„Im Aufwärmbereich habe ich allerdings gar nichts getroffen“ – Luke Littler überrascht sich selbst mit überragender Leistung

PDC
Sonntag, 06 September 2026 um 8:00
Luke Littler (5)
Luke Littler hat bei seiner Rückkehr auf die European Tour sofort mächtig Eindruck gemacht. Der amtierende Weltmeister zog am Samstagabend souverän in die letzten Sechzehn der Czech Darts Open ein. Gegen Niko Springer produzierte Littler ein beeindruckendes average von 108,59, doch der Deutsche machte es dem Weltstar trotz dessen hohen Niveaus bemerkenswert schwer.
Für Littler war es vor allem schön, nach einer längeren Pause wieder auf der European Tour zu stehen. Der Engländer hatte nach eigenen Angaben ganze sechseinhalb Wochen frei und musste sich deshalb erneut an die Bedingungen und die Wärme in der Halle gewöhnen.
„Es hat tatsächlich eine Weile gedauert, bis ich wieder auf diesen European Tours stand“, sagte Littler nach seinem Sieg in der zweiten Runde der Czech Darts Open. „Die Hitze und alles, was dazugehört, sind Umstände, an die ich mich wieder gewöhnen muss. Ich hatte ungefähr sechseinhalb Wochen frei, aber egal ob ich heute gewonnen oder verloren hätte, ich sagte mir: Es ist einfach großartig, wieder zurück zu sein.“
Dieses Gefühl verstärkte die Atmosphäre in Prag. Littler genoss sichtlich die enthusiastischen Fans und bekam zudem einen starken Gegner. Springer blieb über weite Phasen der Partie im Windschatten des Engländers und zwang Littler, bis zum Schluss voll fokussiert zu bleiben. „Die Stimmung war großartig und Niko hat wirklich sehr gut gespielt“, so Littler. „Es war einfach ein gutes Match.“

Springer macht es Littler schwer

Die Partie erinnerte den Interviewer an das frühere Duell der beiden beim World Matchplay. Auch damals zeigte Littler ein außergewöhnlich hohes Niveau, doch Springer schaffte es trotz des Qualitätsunterschieds, ein echtes Match daraus zu machen.
Littler fand daher klare Worte des Lobes für seinen Gegner. „Auf jeden Fall, alle Credits an Niko“, sagte er. „Ich lag irgendwann 5:2 vorne und im nächsten Moment schaue ich aufs Board und es steht 5:4. Er hatte anschließend sogar die Darts zum Ausgleich.“
Dieses Szenario wollte Littler um jeden Preis vermeiden. Der Weltmeister wusste, dass ihn ein entscheidendes letztes leg unnötig in Schwierigkeiten bringen konnte, und entschied daher, das Match direkt zuzumachen. „Ich musste es da beenden. Auf ein entscheidendes letztes leg hatte ich wirklich keine Lust“, gab er offen zu.
Dass Littler anschließend ein average von 108,59 auflegte, machte seine Leistung umso beeindruckender. Zumal seine Vorbereitung auf der Bühne alles andere als reibungslos verlaufen war. „Ich kann nicht einmal sagen, dass ich ein bisschen Rost abgeschüttelt habe, denn ich habe einfach ein average von 108 geworfen“, lachte Littler. „Beim Einwerfen backstage habe ich gar nichts getroffen. Ich weiß also selbst nicht, wie ich das hingekriegt habe.“
Der Kontrast zwischen der mäßigen Vorbereitung und der starken Bühnenleistung unterstreicht Littlers besondere Klasse. Mit Anwurfbeginn hob der Engländer sein Niveau sofort an und zeigte, warum er aktuell zur absoluten Weltspitze gehört.
Luke Littler ballt die Fäuste
Luke Littler trifft in der dritten Runde auf Krzysztof Ratajski

Ratajski wartet im Achtelfinale

In den letzten Sechzehn wartet auf Littler der nächste Härtetest. Der Weltmeister trifft auf Krzysztof Ratajski, einen der erfahrensten und gefährlichsten Spieler auf dem PDC-Circuit.
Littler schaut dabei nicht nur auf den Namen, sondern auch auf das Spieltempo des Gegners. Gegen Springer, der relativ schnell spielt, musste der Engländer verhindern, sich vom Rhythmus des Kontrahenten mitreißen zu lassen. „Mit Niko hast du natürlich einen, der sehr schnell spielt“, erklärte Littler. „Angesichts der Bedingungen hier sagte ich mir, ich darf mich nicht von seinem Tempo und seiner Geschwindigkeit anstecken lassen. Ich wollte mein eigenes Tempo halten.“
Gegen Ratajski weiß Littler erneut, was ihn erwartet. Der Engländer spielte den Polen vor ein bis zwei Wochen auf der Pro Tour und hat damit frische Referenzen. „Mit Krzysztof ist es morgen natürlich wieder anders. Ich habe ihn vor ein oder zwei Wochen auf der Pro Tour gespielt, also weiß ich, wie ich gegen ihn spielen und ihn managen muss“, sagte Littler.
Gleichzeitig ist dem Weltmeister bewusst, dass Ratajski keinesfalls zu unterschätzen ist. Der Pole bringt enorme Erfahrung mit und kann an seinen besten Tagen jeden schlagen. „Wie du sagst, er ist ein sehr gefährlicher Spieler. Das kann er in bestimmten Phasen definitiv sein“, so Littler.

Keine Zeit für touristische Abstecher

Für Littler ist es inzwischen bereits der dritte Einsatz in Prag. Dieses Mal hat er zudem seine Familie mit in die tschechische Hauptstadt genommen. Obwohl Prag als eine der schönsten Städte Europas gilt, hatte der Engländer bislang kaum Zeit zur Erkundung. „Im Moment noch nicht“, antwortete Littler lachend auf die Frage, ob er schon etwas von Prag gesehen habe. „Ich glaube auch nicht, dass ich dafür gerade wirklich Zeit habe.“
Der Engländer machte deutlich, dass seine Priorität voll beim Turnier liegt. Ein touristischer Rundgang durch Prag ist vorerst nicht drin. „Vielleicht wäre ich morgen in die Stadt gegangen, wenn ich verloren hätte“, scherzte er. „Aber jetzt heißt es vor allem Hotel und Bühne. Ich habe noch ein paar Matches zu gewinnen.“
Damit ist Littlers Botschaft klar. Seine Rückkehr auf die European Tour ist stark gestartet, doch der Weltmeister will mehr. Nach seinen 108,59 gegen Springer wartet mit Ratajski erneut ein Gegner von Format. Hält Littler sein Niveau, zählt er in Prag wieder zu den Topfavoriten auf den Titel.
Vorerst genießt er vor allem, wieder auf der europäischen Bühne zu stehen. Nach sechseinhalb Wochen ohne European Tour ist der Engländer spürbar erleichtert, zurück zu sein. Und mit einem average von über 108 Punkten pro drei Darts hat er direkt eine starke Visitenkarte abgegeben.
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