Die Netflix-Show „Beat
Luke Littler“ hat für reichlich
Gesprächsstoff gesorgt –
und mit Fallon Sherrock eine Siegerin hervorgebracht,
die sich über ein Preisgeld von 501.000 Pfund freuen durfte. Bereits im Vorfeld
war ihre Teilnahme kontrovers diskutiert worden. Schließlich hatte die
Engländerin in ihrer Karriere bereits große Erfolge gefeiert und gilt trotz
fehlender PDC Tour Card kaum als klassische Amateurspielerin. Dass ausgerechnet
sie den zweifachen Weltmeister Luke Littler bezwingen und den Hauptpreis
gewinnen würde, verlieh der Debatte zusätzliche Brisanz.
Während einige Fans die Teilnahme Sherrocks kritisch
betrachteten, entwickelte sich ihr Triumph für andere zu einer bewegenden
Erfolgsgeschichte. Gemeinsam mit ihrem Sohn Rory stand die „Queen of the
Palace“ auf der Bühne und durfte einen lebensverändernden Gewinn feiern. Doch
wie fällt das Fazit innerhalb unserer Redaktion aus? Welche Aspekte der
Veranstaltung überzeugten, wo offenbarte das Format Schwächen und was müsste
bei einer möglichen Neuauflage verbessert werden?
Netflix, Fallon Sherrock und die Zukunft des Formats:
Unsere Redaktion zieht Bilanz
War es überhaupt die richtige Entscheidung, Sherrock als
Herausforderin zuzulassen? Wie überzeugend präsentierten sich die aufwendige
Produktion und das Moderationsteam? Und sollte es tatsächlich eine zweite
Ausgabe von „Beat Luke Littler“ geben, wie Littler selbst bereits angedeutet
hat? Unsere Redakteure ordnen die Veranstaltung aus unterschiedlichen
Perspektiven ein.
Fallon Sherrock sorgt bei „Beat Luke Littler“ für die Sensation und gewinnt 501.000 Pfund. Der Triumph der „Queen of the Palace“ spaltet die Meinungen in der Dartswelt.
„Sherrock kann auf nahezu jeder großen Darts-Bühne der
Welt bestehen“
Nicolas Gayer, Redakteur bei DartsNews.DE, zeigt
sich insbesondere von der hochwertigen Inszenierung der Netflix-Produktion
beeindruckt und zollt
Fallon Sherrock für ihren Auftritt großen Respekt.
„Ich möchte mich kurzfassen, denn zur Veranstaltung
selbst habe ich gar nicht allzu viel zu sagen. Was mich allerdings wirklich
beeindruckt hat, war die Produktion. Angefangen bei der Austragungsstätte über
das Expertenpanel bis hin zum Walk-on-Tunnel, der direkt hinter der Bühnenmitte
positioniert war. Dazu kamen natürlich die hochwertige Übertragung und die
erstklassige Kameraführung, wie man sie von Netflix erwarten darf.
Genau deshalb stehe ich Veranstaltungen dieser Art
grundsätzlich sehr offen gegenüber. Sie schaden dem Sport nicht und können ihm
im besten Fall einen frischen Anstrich verleihen. Schließlich unterscheidet
sich die Präsentation der meisten Dartsturniere von Veranstaltung zu
Veranstaltung kaum. Netflix hat sich als völliger Neuling in die Welt der
Darts-Übertragungen gewagt und das Ganze mit einem unverbrauchten Blick von
außen angepackt. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen.
Was Fallon Sherrock betrifft, kann ich nur sagen: Hut ab!
Eine halbe Million Pfund stand auf dem Spiel, und alles, was die ‚Queen of the
Palace‘ brauchte, waren zwei Darts auf Tops. Einmal mehr hat sie bewiesen, dass
sie für die ganz großen Bühnen gemacht ist. Zwar hatte die Engländerin in den
vergangenen Jahren bei Floor-Turnieren wie der Challenge Tour und der Q-School
sichtlich Schwierigkeiten, auch nur in die Nähe des Profizirkus vorzudringen.
Trotzdem habe ich absolut keinen Zweifel daran, dass man Sherrock auf nahezu
jede der größten Darts-Bühnen der Welt stellen könnte und sie dort mehr als
konkurrenzfähig wäre. Mir fallen auf Anhieb einige Spieler aus den Top-32 der
Weltrangliste ein, die eine Menge Geld dafür bezahlen würden, über genau diese
Qualität zu verfügen.“
„Sherrock wurde die Chance genommen, das Geld zu
verdienen, das ihr zugestanden hätte“
Samuel Gill, Chefredakteur von DartsNews.com,
freut sich über den Triumph von Fallon Sherrock, sieht bei der Umsetzung der
Show allerdings noch Verbesserungspotenzial.
„Ich habe ‚Beat Luke Littler‘ verfolgt und für DartsNews
auch darüber berichtet. Insgesamt war die Veranstaltung gut, stellenweise
allerdings auch ziemlich zäh. Gary Lineker hat für mich als Moderator nicht
funktioniert. Das erinnerte mich an Caroline Barker bei der Champions League of
Darts, als sie einen Neundarter mit 180, 180 und 180 beschrieb. Legs als Frames
zu bezeichnen, Spieler nicht bei ihren richtigen Namen zu nennen und generell
nach dem Prinzip vorzugehen, einen prominenten Namen aus einer anderen Sportart
zu verpflichten, der sich mit Darts kaum auskennt, um eine solche Sendung zu
moderieren – das überzeugt mich nicht.
Abgesehen davon war das Team rund um die Übertragung
hervorragend besetzt. Mit Rod Studd und Chris Mason waren echte Darts-Experten
dabei, während Laura Turner durch ihre Arbeit bei Sky Sports mittlerweile über
reichlich Erfahrung verfügt. Lee Mack besitzt genau das richtige Gespür für
Comedy und kennt sich gleichzeitig mit Darts aus. Und AngryGinge hat auch
persönlich eine enge Verbindung zu Littler.
Das Format funktioniert für mich in gewisser Weise, in
anderer Hinsicht aber auch nicht. Meiner Meinung nach hat die Veranstaltung
gezeigt, dass durchaus Interesse an einem Darts-Royal-Rumble und anderen
außergewöhnlichen Turnierformaten besteht, bei denen der jeweilige Sieger auf
der Bühne bleibt. Auch die Austragungsstätte passte hervorragend zum Dartsport.
Allerdings wurde der Spielfluss durch die zahlreichen Einspieler zwischen den
Legs immer wieder unterbrochen, wodurch die Show zeitweise ziemlich belanglos
wirkte. Bei einer Neuauflage müsste man das deutlich straffen.
Fallon Sherrock hat gewonnen, und ich halte die Kritik,
die ihr aus Teilen der Dartswelt entgegenschlägt, für ungerechtfertigt und
ziemlich einfallslos. Sie hat ihre Chance genutzt – als Spielerin, die noch nie
eine Tour Card besessen hat und in den entscheidenden Momenten über sich
hinauswachsen kann. Wäre sie nicht dabei gewesen, hätten möglicherweise
Mitchell Lawrie oder Ashley Coleman gewonnen, die beide schon länger als große
Talente gelten. Hätte Lawrie dieselbe Kritik einstecken müssen? Vielleicht bis
zu einem gewissen Grad, aber wohl kaum in diesem Ausmaß.
Durch die COVID-Pandemie wurde Sherrock die Gelegenheit
genommen, nach ihrem Durchbruch im Rampenlicht das Geld zu verdienen, das ihr
eigentlich zugestanden hätte. Deshalb gönne ich ihr diesen Erfolg von Herzen,
gerade weil sie ihn auch für ihre Familie und ihren Sohn errungen hat.
Gleichzeitig zeigt die Veranstaltung, wie weit sich dieser großartige Sport
inzwischen entwickelt hat. Heute diskutieren wir über die unterschiedlichsten
Sonderformate. Als jemand, der seit beinahe zehn Jahren über Darts berichtet,
hätte ich mir eine solche Entwicklung damals kaum vorstellen können. Auch wenn
sich der Abend stellenweise in die Länge gezogen hat, würde ich gerne weitere
Veranstaltungen dieser Art sehen.“
Irreführende Werbung und umstrittene Teilnehmer: Nicht
alles überzeugte
Lucas Michael, Redakteur bei DartsNews.com, sieht
die Show als weiteren Beleg für den enormen Einfluss von Luke Littler auf den
Dartsport. Bei der Auswahl der Teilnehmer und der Vermarktung der Veranstaltung
bleibt er allerdings zwiegespalten.
Luke Littler stand bei seiner eigenen Netflix-Show „Beat Luke Littler“ im Mittelpunkt, musste sich am Ende jedoch Fallon Sherrock geschlagen geben.
„Ob man ‚Beat Luke Littler‘ nun liebt oder hasst: Niemand
kann ernsthaft bestreiten, dass eine solche Veranstaltung dem Dartsport guttut.
Und wer das nicht erkennt, muss sich vielleicht fragen, ob er überhaupt ein
Dartsfan ist.
Wenn man das große Ganze betrachtet, hat Littler den
Sport seit seinem Durchbruch bei der PDC World Darts Championship 2024 in
Bereiche geführt, die zuvor unerreichbar schienen. Der 19-Jährige gewinnt
praktisch alles, was der Dartsport zu bieten hat, und entwickelt sich dabei
kontinuierlich weiter.
Von steigenden Preisgeldern bis hin zu zusätzlichen
Turnieren versucht die PDC, mit dem sogenannten ‚Littler-Effekt‘ Schritt zu
halten. Der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung ist nun eine Netflix-Show
mit Gary Lineker und Richard Osman. Ich sage bewusst ‚vorläufig‘, denn niemand
weiß, welche Türen Littler als Nächstes öffnen wird.
Natürlich muss ‚Beat Luke Littler‘ nicht jedem gefallen.
Mich persönlich hat die Sendung trotz der allgegenwärtigen Werbung, mit der
Netflix die sozialen Medien überzogen hat, nicht besonders angesprochen.
Dennoch zeigt dieses Format eindrucksvoll, dass Darts endgültig im Mainstream
angekommen ist und inzwischen eine breite Öffentlichkeit erreicht. Die Menschen
schalten längst nicht mehr ausschließlich zur PDC World Darts Championship ein.
Darts hat einen gewaltigen Aufschwung erlebt, und daran hat Littler einen
entscheidenden Anteil.
Was die Veranstaltung selbst betrifft, muss man
berücksichtigen, dass es sich um die erste Ausgabe dieser Art handelte. Fehler
waren deshalb beinahe unvermeidlich. Die irreführende Werbung von Beginn an hat
allerdings viele Fans verärgert. Auch bei der Zusammenstellung des
Teilnehmerfeldes bin ich hin- und hergerissen. Natürlich wäre es lustig und
unterhaltsam gewesen, zwanzig zufällig ausgewählte, völlig überforderte
Kneipenspieler am Oche gegen die Nummer eins der Welt antreten zu lassen.
Allerdings hätten diese vermutlich nicht einmal 301 Punkte erzielt, geschweige
denn ein Leg über 501 Punkte gewonnen. Deshalb kommen Spielerinnen und Spieler
wie Fallon Sherrock und Mitchell Lawrie ins Spiel. Gleichzeitig empfinde ich
auch diese Auswahl als etwas übertrieben. Dass es so kommen würde, war
allerdings absehbar: Netflix wollte möglichst viel Geld verdienen und ein noch
größeres Publikum erreichen. Auch das unterstreicht, wie sehr Darts
mittlerweile im Mainstream angekommen ist.
Sherrocks entscheidendes Leg verdient auf jeden Fall
besondere Anerkennung. Genau darin lag schließlich das Risiko dieses Formats.
Littler ist ein herausragender Spieler, aber eben auch nur ein Mensch. Früher
oder später musste ihm ein schwaches Leg unterlaufen, und für den
Spannungsbogen der Sendung war es ein Glücksfall, dass dies erst in der
entscheidenden Phase passierte. Vielleicht hätte Sherrock gar nicht zu den
Herausforderern gehören sollen. Aber sie hat dem zweifachen Weltmeister ein Leg
abgenommen und wurde dafür belohnt.“
„Aus Sicht der PDC hätte der Abend kaum besser laufen
können“
Mats Leering, Redakteur bei DartsNieuws.com,
betrachtet die Veranstaltung vor allem aus kommerzieller Perspektive. Seiner
Meinung nach hätte sich die PDC kaum eine bessere Siegerin als Fallon Sherrock
wünschen können.
„Meiner Ansicht nach war ‚Beat Luke Littler‘ ein riesiger
Erfolg. Zwar muss ich zugeben, dass ich die Veranstaltung persönlich nicht
besonders unterhaltsam fand, doch aus kommerzieller Sicht dürfte sie ein
absoluter Volltreffer gewesen sein. Dass ausgerechnet Fallon Sherrock den Sieg
gegen Littler davontrug, machte die Geschichte noch bedeutender. Aus Sicht der
PDC hätte der Abend wohl kaum besser laufen können.
Viele hatten im Vorfeld erwartet, dass Littler ein Leg
nach dem anderen souverän für sich entscheiden würde. Doch schon früh wurde
deutlich, dass ihm die langen Pausen zwischen den einzelnen Duellen seinen
gewohnten Rhythmus nahmen. Seine Darts verfehlten immer wieder das anvisierte
Ziel, und er spielte längst nicht mit der Präzision, die wir normalerweise von
ihm kennen. Als Sherrock schließlich die Bühne betrat, hatte ich bereits das
Gefühl, dass sie ihn schlagen könnte. Und wäre ihr das nicht gelungen, hätte
meiner Meinung nach Mitchell Lawrie den Job erledigt.
Für Sherrock bedeutet dieser Triumph einen weiteren
gewaltigen Schub für ihre Karriere. Nachdem sie mit ihren historischen
Auftritten bei der Darts-Weltmeisterschaft bereits weltweit für Schlagzeilen
gesorgt hatte, gewann sie nun mehr als eine halbe Million Pfund, indem sie den
besten Spieler der Welt besiegte. Ich habe kaum Zweifel daran, dass dieser
Erfolg der ‚Queen of the Palace‘ noch zahlreiche weitere Türen öffnen wird.
Auch wenn mich die Veranstaltung persönlich nicht
besonders gut unterhalten hat, war sie meiner Meinung nach für die PDC, Netflix
und vor allem Fallon Sherrock ein überwältigender Erfolg.“