Vincent van der Voort zeigte sich überrascht über Luke Littlers Aus bei der Darts-EM in Dortmund. Der englische Weltmeister verlor sein Viertelfinale gegen Krzysztof Ratajski mit 6:10 und verpasste damit erneut den Titel. Van der Voort zufolge brachte Littler sich selbst aus dem Rhythmus, als er mit seinem Wurf experimentierte. Dabei ist seine gewohnte Technik besonders erfolgreich.
Im Podcast Darts Draait Door sprach van der Voort über den Auftritt der Nummer eins der Welt. Zunächst zeigte sich der ehemalige Profi besonders angetan von Littlers Niveau in Dortmund.
Van der Voort beeindruckt von Littlers Niveau
„Er war einfach großartig. Die Nummer eins der Welt will man sehen. Er ist der Mann, den es zu schlagen gilt, also muss er natürlich bei jedem Turnier dabei sein. Er war auch wirklich hier, um zu gewinnen“, sagte van der Voort.
Luke Littler verlor bei der Darts-EM überraschend gegen Krzysztof Ratajski
Littler startete mit einem überzeugenden Sieg gegen William O'Connor ins Turnier. In der zweiten Runde beeindruckte er anschließend gegen Nathan Aspinall mit einem Average von mehr als 114 Punkten pro Aufnahme.
Im Viertelfinale gegen Ratajski lief es jedoch nicht mehr rund. Der Pole zog auf 8:2 davon, ehe Littler noch eine Aufholjagd versuchte. Van der Voort zufolge war der Engländer an seinen Problemen teilweise selbst schuld.
„Er hatte sich mal wieder überlegt, einen anderen Wurfstil auszuprobieren. Gegen Aspinall spielt er einen Average von 114, aber gegen Ratajski merkt man, dass es plötzlich nicht mehr läuft. Dann kehrt er zu seinem alten Wurf zurück, und sofort sieht man, wie viel flüssiger er ist.“
Van der Voort versteht nicht, warum Littler weiter mit einer Technik experimentiert, die seiner Ansicht nach mehr Kraft kostet als sein natürlicher Wurf.
„Er wirft langsamer, und das kann er auch gut. Das ist nicht das Problem. Aber mit seinem normalen Wurf, bei dem er so flüssig spielt und nicht so viel zielt, kann er stundenlang weitermachen. Mit dem anderen Wurf nicht. Der kostet einfach viel mehr Mühe. Warum machst du das?“
Van der Voort zufolge muss Littler schneller zu seiner vertrauten Technik zurückkehren, wenn ein Experiment nicht funktioniert.
„Am Tag zuvor spielt er einen Average von 114, da fragt natürlich niemand, warum er es macht. Aber solche Wurfstile funktionieren oft nur kurz, weil sie nicht deiner natürlichen Art zu werfen entsprechen. Man kann nur hoffen, dass er Leute um sich hat, die ihn darauf hinweisen. Dann sollte er einfach früher zu den Grundlagen zurückkehren.“
„Wenn du alles gewinnst, ist ein Viertelfinale nichts“
Nach der Niederlage gegen Ratajski bleibt die Darts-EM das einzige Major, das Littler noch nicht gewonnen hat. Van der Voort erwartet deshalb, dass ihn das Aus hart getroffen hat. „Das ist doch klar. Wenn du alles gewinnst, ist ein Viertelfinale nichts.“
Auffällig ist zudem, dass Littler seit seinem beeindruckenden Triumph beim World Matchplay bei den großen TV-Turnieren nicht mehr dieselbe Dominanz gezeigt hat. Auf der European Tour holte er zwar noch einen Titel, schied danach aber bei den World Series of Darts Finals in Amsterdam, dem World Grand Prix und der Darts-EM aus.
Van der Voort zufolge bedeutet das nicht, dass Littler plötzlich ein schwächerer Spieler geworden ist. Er sieht jedoch, dass die Konkurrenz wieder Chancen auf große Titel bekommt.
„Das bedeutet, dass das Feld wieder offen ist. Das ist doch schön. Zuerst hatten wir einfach das Gefühl: Wenn Littler mitspielt, gewinnt er. Aber es wäre schon schön, wenn das Teilnehmerfeld wieder offener wäre.“
Julian Grille ist Redakteur bei Dartsnews.de und beschäftigt sich seit 2019 intensiv mit dem professionellen Dartsport. Für Dartsnews.de berichtet er über aktuelle Entwicklungen, Turniere und weitere Ereignisse aus der Welt der PDC und des internationalen Dartsports.
Erste journalistische Erfahrung im Darts sammelte Julian bereits 2023 bei einem Darts-Magazin. Darüber hinaus produziert er regelmäßig eigene Inhalte rund um den Sport und veröffentlicht diese unter dem Namen @Darty_8 auf Social Media. Dadurch verfolgt er das Geschehen im professionellen Darts nicht nur redaktionell, sondern setzt sich auch abseits seiner Arbeit kontinuierlich mit dem Sport auseinander.
Parallel zu seiner redaktionellen Tätigkeit studiert Julian Sportjournalismus in Potsdam. Dabei verbindet er seine journalistische Ausbildung mit seiner langjährigen Begeisterung und seinem Fachwissen für den Dartsport.