„Dieses ständige ‚knapp daneben‘ hatten wir langsam satt“ – Kuivenhoven belohnt sich mit der WM-Rückkehr für seinen mutigen Neustart
PDC
Maik Kuivenhoven erlebt die bislang beste Saison seiner Karriere. Der 38-jährige Niederländer stand erstmals in einem Finale bei einem Players Championship und hat sich bereits vor dem Sommer sein Ticket für die Darts-Weltmeisterschaft gesichert.
Nach mehr als vier Jahren kehrt er damit auf die WM-Bühne zurück, auf der er 2021 und 2022 schon gespielt hat. Der Aufschwung folgt auf einen mutigen Schritt: Kuivenhoven reduzierte vor einem Jahr seine Arbeitszeit und wechselte den Job, um mehr Zeit und Energie ins Dartspielen zu investieren.
Weniger Arbeitsdruck, mehr Zeit zum Trainieren
Im Podcast Darts Draait Door erzählt Kuivenhoven, wie sehr ihn die Kombination aus Beruf, Familie und Dartkarriere über Jahre gefordert hat. Vor allem fehlte ihm der Raum fürs Training. Also traf er mit seinem Arbeitgeber eine neue Vereinbarung: „Das machen wir jetzt seit etwa einem Jahr. Ich nehme mir zwei zusätzliche Nachmittage pro Woche frei, um mehr Ruhe zu haben und mich besser konzentrieren zu können. Außerdem habe ich die Position gewechselt. Ich bin nicht mehr in einer Führungsrolle, sondern arbeite jetzt in der Arbeitsvorbereitung.“

Maik Kuivenhoven erlebt bislang das beste Jahr seiner Karriere
Der Wechsel verändert seinen Trainingsalltag spürbar. Kuivenhoven muss nicht mehr jede Einheit in die Abendstunden legen, wenn die Kinder im Bett sind. „Ich weiß jetzt, dass es auch tagsüber geht. Ich merke, dass es deutlich entspannter ist als früher“, sagt er. Auch am Board zahlt sich das aus: „Beim Dart läuft es offenbar gut, denn dieses Jahr läuft es eigentlich ganz ordentlich.“
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Ganz vom Job löst sich der Niederländer allerdings nicht. Selbst auf Auslandsreisen zu Dartturnieren bleibt er für seinen Arbeitgeber erreichbar und erledigt bei Bedarf einige Aufgaben. Der entscheidende Unterschied: Er führt keine Mitarbeiter mehr. „Der Druck, die Leute mit Arbeit zu versorgen, ist jetzt weg. Ich muss nur noch die E-Mails im Blick behalten und ein paar Kleinigkeiten erledigen. Im Grunde ist es die einfachere Arbeit, bei der weniger Druck dahintersteckt. Das macht wirklich alles aus.“
Kuivenhoven weiß, dass er sich in einer günstigen Lage befindet. Längst nicht jeder Spieler erhält von seinem Arbeitgeber den Spielraum, den Beruf an den internationalen Dartkalender anzupassen. „Es gibt genug Dartspieler, die einfach Urlaub nehmen oder unbezahlten Urlaub beantragen müssen. Über so einen Chef kann man sich wirklich glücklich schätzen.“
Das Gespräch mit der Familie gibt den Ausschlag
Die Entscheidung fiel nicht von heute auf morgen. Kuivenhoven besprach die Optionen ausführlich mit seiner Freundin. Er spürte, dass er sportlich mehr erreichen kann, scheiterte bei wichtigen Gelegenheiten aber immer wieder knapp. „Ich musste etwas versuchen. Dieses ständige ‚knapp daneben‘ hatten wir langsam satt“, erklärt er. Das Risiko hielt er dabei bewusst überschaubar: „Ich stürze mich damit nicht völlig ins Ungewisse, sondern arbeite weniger Stunden. Die Stunden, die mir dann noch fehlen, sind unbezahlter Urlaub. Aber ich bin sehr froh, dass mein Arbeitgeber dem zugestimmt hat.“
Weniger Arbeit bedeutet für die Familie auch weniger Einkommen. Umso wichtiger war ihm, dass alle hinter dem Plan stehen. „Das haben wir gemeinsam beschlossen. Wir haben gesagt: ‚Wir müssen etwas ändern und nehmen dafür auf der einen Seite weniger in Kauf, um auf der anderen Seite etwas zu gewinnen.‘“

Maik Kuivenhoven nahm bereits an den Weltmeisterschaften 2021 und 2022 teil
Die Freundin schickt ihn zurück zur Q-School
Schon früher stand Kuivenhovens Zukunft als Dartprofi auf dem Prüfstand. Als er sich seine Tour Card erneut sichern musste, war es seine Freundin, die ihn zum Weitermachen drängte. „Vor zwei Jahren habe ich mit meiner Freundin darüber gesprochen. Sie sagte: ‚Ich weiß nicht, was du dir dabei denkst, aber du gehst wieder zur Q-School und holst dir die Tour Card zurück. Aufhören? Kommt gar nicht infrage.‘“
Platz 48 der Weltrangliste als Ziel
Die Ergebnisse dieser Saison bestätigen ihn in seinem Weg. Das erste Finale bei einem Players Championship und die frühe Gewissheit über die WM-Teilnahme belohnen die Mühen der vergangenen Jahre. Kuivenhoven stand zudem schon auf Platz 48 der Weltrangliste und traut sich zu, dieses Niveau erneut zu erreichen.
„Wenn man bedenkt, was ich dafür tue und auf mich nehme und was meine Freundin gemeinsam mit den Kindern dafür auf sich nimmt, wäre es schade, das einfach aufzugeben. Man ist so nah dran. Ich stand schon auf Platz 48 der Welt. Das ist durchaus möglich. Davon bin ich nach wie vor überzeugt. Irgendwann muss es einfach passen, und dieses Jahr scheint es so weit zu sein.“
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„Ich mache es fürs Dartspielen und nicht unbedingt fürs Geld“
Finanziell unterscheidet sich Kuivenhovens Situation von der vieler Profis, die auf ihr Preisgeld angewiesen sind. Er und seine Freundin versorgen die Familie mit ihrem regulären Einkommen. Deshalb muss er nicht bei jedem Leg an Zahlungsverpflichtungen denken. „Das ist einfach ein netter Bonus. Mit meinem Einkommen und dem meiner Freundin kommen wir gut zurecht. Das Preisgeld kommt also noch dazu, und das ist natürlich schön. Auf das Geld schaue ich eigentlich nicht. Im Moment mache ich es fürs Dartspielen und nicht unbedingt fürs Geld.“
Die finanzielle Sicherheit nimmt ihm nach eigener Aussage viel Druck. Das Preisgeld eröffnet der Familie zusätzliche Möglichkeiten, sie braucht es aber nicht für die laufenden Kosten. „Dann steht man auch nicht unter dem Druck, für die Hypothek, das Schulgeld oder die Kinder Leistung bringen zu müssen. Wenn man daran denken muss, ist das wirklich schlimm. Die Arbeit neben dem Dart ist einfach die Grundlage. Natürlich machen wir mit dem Geld, das ich beim Dart verdiene, auch schöne Dinge, aber wir sind nicht darauf angewiesen.“
Mit dieser Ruhe im Rücken geht Kuivenhoven als einer der Wiederkehrer in die Darts-WM. Der Niederländer hat bewiesen, dass sich ein Neustart lohnen kann.

Theo StodiekRedakteur
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Dartsnews.de und berichtet dort über den professionellen Dartsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erstellung von Liveblogs zu großen Turnieren und wichtigen Ereignissen, darunter die European Tour und die PDC World Darts Championship (WM). Dabei begleitet er das Geschehen in Echtzeit und ordnet Ergebnisse, Spielverläufe und Entwicklungen fortlaufend ein. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um die internationale Darts-Szene.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit Nicolas Gayer und Oliver Ried vernetzt. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026













