„Visuell sah das zehnmal besser aus“: Netflix’ „Beat Luke Littler“ löst Forderung nach Neuerungen bei der Darts-WM aus
PDC
Fast eine Woche ist seit Netflix’ „Beat Luke Littler“ vergangen, doch die Show beschäftigt die Darts-Welt weiterhin. Paul Nicholson sieht darin den Beweis, dass der Streamingdienst den Sport einem deutlich größeren Publikum zugänglich machen kann. Der frühere Profi lobt mehrere Aspekte der Produktion. Gleichzeitig übt er scharfe Kritik an den Moderatoren und an einzelnen Entscheidungen der Macher. Vor allem Komiker Lee Mack konnte ihn nicht überzeugen.
In Manchester erhielten Amateurspieler und weitere ausgewählte Teilnehmer die Chance, Luke Littler in einem einzigen Leg zu schlagen und 501.000 Pfund zu gewinnen. Fallon Sherrock sicherte sich am Ende das Preisgeld. Ihre Teilnahme und ihr Sieg lösten eine breite Debatte aus, und auch die Inszenierung stieß auf ein gemischtes Echo. Nicholson, der heute als Experte und Kommentator arbeitet, verfolgte die Show mit besonderem Interesse. In einer ausführlichen Analyse für Sporting Life ging er auf die Stärken und Schwächen des Formats ein.
„Er hatte nicht genug Wissen über Darts“
Netflix setzte als Moderator auf Gary Lineker, der vor allem durch seine lange Karriere im Fußball-Fernsehen bekannt ist. Im Studio saßen außerdem Richard Osman, Laura Turner und Lee Mack. Allein die Besetzung mit so prominenten Namen wertet Nicholson als wichtiges Signal. „Ich finde, es war ein großer Moment für das Darts, dass jemand von Garys Format die Sendung moderiert hat, dazu ein Panel mit Richard Osman, Laura Turner und Lee Mack. Es zeigt, wie sehr wir im Mainstream angekommen sind“, sagt er.

Fallon Sherrock feierte ihren Sieg.
Auch das Design des Moderationsbereichs beeindruckte den Australier. Er sieht darin einen möglichen Ausblick auf die Zukunft der Darts-Übertragungen. „Die Optik des Moderationstisches fand ich stark. Vielleicht entwickelt sich Darts genau in diese Richtung, statt im Studio hinter dem Ally Pally zu sitzen.“
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Bei Linekers Leistung als Moderator zeigt sich Nicholson dagegen weniger überzeugt. Im Fußball kann der frühere englische Nationalspieler auf jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen. Beim Darts fehlte ihm nach Nicholsons Einschätzung das nötige Fachwissen. „Hat Gary seine Sache bei einem Darts-Event wirklich gut gemacht? Beim Fußball kann er sich natürlich auf viel Erfahrung stützen, aber über Darts wusste er nicht genug.“
Die fachliche Tiefe lieferte aus Nicholsons Sicht vor allem Laura Turner. „Zum Glück war Laura für das Darts-Wissen da. Sie war großartig und hat dem Panel die Glaubwürdigkeit gegeben, die es brauchte.“ Auch Richard Osman erhielt Lob. Der Fernsehmoderator und Autor gilt als leidenschaftlicher Darts-Fan, und Nicholson bemerkte diese Begeisterung deutlich. „Ich fand Richard fantastisch, weil man seine Leidenschaft für den Sport sofort gespürt hat.“
Deutlich schlechter schneidet Lee Mack ab. Der Komiker hat in der Vergangenheit bereits an Promi-Darts-Events teilgenommen, trotzdem fragt sich Nicholson, welchen Mehrwert er der Sendung brachte. „Lee Mack war ein bisschen fehl am Platz und hat der Show nichts Positives hinzugefügt. Ich weiß, dass er früher Promi-Darts gespielt hat, aber wenn man jemanden vom Tisch streichen müsste, dann ihn.“
„Visuell sah das zehnmal besser aus“
Trotz seiner Kritik am Moderationsteam bewertet Nicholson die Produktion insgesamt überwiegend positiv. Besonders gefielen ihm das Erscheinungsbild der Arena und die Einmärsche der Teilnehmer. „Ein paar Dinge waren überflüssig, zum Beispiel der Auftritt aus der Mülltonne oder Jayden Walker im Schuljungen-Outfit. Insgesamt fand ich die Produktion aber hervorragend. Besonders gut gefallen hat mir der zentrale Walk-on.“
Die Spieler zogen mitten durch das Publikum ein, statt wie sonst von der Seite zur Bühne zu gehen. Nicholson rät der PDC, sich daran bei der Weltmeisterschaft in der neuen Halle im Alexandra Palace ein Beispiel zu nehmen. „Wenn wir zur WM in den neuen Raum im Alexandra Palace kommen und die PDC keinen zentralen Walk-on einführt, hat sie eine Chance verpasst. Das sah wirklich sehr eindrucksvoll aus.“
Den Unterschied zum klassischen Einmarsch beschreibt er als deutlich. „Visuell sah das zehnmal besser aus als der übliche Walk-on von der Seite. Die ganze Arena und die Atmosphäre waren großartig.“
Auch die Vorstellungsvideos zu jedem Teilnehmer gefielen dem Experten. Sie verliehen der Sendung die Atmosphäre einer Fernseh-Castingshow, passend zur Art, wie Netflix das Event vermarktet hatte. „Die Profilvideos für jeden Kandidaten fand ich gut, weil sie der Show dieses X-Factor-Gefühl gegeben haben. So wurde sie der Öffentlichkeit schließlich auch verkauft.“
„Netflix hat die Stimmung nicht ganz getroffen“
Nicht jede kreative Entscheidung von Netflix fand Nicholsons Zustimmung. Besonders störte ihn der Trailer, der in einem traditionellen britischen Social Club spielt. Seiner Meinung nach vermittelt er ein veraltetes Bild des modernen Darts. „Mir hat nicht gefallen, dass der Trailer in einem Social Club spielt, weil sich das Darts so stark verändert hat.“
Nicholson verweist auf die enorme Entwicklung des Sports in den vergangenen Jahren, vor allem auf das Wachstum der Nachwuchsakademien. Er hätte sich gewünscht, dass Netflix die nächste Generation in den Mittelpunkt stellt. „Man hätte das in einer Akademie drehen können, umgeben von Kindern und Eltern.“
Pubs und Social Clubs haben im Darts weiterhin ihren festen Platz, das räumt Nicholson ein. Die Zukunft des Sports liegt für ihn aber woanders. „Darts hat sich weiterentwickelt. Wir spielen zwar immer noch in Social Clubs und Pubs, aber die künftigen Superstars kommen nicht mehr von dort. Sie kommen aus Akademien und aus Schulen.“
Netflix hatte mit Mitchell Lawrie und Jayden Walker mehrere talentierte Teenager für die Show ausgewählt. Deshalb wundert sich Nicholson umso mehr über die Wahl des traditionellen Settings. „Ich glaube nicht, dass Netflix die Stimmung ganz getroffen hat, vor allem weil sie Top-Talente im Teenageralter in der Show hatten.“
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„Warum nicht Beat Ronnie O’Sullivan oder Beat Andy Murray?“
Trotz aller Verbesserungsvorschläge sieht Nicholson großes Potenzial im Konzept. Er traut Netflix sogar zu, das Format auf andere Sportarten auszuweiten. „Als Konzept für Netflix ist es sehr, sehr gut. Wenn sie ‘Beat Luke Littler’ nur dieses eine Mal machen und es dann dabei belassen, ist das in Ordnung.“
Noch spannender fände er allerdings eine ganze Serie rund um bekannte Sportstars. „Für die Zukunft wäre eine ‘Beat…’-Reihe gut, mit zum Beispiel ‘Beat Ronnie O’Sullivan’ in einem Frame Snooker oder ‘Beat Andy Murray’ in einem Tennismatch.“
Zudem sieht Nicholson die Chance, eine Idee wiederzubeleben, die in der Darts-Szene schon länger kursiert: eine Royal Rumble des Darts. „Ich habe von vielen Leuten gehört, dass das Konzept zeigt, wie viel Potenzial in der Royal-Rumble-Idee steckt, über die wir schon gesprochen haben.“
Ob die PDC ein solches Format plant, ist nicht bekannt. Nicholson hält Netflix dafür aber für den idealen Partner, gerade wegen der bestehenden Zusammenarbeit mit WWE. „Ob die PDC das jemals macht, weiß ich nicht. Aber vielleicht passt es eher zu Netflix, vor allem wegen der Partnerschaft mit WWE. Das wäre eine perfekte Kombination, oder? Sie könnten sogar bekannte Wrestler für die Werbung einsetzen.“
Die wachsende Verbindung zwischen Darts und Wrestling zeigt sich bereits im Austausch zwischen Littler und WWE-Star LA Knight. Nicholson glaubt, dass dieser Kontakt einem solchen Event näherbringen könnte. „Ich habe sogar gesehen, dass Luke Littler zuletzt Sprachnachrichten von LA Knight bekommen hat, die für Content gedacht waren. Wenn er so viel Aufmerksamkeit erhält, ist es vielleicht nur eine Frage der Zeit.“
Letztlich könnte die Nachfrage der Fans darüber entscheiden, ob die Idee Realität wird. „Wenn die Öffentlichkeit das will, muss sie Lärm machen. Dann wird es wahrscheinlicher.“

Theo StodiekRedakteur
Theo ist seit 2025 Teil der Redaktion von Dartsnews.de und berichtet dort über den professionellen Dartsport. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Erstellung von Liveblogs zu großen Turnieren und wichtigen Ereignissen, darunter die European Tour und die PDC World Darts Championship (WM). Dabei begleitet er das Geschehen in Echtzeit und ordnet Ergebnisse, Spielverläufe und Entwicklungen fortlaufend ein. Darüber hinaus schreibt er aktuelle Berichte und Hintergrundtexte rund um die internationale Darts-Szene.
Seine journalistische Laufbahn begann Theo als Praktikant und später als Werkstudent beim Online-Gaming-Magazin EarlyGame. Aktuell studiert er Ressortjournalismus an einer Hochschule. Theo arbeitet aus München und ist in seiner redaktionellen Arbeit eng mit Nicolas Gayer und Oliver Ried vernetzt. In seiner Berichterstattung legt er Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, klare Einordnung und die zeitnahe Aktualisierung von Inhalten, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.
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Aktuelle Kommentare
- Keiner der Spieler darf sich über Pfiffe oder nicht vorhandenen Respekt beschweren. Ich war Donnerstag, Freitag, Samstagabend und Sonntagnachmittag vor Ort. Es war immer ein sehr faires Publikum. Und wenn Littler und seine Mutter jetzt auch noch respektvoll mit anderen Spielern umgehen, sollte den Aussagen von Littler nichts im Wege stehen.
Grobi25-10-2026 - Sorry, Mensur, zu spät. Wer solche Aussagen in tiefer Emotionalität äußert, der meint diese ernst. Denn das rationale Denken funktioniert in solchen (positiven) Stressmomenten seltens. Und wenn die Wahrnehmung so eingeschränkt ist, dass ich als Profispieler nicht mitbekomme, dass mein Gegner Matchdarts hat, dann stimmt in der Wahrnehmung etwas nicht. Also sorry, Mensur. Entschuldigung nicht angenommen, zumindest von mir. Und was vom Inhalt seines Statement ist mit KI geschrieben? Steht ganz oben. NI wäre hier angebracht gewesen.
Grobi12-10-2026 - Weiß man ob es die rechte oder linke Hand ist? In jedem Fall extrem bitter….Robertuil09-10-2026
- Ricke Evans ist Stand jetzt für die WM qualifiziert. Quelle: Dartsrankings In der ProTour Rangliste werden die Personen rausgerechnet, die bereits qualifiziert sind. Das hat der Autor hier nicht berücksichtigt.FabianD24-09-2026
- Aspinall lag 1:3 hinten , nicht 1:4 🎯Pool1809419-09-2026
- Was ein toller Mensch er doch gewesen ist. Der deutsche Dartsport wäre ohne ihn lange nicht da, wo er heute wäre. Super Artikel 👍ArturBoruc24-08-2026
- Und wer ist jetzt für Amsterdam qualifiziert?Julian1122-08-2026
- Er hat keinen Bock auf Deutschland und findet es hier schrecklich, weil er (zwei-)mal bei einem oder zwei Turnieren von einigen "Dartfans" ausgepfiffen wurde. Das mochte er nicht und deswegen bleibt es Deutschland fern. Ausnahme war der World Cup, da siegte sein Patriotismus und der Ehrgeiz, einmal alles gewonnen zu haben. Er hat es auch mal selbst so geschrieben bzw gesagt, dass er Deutschland (gemeint sind wahrscheinlich Turniere in Deutschland) schrecklich findet.
Grobi18-08-2026 - Danke für den ausführlichen Bericht über Jamie. Generell finde ich es klasse das du dich "fast vergessenen Spielern" annimmst. Wäre grundsätzlich bei Dartnews ein interessantes Dauerthema.XJRLion18-08-2026
- „Littler findet Deutschland einfach ein schreckliches Land“Reißerische Überschrift, aber Gründe lieferst du leider keine. Klar kann man verstehen das einige Topspieler, wie kürzlich Gary Anderson, sagten das er "keinen Bock darauf habe" mehrere Std. am Flughafen zu stehen bis es aufgrund aller Kontrollen weitergeht. Doch erklär uns, gerade aufgrund deiner Überschrift, bitte warum Luke scheinbar grundsätzlich keinen Bock auf Deutschland hat.XJRLion18-08-2026









