„So langsam wird das doch ein kleines Imageproblem“ – Van der Voort verblüfft über Umgang mit Littler

PDC
durch Nic Gayer
Dienstag, 29 September 2026 um 11:30
Vincent van der Voort & Luke Littler
Luke Littler ist mit seinem Versuch gescheitert, den Titel beim World Grand Prix erfolgreich zu verteidigen. Der Engländer musste sich bereits in der ersten Runde Luke Woodhouse geschlagen geben. Bemerkenswert war dabei einmal mehr, dass der 19-Jährige selbst beim Turnier in Leicester nicht die uneingeschränkte Unterstützung des englischen Publikums genoss. Vincent van der Voort vermutet, dass es rund um die Nummer eins der Welt mittlerweile auch abseits des Oches rumort.
Gemeinsam mit Moderator Koert Westerman analysierte van der Voort Littlers Ausscheiden in der Übertragung des skandinavischen Streaming-Dienstes Viaplay. Nach Einschätzung des ehemaligen Profis machte der Engländer keineswegs den Eindruck, völlig befreit aufspielen zu können. „Da siehst du doch, dass er nicht ganz im Flow ist“, analysierte van der Voort. „Vielleicht ist es am Ende die Summe aller Dinge. Dass er mit dem Publikum und mit sich selbst ein bisschen über Kreuz liegt.“

Van der Voort sieht bei Littler ein „kleines Imageproblem“

Besonders auffällig ist für van der Voort, wie sich das Verhältnis zwischen Littler und Teilen des Publikums entwickelt hat. Bereits in der Vergangenheit musste der Engländer negative Reaktionen aus den Zuschauerrängen hinnehmen. Beim World Grand Prix waren entsprechende Reaktionen nun sogar in seinem Heimatland deutlich zu hören.
Luke Woodhouse und Luke Littler schütteln sich die Hand.
Luke Littler musste sich Luke Woodhouse beim World Grand Prix bereits in der ersten Runde geschlagen geben.
„So langsam wird das doch ein kleines Imageproblem“, meint van der Voort. „Man hört jetzt wieder, dass bei jedem verpassten Pfeil Leute im Publikum jubeln. Und das ist einfach in England. Hier müsste er doch eigentlich auf Händen getragen werden, oder?“

Unterschied zwischen Dartfans und Party-Publikum

Westerman ordnete die Situation allerdings etwas differenzierter ein. Der Moderator verwies darauf, dass sich das Publikum bei großen Dartturnieren aus unterschiedlichen Gruppen zusammensetze.
„So ein Saal ist großartig anzuschauen und zu erleben. Aber es gibt die Dartliebhaber und es gibt die Feiernden“, sagte Westerman. „Den Feiernden ist es im Grunde egal, was auf der Bühne passiert. Das sind oft die Pfeifer und Buhrufer, nicht die Dartfans.“
Van der Voort konnte dieser Einschätzung zustimmen. „Ein echter Dartliebhaber würde das nicht tun. Der schaut zu und will ein gutes Match sehen. Der will zwei Spieler, die so gut wie möglich spielen und eine starke Partie liefern.“
Nach Ansicht des ehemaligen Profis hat sich die Zusammensetzung des Dartpublikums über die Jahre ohnehin gewandelt. Als Beispiel führte er die Turniere in der Ahoy Rotterdam an. „Das haben wir natürlich auch im ersten Jahr in Ahoy gesehen. Damals war ein ganz anderes Publikum als zum Beispiel in diesem Jahr. Das hat sich einfach gewandelt.“
Westerman stellte zugleich klar, dass er damit keineswegs zum Ausdruck bringen wolle, dass das Party-Publikum bei den Turnieren nicht willkommen sei. Die Vorkommnisse rund um Littler hatten bei ihm dennoch das Bedürfnis ausgelöst, dem Engländer gegenüber einige Worte loszuwerden. „Deshalb hatte ich letzte Woche kurz das Bedürfnis, Luke Littler wissen zu lassen: Du, sorry für das Ausbuhen.“

Vergleich mit Adrian Lewis

Van der Voort findet vor allem bemerkenswert, dass Littler selbst in seiner englischen Heimat keineswegs selbstverständlich als Publikumsliebling gefeiert wird. Nach seiner Einschätzung würde ein vergleichbares niederländisches Ausnahmetalent im eigenen Land eine völlig andere Resonanz erfahren. „Wenn wir in den Niederlanden jemanden wie Luke Littler hätten, wäre er überall ein Publikumsliebling geworden“, sagt van der Voort. „Aber dort ist es eben anders.“
Die Situation erinnert den Niederländer an Adrian Lewis. Auch der zweimalige Weltmeister sah sich während seiner aktiven Karriere in englischen Hallen regelmäßig mit negativen Reaktionen konfrontiert. „Adrian Lewis hat das auch die ganze Zeit erlebt“, so van der Voort. „Er ist erst jetzt richtig populär. Aber als er spielte, wurde auch er sehr oft ausgebuht.“
Westerman merkte an, dass im Zusammenhang mit Littler bereits häufiger der Begriff „arrogant“ gefallen sei. Zudem habe der junge Engländer in der Vergangenheit selbst die Konfrontation mit dem Publikum gesucht. Van der Voort hält es allerdings für wichtig, dabei auch die Vorgeschichte zu berücksichtigen. „Aber da hatte das Buhen schon begonnen, sonst müsstest du das nicht sagen“, entgegnete er.
Gerade die Art und Weise, wie Littler in seinem eigenen Land empfangen wird, sorgt bei van der Voort weiterhin für Verwunderung. „Normalerweise wird ein Wunderkind von einem Land doch gefeiert. Und bei ihm passiert das aus irgendeinem Grund nicht.“
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