Gerwyn Price hat sich souverän für das Viertelfinale des World Grand Prix qualifiziert. Der Waliser setzte sich in Runde zwei mit 3:0 gegen Ross Smith durch und nahm damit Revanche für seine jüngste Niederlage gegen den Engländer im Finale der World Series of Darts Finals. Trotz des klaren Erfolgs zeigte sich Price danach wenig beeindruckt von seiner eigenen Leistung.
Das Duell mit Smith war für Price besonders, da er kürzlich noch gegen denselben Gegner verloren hatte. Das sorgte diesmal für zusätzliche Anspannung. „Wahrscheinlich lag es daran, dass ich letzte Woche gegen Ross verloren habe. Ich habe mir ein bisschen zu viel Druck gemacht“, sagte Price im Gespräch mit Dartsnews.de. „Obwohl ich ordentlich spielte, gab es Momente, in denen ich zu sehr forciert habe und nicht richtig in meinen Rhythmus kam.“
Für das Endergebnis spielte das keine Rolle. Price gab keinen Satz ab und erreichte erneut die letzten Acht bei einem großen Turnier. „Ich habe gewonnen, und ein Sieg ist ein Sieg. Unabhängig von der Darbietung ist es meiner Meinung nach ziemlich gut, bei jedem Turnier das Viertelfinale zu erreichen.“
Von einer echten Revanchemission wollte Price nicht sprechen. Er räumte jedoch ein, dass dieser Erfolg für ihn mehr wiegt als ein Sieg über Smith bei einem regulären Ranglistenturnier. „Letzte Woche war es ein Rankingturnier, und bei solchen Majors willst du wirklich performen. Ich will alles gewinnen, aber dieses hier ist doch etwas wichtiger.“
Price teilt Seitenhieb gegen Clayton aus: „Hoffentlich hat er kein Glück“
Im Viertelfinale wartet ein besonderes Duell. Price trifft auf seinen Landsmann und World-Cup-Teamkollegen Jonny Clayton. Die beiden Waliser kennen sich in- und auswendig und standen in der Vergangenheit bereits im Finale des World Grand Prix gegenüber. Price erwartet daher, etwas entspannter an die Oche zu treten.
„Ich denke, dass ich im nächsten Match wahrscheinlich etwas entspannter sein werde“, so Price. „Ich weiß nicht, was heute los war. Normalerweise bin ich im ersten Spiel nervös, aber das war ich diesmal nicht. Heute Abend fühlte es sich eher wie ein Erstrundenspiel an. Ich war viel nervöser.“
Danach konnte sich Price einen kleinen Seitenhieb gegen seinen guten Freund nicht verkneifen. „Jonny hat mich vor ein paar Jahren im Finale dieses Turniers ordentlich erwischt. Aber ich habe auch auf der Bühne gesagt, dass er in diesem Jahr in Runde eins Glück hatte. Hoffentlich hat er in der nächsten Runde kein Glück.“
Price macht sich derweil keine Gedanken über die großen Namen, die bereits ausgeschieden sind. Das sage wenig über seine eigenen Chancen. „Es interessiert mich nicht, was andere Spieler machen. Es sind noch so viele gute Spieler im Feld. Jonny hat großartig gespielt, seine Chancen genutzt und gegen Wessel ein paar große Finishes gesetzt. Außerdem spielt er auf den Floor-Turnieren hervorragend. Egal, ob Luke oder Michael raus ist, es bleibt ein sehr schweres Turnier, das man erst einmal gewinnen muss. Ich konzentriere mich Schritt für Schritt auf mein eigenes Spiel.“
Das Duell mit Clayton bekommt zudem eine stark walisische Note. „Ich denke, es ist etwas Besonderes für Wales. Egal wer gewinnt, wir haben wieder einen Waliser im Halbfinale eines großen Majors. Das ist großartig für Wales und auch für den Dartsport. Jonny ist einer der besten Spieler der Welt, und ich denke, das bin ich auch.“
Auffällig ist, dass Price zwischen seinen Matches einfach nach Hause zurückkehrt. Dahinter steckt reichlich Aberglaube. „Ich bin abergläubisch. Wenn ich etwas einmal auf eine bestimmte Art mache, muss ich es wieder so machen. Ich sitze das ganze Turnier über auf demselben Stuhl und am selben Tisch. Und so eklig es klingt: Ich wechsle mein Shirt nicht. Jedenfalls nicht sehr oft“, scherzte er.
Auch die Gründe für seine klar verbesserten Ergebnisse in letzter Zeit sind für ihn simpel. „Ich spiele einfach besser. Wenn du bei diesem Teilnehmerfeld nicht gut spielst, bist du früh raus. Form geht rauf und runter, und manchmal findest du plötzlich so eine gute Phase. Meine Form kommt zurück. Mehr ist es nicht.“
Trotz des deutlichen 3:0 gegen Smith fand Price seinen Auftritt nicht besonders gut. „Ross hat nicht gut gespielt und ich auch nicht, deshalb bedeutet dieser Sieg mehr als alles andere. Am liebsten hätte ich ihm kein einziges Leg gegönnt. Das ist immer mein Ziel.“
Und der lang ersehnte nächste große TV-Titel? Da will Price noch nicht zu weit vorausblicken. „Ich stehe im Viertelfinale. Letzte Woche stand ich im Finale. Noch zwei Siege, dann bin ich ziemlich nah dran. Aber irgendwann kommt dieser Titel schon.“
Oliver Ried ist seit Ende 2024 Redakteur bei Dartsnews.de. Er berichtet dort über den professionellen Dartsport und erstellt regelmäßig Liveblogs zu den wichtigsten Turnieren und Ereignissen, darunter die PDC World Darts Championship, die Premier League Darts und das World Matchplay. Ergänzend veröffentlicht er Berichte, Einordnungen und Hintergrundtexte zum Geschehen auf der PDC-Tour. Seit Anfang 2025 schreibt er zudem für Radsportaktuell.de über den professionellen Radsport.
Oliver ist in Würzburg stationiert. Neben seiner redaktionellen Arbeit ist er selbst aktiver Dartspieler und bringt dadurch zusätzliche Praxisnähe in seine Berichterstattung ein. Er studiert Grundschullehramt und legt bei seinen Artikeln Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und verlässliche Informationen. Inhalte aktualisiert er, sobald neue, gesicherte Details vorliegen.