Was für ein Achtelfinal-Nachmittag in Antwerpen: Die
Flanders Darts Trophy 2026 lieferte am Sonntag einen Krimi nach dem anderen – und machte den Weg ins Viertelfinale für die Favoriten zu einem echten Härtetest. Gleich fünf der ersten fünf Partien gingen über die volle Distanz,
Gian van Veen überstand dabei einen 106er-Average von Kevin Doets, während
Gerwyn Price im Entscheidungsleg an Ross Smith scheiterte. James Wade behielt ebenfalls im Decider die Nerven, ehe Damon Heta mit einem 101er-Average für eines der spielerischen Ausrufezeichen sorgte.
Zum Abschluss setzte
Nathan Aspinall den Schlusspunkt unter eine Session voller Wendungen. „The Asp“ geriet gegen Stephen Bunting früh mit 0:3 in Rückstand, kämpfte sich jedoch zurück und entschied vier der letzten fünf Legs für sich. Damit stehen die acht Viertelfinalisten in Antwerpen fest – nach einem Nachmittag, an dem die vermeintlichen Favoriten beinahe durchgehend bis an ihre Grenzen gehen mussten.
Van Veen übersteht hochklassigen Auftakt gegen Doets
Schon das erste Achtelfinale gab die Richtung für einen Nachmittag vor, an dem die Zuschauer in der Antwerp Expo mehrfach bis zum letzten Dart warten durften. Gian van Veen setzte sich im rein niederländischen Duell mit 6:5 gegen Kevin Doets durch – musste dabei allerdings eine der besten Leistungen des gesamten Nachmittags überstehen.
Gian van Veen musste gegen einen überragend aufspielenden Kevin Doets bis zum letzten Leg kämpfen, behielt im Decider jedoch die Nerven und zog mit 6:5 ins Viertelfinale ein.
Zunächst deutete wenig auf einen derart dramatischen Verlauf hin. Van Veen präsentierte sich auf den Doppelfeldern beinahe fehlerfrei und zog mit einem 14- und einem 13-Darter auf 4:1 davon. Doch Doets ließ sich vom Rückstand nicht beeindrucken. Ein 86er-Checkout brachte ihm das Break zum 3:4, anschließend stellte er mit einem starken 115er-Finish auf 4:4.
Van Veen hielt dem zunehmenden Druck stand und ging noch einmal mit 5:4 in Führung, doch auch diesmal schlug Doets zurück. So musste direkt das erste Match des Tages in den Decider. Dort nutzte der Weltranglistendritte seinen Anwurf und löschte 66 Punkte über Triple-18 und Doppel-6 zum 6:5-Sieg.
Bemerkenswert war dabei vor allem die Qualität des unterlegenen Doets: Mit einem Average von 106,24 Punkten stellte er seinen prominenteren Landsmann im Scoring deutlich in den Schatten. Van Veen hielt mit 99,51 Punkten dagegen – und vor allem mit einer überragenden Doppelquote von 75 Prozent.
Dobey gewinnt nächsten Decider-Krimi
Wer nach diesem Auftakt mit einer etwas ruhigeren zweiten Partie gerechnet hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Auch zwischen Chris Dobey und Ryan Searle fiel die Entscheidung erst im elften und letzten Leg.
Dabei war das Niveau längst nicht so hoch wie zuvor. Beide Engländer hatten erhebliche Probleme auf den Doppelfeldern und kamen lediglich auf Averages von 87,58 beziehungsweise 87,97 Punkten. Allein Searle ließ 17 Darts auf die Doppel ungenutzt, Dobey ebenfalls 14.
Trotzdem – oder gerade deshalb – entwickelte sich ein völlig offenes Match. Searle ging mehrfach per Break in Führung, konnte sich jedoch nie entscheidend absetzen. Dobey antwortete immer wieder und stellte unter anderem mit einem starken 87er-Finish auf 3:3.
Beim Stand von 5:4 verpasste Dobey zunächst die Chance, die Partie vorzeitig zu beenden. Searle rettete sich auf der Doppel-5 in den Decider und bekam dort sogar zwei Matchdarts. Beide blieben ungenutzt. Dobey erhielt eine letzte Gelegenheit – und verwandelte auf der Doppel-4 zum 6:5.
Joyce behält nach Wattimena-Comeback die Nerven
Und weil zwei Entscheidungslegs offenbar noch nicht genug waren, ging auch das dritte Achtelfinale über die volle Distanz. Diesmal waren es Ryan Joyce und Jermaine Wattimena, die sich einen spektakulären Schlagabtausch lieferten.
Joyce schien die Partie beim Stand von 5:3 bereits unter Kontrolle zu haben. „Relentless“ hatte zuvor mit einem 128er-Finish ein erstes Ausrufezeichen gesetzt und sich anschließend das entscheidend wirkende Break erarbeitet. Doch Wattimena weigerte sich, die Partie aufzugeben.
Als Joyce beim Versuch auf das 170er-Finish das Bullseye verfehlte, schlug der Niederländer mit einem spektakulären 144er-Checkout zurück. Anschließend löschte Wattimena 87 Punkte in zwei Darts, breakte zum 5:5 und erzwang damit den dritten Decider im dritten Match.
Dort hatte Wattimena sogar die große Gelegenheit, das Comeback zu vollenden. Zwei Matchdarts auf Tops fanden jedoch nicht ihr Ziel. Joyce blieb seinem Ruf treu: Bei 70 Restpunkten schlug der Engländer eiskalt zu und machte seinen dritten Sieg an diesem Wochenende perfekt.
Price scheitert nach Aufholjagd an Ross Smith
Das vierte Achtelfinale – und natürlich ging auch dieses über elf Legs. Diesmal erwischte es allerdings einen der prominentesten Titelkandidaten: Gerwyn Price musste sich Ross Smith mit 5:6 geschlagen geben.
„Smudger“ erwischte einen Traumstart. Erst löschte er 142 Punkte zum Gewinn des ersten Legs, anschließend ließ er direkt ein 106er-Finish folgen. Wenig später lag Smith bereits mit 4:1 vorne und hatte Price früh mit dem Rücken zur Wand.
Doch „The Iceman“ kämpfte sich zurück. Der Waliser verkürzte zunächst auf 2:4, landete anschließend das Break und stellte wenig später auf 4:4. Smith ließ sich davon allerdings nicht aus der Ruhe bringen und packte mit einem spektakulären 158er-Checkout noch einmal einen ganz besonderen Moment aus.
Price erzwang dennoch den Decider. Dort entwickelte sich schließlich ein regelrechtes Nervenspiel: Beide Akteure ließen Matchdarts liegen, ehe Smith auf der Doppel-8 die Erlösung fand und den Weltmeister von 2021 aus dem Turnier warf.
Wade stoppt Cross und setzt die Decider-Serie fort
Vier Entscheidungslegs in den ersten vier Partien – und auch danach dachte die
Flanders Darts Trophy nicht daran, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. James Wade und Rob Cross lieferten sich den nächsten engen Schlagabtausch, der ebenfalls erst im elften Leg entschieden wurde.
Dabei war es diesmal auch qualitativ ein starkes Duell. Wade spielte einen Average von 101,59 Punkten und warf sechs 180er, Cross hielt lange dagegen und sorgte mit einem spektakulären 160er-Finish zum 3:2 für das Highlight der Partie.
Doch „The Machine“ ließ sich auch davon nicht beeindrucken. Nachdem Cross drei Chancen auf eine 4:2-Führung ausgelassen hatte, holte sich Wade auf der Doppel-18 sofort das Re-Break. Fortan blieb die Partie komplett offen. Beide hielten ihre Anwurflegs zum 5:5 – der fünfte Decider des Nachmittags war perfekt.
Dort zeigte Wade einmal mehr, weshalb seine Kombination aus Erfahrung, Timing und Nervenstärke so gefährlich ist. Der Engländer entschied das letzte Leg für sich, machte den 6:5-Erfolg perfekt und zog ins Viertelfinale ein.
Noppert beendet Nijmans Lauf
Erst im sechsten Achtelfinale durften sich die Zuschauer daran erinnern, dass ein Best-of-11-Match tatsächlich auch vor dem Entscheidungsleg enden kann. Danny Noppert setzte sich im niederländischen Duell mit 6:4 gegen Wessel Nijman durch.
„The Freeze“ eröffnete das Match direkt mit einem echten Hingucker: 137 Punkte räumte Noppert über Triple-19, Tops und noch einmal Tops aus dem Board. Danach entwickelte sich eine Partie, in der beide Spieler lange konsequent ihre Anwurflegs verteidigten.
Die entscheidende Gelegenheit bekam Noppert deshalb erst ganz zum Schluss. Beim Stand von 5:4 gelang ihm das wichtigste Break der Partie. Mit einem 41er-Checkout besiegelte der UK-Open-Champion von 2022 seinen Viertelfinaleinzug und beendete gleichzeitig das Wochenende des formstarken Nijman.
Heta setzt mit 101er-Average ein Ausrufezeichen
Deutlich weniger dramatisch, dafür spielerisch umso überzeugender verlief das vorletzte Achtelfinale. Damon Heta bezwang Luke Woodhouse mit 6:3 und unterstrich dabei eindrucksvoll seine Ambitionen auf einen tiefen Lauf in Antwerpen.
Dabei bewegten sich beide Akteure auf einem starken Niveau. Woodhouse spielte trotz seiner Niederlage einen Average von 102,97 Punkten und lag damit sogar knapp über Hetas 101,38. Der entscheidende Unterschied lag jedoch auf den Doppelfeldern.
„The Heat“ verwandelte sechs seiner neun Versuche und kam damit auf eine Quote von starken 66,67 Prozent. Ein 84er-Checkout brachte dem Australier das erste Break zum 3:1, anschließend verteidigte er seinen Vorsprung mit großer Souveränität.
Damon Heta überzeugte im Achtelfinale mit einem Average von 101,38 Punkten und einer Doppelquote von 66,67 Prozent.
Woodhouse hielt mit einem sehenswerten 82er-Finish über Bullseye und Doppel-16 noch einmal dagegen, doch Heta ließ sich die Partie nicht mehr nehmen. Mit 76 Restpunkten setzte der Australier schließlich den Schlusspunkt unter eine der überzeugendsten Vorstellungen des Nachmittags und löste als siebter Spieler sein Ticket für das Viertelfinale.
Aspinall dreht 0:3-Rückstand gegen Bunting
Den Schlusspunkt unter die Achtelfinals setzten Stephen Bunting und Nathan Aspinall. Zunächst sah dabei alles nach einem souveränen Auftritt von „The Bullet“ aus: Bunting erwischte den deutlich besseren Start und sorgte früh mit einem spektakulären 158er-Checkout für das erste Highlight. Weil Aspinall gleichzeitig einige Chancen auf den Doppelfeldern liegen ließ, zog Bunting schnell auf 3:0 davon.
Doch „The Asp“ kämpfte sich in die Partie. Nachdem Bunting sogar Möglichkeiten auf das 4:0 ausgelassen hatte, brachte sich Aspinall auf der Doppel-4 erstmals auf die Anzeigetafel. Ein 72er-Finish in zwei Darts bescherte ihm wenig später das erste Break, wenngleich Bunting mit einem sehenswerten 81er-Bullfinish zunächst die direkte Antwort fand.
Danach kippte die Partie endgültig. Aspinall holte sich das verlorene Anwurfleg umgehend zurück und stellte anschließend auf 4:4. Während Bunting zunehmend den Zugriff auf das Match verlor, wurde der ehemalige UK-Open-Champion immer konsequenter. Ein eiskaltes 65er-Finish brachte Aspinall schließlich erstmals in Führung und bis auf ein Leg an das Viertelfinale heran.
Diesen Vorsprung gab der Engländer nicht mehr aus der Hand. Mit einem außergewöhnlichen 95er-Checkout über zweimal Doppel-19 setzte Aspinall den Schlusspunkt und machte seinen 6:4-Erfolg perfekt. Nach seinem überragenden 106er-Average gegen Niko Springer am Vorabend musste „The Asp“ diesmal deutlich mehr kämpfen – bewies nach dem frühen 0:3-Rückstand jedoch vor allem Moral und Nervenstärke.