Duijvenbode sprach beim Turnier zudem über die Chancen, die Spieler aus anderen Teilen der Welt über die World Series erhalten. Er verwies dabei auf die Opfer, die etwa Spieler aus Australien bringen müssen, um überhaupt eine Profikarriere im Darts zu verfolgen.
Van der Voort kennt dieses Gefühl aus der eigenen Laufbahn nur zu gut. „Hundert Prozent. Absolut. Die Players Championship Finals wurden früher immer Anfang Dezember ausgetragen, und mein Sohn hat am 02.12. Geburtstag. Da war ich einfach nie da. Aber ich habe keinen Moment daran gezweifelt, ob ich absagen sollte, denn ich musste weitermachen. Es war wichtig für meine Karriere. Du musst auch egoistisch sein."
Selbst bei wichtigen persönlichen Momenten machte Van der Voort während seiner aktiven Zeit kaum Ausnahmen. „Manche Turniere sind einfach wichtiger. Mein eigener Geburtstag fällt immer in die WM."
Zu seinem vierzigsten Geburtstag wollte er einmal eine Ausnahme machen. Van der Voort plante zu Hause eine Feier und bat die PDC darum, ihn nicht ausgerechnet an diesem Tag anzusetzen. „Ich habe die PDC damals gefragt: Würdet ihr mich nicht am achtzehnten ansetzen? Der siebzehnte oder neunzehnte war mir egal, aber am achtzehnten hatte ich meinen Geburtstag geplant. Du hast anderthalb Wochen für die erste Runde und kannst mich überall hinsetzen. Und diese Blutsauger setzen mich einfach auf den achtzehnten", erzählte er lachend.
Sein Fazit zum Leben als Profidarter fällt entsprechend eindeutig aus. „Wenn du etwas erreichen willst, musst du einfach sehr viele Opfer bringen."
Kritik an der sportlichen Fairness der World Series
Bei der Ausrichtung der World Series of Darts Finals zeigt sich Van der Voort zwiegespalten. Er erkennt den Mehrwert des Events für Spieler außerhalb Europas an, hält die Qualifikation für das Endturnier sportlich aber nur schwer für vollständig gerechtfertigt. „Am Ende ist es ein Showturnier. Und es ist für diese Spieler auch gut. Aber wenn du es komplett fair machen willst, dann ist es das natürlich nicht."
Van der Voort verweist dabei auf die stark unterschiedlichen Leistungen, mit denen Spieler in Amsterdam antraten. „Derjenige, der das Turnier gewinnt, hat zu Hause bei der World Series kein Match gewonnen. Manche Spieler sind jedes Mal in der ersten Runde ausgeschieden. Manche haben gar nicht mitgespielt und stehen dann im Viertelfinale des Turniers. Das passt alles nicht."
Für Van der Voort hängt die Bewertung der World Series letztlich vom Ziel ab, das die PDC damit verfolgt. „Wenn es dazu gedacht ist, Darts zu promoten und zu schauen, ob man irgendwo aus dem Rest der Welt Spieler herausholen kann, dann ist es gut."
Der Ex-Profi würde zudem gerne erleben, dass ein Spieler außerhalb der traditionellen Dartsnationen tatsächlich in die absolute Weltspitze durchbricht. Genau das erweist sich seiner Ansicht nach bislang als besonders schwierig.
„Dafür musst du irgendwann ein extremes Talent finden. Das hatten sie natürlich mit Corey Cadby. Aber der erwies sich einfach als völlig durchgeknallt. Und das ist schade, denn das hätte einer sein können."
Auch aus anderen Regionen sieht Van der Voort vorerst keinen Spieler, von dem er erwartet, dass er die Weltspitze angreift. „Aus Amerika haben wir einfach nichts. Und es ist auch nicht so, dass wir das Gefühl haben, da kommt etwas. Sie waren in Skandinavien, aber auch dort ist es noch nicht so, dass einer kommt, bei dem du sagst: Der wird die Weltspitze attackieren."
Über Asien äußert sich Van der Voort dagegen etwas positiver. Vor allem Motomu Sakai hat ihn bei den World Series Finals beeindruckt. „Aus Asien werden sie schon stetig besser. Sakai fand ich in der ersten Runde gegen Rydz richtig gut. Aber auch dort haben wir noch niemanden, von dem wir sagen: Der macht es."
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Dartsnews.de und berichtet dort über den professionellen Dartsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erstellung von Liveblogs zu großen Turnieren und wichtigen Ereignissen, darunter die European Tour und die PDC World Darts Championship (WM). Dabei begleitet er das Geschehen in Echtzeit und ordnet Ergebnisse, Spielverläufe und Entwicklungen fortlaufend ein. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um die internationale Darts-Szene.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit Nicolas Gayer und Oliver Ried vernetzt. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.