„Kochen? Davon habe ich überhaupt keine Ahnung“ – Warum gesunde Ernährung für Dart-Profis zur Herausforderung wird
PDC
Das Leben eines Profidarters wirkt von außen oft unkompliziert: reisen, spielen, Titel gewinnen. Hinter den Kulissen sieht der Alltag jedoch deutlich anders aus. Der Kalender ist dicht gefüllt – mit Pro-Tour-Turnieren unter der Woche, European-Tour-Events und Majors am Wochenende sowie zusätzlichen Showturnieren. Hinzu kommen lange Anreisen, Hotelaufenthalte und unregelmäßige Tagesabläufe. Gerade unter diesen Bedingungen wird eine strukturierte und gesunde Ernährung schnell zur Herausforderung.
Viele Spieler sind über Wochen hinweg unterwegs und verbringen nur wenig Zeit zu Hause. Feste Routinen fehlen, Mahlzeiten entstehen häufig spontan. Was nach einem Detail klingt, entwickelt sich im Alltag schnell zu einem entscheidenden Faktor – besonders in einer Sportart, in der Konzentration und Konstanz eine zentrale Rolle spielen.
Leben aus dem Koffer erschwert gesunde Routinen
Ein oft unterschätzter Bestandteil des Profialltags im Darts ist deshalb die Ernährung. Spieler leben sprichwörtlich aus dem Koffer, die eigene Küche bleibt selten genutzt. Mehrere Topspieler sprechen offen darüber, wie schwierig es ist, unter diesen Umständen gesunde Gewohnheiten aufrechtzuerhalten.
Jonny Clayton gehört zu denen, die ihren Umgang mit Ernährung selbstironisch einordnen. „Meine Diät ist nicht die beste“, sagte er laut einem Bericht von HLN. „Wenn etwas gut aussieht, esse ich es. Vielleicht ist das nicht so gut. Aber ich bin mittlerweile 51 Jahre alt. Also wenn ich auf etwas Lust habe, esse ich es einfach. Ich liebe Essen, ich liebe Kebab.“ Seine Haltung steht exemplarisch für viele Spieler auf der Tour: Genuss steht häufig vor strenger Disziplin.
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Auch Gerwyn Price kennt die Schwierigkeiten – und hat dennoch in den vergangenen Jahren bemerkenswerte Veränderungen umgesetzt. Der ehemalige Weltmeister verlor mehr als fünfzehn Kilogramm und achtet inzwischen stärker auf seine Ernährung. Interessanterweise gelingt ihm das unterwegs teilweise leichter als zu Hause. „Ich neige dazu, immer zu denselben Imbissen zu gehen“, erklärte er. „Aber wenn ich zu Hause bin, gehe ich zum ‚rubbish cupboard‘. Chips, Schokolade... Also esse ich im Moment sogar gesünder, wenn ich weg von zu Hause bin. Steak, Nando’s…“ Seine Erfahrung zeigt, wie sehr feste Abläufe selbst auf Reisen helfen können.
Späte Matches und fehlende Optionen
Nicht alle Spieler teilen diese Erfahrung. Stephen Bunting beschreibt vor allem die praktischen Probleme rund um Turnierzeiten. „Es ist manchmal wirklich schwierig“, erklärte er. „Denn es gibt Turniere, bei denen du nicht vor neun oder zehn Uhr abends fertig bist. Und dann haben viele gesunde Restaurants schon geschlossen.“ In solchen Situationen bleiben häufig nur Fast Food, Zimmerservice oder Snacks – keine idealen Voraussetzungen für Leistungssport.
Auch für die jüngere Generation stellt sich dieses Problem ähnlich dar. Luke Littler räumt ein: „Für uns ist das sehr verlockend. Zu solchen Zeiten gibt es einfach nichts Gesundes zu essen.“ Zu Hause versucht er jedoch gegenzusteuern. „Zu Hause lässt sich das kompensieren, dort essen wir ganz normale Mahlzeiten. Oder wir gehen essen und nehmen etwas relativ Gesundes, wie Hähnchen mit Reis.“

Luke Littler spricht offen über die Ernährungsprobleme auf der Darts-Tour – gerade bei späten Matches fehlen oft gesunde Optionen
Kochen gehört allerdings nicht zu seinen Stärken. „Kochen? Davon habe ich überhaupt keine Ahnung“, sagte Littler offen. „Ich habe wirklich keine Idee, wie ich etwas zubereiten soll. Vielleicht etwas Toast, aber das war’s.“ Damit steht er stellvertretend für viele Profis, die bei der Ernährung stark auf Familie, Partner oder Restaurants angewiesen sind.
Balance zwischen Tour und Zuhause
Michael van Gerwen kennt die Herausforderungen ebenfalls genau. „Auf der Tour ist das schwierig, muss ich zugeben“, erklärte er. „Aber es ist sehr wichtig, dass du das zu Hause gut kompensieren kannst und dich gleichzeitig gut bewegst.“ Für den langjährigen Dominator der Szene liegt der Schlüssel im Ausgleich zwischen Tour-Alltag und Heimroutine.
Van Gerwen zählt zu den wenigen Spielern, die sich selbst als kocherfahren bezeichnen. „Vor allem, wenn die Kinder zu Hause sind“, sagte er. „Wenn ich allein zu Hause bin, gehe ich lieber essen. Ich kann kochen. Ich kann alles selbst.“ Mit einem Augenzwinkern ergänzte er: „Eine Sache mache ich zu Hause nicht, und das ist Bügeln. Den Rest mache ich alles selbst.“
Für Gian van Veen ist die Situation klar geregelt. „Kochen? Nein, das mache ich nicht“, sagte er lachend. „Meine Freundin hat eine Ausbildung zur Chefköchin gemacht. Das ist ideal, sie kann hervorragend für mich kochen.“
Kochen als Ausgleich zum Turnierstress
Luke Humphries gehört hingegen zu den Spielern, die bewusst selbst am Herd stehen. Für ihn ist Kochen ein Mittel, um nach intensiven Turnierphasen abzuschalten. „Wenn ich zu Hause bin, denke ich gar nicht daran, essen zu gehen oder etwas zu bestellen“, erklärte er. „Wenn ich nach drei oder vier Tagen nach Hause komme und ich habe nur kurz Zeit, dann will ich gerade leckere und nahrhafte Dinge kochen, die gut für mich sind.“
Dabei versteht er Kochen nicht nur als Pflicht, sondern als Teil seiner Routine. „Ich werde nicht behaupten, dass ich ein großartiger Chef bin, der alles zubereiten kann, aber ich koche zu Hause. Pasta mache ich gut, aber eigentlich alles, was nahrhaft ist für mich, meine Partnerin und die Kinder. Das mache ich gern, wenn ich zu Hause bin.“ In einer Sportart, die stark von Rhythmus und Fokus lebt, ist das für ihn ein wichtiger Ausgleich.
Josh Rock bewegt sich zwischen beiden Welten. „Ich kann auch selbst kochen, aber sie macht es besser als ich“, sagte er über seine Frau. „Sie kocht gern Italienisch, etwa Spaghetti Bolognese – eines meiner Lieblingsgerichte. Sie genießt das Kochen, und ich passe auf die Kinder auf, während sie in der Küche steht.“
Allen Aussagen gemeinsam ist die Erkenntnis, dass das Leben auf der Darts-Tour kaum ideale Bedingungen für einen gesunden Lebensstil bietet. Lange Tage, späte Matches und begrenzte Essensmöglichkeiten führen häufig zu pragmatischen statt optimalen Entscheidungen.
Gleichzeitig wächst innerhalb der Szene das Bewusstsein für die Bedeutung von Ernährung und körperlicher Fitness. Während Darts früher stark mit ungesunden Gewohnheiten verbunden wurde, zeichnet sich inzwischen ein klarer Wandel ab. Spieler wie Price oder van Gerwen zeigen, dass ein bewussterer Lebensstil auch sportliche Vorteile bringen kann.
Dennoch bleibt der Alltag von Kompromissen geprägt. Selbst disziplinierte Profis müssen unterwegs improvisieren. Entscheidend wird daher oft das, was außerhalb der Turniere passiert – in den wenigen Tagen zu Hause, in denen Routinen entstehen können.
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Nic GayerRedakteur
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026









