„Ich hätte mich nicht blamiert, wenn ich gegen sie verloren hätte“ – Luke Humphries voll des Lobes für Beau Greaves nach hochklassiger Partie

PDC
Sonntag, 06 September 2026 um 10:00
Luke Humphries (1)
Luke Humphries hat sich am Samstagabend für die letzten Sechzehn der Czech Darts Open qualifiziert, musste dafür aber tief gehen. Der ehemalige Weltmeister setzte sich in einem spektakulären Match gegen Beau Greaves durch. Humphries spielte einen average von über 100 Punkten pro drei Darts und brauchte dieses hohe Niveau, um die englische Gegnerin auf Distanz zu halten.
Nach seinem Zweitrundensieg bei den Czech Darts Open zeigte sich Humphries vor allem beeindruckt von Greaves, die seiner Meinung nach längst mit dem Gedanken aufgeräumt hat, ihre Leistungen seien vor allem deshalb bemerkenswert, weil sie eine Frau ist. Für Humphries ist Greaves schlicht eine hervorragende Darterin, die komplett aufs große Podium gehört.
„Ich wusste, dass ich hier viel besser spielen musste als letzte Woche“, sagte Humphries danach. „Letzte Woche fühlte ich mich ziemlich flach. Ich habe zudem eine gute Bilanz gegen Dirk, und vielleicht hat mir das eher geschadet, weil ich das Gefühl hatte, ich wollte das Match einfach nur zumachen. Gegen Beau wusste ich, dass ich wirklich gut spielen musste.“
Das tat Humphries schließlich auch. Der Engländer stand über die gesamte Partie unter Druck von Greaves, die ihr Niveau erneut gegen einen der absoluten Weltklasse-Spieler zeigte. Humphries musste bis zum Schluss hellwach bleiben und sicherte den Sieg letztlich mit ein paar wichtigen Momenten in der Schlussphase.
„Sie ist eine großartige Spielerin und hat mich bis aufs Äußerste gefordert. Am Ende waren es ein paar kleine Momente, die den Ausschlag gaben“, so Humphries.

„Du schaust nicht auf sie als Frau“

Greaves steht seit Jahren wegen ihrer Auftritte gegen männliche Topspieler im Fokus. Die Frage, ob eine Frau mit den besten männlichen Dartern mithalten kann, wird laut Humphries jedoch zunehmend obsolet. Der ehemalige Weltmeister findet, dass Greaves selbst dafür gesorgt hat, dass ihr Geschlecht immer weniger Thema ist, sobald sie auf der Bühne steht.
„Sie hat diesen Teil eigentlich weggenommen“, sagte Humphries. „Natürlich ist sie eine Frau, das weiß jeder, aber sie ist einfach eine großartige Darterin. Wenn du gegen sie spielst, schaust du nicht auf sie als Frau. Du siehst in ihr eine fantastische Spielerin.“
Für Humphries ist das eine wichtige Entwicklung. Die Leistungen von Greaves sollten seiner Ansicht nach nicht länger aus der Perspektive einer Frau gegen Männer bewertet werden, sondern schlicht anhand ihrer Qualitäten als Darterin.
„Sie hat das ganze Bild rund um diese Situation verändert“, führte Humphries aus. „Hätte ich heute gegen sie verloren, wäre das keine Schande gewesen. Es wäre nicht so, dass ich ‚gegen eine Frau‘ verloren hätte. Ich hätte gegen eine sehr gute Darterin verloren. Das ist alles.“
Der Engländer findet, dass Greaves durch ihre Erfolge eine gewisse Normalität geschaffen hat. Ihre Präsenz auf großen Bühnen müsse nicht länger als besondere Ausnahme gelten. „Sie hat das selbst erreicht und dafür gesorgt, dass es völlig normal geworden ist. Sie ist einfach eine fantastische Spielerin.“
Humphries räumte zudem ein, dass er sein bestes Niveau brauchte, um Greaves zu schlagen. In schwächeren Phasen hätte der Ausgang seiner Meinung nach leicht anders aussehen können. „Jede andere Spielerin hätte heute Abend vielleicht gewinnen können, aber ich war einfach gut drauf. Ich wusste, dass ich so gut spielen musste, um sie zu schlagen, und das habe ich getan. Wenn ich in ein paar Momenten ein paar Darts weniger getroffen hätte, hätte ich verloren.“
Luke Humphries in Aktion
Luke Humphries trifft in der dritten Runde auf Andrew Gilding

Schulterverletzung hätte Humphries fast zu Hause gehalten

Dass Humphries überhaupt auf der Bühne in Prag stand, war übrigens keineswegs selbstverständlich. Der Engländer hatte in den vergangenen Tagen mit einem Schulterproblem zu kämpfen und erwog sogar, das Event komplett auszulassen. „Es ist wieder so etwas wie beim Grand Slam im vergangenen Jahr“, erklärte Humphries. „Ich bin morgens aufgewacht, aus dem Bett gekommen, und schon war es wieder da.“
Humphries hatte daher zunächst nicht vor, nach Prag zu reisen. Eine Behandlung durch seinen Physiotherapeuten John am Donnerstag machte den Einsatz jedoch möglich. „Ich möchte meinem Physiotherapeuten John unbedingt ein großes Kompliment machen. Er hat am Donnerstag unglaublich hart gearbeitet. Eigentlich hatte ich nicht vor, am Donnerstag hierherzukommen.“
Als Humphries dann seinen Namen im Teilnehmerfeld sah, änderte er seine Meinung. Vor allem die Fans spielten dabei eine wichtige Rolle. „Ich sah mich in der Auslosung und dachte: Ich kann die Fans nicht enttäuschen. Deshalb bin ich doch gekommen.“
Die Schulter ist laut Humphries noch immer nicht vollständig auskuriert. Auf der Bühne scheint ihn das Problem jedoch weniger zu behindern als erwartet. Mehr noch: Der Engländer erkennt inzwischen fast ein kurioses Muster. „Es ist noch immer nicht optimal, aber es ist, wie es ist. Ich scheine besser zu spielen, wenn ich eine Verletzung habe. Das ist sehr seltsam.“

Humphries will in Prag erneut zuschlagen

Mit seinem Sieg über Greaves hat Humphries jedenfalls einen weiteren Schritt Richtung Titel in Prag gemacht. Der ehemalige Weltmeister hat zudem eine Extra-Motivation, das Turnier zu gewinnen. Er hat seinen Namen bereits mehrfach auf der Ehrentafel des Events gesehen und möchte nur zu gern einen weiteren Titel hinzufügen.
„Ich bin hier und werde um den Titel kämpfen“, stellte Humphries klar. „Ich habe meinen Namen hier drei Mal in fünf Jahren gesehen und dachte: Ich will ihn noch einmal. Deshalb bin ich hier.“
Der Engländer wirkt damit trotz seiner körperlichen Probleme entschlossen, tief ins Turnier vorzudringen. Sein Sieg über Greaves hat zudem gezeigt, dass er selbst dann auf hohem Niveau performen kann, wenn der Körper nicht voll mitspielt.
Für Humphries wartet nun die nächste Aufgabe in Prag, wenn er in der dritten Runde auf Andrew Gilding trifft. Der ehemalige Weltmeister muss seine Schulter so gut wie möglich pflegen, während er auf der Bühne erneut seine besten Darts finden will. Gegen Greaves ist ihm das bereits gelungen. Sollte er am Ende tatsächlich den Titel holen, wäre das unter den Umständen eine besonders bemerkenswerte Leistung.
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