Nicht nur „Podiumsgate“ sorgt für Wirbel: Das sind die Themen des World Grand Prix Achtelfinals

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Van Veen_Noppert_Zonneveld
Beim World Grand Prix sind noch acht Spieler im Rennen um die begehrte Trophäe. Die zweite Runde bot erneut reichlich Gesprächsstoff. Ein auffälliger Vorfall auf der Bühne sorgte für Wirbel, für die niederländischen Teilnehmer gab es sowohl Erfolg als auch Enttäuschung, und einmal mehr zeigte sich: Ein hohes Average ist keine Sieg-Garantie.
Zeit für einen Rückblick auf die markantesten Momente der zweiten Runde der World Grand Prix.

„Podiumgate“ überschattet Nopperts Niederlage

Danny Noppert erlebte eine frustrierende zweite Runde beim World Grand Prix. Der Niederländer unterlag letztlich klar mit 0:3 gegen Ryan Joyce und fand zu keinem Zeitpunkt in seinen gewohnten Rhythmus. Schon vor dem ersten Dart zeigte Noppert seinen Unmut, und auch während des Spiels war deutlich, dass ihm etwas missfiel. Regelmäßig suchte er das Gespräch mit dem Caller.
Ryan Joyce freut sich.
Ryan Joyce wird von Danny Noppert als Auslöser für ein Knarren auf der Bühne ausgemacht.
Nach der Partie wurde klar, was den Niederländer störte. Noppert bemerkte während des Spiels, dass die Bühne knarzte. Immer wenn Joyce hin- und herlief, hörte er ein seltsames Geräusch, das ihn nach eigener Aussage beim Wurf stark ablenkte. Damit war der Begriff „Podiumgate“ schnell geboren.
Ob das Knarzen tatsächlich großen Einfluss auf den Spielverlauf hatte, lässt sich schwer belegen. Fakt ist, dass Noppert nie an sein bestes Niveau herankam und gegen Joyce kaum etwas entgegensetzen konnte. Viel änderte die Diskussion am Ende nicht mehr: Das Turnier von „The Freeze“ ist vorbei.
Noppert kann die World Grand Prix damit abhaken und den Blick auf den nächsten großen Termin im Kalender richten. In rund drei Wochen steht bereits die European Championship an, wo der Niederländer die nächste Chance erhält, sich auf der großen Bühne zu zeigen.

Niederländische Premiere für Zonneveld

Die zweite Runde der World Grand Prix brachte auch eine niederländische Premiere. Niels Zonneveld erreichte erstmals in seiner Karriere das Viertelfinale eines Ranking-Majors. Diese Präzisierung ist bewusst gewählt, denn „Triple Z“ stand 2021 bereits unter den letzten Acht bei den World Series of Darts Finals, doch dieses Turnier zählt nicht für die PDC Order of Merit.
Zonneveld spielt ohnehin ein äußerst starkes Jahr. Früher in der Saison erreichte der Niederländer bereits zweimal die Halbfinals eines European Tour-Turniers, nun kommt das erste Viertelfinale bei einem Ranking-Major hinzu. Er bestätigt damit, dass er sich immer konstanter unter den besseren Spielern auf den großen Bühnen etabliert.
Niels Zonneveld ballt die Faust
Niels Zonneveld steht erstmals im Viertelfinale eines Ranking-Majors.
Nach seinem Sieg erklärte Zonneveld, er müsse vor allem noch etwas mehr an sich glauben. Das klingt nach einem winzigen Detail, kann aber gerade in diesen großen Momenten entscheidend sein. Der Niederländer hat inzwischen gezeigt, dass er das Niveau besitzt, um weit zu kommen. Der nächste Schritt ist, diesem Können vollständig zu vertrauen.
Diese Chance erhält er direkt im Viertelfinale gegen Luke Humphries. „Cool Hand Luke“ ist nach dem überraschend frühen Aus von Luke Littler der Hauptfavorit im verbleibenden Feld. Eine knifflige Aufgabe, doch angesichts von Zonnevelds Form ist eine Überraschung keineswegs ausgeschlossen.

Van Veen zeigt Charakter

Neben Niels Zonneveld steht mit Gian van Veen ein zweiter Niederländer unter den letzten Acht. Van Veen drehte in der zweiten Runde eine heikle Lage gegen Ryan Searle noch. „GVV“ lag mit 1:2 in Sätzen zurück, zeigte erneut seine Widerstandskraft und kämpfte sich zu einem 3:2-Sieg.
Den allerbesten van Veen haben wir seit seinem WM-Finale Anfang des Jahres nur sporadisch gesehen. Dennoch beweist der 24-Jährige immer wieder eine zentrale Qualität: Charakter. Auch gegen Searle gab er sich nicht geschlagen, als ihm die Partie zu entgleiten drohte. Ohne konstant zu glänzen, blieb der Niederländer hartnäckig und saß am Ende am längeren Hebel.
Er wirkt vielleicht nicht immer spektakulär, aber gewiss spielt niemand gern gegen ihn. Die Konkurrenz weiß inzwischen genau, wie viel Qualität im Niederländer steckt. Findet er sein Topniveau, kann er jedem Gegner das Leben schwer machen.
Im Viertelfinale wartet eine weitere spannende Prüfung. Nicht nur sportlich, denn mit James Wade trifft er auf einen Gegner in Topform. Auch abseits der reinen Technik verspricht es eine reizvolle Konstellation. Wade ist bekannt dafür, seine Gegner auch mental zu testen.
Van Veen muss also kühlen Kopf bewahren und sich nicht hineinziehen lassen. Gelingt es ihm, die Emotionen zu kontrollieren und zugleich seine besten Darts aufs Board zu bringen, eröffnet sich die Chance, erstmals in seiner Karriere das Halbfinale der World Grand Prix zu erreichen.

Erneut kein tiefer Run für Nijman

Neben den Erfolgen von Niels Zonneveld und Gian van Veen gab es in der zweiten Runde auch einige niederländische Enttäuschungen. Wir hatten bereits über das Aus von Danny Noppert gesprochen, doch auch für Wessel Nijman und Jermaine Wattimena war Schluss.
Vor allem bei Nijman waren die Erwartungen im Vorfeld hoch. Der 26-jährige Uitgeestener spielt eine starke Saison und hat in diesem Jahr bereits sechs Rankingtitel geholt. Dennoch blieb ein großer Auftritt bei einem Major bislang aus. Noch nie zuvor war es Nijman gelungen, bei einem Major weiter als ins Achtelfinale zu kommen, und auch in Leicester konnte er diese Grenze nicht durchbrechen.
Gegen Jonny Clayton unterlag Nijman mit 1:3. Erneut zeigte sich, dass das Niveau, das er regelmäßig auf der Pro-Tour-Bühne abruft, nicht selbstverständlich auf die große TV-Bühne mitwandert. Das klingt vielleicht seltsam für einen Spieler, der in diesem Jahr bereits zwei European Tour-Titel gewonnen hat, aber auch dort ist der Druck meist ein anderer als bei einem Major. Gerade auf den ganz großen Bühnen muss Nijman noch Schritte machen.
Zeit dafür bekommt er zum Glück bald. Bei der EM wartet schon die nächste Chance. Nijman startet dort voraussichtlich als Nummer zwei der Setzliste und geht somit erneut mit hohen Erwartungen ins Turnier. Es wird spannend zu sehen sein, ob er den Druck diesmal in einen tiefen Run ummünzen kann.
Auch für Jermaine Wattimena ist der World Grand Prix beendet. „The Machine Gun“ war gegen Luke Humphries chancenlos und verlor mit 0:3. Allerdings hätte das Match durchaus einen anderen Verlauf nehmen können, wenn Wattimena seine Möglichkeiten im ersten Set genutzt hätte. Der Niederländer bekam zwei Darts, um den Satz zu holen, ließ diese aber ungenutzt. Danach lief er permanent hinterher.
Wattimena hat in diesem Jahr bereits bewiesen, dass er auf der Pro Tour noch immer für starke Ergebnisse gut ist. Was jedoch fehlt, ist ein tiefer Run bei einem Major. Darauf wartet er mittlerweile eine Weile. Sein letzter großer Ausreißer liegt zwei Jahre zurück, als er bei der European Championship das Finale erreichte. Der World Grand Prix hat daran nichts geändert.

Resultate von Wessel Nijman bei PDC-Majors

Turnier Bestes Ergebnis Jahr
WM Letzte 64 2025, 2026
World Matchplay Letzte 16 2025, 2026
World Grand Prix Letzte 16 2026
UK Open Letzte 32 2026
Grand Slam of Darts Letzte 16 2025
EM Letzte 32 2025
Players Championship Finals Letzte 64 2024, 2025
World Series of Darts Finals Letzte 16 2024, 2026

Höchstes Average ist keine Erfolgsgarantie

Alle sprechen derzeit über hohe Averages, doch die zweite Runde des World Grand Prix zeigte erneut: Ein beeindruckender Average ist keine Garantie für Erfolg. Stephen Bunting kann davon inzwischen ein Lied singen. „The Bullet“ spielte gegen James Wade ein Average von 96,29, das höchste aller Spieler in Runde zwei. Dennoch zog Wade mit einem 3:1-Sieg den längeren Hebel.
Auffällig dabei: Wades Average lag um mehr als drei Punkte niedriger. Statistisch musste der Engländer also nicht besser scoren, um zu gewinnen. In den entscheidenden Momenten war er schlicht effizienter, und das reichte am Ende, um Bunting aus dem Turnier zu werfen.
Für Bunting ist das Aus daher bitter. Mit seiner Scoring-Power scheint die Form des 41-jährigen Engländers mit Blick auf die wichtigen Turniere im Spätherbst zumindest zu stimmen. Doch ein hohes Average bringt wenig, wenn der Gegner die entscheidenden Legs zur richtigen Zeit holt.
Bunting blickt somit mit gemischten Gefühlen auf seinen World Grand Prix zurück. Seine Leistung gegen Wade gibt Zuversicht, gleichzeitig dürfte es schmerzen, dass ein Average von 96,29 nicht reichte, um das Viertelfinale zu erreichen. Es ist vielleicht die beste Illustration des unberechenbaren Charakters des World Grand Prix: Zahlen erzählen einen Teil der Geschichte, am Ende zählt aber nur eines. Wer die entscheidenden Legs gewinnt.

Top 5 der höchsten Averages in der zweiten Runde

Spieler Average Ergebnis
Stephen Bunting 96,29 1:3 verloren gegen James Wade
Nathan Aspinall 96,27 3:0 gewonnen gegen Luke Woodhouse
Luke Humphries 94,11 3:0 gewonnen gegen Jermaine Wattimena
James Wade 93,20 3:0 gewonnen gegen Stephen Bunting
Jonny Clayton 93,08 3:1 gewonnen gegen Wessel Nijman

Woodhouse kann Coup gegen Littler nicht fortsetzen

Luke Woodhouse sorgte in der Auftaktrunde für vielleicht die größte Überraschung des World Grand Prix, als er Luke Littler aus dem Turnier warf. „Woody“ schaffte damit, was im Vorfeld kaum jemand für möglich hielt. Littler hatte schließlich alle Ranking-Majors, an denen er in diesem Jahr teilgenommen hatte, gewonnen und galt erneut als der große Hingucker des Turniers.
Dass ein Sieg gegen den Topfavoriten keine Garantie ist, anschließend tief ins Turnier zu kommen, bewies Woodhouse eine Runde später. Gegen Nathan Aspinall fand er kaum statt und verlor chancenlos mit 0:3. Damit endete das Abenteuer des Überraschungsmanns der ersten Runde in Leicester schnell.
Auffällig: Die Statistiken von Woodhouse waren dennoch besser als bei seinem sensationellen Sieg über Littler. Sein average lag gegen Aspinall rund vier Punkte höher als eine Runde zuvor. Genützt hat es diesmal jedoch gar nichts. Das unterstreicht einmal mehr, wie wenig ein average für sich allein aussagt – gerade im besonderen Format des World Grand Prix.
Gegen Littler schlug Woodhouse in den entscheidenden Momenten zu, während er gegen Aspinall keine Antwort auf das Spiel seines Landsmanns fand. So bekam „Woody“ nach der Littler-Sensation keine Fortsetzung seines Märchens. Sein Sieg über den Titelverteidiger bleibt dennoch eines der markantesten Ereignisse dieses World Grand Prix.
Luke Woodhouse blickt nachdenklich
Luke Woodhouse konnte seine Sensation gegen Luke Littler nicht bestätigen

Drei Nationen im Viertelfinale vertreten

In der zweiten Runde waren Spieler aus vier Nationen vertreten: England, die Niederlande, Schottland und Wales. Im Viertelfinale ist die geografische Streuung etwas kleiner. Gary Anderson schied aus, womit Schottland nicht mehr vertreten ist.
England stellt mit Nathan Aspinall, Ryan Joyce, Luke Humphries und James Wade gleich vier der acht Viertelfinalisten. Wales hat mit Gerwyn Price und Jonny Clayton zwei Eisen im Feuer, während die Niederlande mit Gian van Veen und Niels Zonneveld ebenfalls zwei Spieler unter den letzten Acht haben.

Wird Gary Andersons fehlender Trainingsrhythmus zum Problem?

Nach dem Aus von Gary Anderson bleibt eine interessante Frage: Wird dem Schotten der mangelnde Trainingsrhythmus allmählich zum Verhängnis? Der 55-jährige „Flying Scotsman“ bewies Anfang des Jahres bei der WM, dass er auf der größten Bühne noch immer viel abrufen kann. Anderson erreichte das Halbfinale und schien damit wieder ganz oben anzuklopfen.
Seitdem blieb eine neuerlicher tiefer Run bei einem Major jedoch aus. Beim World Matchplay erreichte Anderson noch das Viertelfinale, in den anderen großen Turnieren musste er jeweils früher die Bühne räumen. Auch beim World Grand Prix endete sein Auftritt nun in der zweiten Runde.
Anderson hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er nur noch wenige Stunden am Practice Board verbringt. Das ist natürlich eine bewusste Entscheidung des Schotten, zugleich wirkt er dadurch weniger konstant als in seinen besten Jahren. Starke Leistungen wechseln sich mit Partien ab, in denen das Niveau klar abfällt – und damit wird es schwer, mehrere Runden am Stück durchzukommen.
Gleichzeitig wird die Spitze im Darts immer breiter. Zählte Anderson früher über Jahre zur absoluten Weltelite, stehen inzwischen immer mehr Spieler bereit, die etablierte Ordnung herauszufordern. Daher ist die Frage spannend, wie lange „The Flying Scotsman“ seinen Platz unter den Topspielern noch halten kann.
Sein WM-Halbfinale zeigte Anfang des Jahres, dass die Klasse weiterhin vorhanden ist. Fraglich ist nur, ob Anderson diese Klasse oft genug abrufen kann, um auch auf den anderen großen Bühnen dauerhaft um Titel mitzuspielen.

Major-Ergebnisse von Gary Anderson in der Saison 2026

Turnier Ergebnis Gegner Ergebnis
World Masters 2. Runde James Wade 3-4
UK Open Achtelfinale Luke Littler 5-10
World Matchplay Viertelfinale Dirk van Duijvenbode 13-16
World Grand Prix 2. Runde Niels Zonneveld 1-3
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