Ross Smith strahlte am Sonntagabend in Amsterdam über beide Ohren, nachdem er sich zum Sieger der World Series of Darts Finals gekrönt hatte. Im Endspiel bezwang „Smudger" Gerwyn Price deutlich mit 11:5 und sicherte sich damit den zweiten Major-Titel seiner Karriere. Direkt nach dem Triumph richtete der Engländer den Blick bereits auf ein mögliches Ticket für die Premier League 2027.
„Ich bin wirklich überglücklich", sagte Smith nach seinem Sieg auf der Pressekonferenz. „Es ist nur ein bisschen seltsam, oder? Bei der World Series gewinne ich sonst kein Match, aber dann räume ich bei den Finals ab. Beim European Championship war es ähnlich: Ich habe die EM gewonnen, obwohl ich vorher keine Euro Tour gewinnen konnte. Das passt eigentlich ganz gut zu mir."
Zweiter Titel bedeutet Smith mehr als der erste
Vor knapp vier Jahren hatte sich Smith mit dem Gewinn des European Championship seinen ersten großen TV-Titel gesichert. Seine zweite große Trophäe wiegt nach eigenen Worten schwerer, weil sie diesmal nicht aus dem Nichts kam, sondern das Ergebnis konstanter Leistungen ist.
Ross Smith gewann bei den World Series of Darts Finals seinen zweiten Major-Titel
„Das würde ich so unterschreiben, ja. Der erste Titel kam eigentlich ein wenig aus dem Nichts, ich hatte ihn nicht erwartet. Aber seit meiner Nominierung für die World Series vor rund einem Monat spiele ich richtig gut", erklärte Smith. Der Engländer verwies dabei auf seine jüngsten Resultate auf der Tour: „Auf der Euro Tour habe ich ein Viertelfinale erreicht, war Runner-up, und jetzt kommt das hier dazu. Mein Spiel und meine Konstanz stimmen aktuell einfach. Deshalb bedeutet mir dieser Titel mehr als der erste."
Vor dem Erfolg in Amsterdam sah es für Smith zunächst gar nicht gut aus. Bei seiner Australien-Reise verlor er beide Partien und musste eine bittere Enttäuschung verkraften. Rückblickend entpuppte sich genau dieser Rückschlag als wichtiger Antrieb für die kommenden Wochen.
„Fokussierter hat es mich nicht unbedingt gemacht, aber es hat mir einen ordentlichen Tritt in den Hintern verpasst", so Smith. „Ich hatte das Gefühl, mich selbst im Stich gelassen zu haben. Ich bekam eine großartige Chance und diese Enttäuschung tat richtig weh." Seine Position im Dartssport nimmt der 34-Jährige dabei keineswegs als selbstverständlich hin: „Ich arbeite hart an meinem Spiel und nehme überhaupt nichts als gegeben hin. Diese Chance zu bekommen war für mich enorm wichtig, und als ich dann enttäuschte, dachte ich mir: Das muss ich geradebiegen. Inzwischen bin ich zurückgekommen und habe genau das geschafft."
Familie und Unterstützung als wichtiger Rückhalt
Mit inzwischen zwei großen TV-Titeln wächst auch Smiths Palmarès spürbar. Ganz begreifen kann er seinen Erfolg noch nicht: „Es ist eigentlich noch gar nicht richtig bei mir angekommen. Es ist fantastisch, und ich bin wirklich überglücklich. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht so recht, was ich sagen soll."
Ausdrücklich hob Smith die Unterstützung seines privaten Umfelds hervor. „Ich weiß, das klingt vielleicht nach Klischee, aber ich habe großartige Menschen daheim. Meine Familie und die Leute um mich herum unterstützen und helfen mir enorm. Ich fühle mich einfach richtig wohl." Auf die Rückkehr mit dem Pokal freut er sich schon jetzt: „Ich kann es kaum erwarten, ihn mit nach Hause zu nehmen. Wahrscheinlich stellt mein Sohn ihn einfach irgendwo auf seine Kommode. Für mich ist das großartig, ich bin enorm stolz."
Premier League bleibt großes Ziel
Mit dem zweiten Major-Titel untermauert Smith seine Bewerbung für die Premier League 2027. Schon nach seinem Sieg beim European Championship hatte er auf eine Einladung gehofft, die damals allerdings ausblieb. Diese Erfahrung macht ihn nun vorsichtiger: „Ich denke, dass ich jetzt eine gute Chance habe, aber ich habe auch meine Lektion von damals gelernt. Wir stehen erst zur Saisonhälfte, und alle Majors liegen noch vor uns."
An seinem Ziel lässt er trotzdem keinen Zweifel aufkommen. „Ich werde hier nicht lügen: Natürlich will ich in der Premier League spielen. Bekomme ich diese Möglichkeit, ergreife ich sie mit beiden Händen." Für den entscheidenden Schritt fühlt sich Smith bereits gewappnet: „Es ist ein Privileg, dieses Spiel überhaupt spielen zu dürfen. Eine Einladung wäre fantastisch, und ich glaube, ich bin bereit dafür. Aber das liegt nicht in meiner Hand, ich kann es nicht selbst entscheiden." Deshalb will er sich in den kommenden Monaten weiter beweisen: „Das Einzige, was ich tun kann, ist weiterzumachen wie bisher und konstant zu performen. Ich will einfach weiter Titel gewinnen." Wie viel ihm ein Platz in der Premier League bedeuten würde, betonte er kurz darauf erneut: „Ich würde unheimlich gerne dabei sein. Das steht auf meiner Bucket List und wäre ein Privileg. Hoffentlich bekomme ich eines Tages diesen Anruf. Bis dahin halte ich den Kopf unten und arbeite knallhart weiter."
Im Halbfinale gegen Gian van Veen bekam Smith ein größtenteils niederländisches Publikum zu spüren. Während das Verhalten der Fans gegenüber Luke Littler am Wochenende immer wieder für Diskussionen sorgte, hatte Smith an seinen Zuschauern nichts auszusetzen.
„Ich wusste, dass das Publikum gegen mich sein würde, aber das ist völlig in Ordnung, solche Dinge stören mich nicht. Ich fand die Zuschauer sogar sehr respektvoll und hatte hier überhaupt keine Probleme mit den Leuten – ich fand sie fantastisch." Für Smith gehört die Unterstützung der eigenen Landsleute einfach zum Sport dazu: „Natürlich sollen sie ihre eigenen Spieler anfeuern. Das Publikum im Ally Pally macht das schließlich auch für mich und für andere Spieler. Das gehört einfach dazu. Ich wusste, was mich erwartet, und dann machst du einfach weiter."
Nach seinem Triumph in Amsterdam zweifelt Smith nicht mehr daran, dass 2026 bereits jetzt die beste Saison seiner Karriere ist. „Ohne Zweifel, schon vor diesem Turnier. Schaut man sich das Ranking über dieses Kalenderjahr an, liege ich, glaube ich, auf Platz vier oder so. Ich habe ein großartiges Jahr – wenn du in den Top vier der Jahresliste stehst, machst du es gut." Ausruhen will sich Smith trotzdem nicht: „Das ist absolut das beste Jahr, das ich je hatte. Aber du musst hart weiterarbeiten, darfst nichts als selbstverständlich ansehen und musst einfach weitermachen."
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Dartsnews.de und berichtet dort über den professionellen Dartsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erstellung von Liveblogs zu großen Turnieren und wichtigen Ereignissen, darunter die European Tour und die PDC World Darts Championship (WM). Dabei begleitet er das Geschehen in Echtzeit und ordnet Ergebnisse, Spielverläufe und Entwicklungen fortlaufend ein. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um die internationale Darts-Szene.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit Nicolas Gayer und Oliver Ried vernetzt. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.