Jonny Clayton steht im Viertelfinale der
European Darts Championship 2026 in Dortmund. Der Waliser setzte sich am Samstagabend in einem umkämpften Achtelfinale mit 10:8 gegen
Josh Rock durch, machte sich das Leben dabei nach eigener Einschätzung allerdings unnötig schwer. Im Rahmen der anschließenden Pressekonferenz
sprach „The Ferret“ unter anderem gegenüber Dartsnews.de (YouTube) über seine vergebenen Chancen, einen kuriosen Zwischenfall mit einem verschwundenen Dart und seine Hoffnungen auf den Europameistertitel. Mit Blick auf das bevorstehende Duell gegen
Martin Schindler fand Clayton zudem deutliche Worte für Zuschauer, die Spieler durch gezieltes Pfeifen aus dem Konzept bringen wollen.
Obwohl Clayton letztlich als Sieger von der Bühne ging, war er mit seinem Auftritt keineswegs uneingeschränkt zufrieden. Vor allem auf die Doppelfelder ließ der erfahrene Waliser zu viele Möglichkeiten ungenutzt, um sich frühzeitig einen komfortablen Vorsprung zu erspielen. Gleichzeitig zollte er seinem nordirischen Kontrahenten großen Respekt und betonte, wie schwierig es sei, einen Kämpfer wie Rock endgültig abzuschütteln.
Clayton hadert mit vergebenen Chancen: „Josh gibt niemals auf“
„Natürlich habe ich einige Chancen auf die Doppelfelder liegen lassen. Josh und ich sind gute Freunde, wir lachen viel miteinander, und er ist ein fantastischer Spieler. Aber ich habe selbst Möglichkeiten ausgelassen, die ich einfach hätte nutzen müssen“, räumte Clayton ein. „Ich hätte mir dieses Match deutlich leichter machen können. Aber man muss auch ehrlich sein: Josh gibt niemals auf. So einen Spieler wird man einfach nicht ohne Weiteres los.“
Jonny Clayton steht nach einem hart erkämpften 10:8-Erfolg gegen Josh Rock im Viertelfinale der Darts-EM in Dortmund. Dort wartet mit Martin Schindler der deutsche Publikumsliebling.
Kurioser Zwischenfall: Rock verliert Dart im Bühnenaufbau
Für einen der unterhaltsamsten Momente des Abends sorgte ausgerechnet ein missglückter Wurf von Josh Rock. Bereits in einer frühen Phase der Begegnung prallte einer seiner Darts so unglücklich ab, dass er im Bühnenaufbau beziehungsweise in der Beleuchtung verschwand. Die ungewöhnliche Szene brachte beide Spieler zum Lachen und sorgte auch abseits des Oches für reichlich Gesprächsstoff.
„Fantastisch! Nach dem fünften Leg habe ich in der Spielerlounge zu ihm gesagt: Wenn wir beide jeweils sechs Darts auf dieses Ding geworfen hätten, hätten wir es wahrscheinlich trotzdem nicht getroffen. Und du schaffst es, dass dein Dart nach einem Abpraller ausgerechnet in der Beleuchtung verschwindet. Wie zum Teufel machst du das?“, erzählte Clayton lachend.
Auch die anschließende Suche nach dem verschwundenen Pfeil entwickelte sich zu einer kuriosen Angelegenheit. „Alle haben nach diesem Dart gesucht, während einem die ganzen Scheinwerfer direkt ins Gesicht leuchten. Unter solchen Bedingungen findet man das Ding natürlich niemals. Es war einfach unglaublich lustig. Ein richtig schöner Spaß.“
So ausgelassen Clayton über die Szene sprach, so konzentriert blickte er auf seine sportlichen Aufgaben. Der Titel bei der
European Championship ist für den Waliser weiterhin ein großes Ziel. Allerdings möchte er sich nicht von möglichen Finalträumen ablenken lassen, solange noch mehrere anspruchsvolle Begegnungen vor ihm liegen.
„Natürlich würde ich diese Trophäe unglaublich gerne gewinnen. Aber zuerst muss man immer den Spieler schlagen, der einem gerade gegenübersteht. Genau so gehe ich seit meinem ersten Match an dieses Turnier heran. Ich muss noch ein paar Spiele gewinnen, bevor ich den Pokal in die Höhe stemmen darf. Morgen werde ich auf jeden Fall alles dafür geben.“
Vor dem Schindler-Duell: Clayton erwartet lautstarke Unterstützung für den Deutschen
Im Viertelfinale wartet mit Martin Schindler nun ausgerechnet der große Hoffnungsträger des deutschen Publikums. Deutschlands Nummer eins hatte sich am Samstag mit einem überzeugenden 10:4-Erfolg gegen Jermaine Wattimena durchgesetzt und darf sich in Dortmund auf eine lautstarke Unterstützung von den Rängen freuen. Clayton weiß, dass ihm eine besondere Atmosphäre bevorsteht, sieht darin aufgrund seiner langjährigen Erfahrung aber kein Problem.
„Ich muss einfach meinen Job machen. In Deutschland werde ich immer mit großem Respekt behandelt, und ich genieße die Unterstützung, die ich hier bekomme. Die deutschen Fans sind fantastisch. Sie wissen genau, wann sie singen müssen und was sie singen sollen.“
Dass sich die Sympathien am Sonntag überwiegend auf Schindlers Seite befinden werden, hält der Waliser für vollkommen selbstverständlich. „Martin hat heute fantastisch gespielt. Natürlich weiß ich, dass das Publikum hinter ihm stehen wird. Aber genau das erwarte ich auch. Ich habe oft genug in der Premier League gespielt. In den Niederlanden unterstützen die Zuschauer ihre niederländischen Spieler, und in England stehen sie meistens hinter den Engländern. Ich habe mittlerweile genügend Erfahrung gesammelt. Ich konzentriere mich einfach auf mein eigenes Spiel, und wer weiß, vielleicht wird es ja mein Tag.“
„Damit macht man es allen kaputt“ – Clayton kritisiert störende Zuschauer
Während Clayton die Begeisterung der deutschen und belgischen Darts-Fans ausdrücklich lobte, zeigte er für eine bestimmte Form der Zuschauerreaktion keinerlei Verständnis. Besonders das gezielte Pfeifen während eines Wurfs ist dem erfahrenen Profi ein Dorn im Auge. Wer bewusst versuche, einen Spieler aus dem Rhythmus zu bringen, schade damit nicht nur den Akteuren auf der Bühne, sondern auch der Atmosphäre in der gesamten Halle.
„Ich sage es immer wieder: Ich verstehe einfach nicht, warum Menschen Geld für eine Eintrittskarte bezahlen, nur um anschließend zu versuchen, ein Spiel durch Pfeifen zu verderben. Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Damit macht man es für alle kaputt. Nicht nur für uns Spieler, sondern auch für die anderen Zuschauer.“
Für Clayton besteht dabei ein grundlegender Unterschied zwischen emotionaler Unterstützung und gezielten Störversuchen. Lautstarke Gesänge, Jubel und eine aufgeheizte Atmosphäre seien ausdrücklich erwünscht und könnten die Spieler sogar zu besseren Leistungen antreiben. Bewusstes Pfeifen im Moment des Wurfs überschreite dagegen eine Grenze.
„Jubelt, singt und unterstützt eure Lieblingsspieler. Genau das sorgt doch dafür, dass wir noch besser spielen. Dafür kommen die Menschen schließlich hierher. Aber doch nicht, um durch Pfeifen ein Match zu ruinieren.“
Selbst mit Buhrufen könne er deutlich besser umgehen als mit einem einzelnen, unerwarteten Pfiff. Entscheidend sei, dass ein plötzlich auftretendes Geräusch die Konzentration eines Spielers wesentlich stärker beeinträchtigen könne als ein gleichmäßiger Geräuschpegel in der Halle.
„Wenn alle dasselbe Geräusch machen, kann man sich darauf einstellen. Aber wenn plötzlich jemand pfeift, ist das ein völlig anderer Ton. Damit rechnet man nicht, und genau deshalb ist es so störend.“
Als Beispiel verwies Clayton auf eine Szene aus der Begegnung zwischen Luke Littler und Nathan Aspinall. Dabei habe er beobachtet, wie Aspinall während eines Wurfs des Weltmeisters auf eine offenbar ungewöhnliche Situation im Publikum reagierte. Ob tatsächlich ein Pfiff der Auslöser gewesen sei, konnte der Waliser allerdings nicht mit Sicherheit sagen.
„Ich glaube, ich habe gesehen, wie Nathan sich umgedreht hat, während Luke gerade geworfen hat. Irgendjemand hat gepfiffen, und Nathan schaute zurück, als wäre etwas passiert. Ich weiß nicht genau, ob es tatsächlich an diesem Pfiff lag, aber irgendetwas ist da eindeutig vorgefallen.“
Seine Botschaft an jene Zuschauer, die mit solchen Aktionen Einfluss auf den Spielverlauf nehmen wollen, fiel entsprechend unmissverständlich aus.
„Hört auf, das Spiel verderben zu wollen. Genießt doch einfach den Dartsport. Wenn ihr Spaß habt, dann haben wir auch Spaß. Schließlich versuchen wir, euch genau die Unterhaltung zu bieten, für die ihr bezahlt habt.“
„Ich bin wahrscheinlich der schlechteste Trainer, den du je treffen wirst“
Neben den Diskussionen über das Publikum und das bevorstehende Viertelfinale sprach Clayton auch über seine starke Form in der laufenden Saison. Einen wesentlichen Anteil daran schreibt er seiner Rückkehr in die Premier League zu. Dort konnte er sich über 17 Wochen hinweg regelmäßig mit den besten Spielern der Welt messen – eine Erfahrung, die für ihn wertvoller ist als jede gewöhnliche Trainingseinheit.
„Sobald man in der Premier League spielt, tritt man jede Woche gegen die besten Spieler der Welt an. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, wer einem gegenübersteht, denn es sind ausnahmslos Spitzenspieler. Für mich gibt es kein besseres Training als das. Wenn man dadurch nicht besser wird, dann weiß ich auch nicht weiter.“
Umso erstaunlicher ist Claytons Einstellung zum Training abseits der großen Turnierbühnen. Während viele Profis täglich mehrere Stunden am Board verbringen, greift „The Ferret“ zu Hause nach eigener Aussage nur äußerst selten zu seinen Darts. Mit einem Augenzwinkern bezeichnete er sich deshalb selbst als ausgesprochen schlechten Trainingspartner.
„Ich bin wahrscheinlich der schlechteste Trainer, den du jemals treffen wirst“, gestand Clayton lachend. „Bei mir zu Hause hängt ein Dartboard, in dem die Darts meines Sohnes stecken. Das einzige Mal, dass ich überhaupt einen Dart in die Hand nehme, ist, wenn ich seine Darts sehe und mir denke: Komm, ich probiere mal aus, wie sich die werfen lassen. Dann werfe ich ein bisschen damit, stelle fest, dass sie mir nicht gefallen, und lege sie wieder weg. Das ist mein Training.“
Für den Waliser ist dieser ungewöhnliche Ansatz allerdings keineswegs ein Nachteil. Angesichts der hohen Belastung durch den eng getakteten Turnierkalender und die zahlreichen Duelle auf höchstem Niveau sieht er keinen Grund, zusätzlich unzählige Stunden am heimischen Board zu verbringen.
„Aber Spaß beiseite: Wir spielen heutzutage so viele Matches. Wenn man dabei ständig gegen die besten Spieler der Welt antritt, trainiert man im Grunde ohnehin die ganze Zeit. Und für mich reicht das vollkommen aus.“